Kategorien
Allgemein Keratokonus

Intracorneale Ringsegmente

Heute war ja mal wieder so ein Tag im Krankenhaus… Diesmal in der Uniklinik des Saarlandes in Homburg. Als ich im Mai schon einmal dort war, sagte man mir, ich bräuchte eine selbst zu bezahlende Privatsprechstunde. Ich bekam diese Stunde inkl. 5 Stunden Wartezeit. Das Ergebnis ist irgendwie ernüchternd, weil ich alles, was mir der mögliche Operateur sagte, bereits im Mai gesagt bekommen habe.

De facto: Die Kosten der OP sind zu 99% selbst zu tragen, Kostenpunkt grob 2000€, da wie schon 2010 beim X-Linking die Kassen die Intracornealen Ringsegmente-OP (Intacs) auch nach 15 Jahren Erfahrung mit der OP immer noch nicht im Leistungskatalog haben. Die Erfolgschance der OP liegt derzeit bei 70%. Die OP dient (mal wieder) lediglich dem Erhalt des Restsehvermögens. Es ist keine Verbesserung der Sehleistung.

Ob ich als Patient für das Intacs-Verfahren überhaupt geeignet bin, wird der Termin am 10.10.2015 zeigen.

Wer sich mal die Augenwerte und den Hornhautzustand näher ansehen möchte, dem habe ich hier mal die Unterlagen und die Messungen eingescannt.

Augenwerte 08/2015

Kategorien
Allgemein

Keratokonus – Ein Leben mit Behinderung

Mal wieder ein kleines Update zum Thema Keratokonus, Hörminderung und besonders meinen persönlichen Erfahrungen mit diesen Behinderungen als Teil meines Lebens.

Zur Keratokonus-Seite

Kereatoplastik 2012
Kereatoplastik 2012
Kategorien
Geschriebenes

Zu Gesund für einen Behinderten

Zu Gesund für einen Behinderten

Aber auch…

Zu Behindert für einen Gesunden

So muss ich es leider sehen, denn die Erfahrungen die ich spätestens seit meiner Augen-OP 02/1997 machen musste, zeigen mir dies nur allzu deutlich! Nach all den Einzelaussagen die mir gemacht worden sind, bin ich zwar gehindert, aber noch nicht behindert. Ich habe versucht damit zu Leben und dieses Leben zu gestalten. Doch die Welt außerhalb macht da andere Erfahrungen mit mir und ich bin es leid meine Behinderung zu ignorieren! Als ich 08/1998 erstmals einen Antrag auf Behinderung stellte, wurde dieser mangels des Erreichens der Mindestgrenze abgelehnt. Damals hätte ich Einspruch erheben müssen, aber ich konnte damals schon nicht mehr standhalten, war müde gegen Behörden, Ämter, ehemalige Arbeitgeber und nicht zuletzt mit meiner „Nicht“-Hinderung zu kämpfen. Also sagte ich „Ihr habt recht, ich bin nicht behindert!“, stand auf und versuchte es in den Griff zu bekommen!

Auf Bewerbungen, in denen ich die Hinderung gleich angab, bzw. in der Anlage das Arbeitsamt mir schriftlich Reha-Maßnahmen genehmigte, kamen grundsätzlich Absagen. Als ich anfing die Hinderung, als auch das Schreiben des Arbeitsamtes, auf Anraten der Groneschule, fortzulassen bekam ich auch immer wieder Jobs. Dabei musste ich schon immer mit einem schlechten Gewissen in die Bewerbungsgeschpräche gehen, denn ich musste meine möglichen Arbeitgeber von vorneherein belügen. Ich hasse kaum etwas mehr als die Lüge, aber hätte man mich sonst eingestellt? Also schwieg ich, schließlich ging es ja auch nur um Überbrückungsjobs bei Zeitarbeitsfirmen!

Doch zu welchem Preis? Die Bilanz: 5 Arbeitgeber in 4 Jahren. Der Ausscheidungsgrund ist immer ähnlich, auch wenn es nach außen nie so formuliert wurde: zu oft krank! Zu oft krank und ein wenig zu langsam!

Mein letzter Arbeitgeber gab mir inoffiziell zu verstehen, dass man mich mit dem Wissen meiner Hinderung gar nicht hätte einstellen dürfen. Wäre mir in den Einsätzen etwas zugestoßen, hätten sie großen Ärger bekommen. Gemäß dem Gutachten das vom Arbeitsamt erstellt worden ist, dürfte ich in meinen beiden erlernten Berufen gar nicht mehr eingesetzt werden. Eine wirkliche Alternative geht durch dieses Gutachten auch nicht hervor, denn der empfohlene Beruf des Lageristen ist mir zum einen fremd, zudem es nichts gegen die Wurzel des Übels unternimmt; die hohen Ausfallzeiten! Der indirekte Vorwurf des Faulkranks verfolgt mich dabei immer wieder und versucht mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Dabei brauche ich mir dieses schlechte Gewissen gar nicht einreden lassen, da ich wirklich erst dann zu Hause bleibe, wenn absolut nichts mehr geht!

Ich versuchte es auch schon, mich selbstständig zu machen, um mir meine Arbeitszeiten entsprechend selbst besser einzuteilen. Da ich es aber durch die vielen kranken Jahre bis dahin nicht geschafft hatte mir ein gewisses Polster aufzubauen, scheiterte es an der Finanzierbarkeit: Ich hätte nichts, ich wäre nichts, ich bekäme also auch nichts. So will ich ja gar nicht in dem Loch sitzen, aber das Leben drückt mich immer wieder dahin zurück.  Denn sowohl das körperliche als auch das seelische drückt zusätzlich auf meine Lebensqualität. So kämpfe ich durch die ständige Arbeitslosigkeit mit meiner Grundexistenz, bin mit einem Fuß immer in der Sozialabhängigkeit, rechne Monat für Monat damit, dass irgendeinem Gläubiger der Kragen platzt und der Kuckuckskleber vor der Tür steht.

Sehen Sie, sicher wäre eine Luxusvilla und eine Yacht am eigenen Anleger ein angenehmer Gedanke, wer würde da schon nein sagen? Im Moment wäre ich aber schon froh, wenn ich eine Tendenz sehen könnte, dass ich das was ich schon habe halten kann und in den kommenden Jahren vielleicht sogar mal eine eigene Wohnung habe, wie andere Mitmenschen auch, wenigstens mal alle 3-5 Jahre an die Sonne zu fahren, oder wenigstens die ganzen 80er-Jahre-Klamotten endlich mal wegwerfen zu dürfen, weil man gerade mal etwas flüssiger ist, um sich mal etwas modernes zu kaufen. Die meisten meiner Klamotten stammen noch aus der Zeit, in der meine Eltern sie mir gekauft haben. Wie soll ich denn aus diesem Teufelskreis heraus,  jemals auf einen grünen Zweig kommen?

Ich verkaufe mich gerne als deutsche Eiche, den 3-Wetter-Taft-Mann, äußerlich mag man kaum vermuten dass es innerlich eben ganz anders aussieht. Das die Verbitterung und mein spöttischer Sarkasmus über das Thema es immer aussehen lassen, als wäre alles in Ordnung mit mir, trügt. Ich fühle mich allein gelassen, machtlos gegen diese Gesellschaft, da ich nirgends dazu gehöre! Mein einziger Bonus in dem Dahinsiechen der Jahre ist, das jeder Absturz mich stürzen lässt, aber mich nicht tötet! Auch diesmal wird der Phönix aus der Asche wieder auferstehen, seine Faust ballen und seinen Platz in dieser Gesellschaft einfordern! Alleine kann ich es aber einfach nicht schaffen, daher muss ich auf die Hilfe der Menschen vertrauen, die mich über die Jahre gesundheitlich betreut haben, die die einzelnen Puzzleteile kennen und sie in Zusammenarbeit hoffentlich zusammensetzen können! Ja, ich hoffe auf Ihre Hilfe! Denn ich weiß nicht mehr weiter!

Wenn ich vielleicht aus medizinischer Sicht kein Behinderter bin, aus wirtschaftlicher Sicht bin ich es zweifellos, denn kein Arbeitgeber kann es sich erlauben eine Person zu beschäftigen, die nicht voll einsatzfähig ist und zudem so hohe Ausfallzeiten durch Kranktage hat. Ich kann auch keinem meiner Arbeitgeber einen Vorwurf machen. Wäre ich ein Arbeitgeber, ich täte mich auch nicht einstellen. Dennoch muss eine Lösung gefunden werden, mit der ich endlich anfangen kann mir meinen Lebensstandard aufzubauen, denn inzwischen bin ich auch schon 32, und mit dem Spruch: „Sie sind ja noch jung, sie haben ja noch alle Chancen“, konnte man mich als Twen noch beruhigen, aber mit ruhig stellen alleine ist es dann auch nicht mehr getan – oder darf ich mir den Spruch mit 50 etwa auch noch anhören?

Die Sehminderung allein macht mich nicht zum Behinderten! Die Hörminderung reicht ebenfalls nicht! Auch das seit Jahren sporadisch auftretende Herzrasen reicht nicht und unter Migräne und allgemein unter Kopfschmerzen leiden viele Menschen mit mir, wenn vielleicht auch nicht in dieser Häufigkeit! Das ich mit einem einfachen grippalen Infekt jedes Jahr alleine schon mehrere Wochen flach liege, wo andere im Schnitt eine Woche brauchen, lassen wir dabei mal außen vor. Meine letzte Erkältung fing ich mir Anfang Oktober 2002 ein und erst jetzt im Februar 2003 habe ich das Gefühl, das es nur noch ein kleiner Schnupfen ist. – das klingt doch eigentlich alles zwar nicht so ganz gesund, aber auch nicht wirklich krank, oder?

Aber ich bin nur ein einzelnes Individuum, dass durch die gleichzeitig einwirkenden „Kleinigkeiten“ zu dem schon vorher nicht sehr großen Selbstvertrauen immer mehr den Mut zu Leben verliert.

Jetzt, da ich mich dazu entschlossen habe, diese Zeilen zu Schreiben, kann ich sogar mal wieder ein wenig darüber weinen. … und ich dachte schon, ich könnte das gar nicht mehr…weinen! Ich sehe immer nur wie meine Mutter weint, wenn wir uns über dieses Thema unterhalten. Sie hätte mir ein anderes Leben gewünscht, dass weiß ich. Es tut mir weh zu sehen, dass ich ihr diese Sorgen machen muss. Als mein Vater Mitte 2002 mein Web-Tagebuch im Internet las suchte er besorgt Hilfe bei öffentlichen Stellen.

Dabei bräuchten sie sich keine Sorgen darüber machen, dass ich mir mein Leben nehmen könnte. Das kann nicht meine Aufgabe sein! Ich möchte nicht als Sensationszeile enden, die morgen schon vergessen ist. Da müsste ich wenigstens diese Welt retten oder vernichten dürfen, wenn ich mich dafür schon freiwillig opferte. Ein kleinerer Preis ist da kaum verhandelbar. Ich wünschte, genau wie meine Eltern, dass ich endlich mal wieder irgendeinen Erfolg haben würde, sei es beruflich, gesundheitlich oder auch nur zwischenmenschlich, aber seit Jahren drehe ich mich im Kreis!

Selbst die Fortbildung zur IT-Fachkraft hätten sich meine Eltern finanziell sparen können, ebenso wie ich mir die zwei Tage in der Woche, wo ich die Schulbank gedrückt habe, gemessen daran, dass ich den Beruf doch nicht ausführen kann. Gleich nach dem Kurs war mein Mut wieder da, jetzt nach zwei Jahren ist das Zeugnis kaum das Papier wert auf dem es geschrieben ist, gemessen an dem technischen Fortschritt. Die Firmen wollen Hochschüler mit Berufserfahrung, keine hochgedienten Hauptschüler! Wenn ich den Firmen dann auch noch eingestehen muss, dass ich körperlich nicht volle 100% habe, wen werden sie dann wohl einstellen? Mich?

Welche Möglichkeiten habe ich als b-hinderter Gesunder, bzw. gesunder G-hinderter? Als anerkannter Behinderter bzw. Erwerbsunfähiger bekäme ich immerhin eine kleine Grundrente und eine Förderung für eine Firma, die mich dann als Pflichtbehinderten einstellen könnte. Zumindest bräuchte ich nicht mehr zu Lügen, der Arbeitgeber könnte sich auf eventuelle Fehlzeiten und meine Langsamkeit einstellen und es Aufgrund der Förderung eher verkraften.

Damit lassen sich dann zwar immer noch keine großen Brötchen backen, aber immerhin wäre ich für den Arbeitsmarkt wieder brauchbarer, als im jetzigen Zustand! Zumindest sehe ich darin im Moment die einzige Hoffnung! Wenn Ihnen oder Ihren Kollegen ein besserer Weg einfällt will ich mir den Vorschlag gerne anhören!

Mit einer erneuten Operation des Auges allein ist mir sicher nicht geholfen! Mich allein psychisch wieder auf die Beine zu stellen und mir 100.000 Volt in die Arme zu spritzen, kann auch nicht die Lösung sein, wenn ich dann vollen Mutes wieder gegen die gleiche Mauer rausche!

Damit Sie nicht nur die nackten Berichte meiner Gesundheitsgeschichte vor Augen haben, sondern auch nachlesen können, wie ich mit diesen Dingen umgehe, möchte ich hier einmal einen eigenen Bericht geben, der auch viele Kleinigkeiten enthält, die ich oft in meiner inneren Hektik nicht erzähle. Einiges ist Ihnen sicher schon bekannt, aber sicher nicht alles!

Die Dickleibigkeit

Das dick grundsätzlich schon mal ungesund ist, weiß ich! Über die Jahre betrachtet, ist mein Bauch aber auch der Schild, den ich brauche. Zuletzt konnte ich mich Mitte letzten Jahres daran machen ihn abzulegen. Ich hatte einen Job, nix tolles, aber immerhin wieder feste Arbeit. Das Wetter lies es zu und ich fuhr viel Fahrrad, stellte meine Ernährung um und plante eigentlich dieses Jahr fit zu den Fighting Pirates zu gehen, um Football zu spielen. Dann kam die Grippe, ich war zu kurzatmig für jeglichen Sport, beruflich gab es schon erste Anzeichen für Ärger und ich zog die Pizza dem Reissnack vor. Seit die Kündigung da ist, finde ich die Bremse nicht wieder, ich wiege schon wieder über 100 kg, habe oft leichte Knieschmerzen und jappe nach fünf Stufen nach Luft. Wenn alles andere endlich wieder ins Lot kommen würde könnte ich die Wampe wohl sicher auch wieder in Angriff nehmen, aber derzeit brauche ich die Nervennahrung, ebenso wie meine 5 Liter Flüssigkeit, hauptsächlich immer noch Cola Light.

Die Ohren

Den eigentlichen Befund kann Dr. Spreter von Kreudenstein Ihnen sicher besser erklären, als ich. Den Hörtests der letzten grob 20 Jahre nach habe ich durch die Verwachsung, die chronische Mittelohrenzündung und der daraus resultierenden ersten OP „nur“ einen geringen Hörverlust. Aber im Leben äußert es sich eben völlig anders, als in der Hörkabine. Oft höre ich Hintergrundgeräusche bewusster, als das Vordergründige. Manche Personen in gewissen Tonlagen verstehe ich so gut wie gar nicht, oder nur durch ständiges Nachfragen. Einige Personen halten mich daher auch für dumm. Um mich davor zu schützen, gibt es in unwichtigen Gesprächen auch schon mal die Situation dass ich auf Durchzug schalte und einfach so tue, als hätte ich absolut alles im Griff. Das ist zwar auch keine Lösung, aber manchmal bin ich es einfach Leid, ständig nachzufragen, bzw. meinem Gesprächspartner mit meinem Ohr in den Mund zu kriechen. Zudem es dann wieder jene Leute gibt, die es als ebenso unhöflich empfinden, wenn ich sie beim Gespräch nicht anschaue. Oft habe ich das Gefühl zwei Gesprächen folgen zu müssen, obwohl nur eine Person mit mir spricht, aber ein zweites im Hintergrund abläuft. Stellen Sie sich einfach vor Sie setzten sich Kopfhörer auf und wollten sich mit mir unterhalten. Als wäre das allein nicht hinderlich genug speise ich Ihnen ganz ganz leise die aktuellen Nachrichten aufs linke Ohr.

Wesentlich gefährlicher sind aber für mich die Warnungen aus dem Hintergrund, weil ich Fahrzeuge oder auch mal Leute die mich vor etwas warnen wollen, einfach überhöre. Ob es sich dabei um meine natürliche Trägheit handelt, da ich gerade mal wieder total gedankenverloren durch meine Welt trampele, oder es wirklich nicht höre, weiß ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall ist es beunruhigend!

Lärmkrank?

Das ich nebenbei leicht lärmkrank bin weiß ich auch, denn totale Stille ertrage ich nicht! Selbst in der Nacht läuft meistens Musik oder TV, damit ich möglichst schnell Einschlafen kann. Ob es mehr dieses leise Grundpfeifen ist, dass mich sonst nervt, oder es mehr das Grübeln über mich und meine Situation ist, was mich schlecht einschlafen lässt, weiß ich ebenfalls nicht. Tatsache ist aber, dass ich kaum das ich mich dem Ton von Musik oder Film hingebe in grob 10 Minuten schlafe. Um ohne Lärm zu Schlafen muss ich schon extrem müde sein!

Die Hepatitis, die Zeit danach…

Um auch mal etwas annährend Positives schreiben zu können, keine Ahnung – ob mich die Hepatitis von damals heute noch irgendwie beeinflusst. Ich war zwar auch schon länger nicht mehr zur Blutuntersuchung, aber ich habe auch keine ähnlichen Beschwerden, wie 1991. Und in wieweit ich in späteren Jahren noch mal Probleme mit meiner Leber haben werde, ist mir Angesichts der momentanen Lage auch ziemlich egal. („Sollen alle Wehwehchen reinkommen, der Letzte macht bitte die Tür zu!“) – Nein! Im Ernst!

Sie Herr Dr. Sziegoleit, haben mir damals wirklich weitergeholfen, sonst würde ich mich jetzt auch nicht wieder an Sie wenden! Als ich nach meinem Aufenthalt in Bad Berleburg hier Arbeit suchte, konnte man mich mit dem „Alles wird gut, bist ja noch jung!“-Spruch wirklich auch noch beruhigen. Damals war ich ja nur ein Bengelchen von 22. Letztlich fand ich ja auch Arbeit und fing so langsam das Leben an. Ich fühlte mich wohl in der Firma, nahm über die Jahre schließlich auch wieder rasant ab (77 kg), fühlte mich dazugehörig, hatte meine ersten größeren Liebschaften und konnte mich trotz „Ohr“ verhältnismäßig gut durchkämpfen.

Nur ich hatte das Gefühl, meine Augen würden immer schlechter, immer häufiger hatte ich Kopfschmerzen, bis hin zu ersten Migräneanfällen. Als sich nach vielem hin- und her mit Kontaktlinsen rausstellte, dass eine OP mir wohl am ehesten helfen könne und nur knapp 6 Monate später eine entsprechende Hornhaut zur OP bereitstand, stoppte das Leben im Februar 1997 wieder aus vollem Lauf. Als sich die Ausheilung von angekündigten 4 Wochen immer wieder um noch mal 4 Wochen langsam aufs erste Jahr hin erweiterte platze meinem damaligen Chef verständlicherweise der Kragen! Er wollte mich loswerden, und da ich in die Aufhebung nicht einging, musste er mit der Kündigung warten bis ich nach zwei Jahren von der Krankenkasse ausgesteuert wurde, schon da war ich nicht wirklich gesund, aber ohne Möglichkeit mich zu wehren.

In dieser Zeit war auch mein erster Versuch auf den Behindertenschein, der dann ja scheiterte. Zwangsweise arbeitsfähig hatte ich dann doch nur die Chance einzuwilligen, oder der Drohung zu trotzen: „Herr Fiedler, wir sind hier kein Sozialunternehmen, entweder nehmen Sie die Aufhebung des Vertrages an, oder wir setzen Sie auf einen Posten, auf dem Sie garantiert versagen!“ Diesen Satz werde ich wohl nie vergessen, und dieser Firma gehörte fünf Jahre lang meine Loyalität! Naja, was soll man machen, wenn man so höflich gebeten wird? … man geht!?

Erst ein Jahr später schaffte es ein Freund mir so höflich in die Seite zu Treten, als dass ich den Mut fand mit ihm wenigstens auf einer Baustelle Hilfsarbeiten zu machen. Seither wechsele ich von einer Zeitarbeitsfirma zur nächsten. Zuletzt war ich ab 10/2001 mit kurzer Unterbrechung bei Manpower! Meiner damaligen Disponentin vertraute ich vom ersten Moment an und ich erzählte ihr auch von meinen Hinderungen, dass ich auch Arbeiten wollte, um mir zu beweisen, dass ich trotzdem arbeiten kann! Sie gab mir die Chance für einen 3 Monatsauftrag.

Danach kam Frühjahr 2002 mein Versuch der Selbstständigkeit, der ein Horrorkapitel für sich darstellte, da ich so wütend gemacht wurde durch Arbeitsamt, Banken und Sozialamt, dass ich wildfremde Menschen auf der Straße hätte angreifen wollen, nur weil sie freundlich lächelten. So wütend war ich seit meiner berühmt-berüchtigten Wutanfälle in der Hauptschule nicht mehr! Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können, hätte ich die Kontrolle wie damals komplett verloren! Aber auch da fing ich mich wieder, entwickelte neue Energie und meldete mich Mai 2002 noch mal bei Manpower.

Diesmal bekam ich einen unbefristeten Vertrag und alles ging auch endlich wieder aufwärts, wäre nicht die Auszeit um Weihnachten gewesen. Meine Disponentin, ging nach Hamburg und die Nachfolgerin wusste über die Hinderungen natürlich nichts, da darüber nichts in den Akten stand. Als ich es beiläufig bei einem Gespräch zur Sprache brachte war meine Kündigung quasi schon ausgesprochen. Die Offizielle Version lautet zwar mal wieder „aus betrieblichen Gründen“, aber das geschehe nur, um mir für zukünftige Arbeitgeber keine Steine in den Weg zu legen. Und so schließt sich der Kreis allmählich, denn jetzt sitze ich hier und schreibe diesen Text, um mich auf den Besuch bei Ihnen vorzubereiten.

Die Augen – Die Brille – Kontaktlinsen

Auch was die Augen angeht, kann Ihnen Dr. Dücker sicher bessere Auskunft zur Operation und die Folgezeit aus medizinischer Sicht geben. Aber wie lebt es sich, grob sechs Jahre danach? Ohne Sehhilfe bewältige ich die groben Dinge des Alltags mal gerade noch so, solange ich nicht überfordert werde. Mein Mitbewohner hat es aufgegeben mich auf die Haare im Waschbecken anzusprechen. Ich spül zwar immer einmal mit der Hand nach, kann die Haarchen aber einfach nicht mehr erkennen, ebenso wenig wie den Dreck auf dem Teppich. Wenn ich ohne Brille längere Texte Lesen soll, ist dieser Endpunkt schnell erreicht, da es mich einfach zu sehr anstrengt. In der Dunkelheit machen mir meine Augen immer noch schöne Facetten in alle Richtungen. Wenn dann noch Regen dazukommt, gebe ich auf. Der Winter mit seinen kurzen Tagen ist somit für mich immer besonders schwierig, da ich weder morgens noch abends gut sehen kann.

Die Brille hilft mir, wenn ich wie jetzt, Texte schreibe, auf der Arbeit, wenn ich eben auch keine Wahl habe. Aber wirklich gut ist das Sehen mit ihr nicht. Das Plus von etwa 5%, das ausreicht mir den Fliegendreck wieder in immerhin lesbare Buchstaben zu verwandeln, hat auch eindeutige Nachteile! Ich kann sie nicht über längere Stunden tragen, sonst sind stärkere Kopfschmerzen vorprogrammiert. Die Proportionen stimmen nicht wirklich! Manchmal vergesse ich schon, dass ich die Gläser noch aufhabe. Spätestens wenn ich dann losmarschiere bekomme ich über die Zeit Schwindelgefühle. Ich vergreife mich bei Dingen, des öfteren lief ich schon Kollegen und Möbel über den Haufen, weil ich einfach nicht abschätzen konnte, wie weit sie noch weg waren. Jedes mal, wenn ich die Brille nach ein bis zwei Stunden mal abnehme ist es wie ein kalter Schauer, der einmal quer durch meinen Kopf zieht, das rechte Auge zieht sich in seine normale Position zurück und es ist immer ein wenig erlösend. Wenn ich mich zu sehr in die Arbeit vertiefe vergesse ich diese Pausen schon mal und ebne den Weg zur Migräne.

Absolut hervorragend sehe ich mit den Kontaktlinsen. Damit sehe ich jeden Pickel in den Gesichtern meiner Mitmenschen, wie luschig ich mich mal wieder rasiert habe und das die Blätter an den Bäumen tatsächlich Adern haben. Selbst Gehwegplatten haben plötzlich eine Maserung. 120% Sehkraft hauen mich wirklich um und bringen mich auf einen ganz neuen Planeten! Aber Kontaktlinsen sind wirklich mal wieder ein Thema für sich. Die Hornhauttransplantation bekam ich letztlich auch aus dem Grund, dass sich einfach keine Linsen anpassen ließen, ohne dass sich dieses Fremdkörpergefühl besserte. Nach der OP mit all ihren misslichen Folgen, hieß es schließlich, mir könne man allenfalls mit Kontaktlinsen helfen. Dann hätte man sich die OP ja auch sparen können, aber wieder einmal vertraute ich auf die ermutigenden Worte von Dr. Johannsen, dem Linsenspezialisten, „Wir kriegen das hin!“ Aber das Problem war eher schlimmer geworden, anstatt besser! Gut, auf 1-4 gelegentlich sogar mal 8 Stunden Tragezeit kam ich auch diesmal wieder, aber das Fremdkörpergefühl wurde jetzt wunderbar durch die Narbe unterstützt. Kleine Bläschen schoben sich mit jedem Blinzeln zwischen Linse und Hornhaut, dass ich die Linsen auf alle Fälle nach spätestens 4 Stunden rausnehmen musste, da der Blick nur noch wie durch Milchglas war. 2001 versuchte ich es einmal mit weichen Kontaktlinsen, aber eine wirkliche Verbesserung der Sehleistung konnte nicht erreicht werden, auch wenn das Fremdkörpergefühl kleiner, aber eben auch nicht weg war.

Herzrasen

Ich kann gar nicht sagen, wann dieses Phänomen das erste mal auftrat. Ich weiß nur, dass es die ganzen Jahre über immer wieder sporadisch auftaucht, mal Monate lang gar nicht, dann mehrere Wochen in Folge, manchmal auch mehrfach an einem einzigen Tag. Ohne jeden Anlass fängt die Pumpe an zu rennen pocht so auffällig, dass man es auch von außen sehen kann und lässt mich zusammensacken. Ich war damit vor Jahren schon mal bei Ihnen, hatte aber nicht das Gefühl, dass Sie etwas gefunden hätten. Ich versuche seither immer wenn es passiert Leute zu finden und eine Hand von ihnen ungefragt in die Gegend zu legen. Inzwischen gibt es also schon eine Handvoll Leute, die es gezwungenermaßen miterleben mussten. Zum Glück sind diese Anfälle nie sehr lange, als dass ich mich schneller erhole, als sie sich dazu durchringen können, einen Rettungswagen zu rufen! Ich bilde mir diese Anfälle aber mit Sicherheit nicht ein!

Kopfschmerz/Migräne

Ich wache nahezu jeden Tag mit leichten Kopfschmerzen auf. Im Regelfall gibt es sich nach dem Frühstück, oder geht immerhin auf ein erträgliches Maß zurück, bei dem ich nicht mehr von Schmerz reden würde, sondern allenfalls von „da ist etwas!“. An den Tagen, an denen sich der Morgenschmerz nicht gibt, kann ich mir inzwischen sicher sein, dass ich spätestens zum Mittag nur noch sterben möchte! Ich kann mich dann gerade noch an meinen Namen erinnern, der Rest meiner Welt ist Schmerz! Nach zwei Aktren und einigen Stunden Ruhe gibt sich der Schmerz dann aber auch wieder. Nur in der Zwischenzeit bin ich zu absolut nichts zu gebrauchen. Die Wahrscheinlichkeit für stärkere Kopfschmerzen steigt, wenn ich für zwei Tage meine Cola absetze und ersatzweise auch weder Kaffee noch Schokolade habe.

Die Migräne befällt mich plötzlich, an Tagen an denen Momente vorher noch alles im Grünen Bereich war. Mit einem Mal spinnen meine Augen, ich kann keinen Punkt mehr fixieren, Menschen erkenne ich nur noch aus dem Augenwinkel. In dem Moment, da ich sie direkt Anschauen möchte, stehen sie im Loch. Um dieses Loch flimmert es immer, ähnlich dem Effekt von heißer Luft. Das Loch nimmt teilweise bunte Farben an. Am besten hilft mir da ein komplett dunkler Raum, bzw. die Augen komplett mit den Händen abdunkeln. Nach grob einer halben Stunde ist der Effekt entweder im Griff, oder geht in ebensolche kaum zu ertragenden Kopfschmerzen über.

Die Langsamkeit/Zeitgefühl

Ich beschwerte mich schon ein paar mal darüber, dass meine Zeit irgendwie nicht Laufen würde, dass alles um mich herum älter wird, … lebt – nur ich nicht. In die gleiche Richtung zielt es, wenn sich Leute um mich herum muckirren, ich sei zu lahmarschig. Die Jahre über führte ich es immer wieder auf die Ohren und später auf die Ohren und meine Augen zurück. Wenn ich eine Seite lese, lesen andere drei. Wenn andere einen Brief wie diesen formulieren brauchen sie dafür vielleicht zwei Stunden, ich schreibe seit heute morgen um 7 daran und inzwischen ist Mitternacht durch. Wenn ich behaupte mit Linsen käme ich in eine andere Welt so ist das wirklich keine Lüge, denn da ich ohne Fenster eh alleine in meiner Zweitwelt hocke, bin ich oft auch gedankenverloren darin zu Werke. Umso mehr erschrecke ich mich, wenn mich etwas von außen plötzlich aufschreckt! Wenn es aber um „zu langsam“ geht schaue ich mir nicht nur die letzten Jahre an, sondern erinnere mich auch an meine Lehre, an der es mir auch schon anhaftete. Als mir meine Eltern meine Vorschul- und Grundschulzeugnisse gaben, fiel mir die Kinnlade runter, denn auch schon da steht immer wieder drin: „vielfältig begabt, aber zu langsam!“ Es verfolgt mich also schon seit Jeher. Meine Zeit läuft einfach anders, aber woran liegt das?

Mein allgemeines Zeitgefühl stimmt auch nicht ganz. Auf der einen Seite versetze ich Freunde ins Staunen, wenn ich mich an gesagte Dinge erinnere, die Jahre zurückliegen, andererseits nicht weiß was ich zum Frühstück gegessen habe. Wenn ich mich auf zwei Wochen verabrede, Arzttermine schließe, oder mich unbedingt an etwas erinnern müsste, klappt das die erste Woche noch ganz gut, in der zweiten ist es fort. Wenn es dann nach einem halben Jahr plötzlich durch einen dummen Zufall ins Gedächtnis zurückkehrt kann ich diese Zeitspanne von einem halben Jahr nicht greifen. Eher fahren mich Freunde an, dass ich mich schon x Monate nicht gemeldet hätte, obwohl ich mich doch kurzfristig wieder melden wollte! Das es zwei drei Wochen mehr sind als verabredet, kann ich immer noch verstehen, aber das es ein halbes Jahr und auch schon mal ein ganzes Jahr war, haben sie mir auch schon vorgerechnet. Zunehmend verzettele ich mich mit zukünftigen Terminen, als dass ich mich mit mehreren Freunden gleichzeitig verabrede. Für derartige Zwecke gibt es Terminkalender, sicher! Aber Zeit ist für mich eben seit jeher eine nicht greifbare Masse.

Ich bin nicht dumm! Oder wollen Sie etwa etwas anderes behaupten? Schreibe ich dumm? Einiges ist mir sicher nicht von Vorteil, aber ich muss es einfach so schreiben, wie ich es sehe und empfinde, schließlich möchte ich Hilfe. Dennoch habe ich oft das Gefühl, dass mir die Jahre in denen ich krank war einfach auch im Leben an Erfahrung einfach fehlen. Ein im Geiste 16, vielleicht auch mal 18-jähriger, mit dem Pass eines inzwischen 32-jährigen, Gefangen in einem umso schneller alternden Körpers. Nur selten ist das Zeitgefühl anders herum, springlebendig dafür arg senil. Bei mir tickt es im wahrsten Sinne des Wortes also nicht so richtig!

Philosophisch bin ich in allen Leben, in allen Zeitzonen. Es scheint meine einzige wirkliche Begabung zu sein – ein seit frühester Kindheit philosophischer sarkastischer Bastard, den die Leute oft nur für einen lustigen aber auch leicht morbidhumorigen Zeitgenossen halten, ohne zu sehen über wen ich hier am meisten Lache! Mein bitterböser Sarkasmus gegen mich selbst hält mich aufrecht, mit diesem Gefühl möchte aber ungern erst 40 werden, ehe ich merken muss, dass da ein Leben vor dem Tod existieren könnte. Tut es? Dann wird es Zeit mich dahingehend „sehend“ zu machen.

Ich möchte auf eine „Zukunft“ schauen dürfen und nicht nur auf die Scherben die mein Leben darstellen…

Während des Schreibens kamen mir auch diesmal wieder Gedanken über meine und die weltliche momentane Situation, die Frage über den Krieg und die Folgen, ob es meine Bemühung vorher noch etwas erreichen zu wollen wert ist, und nicht nur mein letztes Lachen verschlingt! Und so wird aus dem alten Witz des untergehenden Schiffes, bei dem alle Frauen nach links in die Boote sollen, und alle Männer nach rechts in die Boote, der Zwitter mit untergeht eine kleine Geschichte. Diese Geschichte soll aber auch zeigen, dass mein Überlebenswille stärker ist, als dass ich das Ende verpassen wollte. Es wird immer irgendwie weitergehen und ich werde meine Rolle finden, die ich auszufüllen habe.

Kategorien
Geschriebenes

Geschützt: Oh Mann!

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anschauen zu können, bitte das Passwort eingeben:

Kategorien
Geschichten Geschriebenes

Freak! Was nun? (1996)

Freak!

Was nun?

 

Gedanken und Geschehnisse aus dem Leben eines Freaks von Kay Fiedler

Unglaublich viel Zeit…

Hat man, fährt man jahrelang mit dem Auto, dann plötzlich und schließlich öfters mit der Bahn. Man steht ständig unter Strom, am Arbeitsplatz, im Auto, beim Wochenendgrillen mit den Freunden, beim Fernsehen – ja, – fast immer ist man so beschäftigt, daß vielleicht mal der Körper, aber kaum der Geist zur Ruhe kommt. Und dann sitzt man plötzlich in der S-Bahn. Weniger aus Überzeugung, als vielmehr aus dem Gedanken heraus sich nicht mit dem Wagen durch Hamburg zu quälen, eine halbe Stunde und mehr durch Ampeln, parkende LKW´s und verstopfte Baustellen zu rollen und am Ende genauso viel Geld für eine Stunde Parken zu investieren, wie für zwei Bahntickets.

Hier sitz ich also, Station Elbgaustraße bis Hamburg Hauptbahnhof. Selten sehe ich so viele fremde Gesichter so zusammengewürfelt wie hier. Früher, da bin ich fast täglich mit der Bahn gefahren, aber damals fielen mir all die kleinen Details kaum auf; All diese Feinheiten in den Gesichtern; Die Grübchen am Kinn, die kleinen Lachfalten, allerdings auch keine Tränensäcke, Bankkaufleute mit wichtigen Aktenkoffern, Penner im eigenen Saft. Früher, da empfing ich höchstens den Schweiß der anderen, ihre Gespräche, ihr albern und kichern und dann und wann die breite Schlagzeile der Tagespresse. Mehr war da nicht.

Doch heute sehe ich sie ALLE! Mitmenschen sind jetzt plötzlich mehr als nur fleisch-rosige in Textile verpackte Maße, ähnlich einem selbst. All diese Schaufensterpuppen hatten noch vor einigen Monaten etwas gemeinsam,- keine Gesichter.

In der Schule hielt man mich für Kontaktscheu. Nun ja, das stimmt wohl. Ich hatte immer Angst vor meinen Mitschülern. Mit vierzehn hatte ich Angst vor den Mädchen, mit sechzehn wollte ich sie alle haben und heute würde ich mich mit einer begnügen, wenn es nur die richtige ist. Die Woche dreimal Sex, ein Kind, Sprechstunden nach Vereinbarung,- ach ja – sie geht arbeiten, ich hüte die Kinder und mache den Haushalt. Das nenne ich emanzipiert. Aber da gibt es leider noch ein Problem.

Sicher, so mancher hat Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen, doch selbst die schrägsten, als auch die biedersten Menschen verlieben sich mal. Sie denken nicht daran, haben vielleicht auch schon die Hoffnung aufgegeben und Peng! Da steht er oder sie… Ein Augenfunkeln – ein Blitz und alles ist klar. Sie bleiben ihr Leben lang zusammen, lieben sich, oder lieben sich zu Tode. Die Frage bleibt, warum geht es mir nicht so?

Muss ich erst eine Anzeige aufgeben: „Teddybär, 25 Lenze sucht Biene, zwecks gemeinsamen Honigsammelns“? Mit 18 wäre eine solche Anzeige aus meiner Sicht schier unmöglich gewesen, aber heute? Warum nicht? Aber was dann? Wie sieht das erste Treffen aus? Wie sieht SIE aus, welche Vorstellung hatte sie wohl von mir? Ich habe einfach Angst vor so einem Blind Date. Ihr etwas über mich zu erzählen fiele mir Aufgrund der wenigen Schnörkel, die mein Leben bisher zu bieten hatte, verdammt schwer.

Als Kind war ich immer und zu jeder Jahreszeit krank. Ich kenne die meisten Krankenhäuser in und um Hamburg und habe keine Angst mehr vor Operationen. Ich habe eine chronische Mittelohrentzündung und kann  von daher nicht allzu gut hören, außerdem hat sich in den letzten fünfzehn Jahren meine Sehkraft auf links 30 und rechts auf 70 Prozent verschlechtert. Ich bin 186 cm groß, dunkelhaarig, dick. Ja ich habe zwar über zwanzig Kilo abgenommen, aber neunzig Kilo sind mir immer noch zuviel. Ich war in der Schule ein Streber und wurde ständig verprügelt. Mein Intellekt war überentwickelt und alles langweilte mich, während meine Mit-Teens bereits schwer rumturtelten, tobten, liebten und für das wirkliche Leben lernten. Mit fünfzehn bekam ich meinen ersten eigenen Computer, seitdem hatte ich immerhin ein Hobby. All meine Freunde, sofern man von Freunden reden konnte, waren auch Einzelkämpfer, Freaks – wie ich.

Soviel zu den Fakten, soweit ich sie mitteilen möchte, soweit ich sie mitteilen würde. Viele meiner Freunde kennen diesen wirklich spannenden Lebenslauf längst, aber welcher fremden Frau mag man so etwas sagen, sofern man sie nicht sofort vergraulen möchte.

Gut, seit etwa vier Monaten trage ich nun Kontaktlinsen. Die Konturen werden nun endlich scharf und ich habe zunehmend das Gefühl, bisher blind gewesen zu sein. Meine Mitmenschen senden tausendfach Signale, gewollt, oder ungewollt. Ihre Augen sprechen, und ich konnte es all die Jahre nicht sehen. Auch ich habe jahrelang nicht mit ihnen gesprochen. Wie denn auch, ohne Augen? Wie hätte ich mich verlieben sollen, können, dürfen? Gerade jetzt schaute ich kurz von meinem Text auf und blickte in zwei himmelblaue leuchtende Augen, tief, tiefer. Für einen kurzen Moment waren wir zwei die einzigen Lebewesen in dieser S-Bahn. Sie lächelte und mein Mund konnte nicht anders, als verlegen zurück zu lächeln, ehe ich mich wieder hinter mein Papier verkroch. Was passierte dann, werden Sie sich jetzt wohl fragen. Sie erwarten jetzt möglicherweise eine Lovestory. Aber Sorry, damit kann ich nicht dienen. Ich hätte jetzt natürlich weiter Blickkontakt suchen können, um schließlich einen kleinen Augenflirt in eine plumpe Anmache zu verwandeln. Aber wie ich bereits schrieb, wüßte ich sowieso nicht, wie ich mit einer Frau, noch dazu mit einer völlig Unbekannten umgehen sollte. Von daher verbuchte ich lieber ein kleines Plus für den langen und liebevollen Blick, als ein dickes Minus für einen darauf folgenden Korb. Dieser kleine und doch so wichtige Prozeß des ersten Augenblicks war mir bisher vergönnt. Ich glaube, ich sollte viel öfter S-Bahn fahren.

Doch jetzt lassen Sie mich noch ein wenig weiter an mir rumnörgeln. Ich bin nun mal verdammt selbstkritisch, dafür kann ich nichts. Aber wäre ich nur halb so selbstkritisch, würden sie wohl kaum diese Zeilen lesen, da sie wahrscheinlich nicht existent wären.  Zum Glück weiß ich aber, daß auch Sie nicht frei von Fehlern sein können, sonst hätte Ihnen weder die Kladde noch der Titel dieses Buches zugesagt. Oder hat man Ihnen dieses Buch etwa geschenkt? Dann bedanken sie sich bei der Person, denn wenn diese Sie vielleicht auch für einen Freak hält, so scheint sie doch sagen zu wollen: Kopf hoch, da draußen sind noch mehr – und schlimmere!

Schön und gut, ich kann wieder sehen. Doch die lange Einsamkeit und die Angst vor den Gesichtslosen hat mich auch sprachlich beeinflußt. So stolpere ich, sofern ich aufgeregt bin, was bei Frauen unweigerlich der Fall ist, über meine Zunge. Daraus folgt: Je mehr ich eine Frau mag, desto mehr halte ich mich in ihrer Nähe auf und desto weniger rede ich mit ihr! Interessanter Weise löst sich das Stottern meist schlagartig, wenn ich im Laufe der Zeit erfahre, daß sie bereits in festen Händen ist. Plötzlich kann ein lockeres entspanntes Gespräch stattfinden, da ich ja eh keine Chance hätte. Leider kann ich gegen diese tiefe Angst und Schüchternheit kaum etwas tun. Und oft ist die Angst vor Zurückweisung mindestens so groß wie Angst vor meinem eigenen Mundwerk.

Oh´ meine Worte sind meist, wenn ich denn schon mal rede, gut gewählt. Mein Scharm entspricht einer Chilibohne im Keksriegel, oder zumindest Senf in einem Berliner. Mein Sarkasmus als auch mein Humor gelten als Rasiermesserscharf und landen ihre Schläge nur selten oberhalb der Gürtellinie. Das geht bis zu selbstzerstörerischen Aussagen über mich und schrecke dabei auch vor meinen besten Freunden nicht zurück. Hinzu kommt eine Stimme, die leider immer viel zu ernst und zu verurteilend wirkt. Ich weiß nicht warum das so ist, aber es ist so. Konnten meine Fäuste nie wirklichen Schaden anrichten, mein Mundwerk konnte es – seit jeher!

Sie müssen schon entschuldigen, aber auf irgend etwas muß man Stolz sein, was bleibt einem sonst? Ein allzu schwer verletztes Selbstbewußtsein sucht sich bloß einen über die Autobahn hoppelnden  Brückenpfeiler, oder begeht Bungeejumping ohne Seil. Dann bin ich doch lieber Stolz auf die zerstörerische Kraft meiner Worte. Klar! Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß sich in meinem Leben noch etwas Entscheidenes ändert, das ich mit der Macht meiner Worte auch Halt und Trost geben kann; aber im Moment brauche ich diese Macht, um mich selbst zu bestätigen und um sagen zu können: ICH. Das war nicht immer so.

Zeitweise fühlte ich mich so wertvoll wie die Mona Lisa…

…auf der Rückseite einer Müslipackung. Als was? Ganz egal, vielleicht als Abzieh- oder Sammelbild, oder auch als Quizfrage, etwa „Wer malte dieses Bild und wo hängt es aus?“- Irgend so ein belangloser Schrott aus unserer aller Umwelt, wie wir ihn täglich vor Augen haben, ohne noch groß darüber nachzudenken. So fühlte ich mich also, und die Welt da draußen tat das ihrige dazu, damit dieses Gefühl blieb.

Mein zweiter Lehrherr und sein Meister ließen mich nur niedere Arbeiten ausführen, als da wären Müll zur Verwertungsanlage bringen, Schrott zum Schrottplatz fahren, Fahrzeuge beim Importeur abholen, Ersatzteile besorgen, verbogene Kleinteileregale im ehemaligen Hühnerstall aufbauen und Ähnliches. Sicher kann einem Lehrling zugemutet werden, daß er die Werkstatt fegt, aber erstens nicht ständig und zweitens wohl kaum als angehender Bürokaufmann. In den ganzen vier Monaten, die ich dort aushielt, hatte ich das Büro, welches mein eigentliches Lehrdomizil hätte sein sollen, nur zweimal gesehen: Das erste Mal zur Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages, ein zweites Mal, als ich einen schriftlichen Vorgang suchen sollte.

Bei diesem zweiten Besuch war ich immerhin schon den zweiten Monat beschäftigt, und der Ausbildungsvertrag lag unbestätigt, nur vom Chef und von mir unterschrieben neben der Schreibmaschine. Genau an diese Stelle legte er ihn, als er ihn damals aus der Maschine zog und da lag er noch. Ich machte mir schnell eine Kopie des Vertrages und legte den Vertrag wieder neben die Maschine. Am Nachmittag fragte ich dann den Chef, was mit meinem Vertrag sei, dieser antwortete: „Ja, da muß ich mal mit der Kammer telefonieren, der müßte ja schon lange wieder da sein! Nachher haben die ihn noch verbummelt!“-AUS!

AUS! Sorry, aber daß war ein volles Aus! Hätte er gesagt:“Tschuldigung, hab ich noch gar nicht abgeschickt“, oder ihm wäre spätestens jetzt eingefallen das er ihn vergessen hat, ja – selbst wenn er gesagt hätte, daß er ihn, aus welchen Gründen auch immer, erst nach der Probezeit hätte losschicken wollen…  Alles wäre besser gewesen als diese klare Lüge! Die Vertrauens- als auch die Vorbildfunktion die ein Chef innehaben sollte war somit zerstört. Zwar habe ich meinen Vertrag wenige Wochen später von der Kammer bestätigt zurückbekommen, aber sowohl die Tätigkeitsqualität als auch die Vertrauensposition haben sich nicht mehr geändert. Stattdessen gab es fast immer etwas an meiner Arbeit auszusetzen. Es wurde nicht darüber diskutiert, man wurde einfach nur zusammengeschie…PIEP!

Dann und wann hätte ich gerne mit meinem Chef gestritten, aber seine Frau warnte alle Mitarbeiter eindringlich davor. Der Gesundheitszustand ihres Mannes sei so schlecht, daß er keinerlei Aufregung vertrüge. Wir sollten ihm jeglichen Streß vom Leib halten. Und ich fügte mich seiner Frau. Sie war das direkte Gegenteil zu ihm, herzensgut, mitfühlend und immer für die Angestellten da, wie eine Glucke zu ihren Küken.

Klar, ich hätte trotzdem mit ihm streiten können, aber was hätte ich getan, wäre er deshalb tot umgefallen? Es wäre zwar sicher manchmal der sehnlichste Wunsch eines Tagelöhners, daß der Chef einfach tot umfällt im Moment des Affekts, aber was passiert dann, wenn man sich wieder beruhigt hat? Da würden kleine rote, möglicherweise gehörnte Männchen, oder gar der Chef selbst erscheinen und einem leise ins Ohr singen: „Mörder, Mörder, Mörder!“. Also läßt man die Streiterei bleiben und schluckt den Ärger runter.

Das funktioniert eine Zeitlang auch ganz gut. Menschenaffen und Staatsoberhäupter würde ständige Kritik möglicherweise am A….. vorbeigehen, aber einem eh angeknacksten Ego eher die Nahrung geben die es braucht, um kräftig unf stark zu werden. Dann bleiben einem nur noch wenig Möglichkeiten:

 

  1. Man sucht sich den bereits erwähnten Pfeiler auf der Autobahn, dann steht in der Zeitung die Aussage einer Nachbarin: Sehen Sie, ich hab´s schon immer gewußt. Mit dem Jungen stimmte was nicht, der war immer so ruhig. Die armen Eltern.
  2. Eines Tages ist das Maß so voll, daß man wirklich nicht mehr diskutiert – geschweige denn wartet, bis der Boss Tod umkippt. Nein! Man springt ihm oder irgend jemand anderes an, der einem gerade stichelt und bereitet ihm ein Ende. In der Presse stände dann etwa folgendes: Der Azubi Kay F. aus G.N. (20) ging ohne ersichtlichen Grund auf die Angestellten der Fa. XY los, erstach den Inhaber, dessen Katze sowie den Kunden Helmut K. und stürzte sich anschließend mit Schaum vor dem Mund auf die Bahngleise, wo er versuchte einen Zug aufzuhalten und alle Insassen als Geiseln zu nehmen. Leider hatte der herannahende Güterzug seine Lok hinten.
  3. Man fängt an, sich selbst zu belügen: „Ja, Ja – Auf! Auf! Den heutigen Tag schaffst Du auch – Nur Mut!“ Aber auf Dauer reagiert etwas. Wenn es nicht der Kopf tut, dann macht es der Körper. Man steht Morgens auf und alles ist gut. Man wäscht sich, frühstückt, setzt sich ins Auto und alles ist gut. Man sieht von der Ferne die Flaggen der Firma und es geht bergab. Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Brechreiz und allgemeines Unwohlsein werden immer stärker. Reagierte der Körper anfangs erst zur Mittagszeit, sind es Wochen darauf schon die Morgenstunden, bis allein der Gedanke an die Firma ausreicht, um die Krankheitssymtome zu aktivieren.

Hat der Arzt zuerst einmal eine akute Unlustsgrippe diagnostiziert und mir zwei Wochen Urlaub verschrieben, wurde ihm alsbald bewußt, daß wohl mehr dahinter steckte. Die Blutwerte meldeten Alarm, die Leber arbeitete mit der Präzision, die man normal nur bei Säufern vorfindet. Eine kaputte Leber ohne Auslöser bei einem zwanzigjährigen ist wahrlich schwer zu erklären mit der althergebrachten Schulmedizin. Nach wenigen Gesprächen mit einem Therapeuten war alles klar: eine psychosomatische Erkrankung. Ein Seelischer Schaden, der sich auf den Körper auswirkt, weil der Kopf nicht willig war zu reagieren.

Nach einem Vierteljahr Klinikaufenthalt wurde ich dann als geheilt entlassen. Ich habe in der Klinik viel über mich und mein Verhalten  Fremden und Freunden gegenüber gelernt. Obwohl ich eher ein stiller Typ bin, suche ich durch einfache Aktionen immer wieder das Gespräch mit meinen Mitmenschen. Beispielsweise behielt ich oft eine Karte des Skatblatts in der Hand, während ein anderer Patient gerade seine Patience legte. Ich trug T-Shirts obwohl draußen zentimeterhoch Schnee lag. Ich drehte mein Namensschild an der Tür auf den Kopf. Ich mischte die Standard-Fingerfarben zu Pastelltönen, nur um andere Farben zu haben, als die anderen; Alles nur um aufzufallen, alles nur damit man mich darauf anspricht.

Ich glaube nicht, daß allein aus dieser und ähnlichen Erkenntnissen heraus sich irgend etwas an meinem Verhalten geändert hätte, nur ich kann mich heute selbst besser beobachten und den Prozeß besser steuern. Ich weiß heute genauer, wovor und vor was für Menschen ich Angst habe und wie ich dann reagiere, ein großer Vorteil gegenüber dem vorigen Zustand. Wer da sagt Seelenklempner seien dazu da, um Probleme zu machen, die man vorher nicht hatte, bzw. Therapeuten dürften nicht von den Krankenkassen bezahlt werden, wissen nicht wovon sie reden.

In Ordnung, so manche Therapie wirkt nach außen hin vielleicht etwas außerirdisch, aber wenn man erst einmal den Hintergrund sieht und sich vor allem auf die Sache einläßt; dem Therapeuten vertraut, dann funktioniert es auch. Zum Beispiel die sogenannte Boxtherapie. Da stehen sich zwei Patienten mit Boxhandschuhen gegenüber, zwischen Ihnen ein Sandsack. Nun schlugen sich die Patienten gegenseitig den Sack zu. Ich sah diese Therapie auf dem Vorführvideo der Klinik und dachte noch: „Watt´n Unsinn!“ Doch als ich genau diese Therapie verordnet bekam, mußte ich nach den ersten Malen feststellen, es hilft.

Auf der einen Seite fängt man den Schlag des Partners ab, versucht sich auf die Wut, die der andere rausschlägt einzustellen und den Sack vor sich zu stoppen, ehe seine Wucht einen umreißt. Auf der anderen Seite konzentriert man sich für die Bruchteile einer Sekunde auf  die eigenen angestauten Aggressionen, bevor man diese mit einem kräftig wütenden Schlag seinerseits auf den Sandsack befördert. Die Schläge lauten dann: KNALL „Du wolltest die kleine Blonde aus dem Plattenladen ansprechen!“, PENG „Du wolltest doch nicht mehr heimlich Schokolade naschen. Du Hammel bist auf Diät!“, BÄNG „Verdammt, sei doch nicht immer so verklemmt, halbes Hirn!“, KAWUMM „Warum hab ich mich zu diesem Tanzkurs verdonnern lassen? Ich will keine Mumien schieben“, KNALL „Ich hasse meinen Chef! Ich wünschte sein Kopf wäre der Sandsack!“

Ich muß sagen, daß diese Therapie mir sehr gut getan hat, gerade nach…

[otw_is sidebar=otw-sidebar-1]

Kategorien
Video

YCC Hidetown Demos 2 & 4

Kaum zu glauben! Da geht man auf einen Flohmarkt und kauft einen Commodore 64 inkl. 2 Diskettenkästen. Und was findet man? Zum einen eine Diskette aus dem ursprünglichen Besitz von Matthias Fellbrich (Xilukarim).

IMG_0276

Und zudem zwischen den anderen Disketten 2 unserer alten Demos aus der guten alten Brotkisten-Zeit 1985-1989.

Auf eine Konvertierung für den PC C64-Emulator verzichte ich mal, weil mir der Aufwand zu groß erscheint. Ich habe die Demos einfach mal mit dem iPhone mitgefilmt.

Please accept YouTube cookies to play this video. By accepting you will be accessing content from YouTube, a service provided by an external third party.

YouTube privacy policy

If you accept this notice, your choice will be saved and the page will refresh.

Please accept YouTube cookies to play this video. By accepting you will be accessing content from YouTube, a service provided by an external third party.

YouTube privacy policy

If you accept this notice, your choice will be saved and the page will refresh.