Sehen Sie sich als Künstler?

Gute Frage, die mir vom Kulturredakteur Herrn Schalles der Rhein-Zeitung gestellt wurde. Bin ich das? An Tagen wie diesen, da einem nichts wirklich Kreatives einfällt, müsste die Antwort „Nein“ lauten.

Vom Tone…

Wenn dann aber zur gleichen Zeit von dritter Seite erklärt wird, dass man zu den kreativsten und bekanntesten Köpfen der Community zählt, dann…

Wenn René Lienke „Eisenbahn fahr’n“ zum x-ten Mal im Podcast erwähnt und Chris Kirk dabei hörbar die Augen verdreht, man diesen Hauch von mutigem Pioniergeist angedichtet bekommt, während ein anderer eher verhalten reagiert. Dann…

Wenn ich auf meine Remixe des vergangenen Jahres lausche, ergibt sich das umgedrehte Blatt. Auch da versuche ich all meine Kreativität und zugelernten Skills einzubringen und scheitere an dem „zuviel“, an der inneren Grenze. Dann eher…

Und dann kommen 17 Remixe für einen 4 Jahre alten Song von mir zusammen, der bereits in der Community 2021 belächelt wurde. „Zu viele Noten“, „Was für eine Tonart soll das sein?“, „Du musst da was rausnehmen, gerade richten, quantisieren“ Und dann stelle ich fest, dass die Melodie nur wegen dieser „Fehler“ funktioniert und anscheinend genau deshalb so viele Freunde erreichte, die daraus völlig neue kreative Mixe entwickelt haben, dass beim ersten Hören bei mir Krokodilstränen vergossen wurden. Dann…

An so einem Tag, da ein Freund schwören könnte einen Song von mir im Radio gehört zu haben. Dann! Ja dann muss ich wohl doch ein musikalischer Künstler sein.

Vom Bilde…

Obwohl ich seit langem keine neuen Fotos aufgearbeitet an meine öffentlichen Portale weitergeschickt habe. Obgleich wahre Massen von guten Fotos trotz Pandemie entstanden sind, selbst wenn es kaum noch Menschen zeigt. Naturmotive, Pflanzen, Reptilien, Städte.

Dabei sind es die Menschen, die Passanten, die Träumer, die Geschäftigen, die Lumpensammler und Diven die die Straße entlang stolzieren, das Kind mit dem Heliumballon, der Moment, den ich einfangen wollte und nicht die 354te. bunte Blume.

In Zeiten, da niemand mehr unfreiwillig abgelichtet werden möchte und nahezu jeder Schnappschuss dank intelligenter Automatiksoftware in Sekunden zu Kunstwerken umwandelt, nimmt mir das ein Stück weit auch die Freude am Fotografieren und somit auch der Präsentation. So ist der Riss seit dem Frühjahr 2019 deutlich zu sehen. Mit der Maske wäre es vielen Menschen vermutlich egal abgelichtet zu werden, aber derartige Fotos leben eben auch nicht!

Aber wenn dann trotz langer Inaktivität wieder Fotos abonniert und gekauft werden, man neue Follower auf den Fotoplattformen erreicht, dann muss ich wohl doch ein fotografischer Künstler sein.

Vom Texte…

Der letzte wirklich als Geschichte verfasste Text „Schach“ ist auch schon wieder einige Jahre her. Lange Texte zu verfassen ist für mich ein Kleines. Worte sprudeln oft schneller, als ich sie tippen könnte. So sind da lange Geschichten in meinem Kopf, die ich nur zu … Word bringen müsste. Nennen wir es von „schwarz auf weiß“. Lange Geschichten, die Romane werden könnten, aber – nicht dass was ich zur Zeit bräuchte…

Denn, was bräuchte ich? Es ist eine Herausforderung, gerade in diesen Herbsttagen 2022, da Corona immer noch nicht besiegt ist, wir zum Sparen gezwungen werden und der Krieg uns alle einzuholen droht, morgen mit einem letzten Grollen alles Leben hinfort sein könnte. In Zeiten, da sich selbsternannte Deutschkorrekteure um Gendern und Winnetou in einen neuen Rassismuswahn und Political Correctness versteifen, da sie meinen etwas gehört oder gelesen zu haben, dass unbedingt einer Korrektur bedürfe! In Zeiten da man sich wie ein Dinosaurier vorkommen muss, wenn man mal frei auflacht. Besser in den Keller zum Lachen?

Mit solchen trübsinnigen Gedanken im Kopf sitze ich hier und möchte kleine kurzweilige Texte für meine Lieder schreiben. Banalitäten des Lebens witzig und zum Mitsingen verfassen, selbst wenn mir eher nach Protestsongs wäre. Ich will positiv schreiben können, aber das fällt mir derart schwer, dass das „Papier“ leer bleibt.

Ich höre mir die Meilensteine der NDW-Zeit an und wünschte mich zurück in diese eher unbeschwerte Zeit, als man selbst noch viel simpler dachte, sich an einfachen Texten nicht satt hören konnte! Warum fällt mir derart Unbeschwertes nicht ein? Immer kriecht mir die Schwermut quer… „Und kost’s Benzin auch Drei Mark Zehn, es wird schon geh’n“. Damals noch als Witz gemeint, heute ein Lacher der anderen Art. Dennoch einfach, simpel getextet.

Ich höre meine Helden Joachim Witt, Spliff, Trio, UKW, Ideal usw. usf. lausche auf die unbeschwerten und trotzdem nicht immer kritiklosen Texte. Ich höre die Deutsch-Rave-Szene der Mitt90er, als Blümchen, Das Modul, K2 und andere aus dem Genre Rave ihre Kreativität keine Grenzen auferlegte… „1100101 heißt ich liebe dich, ich möchte bei dir sein….“, „Robbie Roboter“. Selbst die durch Dolls United aufgepeppten Kinderlieder der Ravensburger Puppenkiste machten einfach nur Spaß. Spaß, den wir alle gerade jetzt brauchen könnten.

Bin ich Künstler?

Ich bringe bestimmt vieles mit, was man einem Künstler verzeihen müsste! Zahlen, Namen, Zeit! Diese Dinge sind relativ, gerade wenn ein Tag dem nächsten gleicht, nichts passiert, ist ein Monat wie ein Woche, gleicht ein Jahr einem Monat, ist es egal welcher Wochentag gerade ist. Mit Geld konnte ich noch nie umgehen. Es ist da um benutzt zu werden, nicht um es anzuhäufen. Wozu auch, da es wertloses Papier und dereinst nur noch ein Byte auf einem Server ist?

Kann ich mir neue Augen und ein Gehör von ausreichend Geld kaufen? Nein? Man kann sich das Leben mit der Behinderung leichter gestalten mit ausreichend des Geldes, sicher! Aber trotzdem sind es jene Dinge, die ich Tag für Tag ausblenden möchte; „muss“, um dabei zu bleiben!

Andere, wie gerade meine Lebenspartnerin müssen für mich in diese Bresche schlagen, für mich auf das Geld achten, den Lebensunterhalt organisieren, Termine festhalten, mich von A nach B fahren, mich an den Haushalt erinnern und hoffen, dass sie bei meiner zunehmenden Aktivität als Künstler selbst nicht zu kurz kommen!

Gerade im Moment bin ich nicht auf der Höhe, kämpfe täglich mit meinen Kopfschmerzen und besonders dem Ohrenrauschen und Tinnituspfeifen und meiner neuerlichen Aversion gegen die neuen Kontaktlinsen, bei der ich täglich neue Ausreden erfinde sie gerade „heute“ nicht tragen zu wollen… nicht tragen zu „können“.

Und dann! Dann kommt mir Zweifel. Bin ich Künstler? Anders gefragt… Bin ich kein Künstler, da mir der Frohsinn derzeit nicht aus der Feder fließt? Mein Anspruch an mich ist sehr hoch!

Es muss doch zu schaffen sein, all diese Widrigkeiten des hier und jetzt mal für eine Phase kreativen Schaffens auszuschalten. Und sei es nur, weil ich einen solchen Moment für meine Leser und Hörer meiner Musik gerne einfangen und verbreiten möchte. Ein kleines Lachen, ein munteres Schmunzeln – nicht weil es „Kunst“ sein könnte, sondern weil es einfach den Nerv für einen Moment betäubt!

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