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Elfchen Gedichte Geschriebenes

Bahn fahren… (11chen)

Einsteigen

Platz nehmen

Scheue Blicke austauschen

Dann ein Lächeln schenken

Aussteigen

Yakobo’s erste Elfchen

Elfchen sind eine Gedichtsform mit einem klaren Schema. Vergleichbar mit einem Weihnachtsbäumchen wird es aus elf Wörtern geformt:

1
22
333
4444
1

Diese Beispiele entstanden auf der Zugfahrt des 24.09.04
von Tornesch nach Farmsen

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Elfchen Gedichte Geschriebenes

Lichterfest (11chen)

Lichterfest

Wechselnde Melodien

Lachendes zahlendes Volk

Verschaukelt, geschüttelt, verköstigt, übergeben

Dom

Yakobo’s erste Elfchen

Elfchen sind eine Gedichtsform mit einem klaren Schema. Vergleichbar mit einem Weihnachtsbäumchen wird es aus elf Wörtern geformt:

1
22
333
4444
1

Diese Beispiele entstanden auf der Zugfahrt des 24.09.04
von Tornesch nach Farmsen

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Gedichte Geschriebenes

Bilderlose Rahmen

Bilderlose Rahmen

(Pictureless Frames)

…schauen mich an
…zeigen mir die Fotos meiner ungelebten Biografie
…wirken auf das fremde Auge leer
…starren erwartungsvoll auf mich herab

…erwarten, dass ich sie mit Leben fülle
…sind mehr als Holz, Glas und Leim
…wecken Erwartungen in bunten Farben

…erheben sich an der Wand, starren kalt und klar
…formen erhoffte Erlebnisse ins Weiß
…fallen hoffnungsüberladen von ihren Nägeln

…fallen und fallen und fallen und fallen
…zerspringen nicht, da sie keinen Boden finden
…fallen und fallen und fallen und fallen

…klagen mich an
…fordern nach Fülle
…sehnen den Blick zurück
…können ihre Aufgabe nicht erfüllen

…fallen ins Unendliche

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Gedichte Geschriebenes

Der Abend mit den Dirnen

Der Abend mit den Dirnen

So kaufte ich die Fahrt, ließ mich im Kreise drehen.

Bezahlte ich den Obolus um den Magen zu bezwingen.

Versuchte zu beweisen, wo es nichts zu beweisen gab.

Hin und her, und auf  und ab, bis dass die Musik stoppte.

So kaufte ich den Akt, denn ich war wohl dazu bereit.

Bezahlte ich den Obolus um die Einsamkeit zu bezwingen.

Versuchte zu vergessen, wo nichts zu vergessen war.

Hin und her, und auf und ab, bis dass der Morgen graute.

Doch konnten sie mir nicht geben, wonach mich dürstete.

Hatten sie doch nur das Fleische feil mir zu bieten.

Ich suchte nicht drei von ihnen, nicht zwei – nur Eine

Diese dafür ganz für mich alleine, für mehr als nur den Akt.

So wanderte ich durch Hamburg, der Suche nach mir selbst.

Konnt mich selbst kaum mehr erkennen, der da Fleisch bekam

Und kaum genießen mochte, sich klar dem Trugbild bewusst.

Bewusst auch der neuen Knappheit seiner Barschaft.

Hier könnt es also enden, Trottel nach Akt, einsam auf der Straße

Die Straße wächst zu Zügen – Reeperbahn, Hamburg, Umland, fort…

„Ein Tag beginnt sein Leben, als hätte es den vorigen nie gegeben.“

Doch …

 

Ward nur ein Kuscheln, ein Wort, ein Augenblick mit und von ihr

Nicht in Euro zu bemessen, den ganzen Abend wär´s mir wert.

Kaufte ich zwar nur die Leistung, die Illusion menschlicher Liebe,

bekam am Ende ich ein ehrliches Gefühl zum Geschenke?

War es nicht das, wonach ich schon anfangs suchte?

So kaufte ich die Busfahrt, ließ mich gen Heimat bringen.

Bezahlte ich den Obolus um das Gewissen zu bezwingen.

Versuchte zu vergessen, wo es nichts zu vergessen geben sollte.

Hin und her, und auf und ab, bis dass der Bus mich stoppte.

„Ein Tag beginnt sein Leben, als hätte es den vorigen bewusst gegeben.“

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Geschichten Geschriebenes

Die Alsterwelle

Die Alsterwelle
Hamburg’s Alster

Hamburg Ende Oktober 2000. Kalt ist es geworden die Lichter leuchten mir den Weg die Alster entlang. Der Winter ist da und da ist niemand Liebes, die sich an mir wärmen möchte. Wo ist nur das Feuer hin, das einst Entfachte? Was ist geblieben von dem einstigen Glück? Ich blicke stumm und ohne zögern weiter, wandre die Straße entlang. Mir ist als könnte ich mich selbst von weitem beobachten und sehe nur eine dunkle Gestalt ohne Gesicht, ohne wirkliches Ziel einen Fuß vor den anderen setzen.

Anonyme Autoscheinwerfer blenden mich kurz, um ihre Gase abzulassen, eben nachdem die Motoren mich anbrüllten. Und schon lassen sie mich wieder allein. Was für Menschen wohl in Ihnen sitzen?

Ob SIE dabei ist? Jene, der es in diesem Moment so geht wie mir? Womöglich guckt sie gerade ebenso gedankenverloren aus dem Fenster eines Busses und sieht mich nur als Schatten mit hochgezogenem Kragen an sich vorbeihuschen, Augenblicke bevor eine Unebenheit der Straße sie aus ihrem Tun reißt? Ist sie SIE?

Mein träumender Blick fällt in das erwartete Schwarz der Alster. Doch da war sie – nicht die Erwartete, doch eine andere, nicht minder Schöne. Funkelnd glitzerte sie über die Schwärze und zog einen Schweif Kleinerer nach sich. Spiegelte sich dort das Licht des Hotels Vier Jahreszeiten? Hat ein Schlag die Kleine Welle erweckt, oder war es einfach nur der kalte Wind? Wollte mir der Wind etwas sagen? In stetigen eisigen Böen folgte die Welle dem Ruf, kaum erweckt, schon wieder entschlafen.

Das Schöne währt nie ewig, aber es kehrt immer wieder zu dem, der danach sucht. Und wer genug Kraft und Puste hat, kann die Welle immer wieder von neuem funkeln lassen. Zufrieden und innerlich ein kleines wärmendes Feuer entfacht, atmete ich tief durch und genoss die Stadtluft, wie es eben nur ein alter Hamburger kann, der seine Stadt liebt und setzte meinen Weg fort zur Bahnstation. Die Welle blinzelte mir in Gedanken nach, als ich schon längst die Stufen in den Untergrund genommen hatte.

Ich hoffe, dass auch SIE heute sicher durch die Straßen nach Hause gekommen ist. Ich werde SIE finden und nach dem Funkeln in ihren Augen suchen Und in dem Moment, da ich ihr Glitzern erfahre, soll ein kurzer Gedanke der kleinen Welle gehören.

Danke, meine kleine Welle!

(c) 2000 Kay Fiedler