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DatenSCHMUTZGrundVerOrdnung (DSGVO)

Die DatenSchmutzGrundVerOrdnung und warum sie so unglaublich unsinnig ist…

Ich werde durch die DSGVO gerade staatlich dazu aufgefordert, Sie als meinen Websitebesucher vorsätzlich zu belügen! Alle anderen Websites belügen Sie aber auch, falls Ihnen das ein Trost ist! Nein? Dann lesen Sie weiter…

Ja, ja! Ich habe sie auch in meine Seite integriert. Was blieb mir denn auch übrig! Alternativ müsste ich täglich auf ein Schreiben eines netten Anwalts warten, der mich kostenpflichtig auf das Versäumnis hinweist.

Die seit Mai 2018 geltende DSGVO beschert vielen Webseitenbetreibern große Sorgen, bis hin zur Seitenaufgabe. Die Umsetzung der Verordnung stellt nämlich viele Besitzer vor technische Umsetzungsprobleme. Viele Dienste deren Einsatz man bislang zum Zwecke der Kommunikation als Vorteil empfand, stehen nun in der Pflicht nur noch einseitig zu kommunizieren, soweit der Besucher es wünscht. Zudem muss man sämtliche Dienste nennen und die etwaige Erlaubnis des Besuchers erfragen, ohne ihn bei Nichtakzeptanz vom weiteren Besuch ausschließen zu dürfen.

Versuchen Sie das mal im realen Leben!

Für alle, die in der DSGVO eine Chance auf mehr Datensicherheit sehen sei nur eines versichert:

Die DSGVO schützt keinerlei Daten!

Im Gegenteil! Sie öffnet einen gesetzlichen (digitalen) Vermummungskanal, auf dem jeder der anonym bleiben möchte, das Recht dazu hat. Im realen Leben wäre eine vergleichbare Vorgehensweise undenkbar. Und das ist es, worauf ich hier aufbauen möchte.

Stellen Sie sich bitte vor, Sie bekommen Besuch. Es klingelt an Ihrer Haustür. Sie öffnen und davor steht ein Mensch in einer Burka. Sie begrüßen ihn mit ‚Guten Tag‘ und er oder sie nickt, sagt kein Wort und deutet lediglich an, zu Ihnen in Haus kommen zu wollen und sich umzusehen.

Als höflicher Gastgeber stellen Sie sich namentlich vor und bitten Ihren vermeintlichen Gast herein. Sie erzählen von sich, Ihrer Familie, Ihrer Arbeit, Ihren Hobbys und der stumme Gast beschaut sich derweil Ihre Wohnung. Er nimmt dies und jenes aus Ihren Regalen, beschaut es sich, nickt stumm oder schüttelt den Kopf, legt die Dinge zurück. Dann geht er schließlich wieder zur Tür und sagt zum Abschied: „Ich war nie hier!“ Sie nehmen einen Besen und fegen die Fußspuren Ihres Gastes weg.

Im realen Leben würden Sie sich ein solches Verhalten verbieten, den Gast nicht einmal reinbitten, wenn dieser nicht wenigstens sein Gesicht zeigt und auf die Begrüßung hin auch seinen Namen nennt und sein Grundbegehren äußert. Es gehört bei einer vernünftigen Kommunikation zur Grundvoraussetzung, dass man sich einander vorstellt, bevor man sich auf weitere Handlungen einlässt. Die DSGVO gewährt aber im digitalen Leben das tragen einer solchen Burka.

Gehen wir ein Stück zurück. Der Besucher findet in einem Schrank von Ihnen etwas Interessantes. Er schlägt die Kapuze zurück und stellt sich Ihnen endlich vor. Die Person fragt nach dem Familienfoto, dem Rahmen, dem Foto selbst, den abgebildeten Personen. Sie fragt nach einem Glas zu trinken und es kommt tatsächlich zu einem beiderseits interessanten Gespräch.

Ob die Person Ihnen ihren richtigen Namen mitgeteilt hat, den wahren Wohnort, den wahren Grund für den Besuch; dass lassen wir mal dahingestellt. Im digitalen Leben hieße dass IP-Verschleierung und Nennung einer falschen E-Mail-Adresse. Überprüfen können Sie das jetzt im Gespräch natürlich nicht. Sie müssen es Ihrem Gast erst einmal glauben, dass er der ist, wer er vorgibt zu sein.

Denn wie bei jeder Partnerschaft auch im geschäftlichem Sinne müssen Sie vertraulich miteinander umgehen, gleich ob Sie Ware ver- oder einkaufen. Sie geben ihrem Gegenüber jene Informationen, die er zum Abschluss (Kauf/Verkauf) braucht. Als Verkäufer hilft die Information des Kunden Ihnen bei der Beratung. Als Kunde nützt Ihnen die Beratung des Verkäufers als Orientierungs- und Kaufhilfe.

Wir müssen als Kunde auf Qualität und Eigenschaften der Ware, oder einer Dienstleistung vertrauen, so wie die Gegenseite auf eine verbindliche Wertvergütung, sprich Zahlung der Ware vertrauen muss. Ohne ein gewisses Grundvertrauen sind keinerlei Geschäfte in dieser Welt möglich. Dieses Grundvertrauen lässt sich per Verordnung nicht einseitig regeln.

Dennoch schafft die DSGVO genau an dieser Stelle exakt das zu bewerkstelligen. Dank Deklarierungspflicht müssen wir als Seitenbetreiber quasi alle Hosen runterlassen und den Besucher über alles penibel aufklären. Die DSGVO zwingt uns als Gastgeber auch die Spuren des Gastes auf Wunsch zu beseitigen, selbst wenn das Gespräch gut für beide Seiten verlaufen ist.

Um bei dem inzwischen namentlich bekannten Burkaträger zu bleiben, heißt das: Er bedankt sich für das Gespräch, stellt Foto und Glas auf dem Tisch ab und geht. Am Treppenabsatz dreht er sich noch einmal um und sagt wiederum: ‚Ich war nie hier!‘ Sie stellen den Rahmen zurück in den Schrank, waschen das Glas und fegen die Fußspuren weg. Sie versuchen sich an die Verordnung zu halten und das Gesicht des Besuchers aus Ihrem Gehirn zu löschen.

Bei einem beiderseitigem Vertrauen ist so eine Handlungsweise vollkommen abwegig. Im Gegenteil, man würde dem Burkaträger trotzdem misstrauen, weil er das nachträgliche Verschleiern fordert. Hat der Besucher also doch etwas zu verbergen? Warum will er nicht erkannt werden? Warum soll ich ihn vergessen?

Die Antwort wäre einfach, wenn drei Monate später zwei Uniformierte vor Ihrer Tür stehen und Ihre Wohnung auf links drehen wollen, weil sie nach Hinweisen zum Burkaträger suchen. Leider können Sie die Herren nicht dabei unterstützen. Denn Sie haben sich an die Verordnung gehalten und erinnern sich daher nur noch an den Besuch selbst, aber nicht mehr an das Verhalten, das Gesicht, das Gespräch. Die Herren werden keine Freude an Ihnen haben und lassen Sie das auch verbal spüren.

Nun, lassen wir den Burkaträger an dieser Stelle abtreten. Wenn Sie als Leser nur ein kleines bisschen im Kopf mitgemalt haben, ist Ihnen klar, dass dieser ‚Datenschutz‘ den Falschen schützt.

Sie als Besucher von Internetplattformen haben ein Recht auf Schutz Ihrer Daten, um das klar zu stellen. Das klarer definierte Regelungen für die grundsätzliche Verarbeitung und Weitergabe nötig waren, will ich auch nicht abstreiten. Bisher gab es ja keine klar festgelegte Verhaltensregel an der man scheitern konnte. Sie haben das Recht auf ihre digitale Burka, aber wer von uns würde dieses Recht wahrnehmen, wenn er nicht etwas zwielichtiges damit im Schilde führen würde?

Als Webseitenbesitzer komme ich schon vielen gesetzlichen Aufgaben nach: Klare Deklarierung mit Adresse, Ansprechpartner, Erreichbarkeit im Impressum; einer klaren E-Mail-Adresse; sofern ich einen Shop besitze sogar Handelsregister, Gerichtsstand, Allgemeine Geschäftsbedingungen und Aufzählung der Zahlungsmöglichkeiten inkl. SEPA-Überweisungsdaten. All das ist für jeden Webbesucher verpflichtend einsehbar und wurde über die vergangenen 15 Jahren auch immer fleißig durch Abmahnwellen gestützt, weiter und weiter verschärft.

Schon die Verschärfung in diesem digitalen Bereich hat bei vielen Kleinunternehmern und Webshopbetreibern zur Aufgabe geführt, weil ein wirtschaftliches Handeln ohne Anwalt und hohe zusätzliche Kosten für laufende Aktualisierung aller gesetzlichen Vorgaben schwieriger wurde, als der zu erwartende Umsatz. Wenn dazu noch ein Abmahnanwalt schneller war, als die technische Anpassung konnte es manchen ‚Händler‘, Bastler und Heimwerker bereits Unmengen Geld wegen angeblich unlauterem Wettbewerbs kosten. Als wenn nur ein Händler einen messbaren Vorteil durch Fehler in seinen AGB’s erhält, sofern kein Anwalt unter seinen ‚Kunden‘ ist, der die AGB’s wirklich aufmerksam liest.

Als halbwegs normal gebildeter Konsument, als mündiger Bürger, müssen Sie die AGB’s auch nicht lesen!

Warum? Nun, selbst wenn Sie die AGB’s eines Anbieters durch Haken akzeptieren und sich wirklich ein Rechtsstreit aus dem Geschäft entwickelt, kann der Anbieter Ihnen versteckt drei Waschmaschinen verkauft haben und einen Servicevertrag für die kommenden 3 Jahre. Diese AGB’s sind null und nichtig, denn Sie als Privatperson werden nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) abgehandelt. Das bedeutet für Sie:

Wenn sich in den AGB’s des Anbieters gravierende unzumutbare oder unwahre Bestandteile befinden, auf die sich der Anbieter gerichtlich bei Ihnen beziehen will, schützt Sie hier das BGB! Die Regelung des BGB steht vor den AGB, weshalb die AGB-Verpflichtung auf Shopseiten im Grunde ebenso unsinnig ist, als dass es nur Anwälten Arbeit beschafft.

Wenn unser Staat den kleinen Handel im Internet fördern wollte, hätte er längst einen Link zu den gesetzlichen BGB-Handelsparagraphen zur Verfügung gestellt, auf die jeder Händler lediglich zu verlinken bräuchte, um auszusagen: „Wer bei mir kauft, wird bei gerichtlichen Streitigkeiten streng nach dem BGB behandelt!“

Warum es eine solche digitale Regelung nicht gibt? Fragen Sie mal bei den Grosskonzernen, der Anwaltslobby, oder unserer Regierung. Ob man den Kleinhandel unterbinden möchte? Nein, aber zumindest eindämmen, oder?

Schon hier war die Verschärfung der Bestimmungen zum Schutz der privaten Käufer gedacht. (Aha…)

Wann haben Sie sich vor einem Kauf das letzte mal alle AGB-Bestandteile durchgelesen? Noch nie? Oder zumindest ab einer gewissen Kaufsumme?

Nun, der automatische Klick auf Annehmen/Ablehnen wird Ihnen auch durch die ganze DSGVO-Bestimmung noch selbstverständlicher vom Finger fallen, da Sie ab sofort für nahezu jeden kleinen Klick
der einen Prozess auf einer Seite ausführen soll, diesen erst genehmigen müssen. Nach spätestens drei Monaten surfen werden Sie sich den Text des Kastens zur DSGVO nicht mal mehr im Ansatz durchlesen. Ihr Finger ist auf Ihrer bevorzugten Antwort, bevor Ihr Gehirn den Text wahrnimmt.

Aber kommen wir von dem Exkurs auf die AGB zurück zu der DSGVO.

Wir drehen die Situation jetzt um!

Sie sind Internetnutzer und surfen durch das Netz, so wie Sie ja jetzt auch auf diesen Text hier gestoßen sind, den Sie gerade lesen. Die DSGVO soll Ihnen beim Surfen Sicherheit versprechen. Kann Sie das? Nein, natürlich nicht. Und wieder müssen Sie das Surfen nur mit dem wirklichen Leben vergleichen, um die Wahrheit zu sehen!

Sie sitzen daheim und überlegen, ob Sie wirklich das Haus verlassen sollten. Sie gehören nicht zu dem traumatisierten wirklich schwerkranken Personenkreis, die das Haus nicht mehr verlassen können, weil sie in Panik geraten sobald sie einen Fuß draußen haben. Sie haben auch keinen Stalker vor dem Sie sich verstecken müssten. Sie hegen keine besonders als abartig in der Gesellschaft zu bezeichnenden Gelüste und fühlen sich auch nicht zu hässlich für die Außenwelt. Sie beschließen also, dass Haus zu verlassen und in die Stadt zu gehen.

Dabei ist Ihnen schon jetzt, da ich Sie nochmal darauf hinweise klar, dass Sie bei jedem Schritt Spuren im Form von Fußspuren, Hautpartikeln und Haaren hinterlassen (IP-Adresse).

Kaum jemand ohne spezielle Kenntnisse wäre in der Lage, solchen Spuren zu folgen. (Ihre IP-Adresse ändert sich im Regelfall alle 24 Stunden, nur auf direkte begründete Anfrage  einer staatlichen Einheit muss Ihr Provider Sie als Nutzer preisgeben. Eine Website erhält durch die Ihnen zur augenblicklichen Zeit vergebene IP-Adresse lediglich Ihr Startland, Bundesland, vielleicht noch die nähere Stadtangabe – mehr nicht!)

Also, Sie wissen das und gehen in die Innenstadt. (Sie starten den Browser und suchen nach einer Information)

Sie begegnen ca. 100 Menschen in der Fußgängerzone, die Sie selbst nicht kennen und auch umgekehrt nicht (Knotenpunkte, Verteilerstellen). Sofern Sie öfter in der Stadt sind, erkennen sie allenfalls geläufige Gesichter, ohne die Namen dazu zu kennen. Wirklich Notiz nehmen Sie von vielleicht 5 Personen, an die Sie sich noch Sekunden später erinnern können, weil sie Sie direkt angeblickt haben, auffällige Kleidung trugen, oder Ihnen eine Tür aufgehalten haben. Ein ‚Danke‘, ein Blick und schon fast wieder vergessen (vergleichbar mit einem Kommentar auf einer Website).

Das eine Gesicht merken Sie sich, da es Ähnlichkeit mit einer bekannten Person hatte, oder weil die Person an sich so auffällig war, dass man sich erinnern musste, eine Geste, ein Parfüm, oder auch negatives lautes Rumpöbeln. Die Person hatte etwas Merkenswertes, als dass Sie auch nach Tagen noch sagen könnten: ‚Ja, die Person kenne ich schon, ich erinnere mich!‘ (z.B. durch Hinterlegung einer E-Mail-Adresse, oder einer fb-Freundschaftsanfrage, ein Likedaumen etc.)

Den 100 anderen Shoppingmeilenbesuchern geht es nicht anders. Sie haben Sie unter Umständen gesehen, bemerkt, gemerkt – je nachdem wie präsent Sie sich selbst gemacht haben. Die meisten werden Sie also nicht bemerkt haben, ihren eigenen Dingen nachgegangen sein und so sollte es an und für sich ja auch sein, sofern man nicht gerade gezielt auf der Suche nach einer neuen Bekanntschaft ist. Ein jeder geht seinem Ding nach.

Nun passiert es! Sie verlieren Ihr Portemonnaie! 5 von den 100 sehen das und rufen Ihnen hinterher, heben es auf, bringen es Ihnen hinterher. Überhaupt hätten 97 von 100 Ihnen das Portemonnaie hinterher gebracht, sofern sie es bemerkt hätten. Niemand von den 100 möchte selbst Geld und Papiere im Stadtgewühl verlieren, nicht einmal die fehlenden 3 von 100. Wer auch immer von diesen 97 möglichen Findern Ihnen nicht schnell genug hinterher käme, bringt Ihre Habe zum nächsten Fundbüro, Polizeistation, oder wirft es in den nächstbesten gelben Postkasten, sofern er nicht in der Lage ist, anhand Ihrer Papiere direkt zu Ihnen zu kommen.

Diese 97 Menschen sind nicht das Problem, aus denen heraus man eine gesetzliche Regelung finden müsste. Das Problem sind die letzten 3!

2 von Ihnen haben auch gesehen, dass Ihnen die Geldbörse aus der Tasche gefallen ist. Er blickt schnell nach rechts und nach links und greift zu. Kein direkter Diebstahl, aber weg ist weg. Wenn einer der 2 noch einen Funken Anstand hat, bekommen Sie wenigstens die persönlichen Papiere anonym zurück, aber das Geld ist weg.

Richtig schlimm ist eigentlich nur der Letzte. Er würde sich Ihre Brieftasche notfalls auch durch Taschendiebstahl aneignen, durch Trickbetrug, durch direkten Überfall in einer für Sie ungünstigen Situation. Der 100te lebt vom Geld anderer Leute. Und wenn er an Ihr Geld nicht rankommt, muss einer der anderen 99 eben für ’sein‘ Geld aufkommen. Um an Ihr Geld zu kommen benutzt er auch gerne die Hilfe der anderen 2, die ohne ihn nur Gelegenheitsverbrecher wären.

Die Gesetze gegen Diebstahl sind so alt, wie unsere Lebens-Gemeinschaften selbst. Im Orient gab es ein Gesetz das dem Dieb die stehlende Hand kosten konnte, wenn ein Büttel ihn dabei erwischte. Keine Verhandlung, keine Justiz vor dem Kadi – Hand ab. Hätte das Gesetz zur damaligen Zeit ausreichend abgeschreckt, würden wir heute vermutlich nichts von dem Gesetz wissen. Wir wissen heute nur deshalb davon, weil solche Urteile vollstreckt werden mussten.

Fakt ist, dass so ein Gesetz half, viele sonst gesetzestreue Bürger von Diebstahlgedanken abzubringen, so dass einer der restlichen 97 heute einen Stich in der Hand verspürt, da er Ihr Geld einstecken möchte und es sich dann doch in sekundenschnelle noch anders überlegt.

Aber den 100ten hat das Gesetz nicht abgeschreckt – damals nicht, und heute bei den eher milden Strafen in unserer Justiz erst recht nicht. Schwere Jugend, psychische Probleme… wenn es wirklich jemals zu einer Verhaftung und Verhandlung käme, würde man sich schon irgend etwas einfallen lassen. Er beklaut Sie und das womöglich, während er Ihnen ins Gesicht lächelt, daran ändert auch die DSGVO nichts.

Denn! Das Ihre persönlichen Daten in unserer Datenwelt bares Geld sind, dass haben Sie denke ich dank der Medien inzwischen auch begriffen, selbst wenn Sie sich nicht mehr als nötig mit dem Internet befassen und es eher für Teufelswerk halten.

Selbst, wenn Sie persönlich alles digitale aufgrund fehlendem Vertrauen in digitale Waren- und Geldgeschäfte vermeiden: Ihre Daten SIND im Internet, da Ihre Handelspartner trotz Ihrer Skepsis an dieser modernen Welt teilnehmen und mit 99%iger Wahrscheinlichkeit im Netz zu finden ist. Ihre Daten mögen bestgehütet in einer nur intern erreichbaren Datenbank schlummern. Fakt bleibt: Ihre Daten sind digital vorhanden und können jederzeit in Dritte Hände gelangen!

Sie für sich müssen aber auch erkennen, was wirklich ‚persönliche‘ Daten sind. Die DSGVO sieht bereits in Ihrem Namen, Ihrer Wohnadresse und Ihrer E-Mailadresse einen Teil der zu schützenden Daten. Da wären wir wieder bei der Burka. Das kann nicht funktionieren. Egal was Sie tun, Sie müssen da draußen jemandem vertrauen: Dem Händler bei dem Sie kaufen, der Bank oder dem Bezahldienst den Sie anweisen, sowie allen Verbindungsstellen dazwischen, von Ihrem eigenen PC angefangen, über Ihren Internetanbieter, dem Suchanbieter über den Sie zu dem Shop mit dem gesuchten Produkt gefunden haben, über die IP-basierte HTTP protokollierte Verbindung über X Stationen über den halben Erdball bis hin zum Provider der Zielseite, dessen Domainbesitzer seinen Shop anbietet. Sie müssen darauf vertrauen, dass all diese Stationen die von Ihnen übermittelten Daten nicht abfangen, entschlüsseln, auswerten, oder an Dritte weitergeben.

All diese Dienste müssen jetzt dank der DSGVO schriftlich niederlegen, dass sie sich daran halten werden und nötigenfalls zusätzliche Verträge mit Unterdiensten und Mitarbeitern abschließen, wirklich ‚wirklich‘ keine Daten widerrechtlich zu verwenden, damit Sie als Nutzer sich sicherer fühlen.

Diese 97 Dienste sind nicht das Problem. Der Händler Ihres Vertrauens wird Ihre Daten nutzen, um Ihnen auch in drei Jahren sagen zu können, welches Gerät Sie bei ihm gekauft haben, wenn Sie Ersatzteile brauchen, oder ein vergleichbares Neugerät haben möchten. Er darf Sie ohnehin nicht bewerben, sofern Sie ihm keine schriftliche Erlaubnis dazu unterschrieben haben.

Als renommiertes Unternehmen hält er sich daran, schließlich möchte er seinem Ruf nicht schaden. Das gleiche gilt in der digitalen Welt für Spam. Ein Betrieb mit gutem Ruf wird diesen Ruf nicht durch Spam oder andere rückführende Aktionen aufs Spiel setzen!

Sie können im 2018er Medienskandal von Facebook davon ausgehen, dass Facebook selbst direkt keine Kenntnis an dem Vorgehen von Cambridge Analytics hatte und das Resultat auch nicht gebilligt hätte, wäre Facebook das Ziel der Cambridge Analytics bekannt gewesen. Der Imageschaden ist enorm, schlimmer als der Nutzen den CA dadurch gehabt haben möchte. CA selbst durfte seine Pforten schließen, da sich dort ja mit dem Datenmissbrauch zur Wahlbeeinflussung gebrüstet worden ist. Facebook wird künftig nicht nur wegen der DSGVO noch genauer auf seine Partner schauen müssen, schließlich steht das eigene Vertrauen durch die Nutzer auf dem Spiel! Letztlich sind auch die Betreiber von Facebookseiten nur Nutzer, welche durch die DSGVO ebenso unter Beschuss stehen, wenngleich sie kaum Möglichkeiten des Datenklaus im großen Stile von CA bewerkstelligen könnten, bzw. durch geklaute Daten irgendwen zu manipulieren.

Wie bereits erwähnt. Die DSGVO schützt Ihre Daten nicht! Es regelt nur den Umgang mit Ihren Daten zwischen den 97 beteiligten Mitnutzern, Händlern, Passanten und Straßengauklern, dass Sie und wir alle vertrauensvoll miteinander umgehen sollen, per Gesetz.

Die, drei die das nicht interessiert, können in jeder dieser 100 Gestalten auftauchen, trotz aller zusätzlichen Verträge. Und darauf muss jeder gefasst sein, der überhaupt den Weg ins Internet geht, oder auch nur den Fuß vor die Haustür setzt.

Ihre Daten sind nicht sicher! Die Daten sind immer nur so sicher, wie Sie sich selbst darauf vorbereiten! Anders gesagt; wenn Sie sich bei dem Spaziergang durch die Fuzo auf eine Parkbank stellen und Ihren Namen und Ihre Adresse lauthals wiederholt in die Gegend singen, dann dürfen Sie sich am Ende nicht Beschweren, wenn sich mehr als 5 Personen nur an Ihr Gesicht erinnern, da sie jetzt auch noch mehr von Ihnen wissen.

Ihre persönliche Datensicherheit fängt bei Ihrem PC an, mit der Wahl des Prozessors, dem Betriebssystem, dem Browser, der Firewall, dem Virenschutz. All diese Systeme sind immer nur so sicher, solange niemand das Gegenteil beweist, oder sich findige Köpfe neue Angriffsflächen suchen, die von den bisherigen Schutzmechanismen nicht erkannt werden können.

Das gilt auch für Sicherheitszertifikate durch SLL im HTTP-Protokoll (HTTPS). Die Seiten werden dadurch ’schwerer‘ zu knacken, aber machbar bleibt es.

Als Betreiber einer Internetplattform hat man aber nur einen begrenzten Werkzeugkoffer an Schutzmechanismen. Die Zahl der Werkzeuge der möglichen Angreifer von außen ist wesentlich höher, da sie oft kreativ völlig neue Wege gehen, um an den bekannten Schutzmaßnahmen vorbei zu kommen.

Dann bleiben noch die Angriffe von Innen. Je unübersichtlicher ein Betrieb ist, desto eher lassen sich Schädlinge installieren. Ging es früher nur um Werksspionage und vielleicht einen derben Handstreich auf das Prestige einer Firma (siehe nochmal CA/facebook: wer sagt, dass sei nicht Absicht gewesen?? fb hat schließlich viele Neider), handelt es sich bei noch so loyalen Mitarbeitern um Menschen. Menschen machen manchmal dumme Sachen aus den unmöglichsten aufzählbaren ehrenwerten oder illegalen Gründen heraus. Mangelndes Vertrauen in sich oder eine gezielte Ignoranz der DSGVO und das Unternehmen hat ein Leck!

Sie als Unternehmensleiter kämpfen also an mehreren Baustellen mit der Datensicherheit, auch schon ohne die Verordnung. Schließlich sollen auch Firmeninterna, Produktgeheimnisse, Herstellungsverfahren nicht nach Außen getragen werden, aber unter Freunden erzählt man sich dann doch schon mal das eine oder andere…

Datenschutz war somit schon immer ein Problem unter Firmen, weniger zum Privatmenschen. Aber nun ist sie ja da, die DSGVO.

Wenn Sie als privater Nutzer ins Internet starten, sind Sie selbst die größte Chance darauf, ein Datenleck zu verursachen! Sie werden permanent mit Werbung beschossen, mit Gewinnspielen, mit unglaublichen Angeboten, mit verboten günstigen Preisen. Dann ist da die Meldung über einen vermutlichen Schädling auf ihrem Rechner, die E-Mail von Ihrer Bank, in der Sie Ihre Bankverbindung neu bestätigen sollen. In dem gesamten Spam eines Tages treffen Sie auf viele 1 aus 100, denen die Verordnung egal ist. Sie wollen an Ihr Geld, Ihre Daten, egal wie!

Bei direktem Einlass auf Ihren PC ist das am Leichtesten, da SIE, dem Angreifer die Tür selbst öffnen werden, ihm womöglich noch Ihre Kontodaten persönlich mitteilen.

Aber auch der vermeintlich günstige Händler auf dem Marktplatz von eBay und Co. muss kein ehrlicher Händler sein. Natürlich schickt er Ihnen das gewünschte Produkt und hält sich schriftlich an die DSGVO und hat aufgrund von einer Million Sells ein Prüfsiegel und was sonst noch alles das Vertrauen in ihn erhöhen soll.

Aber wenn da nur ein faules Ei im Stab seiner Mitarbeiter sitzt, dann werden Ihre Daten hinten rum weiterverkauft. Und niemand könnte den Weg Ihrer Adresse zu dem Händler zurückverfolgen.

Es kursieren Spamnachrichten in denen E-Mailadressen in Millionenpacks angeboten werden. Jede kleine und mittlere Firma mit Website bekommt im Schnitt 2-3 solcher ominösen Angebote im Monat.

Und wir sind wieder beim Thema ‚Vertrauen‘. Als seriöser Geschäftsmann löscht man solchen Spam. Wenn man die Rechtslage nicht genau kennt oder die Firma mehr als nur schlecht läuft, lässt man sich vielleicht auf so ein Wagnis ein und gehört zu den 2 von 100, die zugreifen und bei 1 von 100 geklaute E-Mailadressen kauft.

Ihre einzelne E-Mailadresse selbst ist dabei im Grunde fast wertlos und einfach zu beschaffen. Spezialprogramme, wie etwa Crawler, durchstöbern blind Plattformen nach E-Mailadressen in Reinschrift.

Viele Website-Betreiber haben aus diesem Grund das ‚@‘ durch ‚AT‘ ersetzt, oder nutzen zusätzliche Leerstellen in der E-Mailanzeige, was bei normalen Crawlern erst einmal half.

Intelligente Crawler und deren Bediener lesen auch diese Adressen. Auch das Konvertieren der textlichen Information der E-Mailadresse in eine Grafikdatei sehe ich immer noch häufig, was aber für Besucher noch umständlicher ist, da sie die Adresse erst abschreiben müssen. Abhilfe schafften Kontaktformulare. Im Hintergrundskript ist was hinterlegt? Richtig! Die Auffang-Mail-Adresse in Reinschrift. Wer den Seitencode ausliest, hat die Mailadresse!

Das Sichern der gesamten Seite durch SLL-Verschlüsselung schützt im ersten Step vor Crawlern, aber da SLL eben auch nicht mehr unhackbar ist und Hintertüren besitzt, bleiben auch die von Websitenplattformen eingestellte Kontaktdaten auslesbar, notfalls abschreibbar. Gleiches gilt für Foren und Blogs. Die Daten sind und bleiben auslesbar.

Das bringt uns zurück zur schon früher hier gestellten Frage: Was sehen Sie als IHRE persönlichen Daten?

Die Beantwortung dieser Frage ist nicht selbstverständlich und zum Teil auch sehr individuell.

Meiner persönlichen Meinung nach gehören folgende Daten NICHT zu den persönlichen Daten:

Herr/Frau (Vor-) und Zuname, Anschrift, E-Mail-Adresse, (u.U. Tel.-Nr.)

Ihr Name ist kein Geheimnis! Und auch Ihre postalische Anschrift sollte im Normalfall kein Geheimnis sein. Ich kenne Menschen, die seit Jahren weder Klingel, Briefkasten noch Türschild an ihrer Wohnungstür haben. Aber diese Menschen gehören zu den bereits erwähnten bedauernswerten nicht ganz gesunden, oder vielleicht sogar illegalen Mitmenschen. Sie wollen nicht gesehen und nicht erkannt werden. Die Gründe kennen nur sie. Aber sofern sie sich Dinge von Außen schicken lassen wollen, brauchen sie zumindest ein Türschild für den Postboten.

Dies ist aber zum Glück nicht der Normalfall. Ich gehe davon aus, dass Sie neben Ihrem Internetanschluß auch einen Telefonvertrag besitzen und auch bei der Eintragung ins Telefonverzeichnis nicht widersprochen haben. Früher landeten Sie damit in den dicken gelben Totschlägerbüchern in den Telefonzellen der Republik. Heute sind Sie in jedem Fall über die gängigen Telefonauskünfte im Internet zu finden.

Sofern man nicht unter Paranoia leidet, hat man damit auch keine Probleme, schließlich will man ja auch gefunden werden, wenn alte oder neue Bekanntschaften nach einem suchen. Die Auffindbarkeit macht ja Sinn, bestätigt sie Firmen und Auskunftsagenturen ja auch, dass Ihr Wohnsitz wirklich unter der von Ihnen angegebenen Adresse zu finden ist, wenn Sie einen Kredit haben wollen, einen Ratenkauf vereinbaren und Ähnliches.

Ähnlich Unmysteriös ist Ihre E-Mailadresse. Hier ist es für Sie sogar einfacher auf Ihre Privatsphäre selbst mitzuachten. Denn Sie geben Ihre Adresse nur dann an Dritte weiter, wenn Sie es für nötig erachten. Für alle anderen gibt es freie E-Mail-Services wie GMX, Freemail & Co, bei denen mal sich für fragwürdige Seiten eine zusätzliche E-Mailadresse zulegen kann. Sollte sich irgendwann zu viel Spam ansammeln, schaltet man die Adresse ab und generiert einfach eine Neue. Hinzu kommen seit einiger Zeit sogar noch Services von sogenannten Einmal-Adressen.

Fakt bleibt, wenn Sie erreichbar sein wollen, ganz gleich ob als Anbieter, Kunde, Blogkommentator, oder FB-Nutzer – Sie müssen eine erreichbare Adresse hinterlassen. Somit ist die Adresse, die Sie angeben kein Geheimnis.

Was sind dann wirklich persönliche Daten? Die Frage stelle ich jetzt erneut!

Lassen Sie mich die Frage anders stellen! Was halten Sie an sich selbst für vertraulich?

Anders als bei Webshopbetreibern sind Ihre Bankdaten natürlich vertraulich! Ein Betrüger kann zwar mit Hilfe Ihrer Bankdaten schon Schaden anrichten, aber hier wären Sie bei zeitigem Einschreiten über Ihre Bank versichert. Solchen Ärger möchte man natürlich gerne im Vorfeld vermeiden, deshalb zähle ich das Konto zur Zeit noch zu den vertraulichen Daten.

Das wird sich allerdings rasant ändern, wenn das Bargeld wegfällt und man körperlich, per Chip oder Smartphone mit dem Konto verbunden sein wird. Da kommt eine Welle neuer krimineller ‚Ideen‘ der Geldbeschaffung auf uns zu, dessen Tragweite die Entwickler dieser Techniken heute noch nicht erahnen können, oder wollen.

Ihre sexuelle Neigung, Ihre Lieblingsfarbe, Ihr Lieblingsautor, Fotos, Ihre Familie, Ihr Musikgeschmack, Ihre politische Einstellung, Ihre Lieblingstiere, Ihre Krankheiten…

All das sind Bestandteile von ihren wirklich persönlichen Daten, die unter Umständen schützenswert wären, da diese Daten viel darüber aussagen, wer Sie sind. Ihre Biographie und wie sie Denken, nach was für Inhalten Sie im Internet forschen. All dass sind persönliche Daten.

Und dies sind leider alles Daten bei denen Sie wenig Einfluss auf die Verwertung haben. Es sind Informationen die Sie sogar täglich selbst ins Internet streuen, ohne dabei zu wissen, dass diese Daten protokolliert werden, um Werbung besser auf Sie auszurichten – um nur mal den harmlosesten und üblichsten Nutzen rauszupicken.

Vor Exhibitionismus schützt die DSGVO natürlich auch nicht. Wenn Sie also auf Ihrem Facebookprofil oder vergleichbaren Portalen all diese Dinge über sich öffentlich posten, kann man Facebook auch keinen Vorwurf machen, wenn jeder die Info dann auch wirklich lesen kann.

Den meisten von uns Nutzern im Netz ist das bewusst. Wir wissen, dass Bilder vom letzten Komabesäufnis nicht in sozialen Netzwerken geteilt werden sollten, zumindest nicht öffentlich und wenn privat, dann nur im wirklich engsten Kreis derer, die mit den Fotos auch umgehen können. Die Verantwortung dafür habe ich als Nutzer, bzw. Sie als Nutzer. Ich kann die Verantwortung für die Fotos schlecht auf die Plattform übertragen. Die bieten uns ja schließlich nur den Datenplatz an. Ob und wie wir ihn nutzen, ist in unserer Hand. Zumindest weitestgehend.

Denn neben Anbieter-Kennzeichnungspflicht auf der einen Seite und der DSGVO auf der anderen gibt es ja auch die zunehmende Auslagerung der Inhaltsprüfung und unter Strafandrohung selbstständige Löschung von ‚ungewünschten‘ Inhalten von Usern durch den Plattformverwalter.

Die Rede ist von Volksverhetzung, Fakenews, Gewaltaufrufen und vielem was dann eher in den Bereich der öffentlichen Meinung zählt, denn die Grenze ist oft dünn. Und wie kann ein Mitarbeiter von bspw. Facebook besser über eine Meinung im einem Post urteilen, als der Schreiber selbst? Der Mitarbeiter wird bei fragwürdigen Posts eher Löschen, als seinen Job oder den ganzen Konzern in Schwierigkeiten zu bringen. Das hat unsere Regierung gut hinbekommen. Somit übernimmt Facebook ab dieser Entscheidung die Frage nach ‚was ist wahr, was nicht?‘

Auch wenn dieses Thema nicht direkt in der Verbindung zur DSGVO steht, möchte ich es dem besseren Verständnis von ‚Persönlichkeit‘ und dem Stellenwert für unser momentanes Sein angerissen haben.

Komplett gegenteilig zur DSGVO muss ich dann natürlich noch die neuen Bevollmächtigungen der Bayrischen Landespolizei ansprechen.

Wer sich die neuen Befugnisse anschaut, dem muss die Tragweite erst einmal bewusst werden. Da dürfen bei ‚Verdacht‘ sogar Daten, wie etwa SMS und E-Mails durch die Polizei verändert werden. Wir erinnern uns an den Text von vorhin? Auch Polizisten sind nur Menschen und auch sie können eine Schwäche haben und 1 von 100 zuspielen, oder selbst 1 von 100 sein.

Ich möchte Sie mit diesem unschönen Gedanken nur ungern alleine lassen. Ich hoffe schon, das das Gro unserer Exekutive in reinem Gewissen handelt und sich auch nicht durch Geld und Liebe kaufen lässt. Es ist ein harter und oft undankbarer unterbezahlter Job! Aber die Wege von 1 von 100 darf man nicht unterschätzen. Und dann sind da ja noch die anderen 2 aus denen die Gelegenheit dann doch noch Diebe macht.

Seien Sie sich abschließend zum Hauptthema DSGVO klar darüber, dass es keinen sicheren Schutz für Ihre Daten gibt, Sie für den möglichst sichersten Schutz selbst mitverantwortlich sind und auch die Webseitenbetreiber im Regelfall zu den 97 aus 100 gehören, die selbst vor dem gleichen Problem stehen und nur den Schutz einbauen können, der ihnen technisch der sicherste Schutz erscheint.

Wenn Sie sich immer noch Sorgen um ihre IP-Adresse machen, so bieten inzwischen fast alle Virenscanner-Hersteller auch bezahlbare IP-Verschlüsselungen an. Wenn Sie dem Hersteller im Punkte Viren vertrauen, dann steht es Ihnen selbstverständlich auch hier frei. Denken Sie aber daran, dass auch ihr Burka-Verkäufer weiß, dass Sie sich nicht verschleiern würden, wenn Sie nicht einen Grund dafür hätten. Und vermummte Gestalten fallen extremer auf, als normale. Nur mal so als Denkanstoß. Wenn es hart auf hart kommt, Sie hinter ihrer Burka stecken, wird im Zweifelsfalle auch Ihr Verkäufer Ihre wahre Identität preisgeben und was Sie während Ihres Ausfluges ohne Ihre wirkliche IP getrieben haben. Denn auch wenn Ihr Provider den Weg nur bis zum Verschleicherungsdienst nachvollziehen kann – und die Zieladresse Ihre falsche IP auch nur bis zum Verschleierungsdienst verfolgen kann; Der Verschleierungsdienst weiß sehr wohl, wo und was Sie getan haben und wird es zum eigenen Schutz protokollieren. Alles andere wäre für den Burkaverkäufer geschäftsschädigend. Also fühlen Sie sich nicht allzu sicher, nur weil Sie eine Burka tragen wollen. Und wenn Ihr Burkaverkäufer dann noch der 1 von 100 ist…

Wer aber an Ihre Daten ran will, weil er gezielt Ihnen Schaden möchte, der kommt an Ihre Daten, egal welche komplizierten Schlösser und Codes Sie aufstellen lassen.

Zu jedem Schloss existiert ein Schlüssel! Und wenn dieser wirklich nicht mehr auffindbar ist, steckt der Umkehrschlüssel immer noch im Schloss selbst. Und die Länge des Schlüssels ist dabei unerheblich. Im Gegenteil!

In Hackerkreisen war es noch nie klug einen zu hohen Sicherheitsstandard zu entwickeln. Denn Hacker kann man am ehesten mit Bergsteigern vergleichen. Je höher der Berg, desto höher die Herausforderung! Je höher die Herausforderung, desto mehr Hacker! Es ist Adrenalinsport für Denker, nicht immer unbedingt aus niederen Instinkten heraus. 1 von 100 zieht den einfacheren Weg vor und fliegt gleich mit einem Fototeam an die Bergspitze um sich Knipsen zu lassen. Allenfalls lässt er den Berg besteigen, um den Ruhm zu kassieren.

‚Ist nicht zu knacken!‘, gibt es nicht! Jüngst müssen fast alle Chiphersteller in Demut zugeben, dass Ihre Prozessoren angreifbar sind. Nach dem Skandal um Intel steht AMD nicht besser da (Meltdown/Spectre), und nach dem Leak von Apples IOS hat nun auch Android seinen Leak direkt im Bios sitzen.

Dies sind Löcher, die sich durch Softwareupdates kaum bewältigen lassen, da sich die Angriffsflächen in der Hardware selbst befinden. Bei wirklich relevanten Behörden und Diensten wird man auf Grund dieser Erkenntnis sicher noch mehr Schutz aufstellen wollen, denn ansonsten müsste man komplett neue Chips entwickeln und einbauen, die den Fehler nicht mehr haben.

Man darf sich dieses Sicherheitsrisiko gar nicht wirklich ausmalen, wenngleich nur wenige Hacker den Weg finden werden, und noch weniger davon 1 von 100 sind.

1 von 100 wird uns noch viel beschäftigen, wenn Sie bei mir und meinen künftigen Beiträgen bleiben, denn er ist leider der eine, der immer lacht.

Dabei ist es gleich, ob es um die Vermüllung, Ausbeutung, Religion oder Krieg oder harmloses Backe Backe Kuchen geht. Wenn es um Aussicht auf Geld und Macht geht hat 1 von 100 seine Hände mit im Spiel. Der Mensch ist schwach! Aber ein Misstrauen gegenüber der 97 anderen bringt niemanden von uns weiter! Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis, nicht verordnete Sicherheit, die Ihnen nur auf dem Bildschirm entgegenwinkt, technisch aber unmöglich zu gewährleisten ist!

Ich hoffe, Sie halten mich für einen Ihrer 97 von 100 und freue mich auf Ihre Reaktionen zum Thema. Ich belüge Sie nicht, weil ich das möchte; ich belog Sie, weil die EU mich dazu zwang!!

Ihre E-Mailadresse wird dabei nur relevant von mir „verarbeitet“, um Ihnen zu antworten, sofern Sie das explizit anbieten.

Aber das war auch schon vor der DSGVO nicht anders und ich hoffe, dass haben Sie jetzt auch trotz einiger Umwege verstanden.

Ich wünsche Ihnen die Stärke, aufrecht und natürlich Stolz zu sein auf alles was Sie tun und mit Freude und ohne Angst in den Spiegel schauen zu können!

Kay Fiedler
03.07.2018 (Ergänzung und Korrektur 30.09.2020)

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Geschichten Geschriebenes

Schach!!

Fussbodenschach
Foto zur Kurzgeschichte „Schach!!“

Ich schaue mich im Stadtpark um. Wiesen voller geschäftiger Nichtstuer. Zwischen den Bäumen tollen Kinder. Eine Frau vertieft sich in ihren Roman, während ihr Begleiter den Einweggrill anfacht. Sommer! Die Schwüle lässt erahnen, dass dieser Tag wieder mit durchgeschwitzten Bettlaken enden wird.

Ich sehe auf die Gruppe von Boccia-Spielern, wie ich sie sonst nur in Frankreich und Italien antreffe. Nur das dort das Spiel bei einem guten Wein oder Schnaps zelebriert wird, ein Volksspiel. Man lässt sich Zeit und beredet die Tagesgeschehen zwischen einem edlen Tropfen und einem guten Wurf.

Diese Gruppe spielt lediglich das Spiel gemäß der Spielanleitung, die bei den bunten Plastikkugeln dabei war. Plastik und Dosenbier! Als nächstes werden sie sich eine Boccia-App auf ihre Smartphones herunterladen und sich gegenseitig mit der Cola-App zuprosten ohne ihre mit Decken markierten Rastplätze und Picknickkörbe zu verlassen.

Ein Schwarm Vögel schmiegt sich in der feinen Bö zwischen den Bäumen und erfreut mich mit ihrem Lied. Ihre Schatten wandern wild auf der Wiese umher und verfolgen ihre Piepser. Zwei Teenager schauen kurz von ihren Plätzen auf und stellen ihre MP3-Player lauter. Sommer! Ich liebe es!

Zwei Kinder haben ihre Wasserpistolen dabei und verfolgen einander quer über alle Decken. Mancher schaut gestört drein, lässt die Kinder jedoch gestatten. Der Duft der Wiese vermengt sich mit Schweiß, Grillfleisch und Sonnencreme und ich weiß die Zeit ist reif.

Es ist der richtige Tag für eine gute Partie Schach. Dort sitzen sie, geschützt durch die Bäume. Geschützt vor den Blicken der Anderen, geschützt vor dem lauwarmen Sommerwind und der brütenden direkten Sonne.

An einem der vier Schachtische sitzt ein Pärchen und missbraucht  den Tisch für ein Picknick. Sie werden geduldet, da sie sich ruhig dabei verhalten. An zwei anderen Tischen wird emsig an Strategien getüftelt, während der letzte Tisch auf Spieler wartet. Sommer! Hier findet er statt.

In der Mitte der Schachtische wurde ein größeres Schachfeld auf dem Boden angelegt. Hier findet das eigentlich interessante Spiel des Tages statt, welchem auch ich mich heute widmen möchte.

Ich schaue mir die beiden Spieler am Fussbodenschach genauer an. Wilfried hat ein vom Wetter und Zeit gezeichnetes Gesicht. Man sieht ihm den versierten Schachspieler an. Er hat das Spiel zu einer ihm eigenen Kunst entwickelt, plant seine und die gegnerischen Züge bereits auf fünf Züge im Voraus, ohne dabei eine Miene zu verziehen. Er kennt seinen Gegner nicht wirklich und streng genommen ist er ihm auch egal. Wilfried ist Jahre zur See gefahren und der einzig verlässliche Freund war sein Spiel. Keiner kennt es so gut wie er. Auch jetzt als Rentner würde er niemanden mehr als Freund bezeichnen, mehr als sein Spiel.

Wilfrieds Gegner ist heute Guiness. Zumindest steht das groß auf seiner Umhängetasche, die achtlos am Spielfeldrand liegt. Aus ihr könnte Guiness im Minuten-Takt das Klingeln seines Telefons vernehmen, wenn er nicht so wahnsinnig konzentriert wäre. Wilfried machte ihm bereits mit den ersten beiden Zügen klar, dass er es mit einem Profi zu tun hätte. Seine Eröffnung nach Kasparov 1985 in der Ukraine hatte Wilfried gekontert und zu seinem Vorteil genutzt. Welche Strategie verfolgte Wilfried? Guiness lässt in Gedanken alle ihm bekannten Schachmeister und Partien der letzten Jahrzehnte im Schnelldurchlauf an sich vorüberziehen bevor er nach etwa gefühlten drei Minuten einen der großen Bauern ein Feld vorrückt. Guiness geht zu der abseits am Boden abgestellten Uhr und haut ihr auf den Kopf.

Ein vernehmliches ‘Klink‘ macht Wilfried bewusst, dass er nunmehr am Zuge ist. Er verschwendet kaum Zeit, sondern geht gezielt auf seinen Springer zu und verbaut dem Bauern jegliches weitere vorrücken. Mit der Gemächlichkeit sich die Ruhe verdient zu haben geht Wilfried ebenfalls zur Uhr und lässt ein ’Klink‘ in die Sommerluft entfleuchen.

An einem der anderen Tische schaut einer der Spieler einen Moment zu dem großen Schachplatz. Sein Gegner nutzt diese Unachtsamkeit für einen zweiten Zug. Aber um dieses Spiel geht es mir heute nicht.

Da Guiness in seinem Repertoire an Spielen keine gängige Strategie finden kann, versucht er jetzt etwas nahezu Auswegloses. Er versucht den Blick mit Wilfried zu kreuzen und ihm seinen nächsten Zug an den Augen abzulesen. Unter den wuschigen ergrauten Augenbrauen starrt Guiness auf blaugrauen Stahl. Keine Regung, kein Zucken.

Wilfried kommt der Aufforderung nur Unwillig nach. Er ringt sich ein Lächeln ab und sagt: „Sie sind am Zug, Herr …?“

„Jepsen! Jan Jepsen“, antwortet Guiness, nun vollkommen aus seiner Konzentration gerissen. „Ich bin Wilfied Schmidt! Sie sollten sich mehr auf das Spiel an sich konzentrieren und nicht auf Nebensächlichkeiten. Dann haben wir beide mehr davon!“ Wilfried sagte es und verstummt, als hätte er Guiness ausreichend ermahnt ihn nicht weiter anzustarren.

Jan  nutzt die Unterbrechung, um sein Telefon aus der Guiness-Tasche zu nehmen. Drei Anrufe in Abwesenheit, alle von der gleichen Nummer. Nein! Im Rechenzentrum mussten sie es auch einmal ohne ihn schaffen. Und er hat extra noch gesagt sie sollten ihn nur im Notfall stören. Ein wirklicher Notfall, nicht etwa ein verlegtes Passwort, eine unauffindbare Datei, niemand anders im Betrieb, der es so gut ausbügeln könne wie Janus Jepsen, Herr der IT. Jan heißt eigentlich Janus, aber er konnte sich noch nie mit dem Namen anfreunden. Zudem geht es Wilfried nichts an, wie er wirklich hieße.

Freie Tage waren für Janus selten und dieser war stellvertretend für einen ganzen Jahresabschnitt, im Volksmund Sommer genannt. Jan überlegt eine Sekunde lang, ob er das Smartphone nicht ganz abschalten solle, aber dann wäre er ja für niemanden mehr erreichbar. Er begnügte sich mit einem resignierten Wurf zurück in die Tasche.

Janus sank gerade in die Spielstrategie zurück als ein erneutes aufflackern seines selbst erstellten Klingeltones aus dem schneller gepitchten Elvisklassiker ‚Muss-i-denn‘ bestand, Janus wieder zum auftauchen zwang. Janus greift das Mobile wie einen Wurfknochen und bellt hinein: „Ja, Jepsen! Was ist denn?“

Während Wilfried tief durchatmend die Uhr auf Pause stellt, hört Janus sich das Problem seiner Stellvertretung an. Janus nutzt die Gelegenheit sich umzusehen. Das Picknick am Schachtisch scheint beendet zu sein. Der Tisch ist leer und leere Einwegverpackungen lassen keinen Zweifel an dem Missbrauch. Wenn solche Leute wenigstens danach aufräumen würden.

Die Bauern sind vom Feld.

Janus schaut an einen der anderen Tische. Einer der Spieler macht eine sich Ruhe ausbittende Geste zu Janus. Aber Janus lässt sich dadurch nicht von einer lauten Antwort in seinen Rufknochen abbringen: „Micha! Was ist in deinem Dafürhalten ein Notfall? Du hast die Liste mit allen Passworten unter der Schreibtischmatte kleben! Ich hab es dir schon x Mal gesagt, was ich davon halte, allein schon wegen der innerbetrieblichen Sicherheit! Ach egal…, schau in deine Liste und lass mich hier in Ruhe! Ich… was?“ Micha versucht nun seine Entscheidung zu rechtfertigen und Janus hört entspannter zu als er sieht, dass Wilfried die Zeit angehalten hat.

Wieder schaut Janus sich um. Er erfasst das Spielfeld kurz abwägend, das alles in Ordnung ist. Die beiden Kinder mit ihren Wasserpistolen werden von einem wutentbrannten Teenager verfolgt. Alle drei streifen kurz das Spielfeld von Janus und Wilfried. Der Teenie flucht laut, während die Kinder in sicherem Abstand immer wieder kurz um sich spritzen. Laut lachend und fluchend entfernen sich die Wasserspeier und ihr Verfolger wieder durch die Bäume.

Der Blick Janus folgt den dreien zwischen die Bäume hindurch auf die Wiese. Die Bocciaspieler sind fort. Überhaupt scheint es leerer geworden zu sein. Ist es schon so spät? Ein flüchtiger Blick zur Armbanduhr offenbart, dass sich viele zurückgezogen haben dürften.

Es ist WM-Jahr und heute gibt es sicher noch ein wichtiges Spiel. Spielen wir heute nicht gegen…? Janus hört nicht auf Michas Entschuldigung und wendet sich an Wilfried. „Gegen wen spielen wir heute in der WM?“

Wilfieds Antwort besteht aus einem Achselzucken. Nicht nur, dass er es nicht weiß, es ist ihm auch egal solange sein Spiel nicht geschlagen ist. Und sein Gegner zeigt Abwesenheit. Sowas kann ein ganzes Spiel ruinieren.

Weitere Bauern sind vom Feld!

Die Schwüle ist kaum mehr auszuhalten. Selbst Wilfried muss sich jetzt den Schweiß von der Stirn wischen. Als er erkennt, dass das Spiel am Telefon erst entschieden werden muss, lässt er den Blick ebenfalls ein wenig schweifen.

„…Du weißt, wie ich dazu stehe!“, hört Wilfried den erneuten Zug seines Gegners ins Telefon kläffen. Ein warmer Föhn zieht durch die Bäume. Eine leere PVC-Flasche rollt vor mir her in Wilfrieds Blickfeld. Wilfried schaut mich jetzt direkt an, so wie in all den Jahren auf See – unerbittlich, kühl. Aber heute ist ein guter Tag für eine gute Partie Schach! Ich werde heute gewinnen, soviel ist sicher!

„…Ja, okay! Jetzt ist es eh zu spät. Herzlichen Dank, Michael! Wir reden Montag darüber! Was? … Ja schönen Feierabend! Leg dich wieder hin! Tschüss!“. Janus beendet seinen Zug mit der Akzeptanz des Schachmatt mit Michael indem er sein Smarty in den Beutel zurückwirft.

Springer schlägt Turm!

„Ups! Da braut sich was zusammen“, lässt sich Janus hören, als er mich entdeckt. „Zurück zu unserer Partie, Herr Schmidt!“. „Sie sind immer noch am Zug“, lautet die Antwort Wilfrieds, als er den Pausenhaken von der Uhr löst.

Jan Janus ´Guiness´ Jepsen taucht schnell aber bestimmt zurück in sein Schachspiel. Er sucht nach einer Möglichkeit Wilfrieds Springer zu umgehen ohne seinen Bauern opfern zu müssen. Er überlegt: „Vielleicht…“

„Ja, das könnte funktionieren. Diesen Spielzug aus dem Jahre 1965 zwischen dem Weltmeister und seinem damals noch jungen Schachschüler Endo… Erzo… ach wie hieß der doch gleich noch? Nun, egal – jedenfalls war die Partie nur von einem Beobachter notiert worden, der es erst letztes Jahr auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hatte. Wilfried machte nicht den Eindruck, als kenne er das Internet. Er kann das Spiel unmöglich kennen.“ Mit sich zufrieden, geht Janus zu seinem Springer und bringt den Springer Wilfrieds seinerseits in Bredouille. Jetzt erst wieder voll im Spiel, geht Janus siegesgewiss auf die Uhr zu.

‚Klink‘.

In der Entfernung hört man ein „Ach Menno“ aus zwei Kehlen gleichzeitig. „Schluss!“ ruft eine weibliche Stimme. „Ihr packt die Spritzen jetzt weg und räumt hier auf! Ihr spinnt ja wohl! Wir gehen!“ Nach ein wenig rebellischem Aufbegehren und ebenso bestimmten Antworten wurde es deutlich stiller auf der Wiese, als die Kinder weiter unter Protest die Wiese verließen. Wilfried genießt kurz die neuerliche Ruhe, ehe er seinen Zug ausführt.

Königin schlägt zwei Springer. Geht nicht? Geht wohl!

Wilfried blockt Janus Springer seinerseits mit einer Turmdeckung. Ihm war Janus Zug quasi klar. Er hatte jedoch von fünf möglichen Zügen den wohl sinnlosesten versucht. Seinen Berechnungen nach blieben Janus nur noch drei Züge bis zum finalen Aus. Ein Schlupfloch wäre da noch zu stopfen, aber das  ausgerechnet dieser Janus das Loch in der Verteidigung sehen sollte…

‚Klink‘

Janus ließ alle Strategien fallen. Warum funktionierte Wilfried nicht? Im Schachforum hätte er jeden mit dieser Springerkombination zum Schwitzen gebracht. Und Wilfried entwaffnet den Weltmeister 1965 und vor allen Dingen Jan. Der Janus in Jan verliert nicht gerne. Nicht allein deshalb paukte er all diese Partien der alten Meister. Jan ist ein Gewinner und wenn er schon verliert, dann mit… Hups! Da war die Lücke, die er brauchte!

Wilfried muss Jan mehr Verstand zugestehen als bislang zugemutet, als Jan seinen Läufer auf die befürchtete Position setzt. Es wird also Ernst. Endlich doch noch so etwas, wie eine Herausforderung. Wilfried schaut mich kurz an, als wolle er meine Bestätigung haben. Ich schwieg zwar nicht, aber er wollte ja trotzdem nicht hören. Willi, stur wie immer.

‚Klink‘

Die Partie  am Nachbartisch wurde gerade beendet. Ich kann nicht erkennen, wer von den beiden das Spiel gemacht hat. Einer der Spieler räumte eilig die Spielsteine in eine Holzschachtel und es sah ein wenig nach Flucht aus, als der eine binnen Sekunden zwischen den Bäumen aus dem Blick der Anwesenden verschwand. Sein Gegner geht auf Wilfried zu und sagt: „Willi, alter Freund! Seh zu! Wir sehen uns im Mumienhaus. Mach den Grünschnabel weg und komm.“

Bauer schlägt Turm!

Nur noch ein Zug vom Finale! Ich hole noch einmal tief Luft und halte inne. Da merke ich, dass die Vögel nicht mehr singen. Auch der letzte Schachtisch ist nun leer. Es ist als würde die Schwüle um uns herum alles verschlucken.

„Willi, alter Freund!…“ grunzt Wilfried seinem Heimmitbewohner leise hinterher, als er sich auf seinen Zug konzentriert. „Freund! Pah! Mumienhaus! Witzbold!“, grummelt er.

Janus schaut sich um, kann mich nun auch nicht mehr übersehen. Er stellt darüber hinaus fest, dass außer Willi und ihm nur noch ich am Spielfeld sind.

Nun, ich glaube ich bin wieder am Zug.

Ich atme aus.

Eine Woge reißt die Äste der Bäume zum Bersten nahe auseinander. Letzte Wiesenhocker stürmen mit ihrer Habe vom Platz. Der kalte Platzregen peitscht so auf die Erde hernieder, dass der aufsteigende Dampf kaum gegen die Wassermassen ankommt. Kleine Hagelkörner würzen das Spektakel, als ich meinen Zug über den Schachplatz heranführe.

Wilfried lässt sich nicht beirren. Er schlägt auf die Uhr, als er seinen Zug beendet hat. Janus hat sich seinen Guinessbeutel geschnappt und hält nur noch einen Zug inne, als er auf das Spielfeld schaut. Das ‚Klink‘ erreicht ihn durch den Sturm hindurch kaum noch. Dennoch weiß er, nur noch zwei Züge…

Es reicht! Ich suche mir einen Baum ein wenig abseits und schlage darauf! „Schach!“

Janus hält den Beutel über seinen Kopf geschützt um sich vor dem Hagel zu schützen und stürmt ohne noch einen weiteren Gedanken an das Spiel in Richtung Parkplatz. Ja, verlieren tut manchmal weh.

Wilfried schaut mich wieder resignierend an. In aller Ruhe packt er seine Uhr in eine Plastiktüte. Er hat mich schon ganz anders erlebt, denkt er. Es ist doch nicht auszuhalten. Dieser Wilfried!

Ich suche mir einen dichteren Baum und schlage drauf! „Wilfried! Schach!“

Wilfried hält in seinem finalen Zug inne. Er presst die Uhr an seinen Körper und hinkt eiligst los.

Verwaiste Verpackungen, Handtücher und einige Einwegrills flogen mir kleine Pirouetten, als ich Wilfrieds König umkippte.

„Schachmatt!“

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Buch Geschriebenes

Bartholomäus Baer

Bartholomäus Baer
Bartholomäus Baer
Arbeitstitel:

Bartholomäus Baer

Anmerkung: Rechtsschreibfehler inbegriffen, Daten und Namen unabgestimmt. Dies ist lediglich die Kladde für mich, mit der ich den roten Faden für meinen Roman erarbeite!!!

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Bartholomeus Baer. Sie haben nie von mir gehört? Nun, das wundert mich kaum. Die Geschichtsschreibung hat mich und [Elaine] wunderbar umschifft. Ja, „umschifft“ trifft es gut. Man erzählt sich von Heroen wie Francis Drake, von schurkischen Piraten wie Blackbeard. Und die Geschichte, die geschrieben steht, ist logischerweise die Wahrheit, da sie gedruckt steht. Aber von mir, dem Freibeuter Baer, steht nichts in den Annalen der Zeit.

Dabei hätte ich meinen Platz in der Geschichte haben können. Aber ich erzähle mal lieber von Anfang an!

Meine Eltern waren unadelig, einfache Handwerker. Dennoch sparte mein Vater genug Geld zusammen, um mich an eine Militärakademie seiner königlichen Hoheit, dem Monarchen der Niederlande zu bringen.

Es wäre eine Lüge zu behaupten ich sei ein guter Rekrut gewesen. Meine Fecht- und Kampfkünste waren unterer Durchschnitt, mein Dienst an der Kanone und bei der Pferdepflege eben nur Pflicht. Aber wozu mehr riskieren? Für höhere Positionen waren die adligen Sprösslinge bestimmt.

Ich hatte stets vermutet, man würde mich und meinen Zimmergenossen und Freund Ugnet deshalb so schleifen, weil ich der verdammte germanische Ausländersprössling war. Nicht das die Niederländer und die Germanen im Krieg gelegen hätten, aber wir befanden uns, ebenso wie die Kronen von England, Portugal und natürlich Spanien und Frankreich in einer Art Wettrennen bei der Besiedelung des neuen Kontinents. Konflikte wurden im Allgemeinen durch die Oberhäupter wegkomplimentiert, oder durch kleine Händel und Geschenke legalisiert. Man war eher bereit eine Hochzeit zu arrangieren, als den Krieg auszurufen. Die Lage war stets gespannt, aber selten kritisch. Die Völker selbst bekamen davon nur wenig mit. Den kleinen Mann interessierte es auch kaum.

Jedenfalls kam Ugnet und mir diese offene Feindschaft bei unserer Ausbildung zugute. Wir wussten schließlich, dass wir nur einfache Soldaten waren, ohne besondere Befähigungen. Ugnet und ich saßen oft beieinander, behandelten unsere Blessuren, tranken gemeinsam und erzählten uns so ziemlich alles voneinander. Ja, so ziemlich „alles“, wie ich wenig später feststellen musste.

Denn eines Morgens kam eine Delegation Offiziere in unser Quartier und offerierte Ugnet, dass er seinen Vater im Dienst an der Krone verloren hätte. Ugnet als einzigem Sohn käme die Ehre zugute, fortan den Titel des Vaters tragen zu dürfen und in den Adelsstand aufgenommen zu werden.

Ab da änderte sich für uns alles. Die Ausbildung wurde noch härter. Mir wäre lieber gewesen, sie hätten mich weiter nur meiner deutschen Herkunft wegen nicht gemocht. Nun, schließlich sorgte Ugnet dafür, dass ich mit ihm zur Offiziersschule wechselte. Dadurch erhielt ich, trotz das ich nie Lesen und Schreiben erlernt hatte, Unterricht in Heraldik, Staatsführung, Strategie und Etikette. Nicht dass ich es mit dem Lesen nicht probiert hätte in der Zeit. Aber so sehr sich Ugnet dabei um mich bemühte, für mich ergab das Gekrizzel keinerlei Sinn. Trotzdem reichte ausreichendes Zuhören aus, um alle Prüfungen zu bestehen. Und so erlangte ich schließlich das Offizierspatent.

Durch den erlangten gesellschaftlichen Status, aber auch durch den guten Ugnet gelangten wir in immer höhere Kreise des Adels. Schließlich wurden wir auch auf die Empfänge ihrer Majestät geladen.

Bei einem solchen Empfang wurde an die Offiziere ausgeschrieben, es würde ein fähiger Mann gesucht, der seiner Majestät Vertretung in einer seiner Kolonien nahe von [Maracaibo] übernehmen wolle. Es hörte sich nach einem erfolgsversprechenden Dienst an. Die Verfügungen und Überlassungen der Krone ließen einen damals auch als Gouverneur leben wie ein König selbst. Also ließ ich mich aufstellen und wenig später stieß ich mit dem Gouverneursbrief im Gepäck in See. Ugnet sollte ich nach meinem Aufbruch nie wieder sehen.

Ich hatte ja keinerlei Ahnung von der Seefahrt. Nach wenigen Tagen ertrug ich das laufende Geschaukel und das Knarren der Planken nicht mehr. Die nahezu unendliche Fahrt versuchte ich mich mit den Seekarten vertraut zu machen. Zwar konnte ich die Beschriftungen nicht lesen, aber wenn mir einer der anwesenden Offiziere einmal einen Namen nannte, brannte sich dieser mitsamt der Karte in mein Gedächtnis ein. Was hätte ich auch sonst treiben sollen? Die Matrosen erzählten abends viele ihrer Geschichten von Riesenkraken, Walen und Unwettern von alten Göttern gesendet. Auch hörte ich hier das erste Mal bewusst von den Räubern zur See, Piraten genannt.

Sie mögen heute an Seefahrerromantik glauben, aber es hatte in meiner Zeit nur Gräuel zu bieten. Denn Schiffe, die durch Piraten aufgebracht wurden, wurden gekapert, oder versenkt. Ebenso erging es den Besatzungen. Fehlten den Piraten Leute, so wurden sie wie eine allgemeine Ware durch die gekaperten Mannschaften ersetzt und gefügig gemacht, durch Gold oder Schläge, je nach den erforderten Qualitäten. Alle, die nicht dieses zweifelhafte Glück hatten, gingen mit ihren Schiffen unter. Gefangene wurden nur gemacht, wenn sie als Ware etwas wert waren, für Lösegelder, bzw. Frauen für die Mannschaft.

So war ich sehr froh, als wir [Sierra Nikola] nach unendlichen Wochen endlich erreichten, ohne größere Zwischenfälle als einige Unwetter und einiger kranker Matrosen zu erleben.

Ich übergab die Papiere und wurde unverzüglich in meine neue Pflichten als Gouverneur eingeführt. Bei allen Annehmlichkeiten war man doch mehr Majonette des Königs, als selbst handelnder Herr seiner Willens, wie ich alsbald feststellen musste. Aber die Bediensteten halfen mir, so gut es eben ging.

[Sierra Nikola] war ein kleiner Ort, den Sie heute auf keiner Karte mehr finden werden. Er wurde [1618] durch die ehrwürdige englische Marine aus der Hand der Franzosen befreit, indem man den Ort in Schutt und Asche legte.

Ja, aus der Hand der Franzosen befreit, nicht aus holländischer. Ich sollte das Amt kaum drei Jahre innehaben. In dieser Zeit versuchte ich die Verhältnisse der Bürger von [Sierra Nikola] so gut es ging zu verbessern. Nach nur zwei Jahren hatte ich das Vertrauen der Siedler erreicht. Der spanische Gouverneur Senor Miguel, der bis zu meiner Ankunft die Geschäfte führte, hegte keinerlei Groll gegen mich und wurde im Laufe der Zeit sogar mein Freund. Für ihn war es völlig normal, erklärte er mir in seiner dünnsten Mischung aus englisch und deutsch, dass diese Kolonien für Europa auch nur eine Tauschware darstellten. Das hörte sich nicht nach einer Lebensstellung für mich an, und so kam es schließlich auch in jenem erwähnten dritten Jahr.

Ein französisches Schiff legte im Hafen an und da es ein königliches Wappen führte, kam ich meiner Pflicht nach die französischen Gesandten zu begrüßen. Ich bekam ein Schreiben mit dem Siegel der niederländischen Krone überreicht. Miguel las mir das Schreiben vor, nicht ohne Schwierigkeiten, schließlich verstand er kein niederländisch. In anderen Situationen hätte ich über seine falsche Aussprache gelächelt, aber der Inhalt ließ mir das Blut gefrieren. Das Edikt enthob mich meines Amtes und erforderte die Übergabe an die Franzosen. In dem Schreiben stand aber auch nichts von einer Rückkehr in die Niederlande, kein Wort über meine Zukunft. Ich wollte nicht einfach hier bleiben und wie Senor Miguel als Handlanger dem neuen Gouverneur dienen.

Was dann geschah, verstehe ich bis heute nicht. Ich wollte mich dem Befehl meiner Majestät fügen. Ehrlich! Ich muss mich zu laut über den Befehl geärgert haben, irgendetwas, dass den Unmut der Franzosen erweckte. Ich verstand kein Wort, merkte nur die totale Agression in den Stimmen. Oder klingen Franzosen immer so?

Ehe ich mich versah wurde ich in Gewahrsam genommen. Senor Miguel versuchte die Bürger zu beruhigen, aber noch bevor irgendeiner von uns beiden etwas hätte tun können, flog der erste Stein aus der Menge der Bürger einem französischen Soldaten mitten ins Gesicht. Was folgte, waren Gewehrsalven in die Menge, Schreie und totales Gemenge. Ich bekam den Rest nicht mehr mit, denn die Wachen brachten mich in den Kerker.

Die Stimmung schien sich schnell zu legen, denn nach nur wenigen Minuten wurde es vor den Mauern ruhiger. Es wurden keine weiteren Salven abgefeuert und das Volk schien sich beruhigt zu haben.

Ich konnte wirklich froh sein, dass mein Amtsantritt gesitteter ablief. Einmal mehr bewunderte ich Miguel dafür, dass er sein Los damals so einfach hinnahm.

Ich saß einige Tage in dem Loch, ohne dass man sich sonderlich für mich interessierte. Zum Glück dachte der Kerkermeister an mich und vergaß meine Versorgung nicht. Die Küche ließ mir die besten Speisen zukommen. Dann erzählte mir der Kerkermeister, dass ich in der Nacht besser nicht auf der Pritsche schlafen sollte. Mein spanisch war trotz der drei Jahre immer noch nicht perfekt genug, um heraus zu bekommen, wieso ich das nicht sollte.

Sie würden sagen, das hätte doch klar sein müssen. Aber gemäß Erziehung und Ausbildung war für mich nur eine politische königliche Lösung meiner Gefangenschaft denkbar. An Gewalt hätte ich nie gedacht.

Auf jeden Fall wurde ich von meinem neuen Boden-Nachtlager mit lautem Kanonendonner geweckt. Die Mauer stürzte ein Stück weit ein und Miguel erschien durch den Rauch mit einigen der Bürger.

Ohne zu wissen, was hier gerade passierte, folgte ich Miguel durch die dunklen Strassen von [Sierra Nikola]. Als wir im Hafen ankamen, lag dort noch das Schiff der Franzosen. Die vorderen Wachen lagen bereits am Boden, als wir ankamen. Miguel warf mir einen Degen zu, als wir mit den anderen an Bord stürmten. Ich wusste zwar nicht im Detail was vorging, hatte auch nicht die Zeit darüber nachzudenken. Aber ich wusste, dass jeder Franzose an Bord verhindern würde, dass ich mir im Nachhinein noch Klarheit über die Lage verschaffen könnte. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei und einige der Bürger rannten von Bord, um mit Teilen ihrer Familien zurück zu kehren.

Das Schiff wurde in Windeseile klargemacht. Soweit ich das mitbekam, war zum damaligen Zeitpunkt kaum einer von uns richtiger Seemann. Aber die Handvoll Fischer gaben ihre spanischen Anweisungen und wir versuchten uns ihnen zu fügen. Sowohl Miguel, als auch ich merkten jedoch schnell, dass alle Bürger, ebenso wie die Fischer immer erst zu uns schauten, ehe sie Weisungen gaben oder ausführten. Es war, als wären sie auf unsere Zustimmung angewiesen.

Die Salven von Land aus erwischten einige von uns. Miguel und ich kümmerten uns schnell um die Verletzen. Wir segelten sicher eine Stunde lang bis die Fischer an einer kleinen Bucht anlegten.

Wir gingen von Bord und endlich kehrte etwas Ruhe ein. Die Bürger schichteten Holz aus dem Wald auf und wir versuchten zusammenzutragen, wer bei uns war und was überhaupt die letzten Tage passiert war.

Die Franzosen gingen in den letzten Tagen vor, als seien sie Plünderer. Alle Häuser wurden nach Wertgegenständen durchsucht. Die Fischer wurden dazu gezwungen ihre Fänge vorzuzeigen und reife Früchte der Bauern wurden ebenfalls direkt mitgenommen. Der Unmut der Spanier war groß und Miguel versuchte sie zu beruhigen. Aber der Zorn wuchs, als man die toten Bürger offiziell zu Rebellen gegen die französische Krone deklarierte und ihre toten Körper auf dem Stadtplatz aufstellte.

Bei meiner Befreiung und der Flucht haben wir zum Glück nur wenige Bürger verloren. Keine Familie war ohne ein Elternteil zurück geblieben. Jeder hatte mindestens noch einen Angehörigen. Dennoch war jeder Tote ein völlig sinnloser Verlust. Was war bloß in diese Franzosen gefahren?

Am Morgen erkundete ich die Bucht ein wenig. Eigentlich lag sie ideal. Der Wald gab uns Holz für Hütten, die Bucht war gerade breit genug für unsere Brick und die Fischer erzählten, dass die Bucht von außen kaum zu sehen war, so dass die Bucht komplett von den Felsen umschlossen schien.

Wir beratschlagten trotzdem, wie wir weiter vorgehen sollten.

Eine Überfahrt nach Europa, um seine holländische Majestät um Erklärung zu bitten? Unwahrscheinlich, vorgelassen zu werden. Zudem waren wir nur sein Eigentum.

Das Schiff versenken und so zu tun, als lebe man schon immer hier? Aber wie sollte man ausreichend Nahrung heranschaffen? Saatgut für Gemüse, Stoffe für Kleidung, Werkzeuge?
Handel, aber mit was? Mit dem Holz hier? Das bräuchten wir selbst.

Wir hatten nur das, was wir am Leibe trugen, diverse Verletzte, nur die provisorischen Waffen und einige Werkzeuge vom Schiff. In der Kammer des Schiffes fanden wir noch einige Musketen, Dolche und Rapiere.

Als wir über unsere Zukunft abstimmten, entschloss die Mehrheit, das Schiff zu behalten und Miguel und mir das Kommando weiterhin zu lassen. Wir hatten das Kommando? Dessen war ich mir nicht bewusst in den vergangenen Tagen und auch nicht in den letzten Stunden nach meiner Befreiung. Sie nannten mich weiterhin Gouverneur Baer, aber das konnte so nicht bleiben. Ich stellte mich den Bürgern mit meinem Vornamen vor.

Die Dinge entwickelten sich die kommenden Tage fast von selbst. Es entstanden kleine Rohbauten von einfachen Hütten. Die Fischer organisierten sich für den gemeinsamen Fischfang im Schutze der Bucht und auch die zersprengten Familien versuchten sich sichtlich zu integrieren. Es war bestimmt nicht einfach für sie.

Leider war die Bucht kein sonderlich guter Ort für den Fischfang und wir hatten kaum Möglichkeiten für die Wildjagd. Schließlich einigten wir uns darauf, die zu „Freiheit“ umbenannte Brick zu nutzen. Man überließ es mir einen Namen zu finden und ich wollte etwas Deutsches, für die anderen neutralen Namen finden. Und schließlich und endlich waren wir ja frei, wenngleich vogelfrei in den Augen unserer lieben Franzosen.

Und da lag auch unser eigentliches Problem. Sie durften uns beim Fischfang nicht entdecken. Zum anderen waren noch viele Familien in der Stadt verblieben, die Anverwandte in unseren Reihen hatten. Wie mag es ihnen seit unserer Flucht ergangen sein? Mit einem mulmigen Gefühl setzten wir das erste Mal unsere Segel und steuerten die See an.

Hätte man mir damals bereits unterstellt Pirat zu sein, ich hätte laut losgelacht. Die Franzmänner hatten uns ausgeplündert, meine Stadt überfallen und das ganze mit Genehmigung der Niederländer. War den Niederländern so wenig an [Sierra Nikola] gelegen, nur weil es eine von Spaniern bewohnte Stadt am Rande der Wüste war?

Unsere Fischzüge liefen von Bord wesentlich erfolgreicher, als in der Bucht. Dennoch war die Gefahr einer Entdeckung extrem groß, zudem wir ja nur wenige Meilen von [Sierra Nikola] fort waren.

Wochenlang ging es gut und unser Dorf ohne Namen wuchs allmählich. Die Frauen und Jugendlichen spezialisierten sich wieder auf ihre einzelnen Berufe. Die meisten Männer jedoch, folgten Miguel und mir auf die Freiheit, um sie im Falle der Entdeckung schnell aus der Sichtweite zu bringen.

Ich studierte die Gewässer durch die die Freiheit gleitete aufmerksam, merkte mir Unebenheiten und Untiefen, von denen die Fischer mir erzählten. Sie brachten mir auch bei, auf welche Anzeichen man achten musste, Grundregeln der Navigation und der Kunst vom Steuern der Freiheit.

Und dann, weitere Wochen später, passierte es! Wir entdeckten ein Segel am Horizont und versuchten die müde Freiheit aus vollen Segeln heraus zu wenden. Dennoch waren die anderen schneller. Sie schienen uns schon längst gesehen zu haben und die Verfolgung aufzunehmen. Es war die englische Flagge gehisst und die Entfernung eindeutig zu gering, da man dies schon erkennen konnte. Wir konnten die Freiheit unmöglich in die Bucht einfahren, also fuhren wir daran vorbei, ohne uns auffällig zu verhalten. Aber es hatte einfach keinen Sinn.

Noch wenige Minuten und wir wären in Reichweite ihrer Kanonen gewesen. Kanonen? Ja richtig, wir hatten ja auch welche. Aber niemand von uns war auf diese Situation vorbereitet. Außer mir hatte sicher noch niemand eine Kanone geladen und ausgerichtet. Sollten wir dies hier überleben muss ich mir vielleicht Gedanken über ein wenig Training machen. Kaum war der Gedanke gesackt, da öffneten sich auch schon die Schießscharten der Engländer und die Kanonenmündungen rückten raus!

Schließlich gab ich meinen ersten entscheidenden Schiffsbefehl, als ich zum einholen der Segel aufrief. Ich zog mir mein Hemd aus und winkte den Engländern zu.

Sie drehten bei, ohne ihre Vorsicht fallen zu lassen. Zum Glück war mein englisch besser als mein französisch. Eine Planke wurde ausgelegt und Bewaffnete behüteten ihr Deck. Dann kamen einige der Engländer an Bord. Unter ihnen auch ihr Kapitän.

Natürlich fragte er nach dem Grund unserer offensichtlichen Flucht. Als ich mich als Kapitän der Freiheit zu erkennen gab, fragte er mich nach den Details. Ich wusste nicht, ob es klug war, aber ich erzählte ihm eine etwas andere Version der wahren Geschichte. Die Franzosen fielen in Sierra Nikola ein, plünderten es und sperrten mich, den Gouverneur Baer ein. Dann in Folge die Sache mit der Flucht und unser unsäglichen Misere der Versorgung.

Der Engländer musterte mich lange, schien zu überlegen und ließ sich sein Logbuch bringen. Er prüfte lange seine Aufzeichnungen und fand schließlich eine Eintragung zu [Sierra Nikola], dass seiner Information nach spanisch sei. Miguel lächelte sanft und zog ein Bündel Papiere aus seinem Hemd. Es war seine, als auch meine Amtspapiere. Lord Southlake machte eine neue Notiz in sein Logbuch, und fragte, ob wir den Akt der französischen Marine als militärisch ansehen würden. Lord Southlake erklärte, dass England einen Kontrakt mit der holländischen Krone unterhalten würde und uns seine Unterstützung sicher sei, bei der Rückgewinnung der Stadt.

Oh, ja! Ein kurzer Blickwechsel mit Miguel und den nahe stehenden Bürgern genügte. Wir sahen es als kriegerischen Akt. Und wie!

Lord Southlake gab seinem Adjutanten einige knappe Befehle zur Weiterreise in den Hafen von [Sierra Nikola]. Wir sollten uns im Hintergrund halten und nur gegebenenfalls als Unterstützung eingreifen.

Wir alle schöpften neuen Mut, obgleich wir natürlich gelogen hatten. Aber sollten wir auf die Hilfe der Engländer verzichten? Die Alternative war zumindest mir bewusst, aber wollte dieses Wissen zu dem Zeitpunkt mit niemandem teilen. Schließlich war die Englische Galeone ein Kriegsschiff voller Soldaten und geladenen Kanonen und wir nicht einmal zwanzig Mann, darunter Handwerker, Fischer und junge Männer ohne jegliche Kampferfahrung. Was blieb uns, als unseren Kopf teuer zu verkaufen und vielleicht sogar die Stadt zurück zu gewinnen?

Kapitän Southlake ließ sich von seinem Sekretär Papier und Siegel geben. Er schrieb eine Weile und überreichte mir ein Papier, dass unseren Einsatz für die englische Krone legitimierte. Alle bei dem Einsatz erworbenen materiellen Güter gehörten bis auf ein Zehntel dem englischen König. Mir wurde mulmig, da ich nicht abschätzen konnte, worauf dieses Schreiben hinauslief. Was hatte Southlake vor?

Lord Southlake ließ zu unserer Sicherheit ein dutzend Männer auf unserer Freiheit, bevor wir der Galeone in einigem Abstand folgten. Ich verließ das Deck und gab Miguel ein Zeichen mir zu folgen. Wir berieten uns. So waren wir uns einig, dass wir nach wie vor verloren hatten. Wenn die Engländer in dem Hafen von [Sierra Nikola] anlegten, um trotz des Krieges die Situation mit den Franzosen zu klären, oder nach einer gewaltsamen Einnahme von [Sierra Nikola] einen Gefangenen nach der Legitimation der Franzosen fragen, so wäre unser Kopf erneut in Schwierigkeiten. Aber was hätten wir sonst tun sollen? Also würden wir solange gute Miene zum bösen Spiel machen, bis wir Gefahr liefen als Rebellen und nunmehr Stadträuber enttarnt zu werden.

Doch unsere Furcht, die Engländer könnten sich mit den Franzmännern verständigen, war üblerweise nicht gegeben. Die „Admiral Caradine“ lief ruhig in den Hafen ein. Die verbliebenen Soldaten auf der Freiheit halfen uns, die Brick in sicherem Abstand zu halten und schließlich ebenfalls zu ankern.

Im Hafen wurde es alsbald hektischer. Die Franzosen schienen weder mit ihrem alten Schiff, noch mit den Engländern und ihrer Kriegsgaleone gerechnet zu haben. Einige Soldaten gingen im Hafen in Position. Aber ansonsten blieb es verhältnismäßig ruhig. Es war sogar wie die berüchtigte Ruhe vor dem Sturm.

Die englischen Soldaten bei uns an Bord verständigten sich über Fahnen mit der Galeone. Verdammt! Ich hatte von dieser Wimpelsprache soviel Ahnung, wie von französisch. Ebenso gut hätten sie große Tafeln mit Schrift hochhalten können. Es schmeckte mir nicht, dass ich unwissend zusehen musste.

Zudem wurde mir meine strategische Ausbildung bewusst. Sie war ausgelegt auf militärische Manöver zu Land, noch dazu gegen einen Feind, den man kannte. Man wusste an Land immer, wer der Feind ist, aber auf dem neuen Kontinent hatten Informationen seltsame Wege. Nur deshalb wusste Southlake nichts von der legitimen Übernahme der Franzosen, aber auch wir nichts von dem Bündnis zwischen den Niederlanden und England. Anscheinend wussten es aber die Franzosen.

Hier in Neuindien, will sagen Amerika, brauchten Informationen vom alten Kontinent Monate, um verbreitet zu werden. Vieles bestand nur aus rumgereichten Gerüchten. Und gäbe es die Seefahrt nicht, mit ihren Kapitänen und Logbüchern – man wüsste noch weniger. Auf solche Strategien hatte man mich nicht hingewiesen. Was soll heißen Strategie? Mir war noch nicht klar, dass das die eigentliche Wertstellung in unserer Situation sein sollte und unser Schatz im Nächsten.

Von Land aus versuchte sich ein Franzmann ebenfalls im Wimpelschwingen. Abermals verdammt! Doch einer der englischen Soldaten an Bord fing an zu lachen, als er es sah. Die Franzosen forderten ihr Schiff zurück. Wir lachten höflich mit, nicht ohne den Wimpelschwinger außer Acht zu lassen, ebenso wie unsere englischen Soldaten.

Dann passierte es! Die Kanonenlucken der „Admiral Caradine“ öffneten sich, die Kanonen schoben vor und ohne ein weiteres Abwarten hörten wir alle den Befehl von Lord Southlake bis zu uns herüberhallen.

Wir waren wie versteinert, als die erste Salve in die Mauern der Stadthäuser verschwand. Da waren einfache Bürger, friedliche spanische Bürger, die unter dem Joch der Franzosen gebunden waren. In Gedanken sah ich diese Menschen vor mir, wie sie in Panik aus ihren Häusern flüchteten, ihnen Splitter um die Ohren flogen, verletzt wurden.

Wut kam in mir auf, wieso war mir das Vorgehen der Engländer eigentlich nicht klar? Ich hätte es wissen müssen! Sie halfen uns, unsere Stadt wieder zu erlangen, aber zu welchem Preis?

Miguel stieß als erster einen Aufschrei aus, hatte Tränen in den Augen und den Namen seiner Frau auf den Lippen, die er dort in [Sierra Nikola] wähnte.

Ich atmete noch einmal tief durch, schloss die Augen und fasste das Manubrium meines Degens. Unser Wimpelschwinger gönnte sich gerade eine Auszeit, um das grausige Schauspiel mit seinen Kollegen zu genießen. Er sollte der erste sein, dessen Spaß hier enden sollte. Ich öffnete die Augen und hatte meinen Degen bereits in der Hand.

Noch ehe ich den anderen Bürgern mitteilen konnte, was vor sich ging, befanden wir uns im Gefecht. Wir waren kaum mehr Männer als Engländer, aber uns trieb die pure Wut. Wut ist nicht grundsätzlich ein Garant für besseren Kampfstil, zudem den Bürgern Erfahrung fehlte. Dennoch wendete sich das Blatt zu unseren Gunsten. Ehe ich mich versah, hatte ich die Engländer so geschickt angegriffen, dass bereits vier von ihnen verletzt oder tot um mich lagen, während ich mit einem fünften kämpfte. Miguel schien ebenfalls Dienst an der Waffe genommen zu haben. Jedenfalls sah das Schlachtfeld um ihn herum ebenfalls beachtlich aus. So musste die restliche Mannschaft vereint nur noch zwei Soldaten im Schach halten, welche schließlich ihre Waffen niederlegten.

Erneut hörten wir eine Salve auf die Stadt einschlagen. Was sollten wir nur machen? Ich stürmte unter Deck und rief, alle freien Hände sollten mir folgen. Unten zeigte ich den Bürgern eine Kanone. Es blieb nicht viel Zeit auf Einzelheiten einzugehen. Ich demonstrierte kurz das Nötigste, die Folgen des Rückschlages, die Vorsicht beim Laden, ebenso wie das Zünden. Sie sollten so viele Kanonen wie möglich feuerbereit machen, auch jene die sie im Moment nicht besetzen könnten. Ich würde ihnen den Augenblick des Zündbefehls mitteilen lassen und verschwand wieder nach oben. Es war ein wenig Verantwortungslos, aber ich musste mich um das Schiff kümmern. Als ich oben ankam, hatte Miguel anscheinend schon begriffen, was ich vorhatte. Nur das kleine Vorsegel war gesetzt und die Freiheit drehte sich langsam um den Anker. Wieder flogen mit lautem Gedonner schwere Eisenkugeln durch die Luft und rissen Löcher in Häuserwände. Zwischen den Trümmern liefen Menschen herum, nicht wissend wohin sie sich in Sicherheit bringen sollten. Von der Stadt waren schon jetzt nur noch Fragmente zu erkennen. Die Franzosen schossen aus vollen Musketen heraus, konnten aber weder uns, noch die Engländer sichtlich treffen. Wir hatten in [Sierra Nikola] keinerlei Seeverteidigung. Die Stadt war auf Angriffe von außen nicht vorbereitet, lediglich gegen das Land, gegen Raubtiere und die Ureinwohner schützte der große Palisadenzaun rings um die Stadt. Der Hafen lag vollkommen offen.

Lord Southlake und seine Mannschaft schienen mit keinem Auge auf uns zu haften. Auf jeden Fall drang der Ruf ans Oberdeck, dass unsere Kanonen bereit wären, eben bevor wir in günstige Schussposition kamen.

Unsere Chance war klein, fast unmöglich. Wir mussten die Admiral mit wenigen Schüssen so massiv beschädigen, dass sie nicht manövrierfähig wäre und unseren Kanonen ausgeliefert war. Ich lief unter Bord und brachte unter körperlicher Mithilfe die erste Kanone in Stellung. Schließlich brannte die Lunte und alle Anwesenden wussten, jetzt gab es kein zurück mehr.

Der Donner unter Deck war Ohren betäubend. Die Kanone hob ein Stück von den Dielen ab, als sie gut einen halben Meter zurückschlug. Sie war mit Halteseilen zwar ausreichend gesichert, aber der Rauch machte es unmöglich sofort die Situation zu beurteilen. Man konnte nicht durch die Luke schauen. Mehr fühlend als sehend half ich beim Ausrichten der zweiten Kanone, bis sich der Schmauch lichtete. Als ich zum Ziel sah, erkannte ich zumindest die Panik, die mein Schuss verursacht hatte. Getroffen hatte ich offensichtlich nicht. Wäre nicht das Pfeifen in den Ohren, hätte ich vielleicht hören können, was Lord Southlake anordnete. Aber so konzentrierte ich mich ein wenig mehr auf die Lehrsituation beim Ausrichten. Die Lunte glimmte und sandte einen neuerlichen Gruß an die Admiral. Ohne abwarten tastete ich mich zur nächsten Kanone, als in Höhe der ersten Kanone eine Kugel einschlug und die Wand mit sich riss. Verdammt! Die freie Deckskanone der Admiral! Sie konnten zwar nicht so schnell wenden, aber für die kleine Kanone hatten sie ausreichend Zeit.

Schon schickte ich die nächste Kugel auf ihre Reise und war froh, dass die Admiralskugel nur Holz erwischt hatte. Als sich der Dunst erneut verzog, meinte ich von außen Klettergeräusche zu vernehmen.

Vom Oberdeck hörte ich bereits zwei Bürger nach uns rufen. Bürger… Waren wir das noch? Es blieb keine Zeit darüber nachzudenken, denn das Mischen von Degenklirren in das allgemeine Pfeiffen und Kanonendonner. Ich erklärte knapp so fortzufahren, wie ich es erklärt hatte und lief nach meinen Degen tastend zurück ans Oberdeck.

Ich hätte nie für möglich gehalten, wie gut meine Fechtausbildung gewesen sein muss. Auf jeden Fall kam der erwartete Widerstand der Engländer kaum an meine Erwartung heran, oder konnten die Engländer in ihrer durchtrieften Kleidung nicht kämpfen? Im Wasser schwammen noch unüberschaubare Mengen an Soldaten in ihrer Unterwäsche besäbelt zur Freiheit herüber. Gerade als ich einen Blick zur Admiral erhaschen wollte, schoss eine weitere Salve auf die Stadt ein, als ein Kanonenschuß der Freiheit eine Kugel in einem finalen Bogen in das untere Heck der Admiral schlug.

Der Schaden an der Admiral sah minimal aus. Dennoch sah ich nach weiteren Degenattacken aus dem Augenwinkel heraus, dass die Admiral zusehend schwerer im Wasser lag und anscheinend nicht für eine Breitseite auf uns wendete.

Einer der Engländer schien seinen Säbel nicht nur zum Strammstehen zu benutzen und bot mir wenigstens einen gewissen Widerstand. Ich fühlte fast so etwas, wie Befriedigung, als ich tiefer in meine Trickkiste greifen musste.

Wir fingen tatsächlich an, Nettigkeiten auszutauschen, uns einander vorzustellen und so etwas wie kämpferische Höflichkeit walten zu lassen. Als ich Reginald meine Degenspitze an den Hals setzte, war meine letzte Frage nach Leben oder Tod. Reginald ließ seinen Säbel fallen.

Wir wurden von einem unglaublichen Kanonendonner aus dem Bauch der Freiheit aus unserem Zweikampf gerissen.

Dammit! Wer? Wie? Eine komplette Ladungssalve regnete über die Admiral herein und der Himmel stehe unseren Feinden bei, jede Kugel schien wohl überlegt ausgerichtet gewesen zu sein! Reginald machte keine Anstalten seinen Säbel wieder aufzuheben, als ich einen Blick ins Unterdeck werfen wollte.

Reginald erhob seine Hände und rief seine Waffenkameraden auf, ebenfalls die Säbel zu strecken. Die Engländer folgten dem Ruf, während die Admiral Caradine im Hafen versank.

Der junge Bäckerssohn Sergio kam mir aus dem Unterdeck entgegen. Er war so voller Euphorie, dass ich ihn vorerst bremsen musste. Ja, er hat begriffen, wie man eine Kanone ausrichtete, aber wie um alles in der Welt konnte er alle … ich meine gleichzeitig ausrichten?

Er meinte, er hätte es vorausberechnen können, ein Gefühl hätte ihn dabei geleitet und die anderen hätten mit angefasst und auf seinen Befehl hin alles entzündet.

Mit einer Mischung aus Sieg, Verlust und Ohnmacht sahen wir uns das Ende der Admiral an. Viele Engländer schwammen so schnell sie konnten zur Stadt, wo sie von den Gewehren der Franzosen und restlichen Bürgern empfangen wurden.

War das also der Geschmack eines Sieges? Eine zerstörte Stadt, eine versenkte Galeone und unzählige Verluste auf allen drei Seiten? Als sich die See mit einem letzten Gurgeln der Admiral annahm, schwand mein Stolz über meinen Sieg gegen Reginald.

Die Engländer, die klugerweise zu uns schwammen, wurden von uns in Empfang genommen und lediglich entwaffnet. Reginald erklärte, dass er als Offizier in Stellvertretung seines Kapitäns Lord Southlake mir seinen Säbel offiziell übergebe.

Als Miguel eines der Beiboote zu Wasser ließ, war mir, als würde ich meinen Freund vielleicht nie wieder sehen. Dennoch verzichteten wir auf lange Abschiedsfloskeln, als er zusammen mit zwei anderen Bürgern zum Festland ruderte.

Im Hafen regte sich kaum etwas. Vereinzelte Kampfhandlungen, Engländer die trotz Gewehrsalven an Land kamen, kämpften einen verlorenen Kampf, bis sie es einsahen oder umfielen.

Ich beobachtete das Ruderboot lange, als es im Hafen ankam. Aber niemand schien es auf Miguel abgesehen zu haben. Er verließ das Boot und verschwand aus meinem Blickfeld in den rauchenden Resten von [Sierra Nikola].

Der Gouverneurssitz war nicht mehr vorhanden. Als ich mich letztlich entschied ebenfalls an Land zu gehen, kam der Ruf des Ausgucks. Das Ruderboot kehrte zurück.

Miguels Boot war fast überladen mit Leuten aus der Stadt, aber auch zwei Franzosen. Miguel übersetzte die absolute Kapitulation der verbliebenen Franzosen. Miguel speite die Worte geradezu aus, während er seine Frau im Auge behielt. Er hatte sie also gefunden und sie war am Leben. Allerdings war ihr linker Fuß schwer verletzt.

Als wir uns immer sicherer wurden, tatsächlich so was wie einen Sieg errungen zu haben, den alle akzeptierten, kehrte ein wenig Ruhe ein. Miguel bangte um das Leben seiner Frau. Er hatte sich die Wunde bereits angesehen, hatte aber so etwas noch nie zuvor behandeln müssen.

Wir brachten Miguels Frau Conzuela in die Kapitänskajüte. Als ich mir das zertrümmerte Bein ansah, konnte ich Miguel keinen Mut zusprechen. Reginald der Engländer bat vorgelassen zu werden.

Ich war mindestens so misstrauisch wie Miguel in jenem Moment. Aber Reginald, bzw. Doktor Reginald Farthworth, wie er mit vollem Namen hieß, versicherte alles ihm Mögliche für Conzuela zu tun, ihr Leben zu retten.

Reginald schaute sich das Bein an und bat schließlich nach einer Säge. Ich hielt Miguel davon ab, auf den Doc loszugehen, bis Conzuela schließlich in Schmerzen ebenfalls nach der verdammten Säge rief.

Ich drängte Miguel aus dem Raum heraus und ließ dem Doc und Conzuela die Säge und einiges an Rum zukommen. Ich versuchte Miguel ebenfalls mit etwas Rum zu beruhigen, als wimmernde stumme Schreie und ein sägendes Geräusch Miguel wieder an die Tür stürmen ließen.

Noch einmal schaffte ich es, Miguel zu halten. Als Reginald wenig später aus der Tür kam, blutverschmiert aber beruhigend lächelnd, musste ich Miguel erneut fest in den Griff nehmen.

Vielleicht ist dies ein guter Moment, um in die näheren Umstände einzusteigen, die Charaktere, die mit mir reisten und an dem Erfolg des Piraten… Nein, des Freibeuters Bartholomeus Baer teil hatten. Und schließlich fand ich nur wenig später auf dem Höhepunkt meiner Verbrecherlaufbahn mein jähes Ende.

Jenes Ende, welches für mich das Abenteuer meines Lebens erst beginnen lassen sollte. Aber dazu kommen wir, wenn es soweit ist.

Miguels Frau erholte sich zusehends. Der Schreiner schuf ihr ein Holzbein, mit dem sie täglich das Laufen neu üben musste. Miguel war zu der Zeit nicht mehr viel für die Freiheit da und arbeite mehr in unserem kleinen Dorf, außerhalb von den Trümmern der Stadt. Nur gelegentlich holten wir Dinge aus den Trümmern. Die Überlebenden schienen ihr Los mehr und mehr hinzunehmen und zu vergessen, ob sie Besatzer, Bürger oder Befreier waren. Sie waren zu wenige für einen Aufstand gegeneinander und wir letztlich in der Überzahl. Aber was waren wir? Spanier? Und ich? Wer war ich? Sicher kein Spanier! Ich war Deutscher, der im Auftrag der Holländer eine Stadt in Besitz nahm, sie in Konflikt mit den Franzosen brachte, um sie mit den Engländern wieder zu befreien, die man letztlich ebenso von der Liste der Verbündeten streichen musste.

Unsere Mannschaft war ein zusammen gewürfelter Haufen aus Resten von Spaniern, Franzosen und Engländern. Wir waren alle Gestrandete in einem nicht gewollten Krieg. Aber wie sollte es weitergehen?

Reginald war der erste, dem eine Antwort auf diese Frage einfiel. Ich hätte einen Freibeuterbrief seiner Majestät, also sei ich vor ihm der ranghöchste Offizier, zumal Kapitän der Freiheit und er könnte das Dorf ausbauen. Vielleicht gäbe es auf dem Grund der Admiral Caradine noch brauchbare Dinge zu bergen, um die Bucht besser zu schützen.

Bin ich also jetzt ein Engländer fragte ich ihn, aber lachte verlegen, als er sagte, ich sei überhaupt keinem König mehr untergeben. Ich schaute mir den Freibrief noch einmal genau an, stellte dann aber fest, dass Reginald recht hatte.

Wir waren vogelfrei. Denn kein Königreich der alten Welt hätte Anspruch auf die Trümmer von [Sierra Nikola] erheben können, ohne uns dafür zur Rechenschaft ziehen zu müssen.

Dafür blieb unser Grundproblem. Wie sollten wir eine solche Menge an Mäulern satt bekommen? Ich konnte mich mit dem Gedanken immer noch schwer anfreunden, aber auch unter den Bürgern wurde der Ruf immer lauter, wir wären jetzt Piraten.

Auch als Tage später, eine der Dörflerinnen mir zusammen mit einigen Bürgern, feierlich ein Paket überreichten, in der ich eine Schwarze Flagge mit zwei gekreuzten Säbeln und einem waagerechten Degen vorfand, war ich nicht davon überzeugt.

Sicher! Miguel kümmerte sich um die Geschicke im Dorf. Wir hatten als Verstärkung unserer Mannschaft richtige ehemalige Soldaten an Bord, einen Arzt, ein Kanonengenie und im Grunde nichts zu verlieren.

Als wir unsere erste Kaperfahrt begingen, war es als hätte ich eine vollkommen trockene Kehle. Vor allen Dingen hielt ich nichts von dieser englischen Unsitte anderen Schiffen auf Längen hinweg zu zeigen, dass wir Vogelfreie waren. Wir hatten Flaggen von drei Königreichen im Gepäck. So konnten wir uns wenigstens bis auf Schussweite tarnen. Mit den Ausrüstungen konnten wir es oft sogar bis an Bord schaffen, ohne aufzufallen.

Unsere erste Prise war das Handelsschiff eines Holländers. Es war kaum in der Lage Widerstand zu leisten. Ich konnte jedoch keinen Befehl zum Versenken geben. Wir waren weit genug weg von unserm Dorf und der Holländer hätte noch Wochen bis zum nächsten Hafen gebraucht. Wir nahmen einige Freiwillige auf und ließen ausreichend Nahrung an Bord, um den Holländer überleben zu lassen.

Auch nachfolgend war ich stets ein Gegner davon, Schiffe zu versenken und unnötig Blut zu vergießen. Sofern ich unser Dorf außer Gefahr sah, wollte ich immer eher gnädig sein.

Oft tauschten wir bei Annährung mit anderen Schiffen sogar nur Informationen aus, über die Politik des alten Kontinents, über aktuelle Kriege, über Bündnisse und allgemeine Meldungen. Ebenso konnten wir Beute gegen Waren eintauschen, so dass uns die Geschmeide unserer Besiegten wirklich nützten. Wir hatten bewusst keinen Schiffsnamen mehr am Bug der Freiheit.

Später nutzten wir sogar die zerstörten Trümmer von [Sierra Nikola] als Köder für anfahrende Schiffe. Die gesunkene Admiral lieferte uns da hervorragende Dienste, bis schließlich zu viele Schiffe auf Grund lagen.

Wir verstärkten die Verteidigungslinie der Trümmerstadt mit einigen Kanonen und ließen bald einen Trupp dort zurück, die die Wracks weiter ausschlachten und zerlegen sollten, damit man sie von See aus nicht mehr sehen konnte. [Sierra Nikola] wurde eine Mausefalle ohne Speck.

Unsere Mannschaft wurde durch unser Treiben immer mehr, statt weniger. Bei den Schiffen, die wir letztlich doch versenken mussten, da sie Gegenwehr leisteten, waren immer einige dabei, die lieber lebendig in unsere Dienste übertraten, als ihrem Schöpfer.

Ob ich gewissenlos wurde? Nein, dass will ich so nicht stehen lassen. Vielleicht wurde die Entscheidung über Leben und Tod auch mit jedem eigenen Verlust neu definiert. Ich hatte Verantwortung gegenüber dem Dorf und meiner Mannschaft.

Geschützt durch die Bucht ließ ich schließlich auch im Dorf unsere Flagge hissen. Ja, wir waren Piraten.

Dass ich so vielen Besiegten das Leben schenkte, hatte allerdings auch eine Kehrseite. Zusehens kannte man die „Freiheit“, ganz gleich ob sie ihren Namen trug, oder nicht. Auf einem Schiff wurde ich mit furchtsamen Rufen zwischen einem aufgeweckten aber kunstlosen Kapitän mit meinem Namen gerufen. Ich hieß inzwischen Kapitän Bartholomeus Baer, der tödliche Degen. Dabei hatte ich nie einem Gegner nicht mindestens zwei Chancen gegeben sich entwaffnen zu lassen. Ich tötete nicht gerne, ganz gewiss nicht, noch dazu wenn offenes Unverständnis für das Halten einer Waffe im Spiel war. Aber es war leider der einzige Weg den Kampf an Bord schnell abebben zu lassen. War der Kapitän erst aus dem Spiel gab die Mannschaft bald auf.

Woher das Gerücht stammte, ich würde meinen Degen benutzen um Schiffe auf See ausfindig machen und mich alleine mit dem Degen durch den Rumpf einer englischen Fregatte gebohrt zu haben, weiß ich nicht. Seemänner sind schon ein merkwürdiges Völkchen. Vielleicht war es ihre Art ihrer Ehrerbietung, oder um ihrer eigenen Angst Begründungen zu liefern, weshalb man bei der Heuer mehr Zuschlag bräuchte. Vielleicht war es auch nur das Ergebnis aus Wahrheit des Rumes.

Der zweifelhafte Ruhm um uns feuerte die Mannschaft an. Miguel hatte die Geschäfte im Dorf unter Kontrolle. Er und Reginald waren inzwischen Freunde und wir waren im fünften Jahr unserer gemeinsamen Unternehmung des Dorfes. Reginald berichtete uns von einer Kapellenerrichtung und sogar von zwei begabten Jungärzten, die er unter seine Fittiche nahm.

Conzuela begrüßte uns sicher auf ihrem Holzbein, als hätte sie keinerlei Verlust erlitten. Sie erzählte von diversen Eheschließungen und Geburten. Unser Dorf wuchs langsam aber sicher aus der Bucht heraus und ließ den Baumbestand schrumpfen. Zudem dachte man über einen Namen für das Dorf nach. Alle seien aufgerufen einen Namen zu finden. Ich dachte an meine richtige Heimat, an die [Hammerburg] zwischen dem dänischen Altona an der Stirnseite des germanischen Reiches. Wäre Deutschland damals nicht in sich uneinig gewesen, in viele Fürstentümer zersplittert, ohne Kaiser – es wäre möglich gewesen dort zu leben. [Hammerburg], heute würden sie vermutlich Hamburg sagen, oder heißt es inzwischen anders?. Ich hatte „[Hammerburg]“ auf der Zunge, aber ich hatte schon das Schiff eigenmächtig benannt. Das Dorf wollte ich nicht taufen.

Schließlich entschlossen wir uns zum letzten Schritt eines Piraten, das Kapern ganzer Schiffe. Die Freiheit war inzwischen einfach zu auffällig. Zudem hatten wir mehr Matrosen, als Platz auf der Freiheit. Was lag also näher, als sich ein Schiff zu kapern, um es ganz zu behalten, zur Flotte auszubauen, oder Schiffe zu Rohstoffen für das Dorf zu verarbeiten. Bis hierhin klingt es einfach. Aber an Bord des neuen Schiffes gab es auch eine Mannschaft!

In meiner eigenen Mannschaft gab es inzwischen ausreichend zwielichtige Gestalten, die zu uns überliefen, die ohne zu zögern eine starke Hand gegen die Besiegten gefordert hätten. Dennoch musste ich mein Gewissen wahren. Solange man ein Schiff in Küstennähe übernahm, war es einfach zu argumentieren. Aber erfolgte der Kampf auf hoher See…

Dabei wären viele von ihnen bereits nicht mehr am Leben, um solche Gewissenlosigkeiten auszusprechen, wäre ich einst so gewissenlos mit ihnen umgesprungen. Aber daran schienen sie sich kaum mehr zu erinnern, wenn sie die Planke forderten.

Die ehrbaren Engländer, die wenigen Franzosen und die Bürger verrauten immer mehr mit den Überlebenden mit denen wir unsere Posten weiter besetzten. Neben den Forderungen nach Nahrung kam bald auch immer mehr der Wunsch nach mehr Frauen im Dorf, nach mehr Amüsiermöglichkeiten. Ich sah immer mehr raue Sitten unter den Seefahrern. Es war kaum mehr ein Unterschied zwischen den alten und den neuen Kameraden zu sehen. Nachlassende Reinlichkeit musste durch Reginald und mich gefordert werden, ebenso wie die Unterlassung der Körperstechereien. Unser Erfolg lag stets in unserer Unauffälligkeit. Ein englischer Soldat mit Bart und Tätowierung ums rechte Auge ist nicht mehr unauffällig.

Wo es solche Umtriebe gab, musste es unter der Oberfläche des erfolgreichen Piratenlebens auch Unzufriedenheit geben. Mir war es ebenso bewusst, wie Miguel und Reginald. Zum Glück hörten wir keine direkten Gerüchte, die auf Revolte hinausliefen, aber Achtsamkeit konnte sicher nicht schaden!

Und dann kam der Zwölfte Dezember des Jahres [1620]. Als wir die Segel des spanischen Seglers ausmachten, machten sie sich nicht einmal mehr die Mühe Widerstand zu leisten. Der Kapitän hisste noch bevor wir etwas machen konnten eine weiße Fahne! Sachen gibt es, die bleiben in Erinnerung. Dies war das bis zu diesem Zeitpunkt obskurste Erlebnis auf See und zugleich die letzte Fahrt, von der ich zurückkehren sollte.

Ein letztes Mal genoss ich das Zusammensein mit Reginald, Miguel und Conzuela. Wir saßen gemeinsam auf der Veranda der kleinen Hazienda und schauten in die untergehende Sonne über dem Kamm der Bucht.

Im Hafen lagen inzwischen drei Schiffe, von denen allerdings die Freiheit immer noch das größte war. Ein größeres Schiff hätte meiner Erfahrung nach auch nicht durch die enge Passage gepasst. Und die kleinen Segler waren wendiger und unauffälliger, als hätten wir uns eine Fregatte oder eine Galeone gekapert. Oh, wir hatten eine Fregatte als Holzlieferant in [Sierra Nikola] liegen, okay.

Die Mannschaft verstand nicht ganz, weshalb ich auf das Schiff verzichtete und das erste Mal hörte ich offen das Wort „Meuterei“. Ich musste in dem Moment schon tief durchschlucken und den Rauner dafür mit dem Degenknauf niederstrecken. Aber was blieb mir?

Der Sonnenuntergang war schön. Ich teilte meine zunehmenden Befürchtnisse mit meinen Freunden. Sie meinten ich solle mir keine Sorgen machen. Solange wir erfolgreich rauskamen und heimkehrten, ohne dass die Welt von Germania erfuhren, umso besser.

„Ihr habt das Dorf Germania genannt?“, fragte ich. „Ay!“, sagte Conzuela, „die Bürger wollen dich damit als ihren Kapitän ehren! Du siehst, deine Befürchtungen sind nicht grösser, als deine Verehrung!“

„Ach ja? Aber einer von ihnen mit einer anderen Meinung und dem Messer im Ärmel reicht, um hundert andere vergessen zu machen!“, vertrat ich meine Sorge.

„Wenn wir die Kontrolle verlieren, verlieren wir auch den Ort und unsere Sicherheit! Auch ich weiß nicht was wir tun sollen. Aber vielleicht schläfst du erst einmal richtig aus. Morgen geht die Freiheit wieder raus. Dem Logbuch des Holländers nach müsste eine französische Fregatte in den nahen Gewässern sein. Laut dem Holländer stank der Kahn nach Vanilla, also eine Handelsfregatte.“, ließ sich Miguel vernehmen und blätterte weiter in dem gekaperten Logbuch.

Reginald nahm einen tiefen Zug aus seinem Tabakstummel und bließ den Rauch gen Himmel. „Wieso Vanilla, mein Freund? Was Bart richtig glücklich und sorgenfrei machen würde, wäre eine europäische Prinzessin mit weichem Verstand und anderen weichen Dingen! Dann wäre die Angst auch fort!“, fügte er paffend hinzu.

„Eine Frau in meinem Leben? Hey, nicht dass ich nicht auch einmal daran gedacht hätte, aber ihr wisst auch wie es ist. Erst einmal fahren nur wenige Frauen auf den Schiffen mit. Und wenn es doch einmal passiert, ist die Mannschaft vor mir daran ihre Ansprüche zu stellen. Schuldigung, aber ihr wisst, wie es den Frauen danach geht. Was soll ich machen? Ihnen Blumen schenken und etwas von ‚Kopf hoch‘ erzählen?“, erwiderte ich, woraufhin Miguel und Reg anfingen zu lachen. Conzuela machte ein zorniges Gesicht, „Jungs, dass ist nicht witzig! Bart hat Recht, aber es ist ganz bestimmt nicht witzig! Wir sind doch nicht so wie sie? Ich meine… wir sind doch keine Piraten!?“

„Ay, Conzuela! Ich wünschte du hättest Recht. Aber schau mal genau hin! Wir haben die Flagge hier in Germania gehisst, schau dir unsere Mannschaft und die Verhältnisse hier im Ort an. Sicher! Hochzeiten und Geburten, aber untereinander herrscht der Starke über den Armen. Was sollen wir tun? Wachen einstellen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten? Jene dort sind genau wie wir, weil wir ihnen dieses Leben gezeigt haben. Sie nahmen es an, gleich wer uns seinerzeit dahin stieß. Wem kann ich meine Schuld für mein Piratenleben geben? Dem Holländer, der sich heute fast in die Hosen gemacht hatte? – Lord Southlake, oder vielleicht doch der König, der mich hierher schickte, ohne an mich zu glauben? Wer ist Schuld? Danach wird keiner fragen, wenn sie uns vielleicht doch irgendwann erwischen! Wir sind Piraten. Und wir vier sind ihre Anführer!“

Reg lachte erneut, als er aufstand sich reckte: „Habt ihr den geschickten Übergang bemerkt? Bart mag das Thema Frauen nicht. Hörst du Bart? Frauen, Frauen, Frauen! Hey, das Wort tut doch niemandem weh! Hier eine Jungfrau zu erwarten ist eh kaum zu wagen. Denk daran, was sie uns hier rüberschicken! Sklavenschiffe für die Feldabtrag, Gefangene, die lieber in der neuen Welt arbeiten, als in der alten Welt im Kerker zu verrotten! Was erwartest du da? Und wenn schon die ganze Mannschaft drüber weg ist, na und? Du kannst sie mir ja erst einmal vorstellen, dass ich sie untersuche, aber auch ich garantiere da für gar nichts! Gute Nacht euch allen!“

Ich hatte Reg noch nie so reden hören und war durchaus empört, andererseits wusste ich natürlich, was er meinte! Und vielleicht hatte er auch wirklich recht. Wir waren Piraten! Und es machte kaum einen Unterschied, ob ich als Kapitän mich gewissenhafter verhielt, als meine Mannschaft. Es fällt eh immer auf mich zurück, da ich es billigte!

Ich unterhielt mich noch einen Augenblick mit Miguel und Conzuela, als die Sonne nur noch rot über der Bucht glimmte und der Schatten uns fast eingeholt hatte. Schließlich leerte ich einen Becher und ging in meine Hütte.

Am kommenden Morgen war ich wieder der furchtlose Degenschwinger, Kapitän Bart Baer.
Ich stieg an Bord und hielt wieder eine von jenen feurigen Reden, die das Feuer auf die Mannschaft überlaufen ließ. Ich wusste, dass sie das brauchten, so sehr ich einigen von ihnen zuweilen auch misstraute. Ich musste ein starker Kapitän sein, für eine starke Freiheit.

Ich hatte neben meinem Meisterkanonier, der inzwischen zu einem stattlichen Mann herangewachsen war auch einen von Regs Zöglingen als Arzt mit an Bord. Als wir aus der Bucht ausliefen, war wieder einmal die Großzahl der Bewohner am Strand versammelt, um uns das Glück der See zu wünschen. Ach ja… das Glück der See! Als wäre es eine buchbare Komponente. Wäre es so einfach täten die anderen Schiffe ein Kreuz bei der Option ‚’ohne Überfall’ eintragen. Und doch überfielen wir sie, ohne uns diesem Wunsch zu beugen.

Die erwähnte Vanillefregatte zu finden, war gar nicht so einfach. Wenn der Holländer sie vor drei Tagen bei [Trinidad] traf, dann könnte sie ab da zig Meilen in alle Richtungen weg sein. Unsere einzige Chance war in der Kenntnis der üblichen Routen entlang der bekannten Häfen. Der Holländer versuchte beispielsweise an [Sierra Nikola] vorbeizukommen, weil der Vanillakapitän ihn davor gewarnt hatte. Logbücher sind doch was Feines. Also hatte die Fregatte unsere Mausefalle vor dem Holländer in anderer Richtung passiert.

Am Abend des vierten Tages hatten wir eine kleine Finne am Horizont. Der Ausguck meldete uns keine erkennbare Beflaggung an die wir uns halten könnten. Also blieben auch wir neutral. Es war tatsächlich eine Fregatte. Wir kamen schnell näher und sahen keinerlei Anzeichen einer Reaktion.

Ich fand, dass die Fregatte merkwürdig im Wind liege und dass es wirkte, als sei sie führungslos. Tatsächlich tat sich nichts, als wir längsseits kamen. Keine Seele ließ sich an Bord sehen. Ich wollte die Freiheit nicht gefährden und wollte selbst an Bord der Fregatte steigen. Ich suchte mir drei Begleiter raus auf die ich Verlass hatte.

Als wir triefend nass auf der Fregatte ankamen, fanden wir zuerst eine verkeilte Leiche in der Ladeluke. Jonathan, der junge Kanonier redete bereits von Krankheit, aber das konnte ich nicht glauben. Wenn das Schiff vor sieben Tagen noch in Ordnung war, dann können jetzt nicht alle tot sein.

Dennoch schaffte es Jonathan, eine gruselige Stimmung zu schaffen, in der keiner der drei mehr vorangehen wollte.

Also schaffte ich den toten Matrosen alleine über die Reling, während die drei dastanden und darüber diskutierten, wer der größere Feigling sei.

Ja, ich konnte mich auf sie verlassen. Käme es jetzt tatsächlich auf einen Pulk kämpfender Menschen, hätten sie sofort ihr Leben für mich gegeben. Aber ohne sichtbare Bedrohung benahmen sie sich wie kleine Kinder.

Ich stieg die Ladeluke herab und sah mich um. Wer immer hier gewütet hatte, hatte saubere Arbeit geleistet, mal abgesehen von dem Toten in der Luke. Ich fand nichts Brauchbares. Einzig in der Kapitänskajüte lag das Logbuch. Es gab einen letzten Eintrag der irgendwie anders gekrizzelt war, als die anderen Einträge. Ich klemmte mir das Buch unter den Arm und wollte die Kajüte gerade verlassen, da hatte ich das Gefühl beobachtet zu werden.

Meinem Gefühl folgend ging ich zu dem großen Weidenkorb und zog meinen Degen. „Ist da wer? Wenn ja, dann wäre jetzt der Zeitpunkt aufzustehen!“

Sekundenlang starrte ich in die dunklen braunen Augen der wohl schönsten Frau, der ich seit meinem Abschied von Holland in die Augen schauen durfte, ach vielleicht noch länger. Ja, es war eine Nubierin, aber sie war so wunderschön, so anmutig und keusch, wie sie da stand. Sie sagte etwas, dass mal wieder nach französisch klang. Das erste Mal hatte ich das Gefühl diese Sprache klinge aus dem Mund einer Frau tatsächlich nach den Worten der Liebe, wenngleich sie kein liebes Gesicht machte.

Ich lächelte und deutete ihr sie aus dem Korb zu heben. Sie nahm an und ich roch ihre Haut. Eine Mischung aus dem Vanilleduft, der auf dem ganzen Schiff vorherrschte, gemischt mit dem Hauch aus Angstschweiß und Unsicherheit. Ich hätte sie gleich hier Küssen wollen, jedoch hörte ich die Stimmen meiner Helfer durch die Luke wandern.

Noch einmal lächelte ich sie tief an und reichte ihr meine Hand. Sie nahm sie zögerlich und ich überwand ihre Scheu. Sie war so wunderwunderschön. Ich küsste sie. Anfangs meinte ich etwas wie Abwehr zu spüren, der aber nachließ, als ich meine Hand in ihren Nacken legte und ihre Lippen fest auf meine presste. Dabei fiel mir das Logbuch endgültig aus der Achsel.

Die Tür ging auf und Frank und Jonathan blickten erstaunt aber schließlich zustimmend lachend in meine Richtung: „Ay Kapt’n, da habt ihr ja was Nettes gefunden. Sonst noch was?“

Ich bückte mich nach dem Logbuch und reichte es Jonathan. Er blätterte schnell nach der letzten Seite und las vor: „Oh Käpt’n! Da war einer schneller! Und ein Witzbold dazu! Nennt sich [Schwarzbart] und hat sich selbst hier in das Logbuch geschrieben. Er bedankt sich für das süße Geheimnis!“

[Schwarzbart]? Noch nie gehört. Ob es mein dunkler Zwilling war? Der schwarze Bartholomeus Baer? Oder sollte das ein Scherz auf meine Kosten sein?

Wie dem auch sei, er hatte sich getäuscht. Denn das süßeste Geheimnis hatte ich gerade erst geküsst. Ich nahm sie wieder an die Hand und sie schien allzu bereit zu sein uns nach draußen zu folgen.

Wieder sagte sie etwas auf französisch. Ich liebte es! Es war von ihr und klang erneut wie der Himmel. Natürlich war mir klar, dass es ebenso eine Warnung sein konnte, etwas worauf meine Prinzessin mich hinweisen wollte. Aber sie schien mich und Jonathan ebenso wenig zu verstehen.

Da ansonsten nichts zu finden war, deutete ich ihr, dass wir zur Freiheit schwimmen müssten. Bereitwillig sprang sie voraus. Im Wasser konnte ich ihre Konturen deutlich sehen. Sie konnte kaum älter als zwanzig sein. Die vernarbten Spuren auf ihrem Rücken ließen annehmen, dass sie erwartungsgemäß eine Sklavin war. Aber mir war das egal. Bei uns wäre sie ebenso frei, wie alle anderen. Bei uns könnte sie ein neues Leben anfangen. Ein Leben, wenn es nach mir ginge, an meiner Seite!

Auf der Freiheit angekommen, machte die Mannschaft begeisterte Pfiffe. Als auch ich an Bord geklettert war, sah ich, dass ihre Nippel sich durch das Hemd deutlich abzeichneten. Die nassen Haare klebten ihr im Gesicht, verdeckten ungewollt einen Teil ihres Gesichts und ließen sie somit noch fraulicher wirken.

„Jungs! Diesmal nicht! Ich erhebe Anspruch auf diese Schönheit! Ich war drüben und ich habe sie gefunden!“

„Aber klar Kapitän! Ihr habt natürlich das Vorrecht. Aber wenn ihr fertig seid…“, verstummte Will als er meinen Gesichtsausdruck sah!

„Sie wird in meine Kabine gebracht und ich brauche dich Pierre. Sie spricht nur französisch und ich verstehe nichts!“, rief ich Pierre herüber.

„Ay!“, antwortete Pierre und folgte uns den Weg zur Kabine hinunter.

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Sie hatten Kurzweil bis hierhin? Dann würde ich mich über eine kleine Anerkennung freuen! Frei dem Sinne: „Hasse ma’n Euro?“ Vielen lieben Dank im voraus!!

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Gedichte Geschriebenes

Dem Lehrer & dem Samen

Dem Lehrer und dem Samen

Geboren
Beschaffen und gelehrig
Zeit Lebens vielseitig interessiert
Lehren, Literatur und Kunst verfolgt
In Weisheit sein Wissen weitergereicht
Gelehrig und beschaffen
Verstorben

Der Samen gelegt
Lenkten seine Schüler mit Geschick
Lehren, Literatur und Kunst verfolgend
Einst in Weisheit ihr Wissen weiterreichend
Den gegangenen Lehrer und Mentor würd es ehren
Weder sein Müh noch Kraft ward dann vergeblich
Der Samen keimt

Gewidmet unserem Anatomielehrer, der wohl am Leben ist und hoffentlich noch viele Klassen ins Examen führen kann. Sein Unterricht, der trockene Pathologie und Anatomie stets mit Witz, Nachdenklichem und Literatur verbindet, wird einst eine große Lücke hinterlassen. Er war es auch, der uns die Such-Kärtchen der IZPP gab.

Auf Ihr Wohl, Dr. Bohl!

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Geschichten Geschriebenes

Augen auf beim Sockenkauf

Augen auf beim Sockenkauf

Ich saß, wie so oft im Linienbus zwischen Bahnhof und Heimat, da kam so ein heruntergekommener Vertretertyp, wie man sie von den Kaffeefahrten her erwartet in den Bus und startete eine Verkaufsnummer. Leicht emphatisch wirkend streckte er eine einzelne Rheumasocke in die Luft! „Wör brauch düsen wunnebaren Soggen?“, rief er in die Menge der Fahrgäste.

Ich konnte nicht widerstehen: „Welchen Lichtschutzfaktor hat der denn?“ Das Gelächter im Bus quoll kurz auf, um gleich wieder abzuebben. Belämmert und ziemlich glasig starrte der Vertreter mich an.

Er machte einen taumelnden Schritt auf mich zu und ignorierte meine Frage: „Musste boam Sss.., beim Sss…“ Er nahm die Finger der Rechten vor den Kopf und pickte mir den linken Zeigefinger in die Rippen. „Nu sach schon, beim Sss…, verdammt! Beim Figgen musse den Soggn anziehn.“

„Und das führt mich dann zu ungeahnten Liebeswonnen?“, fragte ich zurück.

Er hielt mir den Zeigefinger jetzt geknickt vor die Nase, „Das junger Freund nicht, abe du hols dia beim Sss…, beim Figgen am Strand keinen Sss..onnenbrand auffer Soggnseite!“

Triumphierend hielt er mir den Socken vor die Nase, nickte und wusste, er hat sich revanchiert.

Ich sah mich geschlagen, lachte herzhaft mit allen anderen, bevor ich ihm seinen Seelenfrieden gab und ihm den Socken abkaufte. Der Spaß war es wert!

(c)2011 Kay Fiedler

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Geschichten Geschriebenes

Der schwarze Schelm tritt ein…

Der schwarze Schelm tritt ein…

Hallo!

Ich galt schon als Bub als großer Geschichtenerzähler. Wenn ich als Grundschüler von meinen Reisen und Erlebnissen erzählte, kleben die anderen Schüler wie gebannt an meinen Lippen, rochen mit mir an Blumen, schmeckten die Luft, die mir um die Nas spülte.

Nach meinem Wechsel in eine neue Gemeinde wendete sich das Blatt. In den eingeschworenen ländlichen Gegenden von S-H war es gar furchtbar sich Gehör zu verschaffen. Alles lärmte und war unkonzentriert bei der Sache.

Ich griff zur Feder und machte meinem Unmut Platz, kritzelte Fantasie aufs Papier, brachte Gedanken zum Ausdruck und wurde ein stummer viel zu früh auch sehr sarkastischer Schreiberling.

Die Klassen wandelten und schließlich hingen die Mitschüler beim Vorlesen der Aufsätze erneut wie gebannt an meinen Lippen. Die Magie wirkte.

Nach nunmehr 20 Jahren Rollenspiel weiß ich, wie der schwarze Narr sein Publikum unterhält, es zum Lachen und zum Nachdenken bringt!

Und so stand ich vor den Torwachen der Geschichtsschreibzunft und rief die Zinnen hinauf, die Arme keckt in die Hüfte gelegt…

„Laßt ihr mich ein?“

„So sprich, wie lautet Euer Name, Schelm?“, antwortete die Wache pflichtbesessen aber müde.

Die kalten blauen Augen des Schelms schauten starr gen Torwächter, während sein Mund sich zu einem nahezu grotesken Lachen verzog:

„So nennt mich in Eurer Zunft LoGrizz! Doch wisset, dass ich als Schmierfink den Namen ‚Yakobo‘ trage und wohl bekannt in meinem Lande bin!“

Der Torwächter beriet sich kurz mit seinem Kollegen: „Sag mal, kennst Du den? Nein? Auch nicht!… Tut so, als müsste man ihn reinla… Bitte? Okay ja… reinlassen und nichts anmerken lassen. Ja, wir bringen ihn zu den anderen Scherzbolden…“

Langsam öffneten sich die Torflügel und der schwarze Schelm trat dem austretenden Licht entgegen!

„So denn“, dachte der Schelm und ließ die Flügel des jc-tempels hinter sich zufallen. Er sah eine Traube anderer Schreiberlinge. Dort standen sie in langen Reihen von Stehpulten. Er sah die Formation der Pulte, überlegte kurz, grinste in sich hinein und stolperte in den ersten hinein.

Pulte flogen, Blätter rieselten und sorgten für ein kleines Durcheinander. Der Schelm stand auf und klopfte sich den Staub aus der schwarzen Kluft. Es ließ sich nur erahnen, wieviele Schichten Staub der Mantel schon gesehen hatte. Die unterste Schicht verhinderte die Sicht auf einen durchaus bunten Vogel.

„Oh, entschuldigt bitte vielmals. Ich hoffe, es war niemand von Euch mit etwas Wichtigem beschäftigt, das tät mir Leid! Aber da Euer sich entschied eine Pause einzulegen, gebt mir doch einen Moment Euer Gehör!“

Erste zornige Blicke richteten sich auf den Schelm, der sich weiter den Staub abklopfte, bis der Sand auch aus den Glöckchen entfernt war.

„Mein Name ist LoGrizz! So Ihr noch einen leeres Schreibpult für mich habt, wäre ich gerne einer der Euren!

Einige der Schreiberlinge schauten einander an, andere brachten Ordnung in die Flugblätter. Der erste Schreiberling, dem das Wort zukam, zeigte rücklings zu einem losen Brett, das weiter ab von den Pulten an einem Apfelbaum lehnte. „Dort soll Dein Platz sein, Spitzbube. Möge er sich beweisen.“ nach kurzer Pause fügte der Schreiberling in niederem Tonfall hinzu:“…und aufs herzlichste Willkommen, Bruder!“

Der Schelm LoGrizz schritt fröhlich pfeifend durch die Schreiberlinge hindurch, während er ein kleines Fässchen aus seinem Mantel zog und eine Feder aus seinem Hut zog. Er prüfte sorgsam die Spitze und setzte sich unter den Baum, das Brett auf den Schneidersitz sattelnd.

„Und nun, werte Kollegenschaft, … Brüder und Schwestern“, sein Auge blitzte bei dem letzten Wort kurz auf, als er in die Runde schaute, so musste sich manche Schreiberin gar tief nach den Papieren bücken,“… lasst uns Geschichte schreiben! Lasst uns diese Welt aus den Angeln heben, lasst uns Liebe in Worte wandeln, Arglist offenlegen, Humor verbreiten, ein Kind zum Lachen bringen, eine Frau zum Weinen und die Lenden der Alten brennen lassen! … Seid beflügelt!“

Die Feder des Schelms kreiste dreimal um sein Handgelenk, bevor das Gekratze auf dem Papier die Stille übertönte. Die anderen sahen einander immer noch mitunter zornig an, jedoch wich jener Groll auf den Schelm, als sich dessen Worte langsam legten. „Also denn!“, wiederholte der erste Schreiberling, „Euer hat den neuen Bruder reden hören, lasst Geschichten sprechen!“

Emsiges Kratzen von zig federn wurde alsbald zum Getöse! „So sei dies meine Vorstellung“, murmelte der Schelm nd lächelte in die Runde.

Mit frechem Grinsen

LoGrizz aka Yakobo (p)09/2011

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Geschichten Geschriebenes

Nacktputzen

Nacktputzen

Neulich beim Nacktputzen, da ist es passiert. Ich kontrolliere beim Putzen auch immer gerne die Petroleumlampen und fülle nach. Doch dann war das Lampenöl alle. Draußen im Schuppen war noch eine Flasche, dass wusste ist. In einem völligen Blackout vergaß ich nicht nur meine Kleidung, sondern auch den Schlüssel. ‚Klack‘ und die Tür war zu.

Der Nachbar, bei dem ich mich gerade letzte Woche über das laute Trompete spielen beschwert hatte, kam am Gartenzaun entlang. Er sah anfangs etwas vergnatzt aus. Jedoch erhellte sich seine Mine, als er mich sah, wie ich versuchte mich unmöglicherweise zu verstecken.

„Harhar! Jetzt mal nicht so bescheiden, Herr Nachbar! Springen und Tanzen Sie dabei ruhig durch Ihren Garten! Zeigen Sie Ihre ganze Pracht damit Frau Müller von gegenüber so einen richtig lauten Jubelschrei ausstoßen kann.“, rief er mir herüber.

Bescheiden nickte ich. Und ich dachte mir, „jetzt keine Blösse zeigen… ich meine nicht noch mehr…, ich meine… ach egal!“ Ich tanzte, ich sprang und der Nachbar ging erneut vergnatzt weiter. „Sieg!“, dachte ich.

Naja, fast! Es folgte tatsächlich der „Jubelschrei“ von Frau Müller und eine Polizeieskorte zum Revier, die mir ebenfalls zu der Anzeige von Frau Müller gratulierte. Der Schlüsseldienst gratulierte mir, als er mich in der Polizeiwolldeckentoga in meine Wohnung einließ. Und ich gratulierte mir weinend zu dem gelungenen Nachmittag!

Nacktputzen? Never ever again!

(p) 09/2011

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Geschützt: Ein wunderbarer Abend und seine Folgen

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Nur noch schnell einkaufen

Nur noch schnell einkaufen. Viel brauche ich ja nicht – Eier, Milch, ein wenig Aufschnitt, vielleicht noch etwas Guthaben für den Appstore. Ach herrje! Was mach ich mir denn morgen zum Mittag? Worauf hat die Elisabeth, Tochter ihrer Mutter denn morgen Appetit? Hhhmm was zieh ich mir rein? Tortellini?

Über Reihen hinweg sehe ich das Angebot des Schlachters. Rindergulasch… Warum nicht? Für zwei Tage Essen und den Rest kann ich einfrieren. Also „auf, auf“, an die Fleischtheke.

Mist, ist die Schlange lang. Also doch Tortellini? Oh, ein neues Gesicht am Zerlegeplatz?! Das muss ein neuer Azubi sein. Aber schon gute Anlagen in den Armen. Hmm… nein, zuviel Pelz an den Armen, er kann unmöglich ein Azubi sein, aber allenfalls Geselle, oder frisch von der Meisterschule? Auf jeden Fall… irgendwie süß, nein – männlich! Aber auch süß!

„Ja, natürlich! 500 Gramm von dem Lendenfleisch?! Kein Problem, der Herr! Jonas, schneidest du mir das bitte eben?“

Ah, Jonas heisst der Gute. Die andere Stimme kenne ich nur zu gut. Schon in der Schulzeit nervte mich die Überweiblichkeit unseres Busenwunders Melanie. In kaum einer Sekunde rauschen die Bilder an mir vorbei. Ständig gab es Tratsch wegen ihr, weil sie mal wieder mit einem Jungen der höheren Klassen geschlafen haben soll. Auf der Endklassenfahrt in den Harz stellte sich raus, dass sie wohl mit fast allen Jungs aus der Klasse was hatte. Die eine Nacht hatte ich sie sogar mit zwei Jungs im Hochbett erwischt. Ja klar, sie spielten nur Karten, meinte sie. Total zerzaust, halbnackt zuckte sie hoch und die Jungs kicherten bei ihrer Aussage. Verdammte Klassenschlampe! Wenn es einen Grund gab, mich nicht mit Männern einzulassen, dann war Melli mit Sicherheit ein Grund dafür. Alle standen auf Melli, Melli hier, Melli da… Melli war für alle da! Jungs! Ich bin da anders erzogen worden, aber vermutlich war mein Vater der einzig wahrhaftige Mann, auf den meine Erziehung passte.

Wird die Schlange denn gar nicht kürzer? Melli hat sich kaum verändert. Okay, sie ist keine zwanzig mehr, aber mit fast vierzig käme sie auf diese Entfernung immer noch mit Mitte zwanzig durch. Oh Himmel, hat sie sich ihren Arbeitskittel selbst modifiziert? Die Brüste fallen fast raus und ich kann sogar die Oberschenkel beim Gehen aufblitzen sehen. Oh, Melli! Du bist so widerlich! Sooo…

Angewidert wende ich mich zu dem jungen Jonas, der jetzt direkt vor mir am Tresen arbeitet. Jemineh, sind seine Finger geschickt. Er legt das Lendenfleisch vor sich, scheint den Schnitt kurz abzuwägen und ohne Anzeichen von Gewalt gleitet sein Messer durch das zarte Fleisch, so dass es für mich einen Moment lang so aussieht, wie…! Er legt das Messer beiseite und fährt relativ langsam mit beiden Daumen die beiden Fleischhälften empor. Ein Schauer läuft mir über Rücken und Arme. Oh verdammtes Kopfkino! Der sieht aber auch gut aus!

„Hei Ella!“, höre ich Melli sagen, „Lange nicht mehr gesehen! Sind es schon… wenn nicht noch länger! Ach Schatz, du glaubst ja gar nicht wie ich mich freue dich zu sehen!“ Leicht irretiert löse ich meinen Blick von Jonas, dessen eng sitzendes weisses T-Shirt zwei Brustknospen deutlich abbildete. Wie gerne würde ich diese Zipfel mit meinem Speichel benetzen. Ella! Halt dich zurück! Dem Kälteschauer folgt nun ein warmes Gefühl im Kopf, aber auch in einem anderen Bereich meines Körpers.

„Oh Melli, Liebelein! Hab dich gar nicht bemerkt“, höre ich mich sagen und blicke sie möglichst überrascht an. „Du bist kein bisschen älter geworden. Wie machst du das bloß?“

Sie stellt sich als Antwort seitlich an Jonas und fährt mit einer Hand seinen Rücken herunter, „Ich halte mich an junge knackige Männer und verschwende keine Gedanken an Heirat und Familie! Und du? Verheiratet? Kinder?“ Mit einem kleinen Klaps auf seinen Hintern wartet sie auf meine Reaktion.

Verdammt! Sie muß gesehen haben, wie ich eben auf Jonas gegafft hatte. Diese Schlange! Am liebsten würde ich über den Tresen springen und ihr die Haare vom Kopf reißen!

 Nein! Hat sich irgendwie nicht ergeben. Arbeit, Arbeit! Hab ja nach der Schule noch studiert und arbeite seither in …“

„Ich habe es Ihnen schon einmal gesagt, Melanie! Behalten Sie bitte Ihre Finger bei sich! Sonst muss ich doch mal mit dem Meister reden!“

Wow! Was für eine Stimme! Nichts Jugendliches darin, eine unerwartet raue Stimme, die mir noch einmal mehr in die Beine fuhr. Oh Bitte, nicht Melli und Jonas zusammen in meinem Kopf. Böses Kino! Böses!

Aber er weißt sie zurecht, das gefällt mir! Ich hätte vermutlich erst recht keine Chance bei Jonas, da auch ich zu alt für ihn wäre. Aber das diese alte Schrappnelle abblitzt, freut mich.

„Ach, stell dich nicht so an! Bedien mal lieber meine alte Schulfreundin Elisabeth! Sie steht auf dich!“ Bei diesen Worten bumpt sie ihren Hintern gegen den von Jonas und geht zu der nächsten wartenden Kundin.

Leicht verlegen wirkende Augen scheinen sich kurz ordnen zu müssen, ehe sie mich geradeheraus mustern, mich Jonas Gesicht schließlich anlächelt.

„Was darf es sein, gnädige Frau?“ Oh, du! Serviert auf einem Silbertablett, oder besser einmal Jonas in schummrigem Licht halbnackt vor dem glimmenden Kaminfeuer! Bitte! …

„Sag ruhig Ella zu ihr“, hören wir Melanie sagen, ohne sich von ihrer Kundin abzuwenden.

„Ähm… Ella? Was darf es sein?“, fragt Jonas mich mit durchdringenden Blick. Ella! Denk an deine Erziehung! Oh, er hat ja doch schon kleine Krähenfüsschen um die Augen. Doch gar nicht mehr so jung, der Bursche!

„Ich hätte gerne zwei Kilo von dem Rindergulasch!“. versuche ich fehlerfrei von den Lippen zu bekommen. „Und zwei Hände voll Jonasarsch!“, fügt Melli hinzu, wirft mir einen Luftkuss zu und verschwindet flink durch die Flügeltür im Kühlraum.

Miststück, denke ich bei mir und schließe kurz die Augen. Verdammtes Miststück!

„Verdammtes Miststück!“, höre ich Jonas murmeln, als ich die Augen wieder öffne. „Also, zwei Kilo!“ wiederholte Jonas und wog das Fleisch bereits ab, „sonst noch etwas?“

Dammich! Ella! Wenn nicht nicht hier und heute, dann nie. Zum Glück ist ausser mir und ihm niemand mehr in der Nähe des Tresens und das Melli-Miststück noch im Kühlraum.

„Vielleicht…“, ich fühle mich, als wäre alles Blut im Kopf, „doch tatsächlich…“, wurks, nun gab es kein zurück und das Blut teilte sich mit der Wärme zwischen meinen Schenkeln, „zwei Handvoll…“

Die Tür zum Kühlhaus geht ein wenig auf und ein breit grinsender Mellikopf schaut durch ein Bullauge der Stahltür. Sie lauscht! Sie lauscht und läßt mich auch noch wissen, dass sie es tut! Dieses Mistvieh! Wie ich sie hasse!

„…Wiener!“ beende ich meinen Satz! Die Tür schließt sich wieder und Melli scheint vergnügt ein Liedchen dahinter zu trällern, als hätte sie nie etwas anderes dahinter getan.

„Zwei Kilo Rind, zehn Wiener“, höre ich Jonas sagen, während er die Würstchen in eine Tüte gleiten lässt. „Darf es sonst noch etwas sein? …Ella?“ Und schon wieder sehe ich die fragenden Augen in die meinen blicken! Ella! Denk an Papas Erziehung! Keine Flirtereien! Keine Verkupplungen. Aber ich…

Papa hat Recht. Was soll das? Am Ende liegt nur ein schnaufender schwitzender Jonaskörper auf mir und ich soll doch auf den Prince of the universe warten. Aber wie lange noch, und wie erkenne ich ihn? Jonas ist wirklich… Wow!! Aber es darf nicht so billig sein! Anstand, Elli, Anstand!

„Nein, danke! Das wäre alles!“, lassen mich meine Lippen sagen. Jonas verpackt beide Sachen in eine große Tüte, schreibt das Etikett für die Kasse fertig und tackert es an die Tüte, ehe er mir das Packet rüberreicht. „Schönen Tag noch, Ella!“

Wie benommen verabschiede auch ich mich, gehe verloren durch die anderen Reihen bis zur Kasse. Oh Nein! Besser, ich mache nur kurze Schritte. Hoffentlich hält die Einlage noch bis zu Hause! Oh, was für ein Mann!

An der Kasse lege ich meine Einkäufe auf das Band, in Gedanken immer noch bei Jonas. Diese breiten Schultern, der sinnliche Unterkiefer, die raue Stimme. Einfach alles an ihm verfolgt mich in meinen Gedanken.

Die Kassiererin zieht die Ware über ihren Scanner. Bei dem Fleischpaket reisst sie den oberen Zettel ab, tippt den Bon direkt in die Kasse und legt das Paket lächelnd zurück auf das Förderband.

Als ich den Laden endlich verlasse, sehe ich Melanie abseits stehen und rauchen. Sie schaut auf das Treiben des Parkplatzes und winkt mich zu sich herüber, als sie mich ebenfalls bemerkt.

„Ella! Schätzchen! Und? Hast du ein Date mit Jonas klarmachen können?“ Bei diesen Worten wartet sie nicht einmal meine Antwort ab, sondern gafft bereits auf eine enge Jeans die über den Parkplatz schlendert. Sie bläßt ihren Rauch aus und starrt mich keck lächelnd an.

Okay. Das reicht! „Ach Liebelein! Es sind zum Glück nicht alle Frauen so gestrickt, wie du! Wenn ich gewollt hätte, hätte ich es auch getan! Ich bin erwachsen!“

„Ach ja? Bist du dass?“, fragt sie, hebt sich von der Wand ab, gegen die sie gelehnt stand und schnippt ihren Filter weg. „Dafür habe ich meinen Spaß! Denk mal drüber nach!“ Sie steigt gerade die Stiege zum Hintereingang der Fleischerei wieder hoch, da dreht sie sich noch einmal um: „Ella! Ich weiß, dass viele von euch anderen Mädchen in der Klasse mich nicht mochten. Na Und? Dafür lebe ich und nehme mir, was mir gefällt. Sicher habe ich dabei auch schon meinen Reiter hoch zu Ross durch die Finger gehen lassen. Aber wenn der Reitemax es nicht schafft mir meine Schranken zu weisen und mich an sich zu reissen, kann es wohl kaum der richtige Eine für das Mellimäuschen gewesen sein, oder? Für wen willst du dich aufsparen? Auch wenn ihr mich damals nicht mochtet, ich mag euch. Und das ist die Erziehung, die ich genossen habe: Liebe deine Nächsten! Ja, vielleicht nehme ich das manchmal zu wörtlich, aber ich habe keine Feinde. Mensch Elli! Geh wieder rein und schnapp dir den Bengel, oder hast du seine Reaktion auf dich nicht bemerkt?! Ciao, meine Kleine!“

Die Tür schloss sich hinter Melanie. Oh Menno, Melli! War unser… mein Hass wirklich so offensichtlich? Vielleicht hat sie ja recht. Ich werde schließlich nicht jünger, aber wie so ein Backfisch in den Laden zurückgehen? Melli mag sowas können, aber ich bin nicht Melli! Ausserdem habe ich nichts an Jonas Verhalten bemerkt. Was hätte es da zu merken geben sollen? Er hat mich bedient und fertig.

Nachdenklich gehe ich meinen Weg durch die Straßen zu meiner Wohnung.

Aber Mel liegt falsch. Natürlich kenne ich das Gefühl von eben, die aufsteigende Hitze, dieses flaue Gefühl im Magen. Und natürlich weiß ich, was Liebe ist, nein – sein sollte. Aber gerade Melli hatte mir damals Micha vor der Nase weggeschnappt und als ich damals nur mal eine männliche Freundschaft erwähnte hielt mein Vater wieder seine Rede von Jungs vor der Haustür und was er mit ihnen anstellen würde, „Kind! Warte auf den Richtigen!“, meinte er immer und so ist es dann auch geblieben.

Ich werfe die Haustürschlüssel auf die Kommode, schlüpfe aus meinen Schuhen und stelle die Einkäufe in der Küche ab. Dann öffne ich die Tüte und sortiere alles an seinen Platz. Die Tomaten bleiben draussen, der Joghurt kommt erst einmal in den Kühlschrank, die Eier in die Schale, das Fleischpaket… Ach die Wiener sollten kalt gestellt werden. Was soll ich denn bloß mit zwei Handvoll Wienern?

Also öffne ich das Fleischpaket und werfe noch einen flüchtigen Blick auf den Kassenzettel. Dort stand klein vermerkt: „Diner-4-2? LG Jonas“ und eine Handynummer! Das Gefühl stieg sofort wieder in mir hoch, wanderte erneut in meinen Schoss und male mir den Mann vor meinen Augen. Und ich war mir bewusst, da war diesmal keine Melli, kein Vater, der mich noch zurückhalten könnte, nur Jonas und ich!

„Danke Melli!“, denke ich gerade noch, als ich zum Handy greife, „Ich trau mich!“

 ENDE

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Gedichte Geschriebenes

Der Nummerndieb

Der Nummerndieb

 Der Dieb in ihm stahl sich Deine Nummer,
doch Du raubtest ihm bereits den Schlaf.

Der Philosoph in ihm kleidet Deine Verse,
doch Dein Duft verblendet ihm das Wort.

Der Genießer in ihm schwelgt in Deinem Blick,
denn Dein Augenleuchten betankt seine Seele.

Der Forscher in ihm wüsste was er mit Dir entdecken wollte,
doch ist er sich Deiner Reaktion nicht sicher genug.

Der Zögernde in ihm hält ihn seit Tagen schon zurück,
doch der Poet in ihm gibt ihm mit diesen 5 Versen einen Tritt.

Dein Nummerndieb