Der Rotstift

Der Rotstift unserer Kultur und das sterben aller Geschichten

Die Diskussionen über das für und wider der ‚Political Correctness‘, die derzeit mit sehr viel Hassrede durch das Internet schwappt, macht mich ein weiteres mal sehr zornig. ‚Zornig?‘, mögen Sie fragen, darf man das überhaupt so ausdrücken? Ist das nicht etwas zu heftig, als das ‚ungehalten‘ das bessere Wort wäre, um Unmut in Worte zu fassen?

Derzeit sehen sich Dienste der darstellenden Künste, wie beispielsweise Netflix und Disney+, dazu verpflichtet Proclaimer zu setzen; Vorworte, die explizit darauf hinweisen, dass der nun folgende Inhalt politisch Inkorrekt ist, man distanziere sich mit diesem Proclaimer ausdrücklich von der Verantwortung!

Als Erfolg dieser Handlungsweise erzeugt sie die immer größer werdende Gruppe derer, denen der Hinweis allein nicht genug ist. Sie fordern die Streichung von der Programmliste, bzw. das Herausschneiden fragwürdiger Szenen. Sie sehen es als unzulässig und herabwürdigend in unserer modernen Medienwelt immer noch mit solchen Archetypen oder gar klarer Diskriminierung geschmäht zu werden.

Die Liste der bedenkenswerten Medien ist lang und zieht sich quasi durch alle Genres. Aber am Erstaunenswertesten trifft es einen Erwachsenen wohl immer dann, wenn es um Filme und Serien geht, die man selbst als Kind schon viele Male gesehen hat und sich nun vor den Kopf gestoßen fühlt, da man quasi nachträglich unterstellt bekommt, man trüge Mitschuld an einem falschem Weltbild, welches nun mit wehenden Fahnen korrigiert werden müsse, um es nicht in die nächste Generation zu verschleppen.

Dumbo, Pinocchio, Pippi Langstrumpf, Die Muppets, Sesamstrasse, Schlümpfe, Tom und Jerry, Susi und Strolch, Aristocats, Dschungelbuch… eine endlose Liste, schon bei vermeintlich harmlosen Filmen und Serien, die als FSK 0 bis 6 eingestuft sind.

Es geht dabei nicht ausdrücklich um die falsche oder verächtliche Darstellung Schwarzer, sondern vielmehr um die falsche Darstellung aller Archetypen, die sich gegen die Diskriminierung wehren könnten: Vom angeblich kein ‚R‘-aussprechenden Chinesen mit deutlichem Überbiss zum gegenteilig unentwegt ‚R‘-rollenden Italiener.

Klischees, die uns unser Leben lang begleiten, so wie jeder Deutsche Lederhosen trägt, unentwegt jodelt und natürlich ein echter Nazi ist. Ich, Sie, Du – der Du das gerade liest; ach nein, Du nicht! Du bist immun! Aber du da hinten, du bist Nazi und Rassist, sehe ich am Augenaufschlag!

Wir machen diese Welt nicht besser, indem wir den Rotstift ansetzen, wir erreichen damit einzig das Gegenteil! Wir ändern unsere Geschichte nicht!

Die Christianisierung Europas und das gewalthafte Einnehmen von Afrika und Amerika können wir Europäer mit noch so viel Rotstift nicht ungeschehen machen, ebenso wenig wie zwei Weltkriege und die Atombombe auf Hiroshima.

All das sind wir und wir müssen uns dieser Ungerechtigkeit stellen, um es für die Zukunft besser machen zu können. Dafür ist Aufklärung nötig, ein ’nicht Vergessen‘, ohne dabei gleich Vorwürfe mitschwingen zu lassen.

Was würde passieren, wenn man den Rotstift an dieser Stelle hinnehmen würde, wo würde man die Grenze ziehen wollen? Allein bei der Hautfarbe? Bei der Religion? Reicht das?

Wir hatten eben schon den ‚R‘-rollenden Italiener und uns Deutsche im Weltbild; was ist mit den Klischees von Franzosen, Engländern, Niederländern, Bayern, Hamburgern, Altonaern, Herbertstrassenbesuchern, Männern, Frauen, einfach nur Kindern, Tieren und Pflanzen?

Sie mögen diese Frage zu Allgemein und unangebracht finden, da es schließlich um etwas sehr Ernstes und Sittliches geht! Dann könnte ich Ihnen beweisen, dass Sie falsch liegen und jegliche Publikation die ausreichenden Kriterien erfüllt, um dem Rotstift zum Opfer zu fallen! Jeder Film, jeder Roman, jede Serie, jeder Beitrag in den sozialen Medien v2.0 bis hin zu diesen Zeilen.

Sie werden immer jemanden finden, der sich mit dem geschriebenen Wort nicht einverstanden fühlt. Jeder dieser Antagonisten hat selbst, so wie der Schreiberling selbst, das Recht zu seiner Meinung. Das Impliziert aber nicht grundsätzlich, das seine Meinung mehr Recht hat, als die des ursprünglichen Schreibers. ‚Recht hat, wer am lautesten schreit!‘, heißt es deshalb ja auch nicht ohne Grund!

Sie zweifeln? Nehmen Sie ihre persönliche Lieblingsserie, Buch oder Film und lassen sie die erste Szene durchlaufen. Es ist dabei egal, ob Humor, Ernst, Krimi oder Historie das Thema ist. Dann machen Sie ‚Stop‘ und nehmen die Szene auseinander. Für Sie mag es eine banale Darstellung gewesen sein. Doch! Wer könnte sich über die Szene in Rage reden und warum?

Ist der Arzt mit der Darstellung seiner Zunft zufrieden, wenn dort Mediziner gezeigt werden, die bereits drei 24-Stunden-Schichten geschoben haben und sich nur noch durch Aufputschmittel wach halten, um ihre Pflicht an der Menschheit zu erfüllen? Natürlich ist das Teil einer möglichen Realität, aber will sich ein echter Dr. Brinkmann in dieser Rolle sehen, um so schlimmer wenn es Teil seiner Realität wäre?

Ist der Polizist mit der Darstellung eines Dank Schimanski archetypischen Ermittlers zufrieden, der in seinem Schmuddelaufzug saüft, rumhurt und sich Prügeleien hingibt, morgens nicht weiß wo er sich beim Aufwachen befindet? Für Sie mag das unterhaltend sein, aber für einen Polizisten, der sich bei der Berufswahl seinerzeit vielleicht lieber an einem distanzierten aufrichtigen Derrick orientiert sah? Für ihn ist die Darstellung moralisch falsch, gibt ein schlechtes Bild der Polizeiarbeit an die Zuschauer.

Dann war da noch die alte etwas senile Oma, die am Ende der Szene dem jungen Menschen vielleicht doch den Schneid abkauft, dennoch etwas ‚dumm‘ im Gesamtbild wegkommt. Mag eine alte Zuschauerin sich mit der Darstellung zufriedengeben? Muss sie damit das Weltbild über alte Menschen als senile alte Generation auf sich sitzen lassen? Wo ist also die Grenze?

Stellen Sie sich vor, dass der Schauspieler selbst sich nach Jahren von seiner Darstellung des nach Aussage der Fans besten Darstellung dieser Rolle überhaupt, von dieser Rolle distanziert und eine Streichung seiner Szenen verlangt. Seien Sie sich klar darüber, dass der Schauspieler das Recht dazu hat seine Leistung als ungenügend einzustufen, aus welchen Hintergründen auch immer.

Aber sollte er das Recht haben damit vor der Gesellschaft Recht zu bekommen? Stellen Sie sich die Piraten der Karibik ohne Jack Sparrow vor, den Herrn der Ringe-Trilogie ohne Gollum; nur weil den Schauspielern nach Jahren ihre Darstellung nicht mehr zusagt? Sei es, weil man sie auf diese Rollen distanziert, weil sie ihr eigenes Können mehr hätten zeigen wollen, als die Rolle es damals hergab? Muss der Film deshalb eingestampft werden?

Was dürften sogenannte und selbsternannte Comedians noch an Show darbieten? Grundlage jeden Witzes ist die Zurschaustellung von Unterschieden und Peinlichkeiten zwischen Geschlechtern, Politik, Religion, Völkern und Rassen. Wenn wir per Rotstift all diese heiklen Themen aus ihrem Repertoire streichen, machen wir sie nahezu arbeitslos.

Es sei denn sie machen sich nur noch über sich selbst und ihre eigenen Unzulänglichkeiten lustig, was gemessen an Rowan Atkinsons Mr. Bean auch lustig sein kann, aber noch lange nicht den Geschmack der breiten Masse widerspiegeln muss.

Bleibt noch die Fantasie. Diese sollte doch frei von Barrieren und rassistischen Vorurteilen sein, keine Zensur kennen. Zwerge, Elfen und Einhörner, aber auch Weltraumgeschichten wie etwa Star Wars und Superhelden aus den Studios um Marvel und DC Comics sind neben allerlei Märchen seit Grimms Ansammlung volkstümlicher Überlieferungen in diesem Genre vereint. Warum sollte man da den Rotstift ansetzen, wenn man doch nachweislich niemanden verletzt?

Nur mal als Anmerkung:

Grimms Märchen sind bereits durch den Rotstift der Gebrüder Grimm kastriert worden, da sie die Geschichten oft schon für zu böse hielten und lieber Hexen in Form von Stiefmüttern erfanden, statt die eigene Mutter jagt auf die lieben Kinderlein machen zu lassen, so wie es in der eigentlichen Erzählung gewesen war.

Der Gebrüder christliches Verständnis von Mutterliebe ließ dies nicht zu, also verstümmelten sie die Geschichten, die unter dem Aspekt der eigenen Mutter einen ganz anderen Kontext hätten, wenn man nur mal an Hänsel und Gretel oder Schneewittchen denkt. Bitter, oder? Aber auch Märchen spiegelten einst die Realität, die von Mund zu Mund ging.

Bei der Fantasie kommen dann die Realisten zu ihrem Rotstift. Jene, die einem wissenschaftlich erklären, dass das Gezeigte Humbug und fernab jeglicher Realität ist, es im Weltall keine Geräusche gibt, weshalb laute Weltraumschlachten Nonsens seien.

Verfolgungsjagden mit Autos durch eine belebte Einkaufszone, ohne Verletzte; fliegende Menschen, Zombies, Zauberer mit Feuerbällen dank Willenskraft.

Man sollte junge aufwachsende Geister nicht mit derlei Schund verkleistern! Auch diese Meinung kann man durchaus verstehen, also her mit dem Rotstift!

Jetzt haben wir noch übrig: Real-, Historien- und Pornofilme. Letztere sind schnell abgehandelt, da sie im Regelfall auch eher Männer zu einem einzigen Zweck anregen sollen. Und ob ihr Gestöhne nun real oder aufgesetzt ist, ist egal, solange es dem Endziel Samenerguss entgegen kommt. Es gibt seit Jahren Bemühungen auch mehr Filme dieser Art für Frauen attraktiver zu machen, aber ein Gros der Weiblichkeit distanziert sich an dieser Stelle wohl von diesem Genre.

Zu den Realfilmen zähle ich zum Beispiel auch autobiographische Filme, wie zuletzt Bohemian Rhapsody oder auch Rocketman, die geschichtlich betrachtet noch gar nicht so alte Geschichten erzählen. Trotzdem gibt es zwei gravierende Unterschiede beider Rockfilme.

Alle Queenmitglieder könnten Bohemian Rhapsody thematisch abnicken, da sie für die Szenen in denen sie selbst präsent waren, für weitestgehend authentisch erklären können; nicht so die Szenen in denen nur die Geschichte von Freddie Mercury und seinen Umgang mit seinem nahenden Ende erzählt wird.

Es kann so gewesen sein, wie es erzählt wird und stützt sich dabei auf Erzählungen naher Freunde und Bekannter des Rockstars. Aber muss das zwingend die einzige und echte Wahrheit sein?

Auf der anderen Seite Rocketman, finanziert und mitgestaltet durch Elton John höchst selbst. Was könnte echter sein? Dann kommt der Moment seines Durchbruchs, der Moment als er eins wird mit seinem Piano, alles um ihn herum entschwindet und er eigentlich erst der Rocketman Elton John wird, die selbsterfundene Figur, wie David Bowie’s Starman und Ziggy Stardust.

Der Realist mag an dieser Stelle mosern, da die Szene zu abgehoben ist. Dennoch muss man Elton John zugestehen, dass er es damals genau so empfand, wie er es uns jetzt darstellt. Warum sollte er uns anlügen im Bezug darauf sich so halbgöttlich und dennoch so angreifbar zu präsentieren?

Da er noch lebt kann man ihn fragen und er würde bestätigen: Ja, genau so habe ich es damals empfunden! Alles um mich verschwand und ich wurde eins mit dem Universum. Nur ich und mein Piano!

Machen solche Szenen den Film Rocketman weniger authentisch, obwohl der beschriebene Mensch es selbst so beschreibt? Müsste man also hier den Rotstift ansetzen und Elton auf den cineastischen Boden der Tatsachen zurückholen, während man bei Freddie Mercury nur vermuten kann?

Für sämtliche Historien- und Kriegsfilme gilt dasselbe. Kaum ein noch Lebender kann Vorurteilsfrei vom zweiten Weltkrieg erzählen. Wir müssen uns auf bereits erzählte Geschichten verlassen und auf den jeweiligen Blickwinkel.

Dabei spielt auch immer der Fokus des neu Erzählenden eine Rolle. Möchte er uns eine Liebesgeschichte innerhalb jener Zeiten erzählen? Ein Drama, oder vielleicht das grausamste was er sich vorstellen musste und drehen konnte, ohne sich auf Zensur einstellen zu müssen?

Ein Film, blutig und dennoch so authentisch als möglich, dass selbst der hartgesottenste Zuschauer die Augen zukneift oder zu Weinen anfängt?

Darf man soviel Gräuel nicht zeigen, wenn es doch die Wahrheit war? Wie viel darf ein Regisseur seinem Publikum zutrauen, als dass selbst eine Alterseinstufung von FSK18 nicht mehr ausreicht? Muss hier nicht der Rotstift her? Wenn es auch noch so authentisch ist?

Und was ist mit anderen Historienfilmen?

Nehmen wir mal Robin Hood, selbst wenn seine Existenz nicht bestätigt werden kann, wird dieser Stoff nahezu in allen Genres verfilmt: Als Zeichentrick, mit Tieren, als Liebesfilm, als Komödie, als Actionfilm und sogar als Versuch der historischen Erklärung unter Herbeinahme aller bislang bewiesener und angenommener Fakten, was natürlich einem Widerspruch in sich selbst darstellt, denn angenommene Fakten bezeichnet man schließlich als Fiktion.

Dennoch bezieht sich der Robin Hood-Film auf die Frage: Wie könnte es wirklich gewesen sein, hätte er tatsächlich damals gelebt? Der Stoff wurde also schon zig mal verfilmt und wird es auch in Zukunft erfahren, dennoch ist der Fokus immer ein anderer, wenngleich die Geschichte immer dieselbe bleibt.

Auf ebensolche Annahmen sind wir für alle anderen geschichtlichen Filme angewiesen. Wir können uns nur auf jene Geschichten verlassen, die uns überliefert wurden. Cäsar und Kleopatra, Troja, Ben Hur bis hin zu biblischen Monumentalfilmen wie die Zehn Gebote.

Es ist filmerische Freiheit eine Liebesgeschichte umrum zu stricken, das historische Gewand für eine ganz andere Erzählung zu benutzen und historische Fakten dabei auch derart umzumodellieren, dass es zur gewünschten Erzählung passt.

Hier kann man die Realisten gegen sich aufbringen, die den Rotstift wegen historischer Ungenauigkeiten ansetzen wollen. Gerade bei Themen rund um den Glauben führt fast jede christlich biblisch angehauchte Verfilmung zu großen Demonstrationen seitens vieler Gläubiger.

Wenn wir also auch hier noch den Rotstift zugestehen und uns sagen: ‚Nun ja, man kann den Protest aufgrund all dieser Widrigkeiten ja verstehen, also setzen wir einen Proclaimer, bzw. setzen die Schere an!‘, bleiben nur noch wenige erzählbare Geschichten über, ohne irgendjemanden falsch oder schlecht darzustellen, zu diffamieren oder bloß zu stellen.

Dabei muss man als Antirassist nicht immer gleich von negativen Assoziationen ausgehen. Nur, weil ein Ort oder eine Firma seit Generationen Neger heißt, muss daraus nicht gleich eine Verbindung gesehen werden, die es zu unterdrücken gilt.

Nur weil sich ein Weißer für den Fasching als Schwarzer verkleidet, muss man sich als Schwarzer nicht gleich beleidigt fühlen. Das muss nicht zwingend rassistisch gemeint sein, sondern ebenso den Widerstand gegen Rassenhass des Kostümierten zum Ausdruck bringen.

Ansonsten müsste man jedem Schwarzen Komiker unterstellen die Würde der Schwarzen in Frage zu stellen: Richard Pryor, Eddie Murphy, Will Smith, Whoopi Goldberg und viele andere sähen sich da vermutlich nicht als schuldig, da sie sich in erster Linie als Unterhalter sehen, unabhängig von ihrer Hautfarbe. So mimen Schauspieler wie Dwayne Johnson und Samuel L. Jackson gerne harte Typen im Kampf für die Gerechtigkeit.

Gerade Letzterer spielte aber schon recht kontroverse Rollen, wenn man z.B. an den ‚fiktiven‘ Hausdiener aus Django Unchained denkt. Ob es Schwarze gegeben hat, die tatsächlich soviel Macht über Sklaven ausüben durften?

Denkbar, wenn man überlegt das heute Kindersoldaten konfektioniert werden auf andere Schwarze und Weiße zu schießen, ohne die Wahl zu haben als Waffe missbraucht zu werden. Und an dieser Stelle stellt sich die Frage nach dem Rassismus überhaupt nicht mehr, sondern schreit vielmehr vor Fassungslosigkeit vor so viel Grauen, die Menschen Menschen antun können. Denn diese Kinder werden von Erwachsenen und anderen Kindern gedrillt, unabhängig ihrer Hautfarbe.

Um die Liedszenen aus Dumbo somit aus einem anderen Blickwinkel zu bewerten: Wurden diese Lieder früher so von Sklaven gesungen? Ja, wurden sie, ist also eine Tatsache! Sind sie erniedrigend? Weisen diese Lieder auf Sklavendienst und den Wert ihrer Arbeit in den Augen ihrer Weißen ‚Herren‘ hin? Ja, denn es sind Klagelieder!

Sollte man sie deshalb Schneiden oder explizit darauf hinweisen? Nein! Denn diese Lieder, so grauenhaft ihr Inhalt auch sein mag sind Teil der Geschichte der Schwarzen Amerikas. Diese Geschichte soll und muss erzählt werden. Und in Dumbo sprechen diese Lieder sogar für sich selbst und legen Zeugnis der Unterdrückung ab.

Wäre Dumbo als historischer Film mit dem Auftrag dahergekommen über das Unrecht der Sklaverei zu berichten, wäre das Liedgut als Zeitdokument in Ordnung gewesen, oder? Würde man einen Dokumentarfilm über die Bannliste dieser Filme und ihre Begründung drehen, wäre die Darstellung sowohl der Krähen als auch der Lieder Teil der Notwendigkeit und somit in Ordnung?

Schon die Darstellung im alten Dumbo könnte auf ein einfaches Hinweisen auf Ungerechtigkeiten zurückzuführen sein, statt boshaften Rassismus zu unterstellen! Walt Disney hat sich bei der Absegnung mit Sicherheit nicht gedacht:

‚Hey, dass ist doch einen Lacher wert weil Unterdrückung Schwarzer lustig ist und somit ein Schenkelklopfer‘, sondern vielmehr ein Gleichnis zwischen dem traurigen und sich nutzlos fühlenden Elefanten und den versklavten Arbeitern. Eine Ungerechtigkeit auf die Disney hier dezent mit seinen Mitteln hinweisen wollte, ohne gleich einen antirassistischen Film in die Kinos zu bringen, sondern auch Kinder dezent auf das Thema hinzuweisen.

Hätte Walt Disney damals einen schwarzen Jungen namens Dumbo eine ähnlich traurige Geschichte erleben lassen, hätte der Ku-Kuxs-Clan Disneys Studio abgefackelt. So tat er es hintenrum, um die Traurigkeit eines weißen Elefanten immer im Einklang mit der Ungerechtikeit den Sklaven gegenüber zu zeigen.

Die großen und alten Elefanten stehen für die Herrenrasse, die Unterdrücker, die Dumbos Mutter belächeln, Dumbo und den Rest des Zirkus als ihr Territorium ansehen und auslachen. Statt den Film also als Gleichnis zu sehen, wird dieser Versuch 2021 durch Disney+ unter Abbitte in Frage gestellt und somit sogar ins Gegenteil verdreht. Komische Welt, oder?

Ich verstehe den Protest gegen die Folgen der Sklaverei, die immer noch nicht vollzogene Gleichstellung von Schwarz und Weiß, den Kampf von Frauen gegen ihre Unterdrückung, den Kampf gegen Rechts, gegen Gewalt in der Ehe, Trolle im Netz – so wie ich es hier gerade versuche.

All diese Kämpfe verstehe ich und weiß auch, dass die Kämpfer und Kämpferinnen viel Kraft dabei brauchen, gerade wenn sie wie Don Quichotte feststellen müssen sich gegen Windmühlen zu stemmen.

Sie alle haben sich keinem leichten Kampf verschrieben. Aber sie werden die Barrieren in den Köpfen der Menschen und vor allem der künftigen Menschen nicht verhindern, wenn sie die Geschichte umschreiben, verbieten, leugnen oder deren Aufführung nur unter Protest und erhobenen Zeigefinger zulassen.

Ihnen bleibt nur, sich der geschriebenen oder verfilmten Geschichte zu stellen, Fragen der neuen Generation so gut und ehrlich als möglich zu beantworten.

Wenn ich aber als Erwachsener oder auch als Kind bereits im Vorwege darüber informiert werde, dass der folgende Inhalt bedenklich ist, schaue ich den Inhalt von vorne herein etwa nur noch unter skeptischer Einflussnahme, oder ich suche mir gleich etwas anderes, wo der Rotstift noch nicht angesetzt wurde.

Es ist nicht mehr die Geschichte vom traurigen großohrigen Elefanten Dumbo, der eines Tages entdeckt dass er Fliegen kann und auch etwas ganz besonderes und einzigartiges ist, sondern der geächtete Film, in dem man sich in jeder Szene die Frage stellt:

‚Und, war es das jetzt gerade? Waren es die Raben, die zur Zensur führten? Oder war es die Tatsache das Elefanten weder sprechen noch fliegen können, oder gab es einen blasphemischen Anlass zur Zensur?‘

Zum Glück stellt sich ein Kind diese Fragen am Wenigsten, sondern kann sich noch am ehesten auf die eigentliche Essenz der Erzählung orientieren.

Ich habe mir als Kind nie Gedanken über Ernie und Bert als erstes möglicherweise schwules Pärchen im Kinderfernsehen gemacht, über den zum Glück nie öffentlich vollzogenen Geschlechtsakt zwischen einer Sau und ihren Frosch Kermit, oder der Tatsache, dass sich ein kleines bärenstarkes rothaariges Mädchen selbst als Negerprinzessin tituliert und ihren Seemannsvater als besseren Piraten auch als Negerhäuptling vom Taka-Tukaland bezeichnet.

Denn an keiner Stelle von Pippi Langstrumpf wird dies aus Boshaftigkeit Lindgrens oder ihrer Pippi gegenüber Schwarzen gesagt, nicht einmal als Abwertung oder Erniedrigung.

Vielmehr stellt sich eine ausgeflippte andersdenkende Pippi auf eine Stufe mit ihren Negern und redet von Ihnen wie von ihrer Familie, die man als Kind gerne mal kennenlernen wollte. Und dass es sich bei der Insel Taka-Tuka nicht um Negerregion handelt, müsste mir ein Geologe erst einmal auf dem Globus nachweisen, da es die Insel natürlich nur in der Fantasie Lindgrens gibt und von Negern bewohnt wird, was ja eindeutig im Bereich des Möglichen liegt, ohne damit gleich sagen zu wollen alle Schwarzen seien Neger! Deshalb muss man die Bücher und Filme nicht bereinigen, um das N-Wort zu vermeiden.

Wenn ich als Schwarzer meinen Kindern gegenüber ein Problem mit Pippi Langstrumpf habe, muss ich es ihnen nicht vorlesen. Es steht mir frei Astrid Lindgren in meiner Familie zu ächten und meine Kinder so vor dem N-Wort zu schützen.

Oder aber! Ich stelle mich der Geschichte und warte auf die Frage der jungen Generation, was denn ein Neger überhaupt wäre. Und dann kann ich mich auf einen langen Vortrag zu dem Thema einstellen, den geschichtlichen als auch den bedenklichen Teil erklären, aus denen man heraus das N-Wort nicht so gerne hört und es daher ebenso wie alle anderen Kraftausdrücke wie bspw. Wichser, Arschloch und Nutte niemanden an den Kopf werfen sollte. So etwas kann und sollte man Kindern erklären können.

Stattdessen überlässt man es Schauspielgrößen wie Whoopi Goldberg ein Vorwort zur Tom und Jerry-Serie zu sprechen, nicht etwa wegen der recht deftigen Gewalt die schon immer in der Kritik besorgter Eltern stand, sondern wegen der Hausmutter.

Das ist jene Hausmutter, die im Regelfall nur als untere Hälfte einer erwachsenen Person in Schlappen und Hauskleid gezeigt wird, Tom maßregelt und beim Zuschauer deshalb auch am ehesten als Tom’s Frauchen interpretiert werden dürfte.

Mir ist noch nie in den Sinn gekommen, dass es sich bei diesen Füßen um eine schwarze Frau handelt und es sich in der Folge noch dazu um Rassismus handelt, gegen den man mit einem Vorwort für Verständnis Abbitte leisten müsste.

Das Kinder zu Jugendlichen werden, sich von den Vorschriften der Eltern nichts mehr diktieren lassen wollen, einander bewusst als ‚Bitch‘, ‚Nigger‘, ‚Assi‘, ‚Nazisau‘, ‚Digga‘, ‚Altaahhhh‘; weiß der Kuckuck was es noch alles an Schimpfworten gibt, sich auch mal freundschaftlich um die Ohren hauen und damit gleichzeitig auch fast lächelnd bruderschaftlich ‚Bro‘ meinen, mag im Hintergrund des Rotstifts an Literatur und Medien fast wie Hohn wirken.

Als Erwachsener wissen Sie, dass ein vermeintliches als ‚Bro‘ dahingesagtes ‚Ey Nigger‘ auch die Hemmschwelle runtersetzt, wenn diese beiden ‚Bro’s‘ sich dann doch mal nicht so gut verstehen, sie das gegenseitige entgegengespuckte ‚Nigger‘ und ‚Nazi‘ plötzlich doch als Beleidigung erkennen und auch so meinen, damit bewusst verletzen wollen. Zumindest für die Zeit des Streits.

Man versucht deshalb die junge Generation vor solchen Ausdrücken zu schützen und sie machen es eben genau deshalb zu ihrer Sprachkultur. Und sie machen dass nicht wegen Pippi oder den Muppets, sondern aus dem öffentlichen Verbot heraus, gegen die Regel, gegen die Gesellschaft, gegen die Macht der Eltern! Den selben Effekt sehe ich im Bezug auf die immer schärfer beobachteten Vorschriften zur sogenannten Nettikette und deren Ausschluss bei Nichteinhaltung.

Es ist im Netz wie im Leben. Ich kann um Höflichkeit bitten. Ich kann unhöfliche Gäste des Raumes verweisen, sie rauswerfen, wenn sie sich zur Wehr setzen und die Tür hinter ihnen schließen. Ich kann ihnen nicht verbieten mich weiterhin zu hassen und zu beleidigen, laut von draußen zu rufen. Als Gastgeber bleibt mir nur, die Musik lauter zu stellen oder die Polizei zu rufen. Zu guter Letzt kann ich die Sache meinem Anwalt übergeben. Mehr geht nicht, ohne mich auf die gleiche Stufe zu stellen, sofern ich mich für klüger und überlegen halte.

Wenn nicht, und darauf hofft natürlich auch mancher Internettroll, begibt man sich auf das gleiche niedrige Niveau und klatscht sich gegenseitig ab. Für die Trolle ist das Entspannung, für alle Opfer sehr mühselig und lästig. Der Troll baut so Stress ab, das Opfer baut Stress auf. Die Trolle werden aber auch deshalb zu Trollen, weil sie bereits im Vorfeld ihre Benimmregeln vorgesetzt bekommen. Wie unsere Tochter genervt äußern würde: ‚Regeln, Regeln, Regeln… KOTZ!‘ In der Folge hat man es mit mehr Trollen zu tun, als würde man Besuchern erst ab einem Übermaß an Kraftausdrücken mal eine Ermahnung zuschieben.

Es ist das World-Of-Warcraft Filterphänomen: Blizzard hat bereits sehr früh bestimmte Kraftausdrücke im Chat gefiltert. Wer sie eingibt, sendet nur Hieroglyphen. Der Angesprochene weiß daraufhin trotzdem, dass der andere einen Kraftausdruck aus der Liste benutzt hat, gleich in welchem Zusammenhang. Es ist quasi zum Sport der WoW-Trolle geworden herauszufinden, welche Begriffe nicht auf der Liste stehen, bzw. wie man diese trotzdem anwenden kann. Sie schreiben gesperrt mit Abständen oder rückwärts, Hauptsache man umgeht das Protokoll. So wird aus der vermeidlichen Hilfe zur Nettikette genau das Gegenteil erreicht.

Politisch stehen wir vor der gleichen Problematik. Wenn es nach der Masse im Netz und im Volk geht, müsste jegliche rechtspopulistische Meinung einen Maulkorb angelegt bekommen, ein Äußerungsverbot, eine eigene NAZI-Plattform notfalls, damit Facebook und Co. frei von dem braunen Dreck wäre.

Aber wäre das eine Lösung? Ich muss die Meinung meines braunen Freundes und Mitbewohners nicht teilen, ich kann ihn bei zu lauter Pöbelung bitten, sich an die Benimmregeln zu halten. Aber ich kann ihm grundsätzlich nicht den Mund verbieten. Mehr noch! Ich sollte ihm bis zu einem gewissen Maß auch zuhören und seine Sichtweise versuchen zu verstehen.

Denn die Grundessenz dessen was er sagen möchte ist vielleicht gar nicht so dumm, wie es sich im Ansatz durch laute Parolen anhört. Vielleicht findet man auch logische Gegenargumente, sofern man ihn zu einem Gespräch auf sachlicher Ebene bekommt, was zugegeben nicht immer einfach ist.

Man muss sich letztlich bis zu einem gewissen Grad auch mit dem Pöbel-Troll einlassen. Es ist auch ein Mitbürger und vielleicht nur gerade auf einem schlechten Weg. Wie er dort gelandet ist, was seine Geschichte ist, wissen wir nicht.

Aber erst wenn wir herausbekommen, was ihn auf diesen Holzweg gebracht hat, können wir ihm helfen wieder logische Einsichten zu bekommen. Wir können und wir sollten es zumindest versuchen, bevor wir ihn als Unheilbar aus der Gemeinschaft ausschließen.

Sie mögen an dieser Stelle ‚Nein!!!‘ rufen, ‚Muss ich nicht!!!‘. Natürlich haben Sie als Leser das gleiche Recht, sich auf Stur zu stellen. Sie können sich die Ohren zuhalten und ‚lalala‘ singen, solange der Rechte redet. Sie können sich einreden das aus dem Mund eh nur Schund kommt und dass dem ‚Nazi‘ am besten gleich der Kopf platzen sollte.

Das könnten Sie natürlich tun, aber dann verschwenden Sie Ihre und seine Zeit! Um so schlimmer, wenn andere ihm zuhören und um Sie herum immer mehr ‚Ja‘-Rufe an Ihren zugestopften Ohren abprallen, Sie aber nicht wissen zu welchem Thema diese Leute plötzlich ‚Ja‘ sagen, wo eben noch ein ‚Nein‘ vorherrschte. Sie haben plötzlich eine rechte Regierung vor sich und fragen sich wie das passieren konnte, nur weil Sie nicht in der Lage gewesen sind, zuzuhören – zu bewerten und Gegenargumente anzubringen, bevor zu viele ‚Ja‘ rufen konnten.

Es ist an Ihnen, dem Rechten zuzuhören und das Vorgebrachte so logisch als denkbar zu entkräften, wenn er ihrer Meinung nach falsch liegt. Anders kann Demokratie nicht funktionieren.

Machen Sie sich an dieser Stelle keinen Vorwurf, sollten Sie sich jetzt erwischt fühlen; schauen sie nur mal gelegentlich trotz aller Politikverdrossenheit einer Debatte zu.

Jede Partei klatscht blind für die Sprecher der eigenen Reihen, während der Rest am Handy spielt oder vielleicht sogar etwas anderes Politikfremdes abarbeitet. Sie sind nicht allein mit Ihrer Ignoranz. Wir alle bezahlen diese Leute dafür ein Spiegelbild unserer Gesellschaft zu sein!

Suchen Sie den Dialog mit dem Rechten also nicht, sind Sie mit den Fingern in den Ohren keinen Deut besser als der Rechte. Sie sind nicht kompromissbereit, redebereit, entgegenkommend, sondern sagen nur aus: ‚Ich will nicht, ich will nicht und ich will nicht!‘. Klingt am Ende kaum besser als der Troll, oder?

Rassismus, Antirassismus, Semitismus, Antisemitismus, Apartheid, Antiapartheid, Moral, Antimoral, Hass und Liebe. Das alles sind Kehrseiten der gleichen Medaillen. Wer zu sehr in eine Richtung ausschlägt, bekommt gewollt oder ungewollt den Gegendruck zu spüren. Kein Antirassist möchte für sich realisieren, dass je verbitterter er den Rassismus bekämpft, selbst zum Rassisten wird. Denn das eigentliche Problem steckt in ihm selbst, nicht in der möglichen oder sogar absichtlichen Provokation Dritter.

Ein Mensch, der liebt oder hasst ist aus seiner Mitte heraus, deshalb denken frisch verliebte nicht logisch, lassen Kritik an der geliebten Person nicht zu, treffen für Außenstehende unlogische Entscheidungen durch die rosa Brille. Wer hassen will, sieht in jeder Aktion seines Hassobjektes eine Provokation seiner selbst.

Der eine Nachbar mäht nur deshalb Sonntags den Rasen, weil er weiß dass er seinen Nachbarn damit zur Weißglut bringt. Pure Absicht, natürlich!

Dabei hat nur er selbst das Problem, weder die geliebte, noch die verhasste Person. Die Zielperson ihrerseits sieht die Welt aus eigenen Augen, mit möglicherweise ganz anderen Ansichten zu dem Liebenden oder Hassenden, dazu mit einem vollkommen eigenen Weltbild, in dem der andere, jener der in Liebe oder Hass gerade außer sich steht überhaupt keine Rolle spielt, außer als Statist mit dem Zugeständnis einer Sprechrolle.

Um bei dem Rasenmähen zu bleiben: Der Mähende ist über den Wutausbruch des Nachbarn vielleicht überrascht, da er eigentlich nur noch vor der neuen Arbeitswoche mähen wollte und es am Abend noch regnen sollte, daher Husch mal schnell den Mäher angeschaltet.

Er hat bis zu diesem Sonntag noch nie einen Gedanken an seinen Nachbarn verschwendet, während dieser seinen Mähernachbarn ganz genau fixiert hat und seit Wochen auf so einen Moment gehofft hat.

Der wütende Nachbar hat natürlich recht damit, dass er seine Sonntagsruhe als gestört ansieht, während er dabei nicht in Betracht zieht, dass der Mähende im Gegensatz zu ihm nur die Wochenenden hat, um solche Hausarbeiten zu erledigen. Es kommt also auch hier darauf an, wie beide Parteien miteinander umspringen und vor allem in was für einem Ton.

Und die Welt des Liebenden/Hassenden ist immer nur so groß oder klein, wie er es selbst zulässt. Deswegen liegen Hass und Liebe gefühlstechnisch auch so dicht beieinander, weil beide Gefühle sehr intensiv und irreal sind, mit Logik eben nicht erklärbar! Deshalb kann abgrundtiefe Liebe auch so schrecklich in abgrundtiefem Hass enden, aus gegenseitigem Hass aber auch Liebe entstehen.

Wir werden durch Verbote, Vorworte, Regeln und immer mehr davon keine bessere Gemeinschaft aufbauen, den Rassismus nicht besiegen und auch nicht dafür sorgen, dass sämtliche Vorurteile abgebaut werden. Jeder von uns ist einzigartig, hat seine Stärken und Schwächen.

‚Was? Ja, Sie auch! Wobei… Sie da ganz hinten vielleicht doch nicht! … Ausnahmsweise!!‘

Zu den Schwächen der meisten von uns gehört, dass er zu aller erst sich selbst und seiner Meinung vertraut, gefolgt dann von jenen die ihm äußerlich ähneln, oder ihn verbal bestätigen können und das auch tun.

Die Familie sucht man sich nicht aus, aber Freunde und Bekanntschaften rekrutiert man erst einmal aus diesem Gesichtspunkt heraus, weil es einem leichter fällt, da man sich selbst gespiegelt sieht.

Alle anderen Hautfarben, Religionen, Behinderungen, Sprachen und sonstige äußerliche Andersheiten sind erst einmal auf einem größeren Prüfstand, haben es schwerer zu einem Vertrauten zu werden. Jeder muss für sich erst einmal lernen, dass der ‚Fremde‘ genauso ein ‚Freund‘ werden kann, dass man gemeinsame Ansichten vertritt, ähnlichen Hobbys nachgeht und vom Lebensziel her auch nur ein harmonisches Auskommen mit dem Leben selbst sucht.

Aber grundsätzlich neigen wir dazu uns mit den unsrigen zusammenzurotten und die Außenwelt ein Stück weit auszusperren. Afrikaner unter Afrikanern, türkische Kulturvereine und Chinatown sind typische Beispiele.

In jeder Stadt und Gemeinde gibt es Viertelbildungen in denen Fremde ein Stück weit willkommen sind, aber nur wenn sie sich nicht einmischen. Das unterscheidet nicht nur Hautfarbe und Religion, sondern ebenso Arm und Reich, Gesetzestreu und nicht so Gesetzestreu, trennt Nachtleben und Drogenmilieu von Vierteln ’normaler‘ Familien mit Kikas und Schulen für ’normale‘ Kinder, vom sonstigen Abschaum menschlichen Vorhandenseins.

Ich schreibe es bewusst so aggressiv und nahezu anklagend. Ihnen soll bewusst werden, dass das normal ist und aus der Angst der einzelnen Gruppenbildungen heraus auch gar nicht anders sein kann. Wir neigen zu Rottungen Gleichgesinnter und folgerichtig zum Ausschluss aller anderen. So sind auch Rocker unter sich, Gamer unter Gamern und Eltern in Erziehungsforen. Wir alle grenzen uns ab und definieren uns ein Stück weit mit unseren Gruppen.

Wir brauchen diese Abgrenzungen auch, um uns selbst zu positionieren. Wir grenzen uns ab, indem wir bestimmte Kleidung und Schmuck tragen, die unserer akuten Meinung nach zu uns passt, wählen unsere Haustiergattung aus unserer persönlichen Vorliebe. Individualität ist wichtig für jeden von uns, kann aber von einem Dritten als störend empfunden werden. Es geht hier, wie die ganze Zeit dieses Schreibens schon, um Sichtweisen und Meinungen Einzelner in einer Gemeinschaft.

Dazu zählt auch der Irrtum. Denn nur, weil mein gegenüber militärisch angehauchte Kleidung trägt und einen Bürstenhaarschnitt oder Glatze hat, ist er nicht automatisch Kriegsliebhaber, Hooligan oder Nazi.

Aber er wird instinktiv erst einmal dort hin sortiert. Der Mann kann der liebste Vater sein, seinem Job tüchtig und gewissenhaft nachkommen, trägt die Kleidung weil er den militärischen Stil einfach durch ihre Schlichtheit mag und kurze Haare bzw. Glatze weil es einfach praktisch ist, oder seiner Schuppenflechte entgegenwirkt, oder er eh schon eine Halbglatze hatte und gegen Toupets ist.

Fakt ist, wir kennen diese Person nicht, sortieren sie aber instinktiv zu ‚fremd‘ und damit auch ein Stück weit zu ‚falsch‘ und ‚auf Prüfstand‘.

Wir werden nie alle einer Meinung sein und alle Vorurteile abschaffen können. Dazu müssten wir absolut einheitliche gleichgroße Ganzkörperuniformen tragen und jeden eigenen Gedanken in bester Star Trek-Borg-Manier zu einem Kollektiv gleichschalten. Die NSDAP war diesem Ziel in Deutschland schon bedenklich nahe, wenn man die Geschichte beschaut.

Was wäre heute, hätte Hitler die Weltherrschaft an sich gerissen und die Welt nach dieser Utopie umgeformt? Widerstandslos, alles ‚fremde‘ vernichtend, jedes ‚größer‘, jedes ‚kleiner‘, jedes ‚anders‘? Im Gleichmarsch voran? Denken schadet! Kaum zu glauben, aber ja – die Menschheit hätte heute tatsächlich den Weltfrieden durch die totale Vernichtung erreichen können, zum Preis eines völligen Verzichts auf freies Denken, Kultur oder freie Meinungsäußerung.

‚Quatsch!‘, mag ein sehnsüchtig träumender Altnazi rufen, ’natürlich hätten wir Meinungsfreiheit und Kultur!‘ Und ja, wir hätten diese tatsächlich, solange wir mit unserer freien Meinung und der Kultur den Rücken des Dritten Reichs bestärkt hätten.

Kritiker und wirklich anders Denkende würden verstummen oder verschwinden. So war es damals, so wäre es heute. Was können wir froh sein, das die Alliierten unsere Groß- und Urgroßväter gestoppt haben! Fragt sich nur, wer die heutigen Fanatiker stoppt!

Und nehmen wir doch gerade die deutschen Nachkriegsverbote als Vergleich zu der Präambel vor Filmen im Heute. In Deutschland gibt es ein striktes Verbot des Hakenkreuzes, immer noch! Jetzt lassen wir dumme und törichte Jugendliche mal außen vor, die aus Nichtwissen, Trotz und der Verlockung des Verbotenen heraus das Zeichen an Wände und Schultische schmieren, um sich als Böse Jungs zu etablieren.

Auch die deutsche Filmindustrie hatte sich lange an dieses Verbot zu halten. Da wir aber sehr viele Filme aus aller Welt in unsere Kinos holen, die wiederum nicht an das Verbot gebunden sind und sich mit der Aufarbeitung des zweiten Weltkriegs beschäftigen durften, wird natürlich auch als Zeichnung des abgrundtief Bösen das Hakenkreuz gezeigt. Dies ist aus dramaturgischen Wirkkräften der Erzählung wegen auch gar nicht vermeidbar. Jeder Mensch sollte um die Bedeutung dieses Zeichens wissen und weshalb man es eben nicht leichtherzig straflos dahinschmieren sollte.

Inzwischen dürfen auch deutsche Filmemacher das Thema Kriegsbewältigung endlich etwas freier aufgreifen, sogar durch neue Publikationen wie etwa ‚Er ist wieder da!‘ eine völlig neue Sichtweise und sogar humoristische Aspekte ins Spiel bringen. Wir als deutsches Volk, auch als neues vom damaligen Krieg unberührtes Volk, müssen uns an den Krieg der hier stattfand erinnern; an all die Falschheit, an die Gräuel, die Vorschriften und die nahezu perfide Selbstherrlichkeit die das damalige deutsche Volk zu Recht zum Scheitern brachte.

Ein weltweites und dauerhaftes Verbot des Kreuzes hätte aber auf Dauer ein Vergessen gefördert. So aber, bleibt die Symbolik, wir können uns erinnern und über die Vergangenheit diskutieren. Durch die Symbolik bleibt auch das Thema aktuell.

Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Deutschen nichts dagegen hätte, wenn man diesen Schandfleck ihrer großväterlichen Geschichte aus der Weltgeschichte streichen würde, als wäre es nie passiert.

Im Gegensatz dazu wollte kaum ein anderer Europäer und besonders kein Jude, dass das Schicksal gerade ihres Volkes dadurch in Vergessenheit gerät. Und auch das kann man wohl nachvollziehen.

Wir Deutschen, die wir uns trotz aller vermischten Völker als Deutsche fühlen und hier leben, müssen mit dieser Geschichte umgehen lernen, da sie auf Grund unseres Geburtslandes oder unserer freien Landeswahl ‚unsere‘ Heimat ist.

Wir werden immer damit leben müssen, dass uns jemand entgegen tritt und uns als ‚Nazi‘ beschimpft, nur weil er uns provozieren möchte oder seine Macht über uns zum Ausdruck bringen möchte, selbst wenn er sich mit der Nazikarte nur selbst ein geistiges Armutszeugnis ausstellt.

Denn niemand sieht uns ‚Weissbroten‘ an, ob wir nicht auch polnische, niederländische, dänische, amerikanische oder russische Wurzeln haben.

Zur Aufarbeitung der Geschichte der Schwarzen gehört also auch deren Befreiung, der Widerstand, ebenso wie Weiße, die schwarz angemalt auf der Bühne standen, aber auch aus heutiger Sicht unpassend erscheinende literarische Werke.

Nur durch ihre Existenz gerät das Ziel der Ausbrüderung nicht in Vergessenheit. Und deshalb braucht es Aufklärung und keine Verbote und erhobene Zeigefinger.

Wir haben im Laufe der jüngeren Geschichte; gerade der Geschichte der versklavten Ureinwohner Afrikas, dank großer Männer und Frauen viel in den Köpfen Vieler verändern können.

Die Lebensbedingungen sind schon sehr viel besser geworden, wenngleich die Gleichstellung und Gleichberechtigung immer noch nicht überall vorhanden ist und auch in absehbarer Zeit nie absolut vollzogen wird. Egal welcher Schwarze oder Weiße sich dafür einsetzt, könnten mit dessen Widerstand ebenso den Frieden auf Erden erzwingen wollen. Das wird die Menschheit niemals erleben!

Das soll nicht heißen, dass die heutigen Gleichstellungskämpfer aufhören sollen, da sie eh nichts erreichen könnten. Natürlich können sie viel erreichen. Sie können und müssen die Ungerechtigkeit weiter anprangern, um weiter Verbesserungen herbeizuführen und dafür sorgen, dass die Ungerechtigkeit vergangener Generationen nicht einfach vergessen wird.

Aber sie werden in diesem Kampf mit Verboten, Scheren und Streichungen nur das Vergessen und den Widerstand gegen ihr eigentliches Ziel fördern.

Selbst der durch die Medienverbreiter als guter Kompromiss eingestandene Proclaimer fördert nicht den ungezwungenen Umgang mit den dadurch denunzierten Werken. Ein zwangfreier Genuss ist somit nicht mehr mit dem Gewissen des Konsumenten vereinbar, da ihm hier ein schlechtes Gewissen impliziert wird, dass er nicht haben müsste!

Es ist wie das Lungenkrebsbild auf der Zigarettenschachtel! Zwar ein gut gemeinter Hinweis mit dem der Verbraucher auf die Gefahren des Rauchens hingewiesen werden soll, aber wer gibt ernsthaft wegen dieser Bilder das Rauchen auf?

Im Gegensatz kenne ich viele ‚jetzt erst recht!‘-Meinungen, gefolgt von Rauchern, die alle unterschiedlichen Fotos und Ermahnungsschachteln aus der ganzen EU sammeln. Das lässt Sie als Leser darauf schließen, dass ich sehr schwache Menschen in meinem Umfeld haben muss, denken Sie? Nein, es sind ganz normale Menschen mit normalen Reaktionen, wenn man ihnen diktiert was sie zu tun und zu denken haben!

Ich weiß, dass ich mich hier recht weit auslasse, Platz biete für allerlei Trolle, Rechte und überempfindliche Wächter über den angeblichen und alltäglichen Rassismus mir eine gehörige Portion Hass als Gegenreaktion rüberkommen zu lassen. Freunde, Mitbürger… macht das, wenn es Euch glücklicher macht.

Ihr würdet mir damit einzig zeigen, dass Ihr ein Problem mit mir habt, nicht dass ich eines mit Euch haben müsste. Für mich seid Ihr alle auf Eure Art einzig und unschätzbar und habt Euer Recht auf Eure Meinung.

Das impliziert nicht im Geringsten, ob Ihr mit Eurer Meinung mehr Recht habt, als ich mit meiner! Das soll nicht heißen, dass ich von übermäßigem Egozentrismus geprägt wäre und Kritik an mir abprallen würde, da meine Meinung die einzig wahre wäre; weit gefehlt.

Eine ‚Meinung‘ ist erst einmal nur ein momentaner Standpunkt, der gestern noch anders positioniert sein konnte und schon morgen durch Einsichten und Ansichten zu einer neueren hoffentlich noch reiferen Meinung mutiert.

Nur, wer seine ‚Meinung‘ verteidigt, sie unbeirrbar zementiert ist ein wirklicher und wahrhaftiger Dummkopf. Mir ist dabei auch egal, ob dieser Mensch Links, Rechts, aus der Mitte, Weiß, Gelb, Schwarz, Frauenrechtler, Hundehasser, Veganer, Genderfanatiker/-In, Hochschulprofessor oder Teil meiner Familie ist.

Wer seine Ideologie, so gering seine Anhängerschaft auch sein mag, über alle anderen stellt und dabei auf das Recht von Minderheiten pocht ist armselig!

Er hat Demokratie nicht wirklich verstanden, außer die Sache mit dem lauter Schreien für mehr Recht! Denn er hat lediglich ein MITSPRACHE-Recht und nicht automatisch RECHT, nur weil er einer Minderheit angehört! Er hat wie jeder andere EINE Stimme, die er einbringen kann, die ebenso viel Gewicht hat, wie alle anderen einzelnen Stimmen.

Ich gebrauche hier im Text auch diverse der deftigen Schimpfworte, die wir nicht in den Mund nehmen sollten. Aber man kann Klartext am einfachsten mit Klartext schreiben. Montagsmaler überlasse ich dem Fernsehen.

Somit entschuldige ich mich bei Ihnen für diverse unangebrachte Kraftausdrücke. Ja, bei Ihnen da links auch; Sorry, aber Sie schauen die ganze Zeit schon so skeptisch!

‚Hört der denn gar nicht auf zu Schreiben?‘, mögen Sie fragen: Doch, doch! Gleich ist des geschafft!

Nicht, dass Sie dem Irrtum erliegen für mich wäre es einfach hier öffentlich meine Meinung zum Thema Rassismus Kund zu tun. Dieser Text kostete einiges an Frustration über Jahre von Unmengen an Facebook-Posts zu den unglaublichsten total rassismusfreien Themen hinweg, der Erkenntnis, dass alle Menschen, mich eingeschlossen, sich sehr leicht manipulieren lassen; Teilen, ohne weiterzudenken, zu verurteilen ohne die Hintergründe zu kennen; zu denunzieren obwohl Zitate aus dem Zusammenhang gerissen wurden; einen Menschen auf seine wenigen Fehler zu degradieren, statt das Gesamtbild zu betrachten. Auch ich stelle mich Ihnen und der Öffentlichkeit hier, um von Ihnen falsch zitiert oder für einzelne Sätze einem Shitstorm ausgeliefert zu werden.

Das ist nicht leicht! Ich atme noch einmal kräftig durch und drücke auf ‚Öffentlich teilen!‘

Kay Fiedler

Und nun… zerTeilt mich, zerlegt mich, widerlegt mich!

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