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Präsente-Zeit

Präsente-Zeit

 Bin im Weihnachtsgeschäfte
Ein Auftragserfüllungsgehilfe
So versteh ich meinen Job

Noch hab ich Zeit für Unfug
So entsteht auch dieser Text
Zuviel Zeit sonst sinnlos fließt

 Hier sitz ich nun und warte
Komm schon Kunde kauf
Leerlauf ist so öde
Für Hawesko sogar teuer

 Also Kunde sorg für Kasse
Bin nur Teilchen dieser Masse
Man nennt mich „Kay“, dass ist okay
Doch auf der Rechnung steht nur –kfi-

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Geschriebenes

Hawesko 4^ – Hawesko ?

Hawesko 4^ – Hawesko ?

Heute Abend wird es sichtbar kalt ohne heitere Abläufe, weil Eis sich klirrend obig hält.

Aber wochentags erwärmen Schauer kleinste Ortschaften.

Humorlosen Allesrauslesern wird es sofort kalauerhaft offenbart,
hiesiger Abschnitt wertet existenziell sichtbar kulturellen Oberflachwitz herzlich auf.

Wo Experten so kommunikativ ohne handfeste Abwehr witzige Einfälle schmerzlich kritisieren, oder hassen, aggressive Worte erlassen, schlägt´s Komiker ohnmächtig.

(Hinderlichen Analphabeten würde es sicher kaum offenkundig!)

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Gedichte Geschriebenes

Ein Wolf namens Fuchs

Einst vermeinte ein Wolf sich besonders schlau und nannte sich „Fuchs“. Natürlich sah jedermann, trotz seines rotweiß gefärbten Felles und seines vornehmen Namens, dass er trotzdem nur ein Wolf war. Doch lest selbst die Geschichte des Wolfes „Fuchs“, wie sie sich einst wirklich zugetragen hat:

Der junge Wolf fasste, da klüger als andere Wölfe einen gewieften Plan. Er wollte Fuchs sein, anstelle eines Wolfes. Also nahm er zwei Farbtöpfe und färbte sich in rot und weiß. Nun musste „Fuchs“ natürlich auch zur Schule, wie alle anderen jungen Füchse auch. So ging er also täglich zu jener Schule, in der er mit vielen anderen Gattungen zusammen saß.

Da gab es Enten, Schwäne, Füchse, Drachen und auch Wölfe. Hier lernte jedes Tier sich seiner Art entsprechend zu verhalten, so lernten Ameisen das ausbalancieren schwerer Lasten,  Drachen das Feuer speien und die Enten das Schwimmen. Und Wölfe lernten, dass sie in Rudeln lebten und dümmer sind als Füchse. Füchse hingegen lernten all die Märchen die über ihre Gattung erzählt wurden und zogen ihre Lehren daraus. „Fuchs“ hingegen hörte diese Geschichten, konnte sie sogar wiedergeben, aber verstanden hatte er sie leider nicht.

Die Jahre vergingen und alle lernten fleißig. Während Wölfe mehr Sportunterricht hatten als Füchse, mussten diese bereits lernen, was Verantwortung und Entscheidung hieß. Alle Füchse saugten den Stoff nahezu in sich auf, nur unser Wolf hinkte Jahr um Jahr hinterher.

Als die Jungen endlich groß waren, erhielten alle Tiere ihren Abschluss. Um auch „Fuchs“ loszuwerden, entschlossen sich die Lehrfüchse, auch ihn bestehen zu lassen, schließlich sei seine Verkleidung in gewisser Weise ja schon „schlau“ wie ein Fuchs. Die Füchse wollten einfach verhindern ihn noch ein weiteres Jahr mit durchzuschleppen und so hielt „Fuchs“ stolz sein Diplom in den Pfoten.

Mit frischem Mut suchte „Fuchs“ nach einer Arbeit, schließlich und endlich hatte er seinen Abschluss im Klugsein, so schien es ihm abwegig, wie ein Wolf auf Jagd zu gehen. Vielmehr wollte er andere Wölfe für sich jagen lassen! So ist es eben. Wölfe machten die Arbeit, die Füchse zuvor in Auftrag gaben. So gaben Füchse Befehle, wie etwa: „Wolf! Hol mir das Karnickel aus dem Stall, dort! Besorg mir die Kirschen von dem Baum, da!“ Kurz gesagt, man gehörte mit so einem Abschluss einfach zur Elite des Waldlebens!

Doch das Leben sollte den „Fuchs“ lehren, dass man nie auslernt! So gingen andere Füchse auf Fortbildungen, um in ihren Berufen voran zu kommen. Selbst Wölfe nahmen Kurse in Gehorsam gegenüber Füchsen, besserer Jagdstrategien und Gesangsstunden für das Mondgeheule. „Fuchs“ meldete sich zu dem gemischten Seminar „Master & Servants – Von der richtigen Rangordnung zwischen Fuchs und Wolf!“

Alle Füchse und Wölfe des Seminars waren gespannt auf die Inhalte die ihnen hier vermittelt werden sollten. „Fuchs“ hingegen erinnerte sich an die alten Märchen, die sie damals im ersten Schuljahr durchnahmen. Nach all den Jahren kam er zum ersten mal auf den Gedanken, die Hintergründe dieser Geschichten zu hinterfragen, „Warum sagte der Fuchs, die Kirschen seien sowieso sauer, nur weil er sie nicht erreichen konnte? Hätte er sich von Gott keinen kleineren Baum wünschen können? Hätte Gott gewollt, das Füchse Kirschen essen würden, warum gab er ihnen dann nicht Flügel und Schnabel?“ Bei den ersten Fragen dieser Art lächelten Füchse, wie Wölfe noch amüsiert und der Lehrer gab bereitwillig Auskunft, obgleich er sich ob der Frage von einem Fuchs gestellt, schon wunderte.

Die anderen Wölfe des Kurses waren sich gegenüber unserem „Fuchs“ aber ihrer Unwissenheit bewusst und versuchten sich unauffällig zu benehmen und keine dummen Fragen zu stellen. Sie rutschten einfach etwas tiefer hinter ihre Bänke und schwiegen!

Dieser Wolf aber stellte, um seine Position zu festigen, noch unqualifiziertere Fragen, so er einmal mehr unwissentlich unterstrich: „Ich bin ein Wolf!“. Die Lehrfüchse schauten einander an und berieten sich in einer stillen Stunde. Wie könne man den Wolf dazu bringen, zu den seinen zu gehen, ohne dass er weiterhin die Schläue der Füchse in Frage stellte? Auch für die Wölfe sei so ein sich selbst mit seiner Dummheit hervorhebender Wolf in Fuchsfarben ein Prestigeverlust, zumal er ja den Wolfsberuf gar nicht ausführen könne, da er ja von Jagd keinerlei Ahnung hatte.

Die Seminarleiter schmiedeten einen Plan, den der „Fuchs“ unmöglich durchschauen konnte. Sie planten ihm eine besondere Auszeichnung zukommen zu lassen. Da er auf Grund seiner vielen Fragen, seiner Wissbegierigkeit besonders für besondere Fuchseinsätze befähigt sei, sollte er einige Wolfseinsätze direkt vor Ort beobachten, quasi als „Undercover-Fuchs“. Allerdings sei eine Spezialausbildung dazu notwendig, da er lernen müsse, wie ein Wolf zu denken und zu handeln. Dies sei sicher nicht leicht, aber deshalb habe man ja auch ihn als Elitefuchs dazu ausgesucht. Er sei eben groß genug, um einen Wolf zu mimen und bei seiner Schlauheit sollte es ihm leicht fallen, sich dumm zu stellen.

Nach einem mehrjährigen Training schließlich, nahmen die Lehrfüchse graue und braune Farbe und färbten den rot-weiß gefärbten „Fuchs“ wölfern. In einer geheimen Zeremonie schworen sie „Fuchs“ auf seine Mission ein und scheusten ihn in einen Wolfsrudel, fernab der füchsischen Hauptstädte.

„Fuchs“ nahm seine Mission wirklich sehr Ernst, bis zum heutigen Tage! So wartet er bis heute auf seinen Kontaktfuchs, dem er die hochbrisanten Geheimnisse des Wolfslebens anvertrauen kann. Drum seid auf der Hut ihr Wölfe, denn er könnte auch mit jedem von Euch an einem Tisch sitzen und eine Frage nach der anderen stellen. Verratet ihm bloß nichts, sagt ihm aber vor allem nicht, wie dumm die Fragestellung ist –

…selbst für einen Wolf!

23.10.02

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Geschichten Geschriebenes

Das Ü im Ü-Ei

Welch Schicksal hat mich ereilt? Ausgesperrt – Zerlegt – Allein im Dunkeln? Was habe ich denn verbrochen? Kaum dass mir bewusst wurde, dass ich mich auf einem Fließband befand und realisierte, ein Mini-Plastik-Bausatz für ein Happy-Hippo-Feuerwehrauto zu sein, fuhr ich in die nächste Fertigungsstrasse ein und es wurde wieder dunkel. Als das Außenlicht zurückkehrte, war alles um mich herum nur noch in einem unwirklichen grellen Gelb.

Neben mir lag eine Bauanleitung und es war plötzlich sehr eng. Ich kann nur erahnen was dann passierte, denn plötzlich roch es angenehm nach Schokolade. Fragt mich nicht, woher ich wusste wie Schokolade roch, ich wusste es einfach. Sehen konnte ich schließlich nichts mehr! Und an diesem Zustand sollte sich nun auch lange nichts mehr ändern. Ich wurde hin und wieder leicht geschüttelt, aber mein Gefühl für Zeit war einfach dahin.

In der Einsamkeit der Stunden und Wochen versuchte ich, mich mit der Bauanleitung zu unterhalten, aber da kam einfach nie eine Antwort, so sehr ich auch bemüht war. Es gab natürlich auch kaum Gesprächsthemen, schließlich konnte man sich schlecht über das Wetter unterhalten. Aber das war letztlich auch kein Grund gar nicht zu antworten. Alle Tage, wenn es denn Tage waren, probierte ich es mit einem „Ganz schön dunkel heute, nicht wahr? Ich meine dunkler als sonst, stimmt´s?“, aber das Ergebnis war immer gleich.

In meinem Leben war einfach noch nicht mehr passiert, als dass ich auf große Geschichten hätte zurückgreifen können. Ich hatte ja nicht einmal einen richtigen Namen. Aber einen Versuch war es wert: „Ich bin ein Original Ferrero Happy-Hippo-Feuerwehrauto™, aber du darfst mich Feuri nennen, wenn du magst!“ Es folgte nur Schweigen. Schließlich gab ich es auf. Minuten vergingen, wenn es denn Minuten waren.

Doch dann schien endlich wieder Bewegung in mein Leben zu kommen. Ich wurde heftigst gerüttelt, so dass meine Einzelteile nach draußen schreien wollten: „Ja doch! Ich bin ein Bausatz! Ich habe viele Einzelteile und jetzt bitte Schluss mit der Schüttelei!“ Ich wusste nicht mehr wo oben und unten war und fing an meine Teile durchzuzählen, nur um sicher zu gehen, dass keines meiner Teile in die Tiefe der Dunkelheit entkommen ist, dann hörte das Geschüttel auf. Ich zählte auch die Anleitung auf, aber wieder kam keine Antwort. Vielleicht hatte die Schüttelei ja auch nur die Anleitung fortgerissen. Dann wäre es auch kein Verlust gewesen, meine Teile waren jedenfalls alle noch da.

Als nächstes vernahm ich ein Knistern wie von einem kleinen Lagerfeuer. Na gut, vielleicht war es auch das Knistern von Alupapier, nur ich hatte schon so lange keine Geräusche mehr gehört, die so dicht an mich herankamen. Schließlich gab es ein Knacken und es wurde Licht. Da war es wieder, dieses unwirklich anmutende gelbe Licht, dass obwohl es da war keine Umgebung freigab. Da war nur ich und diese nichts aussagende Bauanleitung.

Da passierte es! Es gab ein weiteres Knacken und plötzlich durchflutete echtes original Sonnenlicht™ die durchknackten Schalenteile. Meine Einzelteile segelten ohne Halt auseinander, dem Boden entgegen. Ich sah einen menschlichen Jungen und einen älteren männlichen Menschen. Der Aufprall kam schnell und hart. Da lag ich also mitten auf dem Gartentisch, umringt von zwei Augenpaaren. Der Jüngere griff nach mir, aber der Ältere meinte, dass dort ein Fachmann ranmüsse, und nahm mich dem Jungen wieder ab. Der Junge maulte und schnappte sich die Bauanleitung, die den Älteren nicht zu interessieren schien.

Der Fortlauf der Bemühungen, mich zusammen zu bauen verlief wundersam. Zwischenzeitlich hatte ich hinten drei Achsen und vorne gar keine, dafür passten die Sitzplätze für die Feuerwehrleute auch prima auf das Dach. Schließlich gab der Ältere auf und meinte, er hätte jetzt wichtigeres zu tun, als sich mit einem Kinderspielzeug abzugeben. Er warf mich halb zerlegt, halb falsch zusammengebaut zurück auf den Tisch. Er stand vom Gartenstuhl auf und wandte sich dem Grill zu, auf dem zwei dicke Weißwürste brutzelten.
So richtig wohl fühlte ich mich nicht. Was war denn das nun für ein blödes Leben? Da hockt man nun ständig neben einem verschwiegenen Zettel, nur um dann misshandelt auf einem Tisch zu enden, noch dazu unvollendet. Der Junge schaute sich vorsichtig nach dem Älteren um, nur um sicher zu gehen, dass dieser wirklich nicht nach mir schaute und griff nach meinen Teilen. Geschickt setzte er mich korrekt zusammen, während er hin und wieder in die Bauanleitung schaute. Endlich war ich fertig, ein schmuckes kleines original Ferrero Happy-Hippo-Feuerwehrauto™. Da hatte ich der hochnäsigen Anleitung am Ende doch noch etwas zu verdanken.

Der Ältere saß immer noch mit dem Rücken zu uns gekehrt und versicherte dem Jungen, dass er sich dem Zusammenbauen sofort wieder zuwenden würde, sobald er Zeit finden würde. Ohne zu antworten fuhr der Kleine mit mir gerade eine besonders heiße Kurve, haarscharf an der Tischkante vorbei. Hätte der Kleine mich nicht festgehalten, wäre ich gnadenlos in die Tiefe gestürzt.

Als der Ältere bemerkte, dass sein Versprechen vergebens war, wirkte dieser etwas beleidigt. Aber das machte mir nichts mehr aus, ich war komplett und ich hatte einen Spielkameraden, mehr war nicht wichtig! Auch wenn ich es damals nicht erwartet hatte, aber es war bestimmt der schönste und bewegenste Tag in meinem Leben.

©2001 Kay Fiedler

Das Ü im Ü-Ei
Das Original zu dieser Geschichte!

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Geschichten Geschriebenes

Weihnachten! (Wein-achten!)

Weihnachten!

(2001 / Überarbeitung 2011)

Na Klasse. Da war es also wieder! Weihnachten! Niemand hat gefragt, ob das so sein muss, viele hatten es befürchtet und nun passierte es also tatsächlich schon wieder.

Die eine Hälfte der Feierer verfiel in die Euphorie des Backens, Geschenke Kaufens und dem nahezu krankhaften Zwang extrem nett zu den Mitmenschen sein zu müssen, in der vergeblichen Hoffnung, damit alle Schnitzer des abgelaufenen Jahrgangs wieder wett machen zu können.

Die andere Hälfte, der zwanghaft in diese Zuckergussarie hineinexpedierten Menschenmasse, bekam beim Anblick von weißen Rauschebärten weniger ein leuchtendes Feuer in den Augen, als vielmehr wieder mal ein nervöses Zucken in den Feuerzeugfingern. Sie waren angenervt beim Herüberwehen kinderchorinzinierter Weihnachtstöne und hofften, dass alles möglichst schnell vorüber wäre.

Wahre Freude käme bei ihnen eigentlich erst auf, wenn der Kaufhaus-Klaus frontal vom Linienbus erwischt worden wäre, was ihnen vielleicht sogar mal ein zynisches „Hoo-Hoo“ entlockt hätte.

Was aber war mit dieser Zeit anzufangen, hin- und hergerissen zwischen Weihnachtslust und -frust? Ließ man sich einlullen, gab man sich der Gefahr preis, man glaubte wirklich noch an Weihnachtsmann und Osterhase und sei irgendwie gefangen in einer nicht wirklich realen Welt! Verweigerte man die Teilnahme, sah das aus wie Spaßverweigerung an einer staatlich und kirchlich genehmigten Ausschweifung! Wie verhielt man sich also richtig? Konnte man sich überhaupt richtig oder falsch verhalten?

Wenn sich die allein lebende Unbekannte aus dem siebten Stock, bar familiärer Anbindung und Beziehung, sich himmelhoch jauchzend zu Tode stürzte, könnte sie damit Familie Meier im Parterre sicher das Fest verderben, da sie plötzlich verdreht in der weihnachtlichen Außenbeleuchtung hinge.

Wenn der vom Kaufhaus angemietete Weihnachtsmann die Kinderchen tätschelte und nach ihren Wünschen fragte, mochte das innerhalb der rotweißen Brutzeit sicherlich in Ordnung sein, aber wenn er das auch in der restlichen Zeit im Jahr machen würde, wäre das sicher sehr verdächtig.

Aber nein, das tat er nicht. Zumindest hätte man ihn im Hochsommer nicht mit diesem Weihnachtsmann in Verbindung gebracht. Und ein guter Weihnachtsmann beschenkt keine Kinder im Sommer mit Süßigkeiten. Kinder, die das nicht beherzigen, leben gefährlich.

Was aber nicht heißen soll, dass man zum Weihnachtsmann ins Auto steigen darf, nur weil Weihnachten ist und er seine Geschenke angeblich noch aus selbigen holen müsste.

Aber so einer war dieser Klaus nicht. Dieser Klaus meinte es wirklich ehrlich mit dem Weihnachtsgruß und seiner Liebe zu den Kleinen. Er nahm seinen Job mit dem Kinderkopfstreicheln sehr ernst.

Dieser Weihnachtsmann tätschelte allerdings nicht nur die Kinder, sondern bevorzugt auch die Mütter, wenn sie seiner Idealvorstellung von Frau entsprachen, unzensiert, unantastbar, beinahe schon mit bodenloser Narrenfreiheit. Und letztendlich bekam er ja auch noch acht Euro die Stunde bezahlt für diesen netten Service. Nun ja, wie gesagt, er hatte „beinahe“ bodenlose Narrenfreiheit!

Nach einem Riesenknall fand man ihn mit Veilchen in der Dekoration liegend und die wütende Mutter zog ihr Kind von dem Kaufhaus weg. Die Filialleitung war nicht sonderlich begeistert von der freizügigen Arbeitseinstellung und verzichtete fortan auf die Mitarbeit dieses Weihnachtsmannes.

Am nächsten Tag wurde sein Job von einem mechanischen Weihnachtsmann übernommen in den die Eltern ein 50 Centstück einwerfen mussten, damit der Klausi anfing „HooHoo“ zu sagen und den Kindern mit der Plastikhand emotionslos durchs Haar zu streichen.

„Wassss??…“ – (rassel rassel) der Arm wurde bewegt –
„wünscht du …“ (rassel schepper) der Körper beugte sich vor –
„dirrr denn, meinnn …“

In diesem Moment stoppte die Animatronik und die Eltern wurden aufgefordert, auf dem abseits aufgestellten Terminal „Mädchen“ oder „Junge“ auszuwählen. Erst kurz darauf fing der Klaus wieder an sich zu bewegen und sein Programm fortzuführen.

(Rassel) „…Mädchennn?“

Das leicht verstörte Kind antwortete ungläubig, den Blick immer wieder zu den Eltern wendend. „Das sollte der Weihnachtsmann sein? Wirklich?“ Die Eltern hingegen lächelten einander Weihnachtsblind zu, froh dem Kinde den Glauben an den amerikanischen Konsumgott für nur 50 Cent erkauft zu haben.

Am darauffolgenden Tag kam ein gerade arbeitslos gewordener, vom Glühwein beeinträchtigter Mann mit lila Schimmer ums Auge in die kaufhäusliche Weihnachtsdeko, steckte 50 Cent in den Schlitz (versuchte es zumindest) und verprügelte die Animatronik.

Auf dem Eingabedisplay blinkte die Eingabeaufforderung „(M)ädchen/(J)unge?“, während der Angetrunkene neben den Resten des Klausis saß und mit sich und seiner Tat zufrieden ein Weihnachtsliedchen vor sich hin summte.

Erschreckte Eltern hielten ihren Kindern die Augen zu und eilten sich, schnell vom Ort fort zu kommen. Der Mann unterbrach sein Liedchen derweil nur zeitweise, um dem zerknautschten aber unablässig gutmütig drein lächelnden Gesicht des Mechano-Weihnachtsmannes neue Beulen zu verpassen.

Der betörende Nachduft von zwei vornächtlichen Flaschen Wein ließ an diesem Vormittag einfach nicht von der Frau aus dem siebten Stock ab. Hoffte sie nach jeder Straßenecke, den Duft endlich abgehängt zu haben, kräuselten sich die Nasen der Passanten und zeigten ihr das hoffnungslose Unterfangen. Hektisch und nervös schlich sie zwischen den Weihnachtskranken hindurch und hielt die Tränen nur schwer zurück.

„Allein! Wieder einmal!“, verfolgte sie ihr Gedanke. Sie war auf der Flucht, der Flucht vor Weihnachten, der Flucht vor all den Verrückten, den einander wärmenden und dümmlich einander Anlächelnden. Kurz, sie versuchte vergeblich, Weihnachten zu entkommen und Weihnachten versuchte ihr Unterfangen zu ignorieren. Da stolperte sie plötzlich und tauchte endgültig in der Masse der Kaufberauschten unter, ohne weitere sichtbare gesamtbildstörende Spuren zu hinterlassen.

Als sie eine halbe Stunde später um eine Häuserecke verschwand, trug sie die Überreste des mechanischen Plastikklauses unter dem Mantel versteckt. Der Weinduft wurde von einem erkalteten Glühweinduft verfolgt, welcher schließlich Richtung des Hochhauses führte, in dem sie wohnte.

Familie Meier war gerade damit beschäftigt, die Außenbeleuchtung in die große Gartentanne zu hängen und den gemeinsamen Hauseingang zu verweihnachtlichen. Schnell den Weihnachtsmann mit dem Mantel verdeckend und ein gequältes Lächeln aufsetzend, zog die Frau an ihren Nachbarn vorbei.

Herr Meier konnte sich gar nicht daran erinnern, den Glühweintrinker als Nachbarn zu haben, als dieser ebenfalls vergebens lächelnd bemüht und ein wenig schlingernd meterweit hinter der Frau her tigerte. Der Glühweintrinker blieb stehen und betrachtete unangenehm lange das Gesicht von Herrn Meier, dessen von der Kälte gerötete Nase und auch der lange grauweiße Bart ihn an irgendwen erinnerte.

Als ihm endlich einfiel wo er das Gesicht unterzubringen hatte, schaukelte er schwankenden aber bestimmten Schrittes auf Herrn Meier zu, die Hand im Mantel zur Faust geballt. Doch ehe er Herrn Meier die Geballte präsentieren konnte ertönte ein Pfiff aus dem Hauseingang. Wie so oft auf dem Weg hierher musste die Frau aus dem siebten Stock den lädierten Weihnachtsmann herausholen und ihn dem Glühweintrinker zeigen. Dieser wechselte daraufhin die angesteuerte Richtung und schlich wieder auf die Frau zu. So verschwand die Frau mit dem Kopf und dem Glühweintrinker im Hausflur und schließlich im Fahrstuhl. Herr Meier schaute dem seltsamen Gespann noch einen Moment lang kopfschüttelnd nach.

Es war für Familie Meier insgesamt ein recht ereignisloses Weihnachtsfest. Die Familie knabberte die leckeren selbst gebackenen Plätzchen, Gedichte wurden vorgetragen und die DVD mit den schönsten Disney-Spielfilmausschnitten wurde doppelt geschenkt.

Für die Stockwerke ober- und unterhalb des Siebten wurde es ein etwas unruhiges Fest, denn es landete glücklicherweise keine Frau im Garten der Meiers. Diese feierte stattdessen ein etwas anderes Weihnachtsfest bei dem so manche Eltern ihren Kindern auch die Augen zuhalten würden, wenn sie nur die Hände von den Ohren nehmen dürften!

In diesem Sinne! Frohes Fest!

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Gedichte Geschriebenes Liedtexte

Call Port Motherlove

Call Port Motherlove

[RING, RING]

When you´re lonely…
Tired by life …
Crying all night long…

Call Port Motherlove,
I make you feelin great
Call Port Motherlove,
I make you feelin loved
Call Port Motherlove,
I make you feelin easier

You can tell me all,
I´m hearing on
Tell me your wishes, your troubles
So long you could pay the bill
I´m hearing onto all you said

Call Port Motherlove,
I make you feelin great
Call Port Motherlove,
I make you feelin loved
Call Port Motherlove,
I make you feelin easier

Every soul needs someone to talk with
So take a call and spend some money for my service

Call Port Motherlove,
I make you feelin great
Call Port Motherlove,
I make you feelin loved
Call Port Motherlove,
I make you feelin easier

Shout me dirty,
call me a loving bear
Whisper your sweet secrets to my ears
Mainly you pay.

Call Port Motherlove,
I make you feelin great
Call Port Motherlove,
I make you feelin loved
Call Port Motherlove,
I make you feelin easier

Thanx for your callin
See you and good night!

[KLICK]

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Gedichte Geschriebenes Liedtexte

Dark dressed queen

Dark dressed Queen

Dark dressed Queen
You start my heart to win
You never see my skin
Notime ever in your dream
Thats the the reason i´ve seen

Dark dressed Queen
You´re so beauty dressed in pain
Your eyes looked so cold as ice
Noone ever should realize the truth
There´s a wall you sat behind

Dark dressed Queen

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Gedichte Geschriebenes Liedtexte

Hush Puppies

Hush Puppies

(Camelrally-Beat/Crying Voice)

I see hush puppies in my sleep    
They walk down along the street
They walk circles around my feet    
I see hush puppies in my sleep

I see hush puppies in my sleep    
They jump the gate like a sheep    
They lick me with their tongue so dry    
I see hush puppies in my sleep

I see hush puppies in the sky    
Please, trust me, that´s no lie    
They swim against the ship with me    
I see hush puppies in the sea

I see hush puppies laughing at me
There´s no escape about them I can see    
There´s only one chance I should have    
Now I see hush puppies dance on my grave

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Geschichten Geschriebenes

„Hält!“

Hält“

Mein Name tut nichts zur Sache. Ich bin einer von vielen… denke ich. Na ja, es ist vielmehr eine Hoffnung. Denn wenn ich einzig wäre, so würde ich mich selbst am Kragen packen und mich in die Geschlossene einliefern. Aber ich befürchte, dort auf mehr Leute zu treffen die vollen Verstandes sind, als hier draußen, somit wäre ich der einzig schwierige Fall. Die Basis dieser Theorie ist folgende: Verrückt sind wir eigentlich alle! Aber die, die sich durch ihre extreme Normalheit auffälliger verhalten als wir anderen, sind verdächtig. Um den Rest der Welt vor ihrer Normalität zu schützen, sorgt die Gesellschaft für ihre sichere Unterbringung in keimfreien Räumen.

Wie ich auf das Dach dieses Wohnblockes komme? Nun, das ist nicht so ganz einfach zu erklären. Ebenso wenig erklärbar für den überdurchschnittlichen Verstand mag es sein, dass ich hier in einem knallschwarzem enganliegenden Taucheranzug hocke, eine Zorromaske vom letzten Fasching aufhabe und bitterlich friere. Es ist mitten in der Nacht, der Regen hat die Dachschindeln durchtränkt und das Seil um den Schornstein müsste nach meiner Berechnung bis vor die Fenster des dritten Stockes reichen. Doch noch ist dort unten alles dunkel. Leichter Wind kommt auf und mein dunkelrotes Cape flattert ein wenig umher.

Erst jetzt werde ich mir meiner Ausstrahlung bewusst. Ich schaue auf die gähnend tote Straße, fünf Stockwerke unter mir. Ich erahne den Blick aus einem der Fenster der gegenüberliegenden Häuserblöcke. Womöglich sind es zwei Kinder, oh ja – mein scharfer Verstand spürt förmlich ihre Blicke. Ich werde die Kälte überwinden und mich in Position stellen, aufrecht, mit geschwollener Brust, dem Cape im Winde flatternd. Ich erahne, wie eines der Kinder auf mich zeigt und das andere Kind fragt, wer da wohl steht. Ja ja, schau du nur. Ich bin es! Ähm… ich … ähm… Mist! Nein, das ist nicht mein Name. Ich heiße nicht Mist. Aber bei all der Planung für mein Kostüm hatte ich keine Zeit dafür gefunden, mir ein Pseudonym einfallen zu lassen.

Mit einem guten Namen steht und fällt alles! Ich kann die besten Heldentaten vollbringen, die schönste aller Verkleidungen tragen, aber alles ist vergebens, wenn man keinen Namen hat. Viele gute Namen sind schon vergeben. Wenn ich Superkräfte hätte, ja dann wäre es einfach, dann wäre ich irgendein Held mit „Super“ im Namen. Das zieht immer und treibt die Auflage meiner ersten Comic-Serie in die Millionenhöhe, selbst wenn ich mich „Superheinz“ nennen würde. Ja, super wäre schon klasse, aber damit geht man ja auch eine ziemliche Verpflichtung ein.

Da ich aber als Heldenneuling mit Fehlschlägen rechnen muss, wäre „super“ eine zu große Verantwortung. Alle Prädikate darunter klingen allerdings nicht motivierend. Aber „Mittelmaß-Man“ hat irgendwie einfach nicht genügend Schwung im Namen. Und wahrscheinlich erwartete man von ihm erdig grünes unter den Fingernägeln und speckige Haare, bekleidet mit Jeans und Parker. Aber ich hatte ja einen Dress, eine Maske und Handschuhe. Auch Handschuhe sind wichtig! Sie müssen dünn genug sein, um alles was man anfasste noch erfühlen zu können. Besonders wichtig war die zum Kostüm passende Farbe. Und sie mussten dick genug sein, einem, wenn man auf einem nassen kalten Dach saß, noch ein wenig zu wärmen.

Meine Handschuhe erfüllten nur zwei dieser Eigenschaften. Sie passten zum Dress, in nahezu der gleichen Farbe wie mein Cape. Die Wahl der Farben war nicht einfach. Als modebewusster Neuheld muss man sich entsprechend in Szene setzen. Das Kostüm muss als Tarnung dienen können und soll trotzdem nicht einfach nur dunkel sein.

Wenn der Anspruch auf Tarnung nicht wäre, hätte ich vermutlich eher etwas in Silber gewählt, wobei ich gerade gelesen habe, das Silber nicht mehr hipp sei. Außerdem sei der Ausdruck hipp nicht mehr „in“. Es ist gar nicht so einfach, wenn man der Jugend als Symbol dienen will. (Das Wort Symbol wanderte kurz an mir vorüber, ohne ein „Klick“ zu hinterlassen.) Also guckte ich was, der Markt mir bot. Es sollte nicht einfach nur schwarz sein, diese Farbe mit der man selbst in dunkelster Nacht noch ein Loch in der Gegend hinterließ. Es musste irgendwie… na ja, irgendwie frischer sein. Als ich dann im Sportgeschäft dieses Knallschwarz sah, wusste ich, dass es die Farbe war, die ich suchte. Sie war schwarz, fiel sofort ins Auge und glänzte.

Ich war extra in die nächste Stadt gefahren, um so wenig nachvollziehbare Spuren wie möglich zu hinterlassen. Die Verkäuferin lächelte freundlich und ich sagte verlegen, dass ich zum Tauchen nach Mallorca fahren wolle. Damit sie mich auch wirklich nicht wiedererkennen konnte, trug ich die ganze Zeit meinen Trenchcoat und die dunkle Sonnenbrille. Das entsprach zwar einem gewissen Klischee, aber ich war der Meinung, dass es dazu gehörte, dass die Verkäuferin, wenn sie sich schon an etwas erinnern konnte, sich wenigstens an einen Mann erinnerte, der eben diesem Klischee entsprach.

Bei meinem Cape musste ich ein wenig improvisieren, sonst hätte ich es nicht mehr rechtzeitig hier auf das Dach geschafft. Da war dieser Duschvorhang, den meine Oma mir vor Jahren einmal geschenkt hatte. Er passte einfach nicht zu der Innenausstattung meines Bades und so lag er schon ewig im Schrank. Das Dunkelrot machte sich gut zu dem glänzenden schwarz des Taucheranzuges. Nach dieser Nacht würde ich ihn aber noch ein wenig kürzen. Nachdem ich mich im obersten Stockwerk umzog und ihn anlegte, stellte ich schon nach den ersten Treppenstufen zum Dach fest, dass er zu sehr hinter mir herschlurfte.

Auf die Schnelle dann auch noch passende Handschuhe zu finden war dagegen nicht ganz so einfach. In meinem Wäscheschrank waren nur noch die alten ausgefransten Motorrad-Handschuhe mit den gelben Streifen. Doch sie erfüllten schon mal zwei der geforderten Eigenschaften nicht. Sie waren zu dick und hatten die falsche Farbe. Die einzigen besseren Handschuhe fand ich unter der Spüle. Es waren die Haushaltshandschuhe, gekauft im zartem Rosa, waren sie inzwischen durch Gartenarbeiten irgendwo zwischen Rot und Schwarz. Das sie nicht ideal sind, war mir schon klar, aber sie sollten ihren Zweck ja nur heute erfüllen.

So stehe ich hier jetzt also, möglicherweise unter Beobachtung und stelle mich in siegreiche Pose. Ich rücke meinen Kampfgürtel zurecht und versuche ein möglichst hartgesottenes, furchtloses und mächtiges Gesicht aufzusetzen, auch wenn es in der Dunkelheit sicher nicht mal die beiden Kinder sehen könnten. Auch der eisige Wind ließ sich nicht überzeugen. Unablässig blies, er als wolle er meine Existenz gänzlich ignorieren. Es kostet mich einiges an Überzeugungskraft um den Stand zu behalten.

Während ich da so stehe und allmählich zu Eis erstarre, frage ich mich welcher schwachsinnige Geist den ersten Superhelden entsann und ihn in einen so wetterunkompatiblen Anzug steckte. Sicher wirkte es in Comics immer fesch, aber es ist einfach saukalt hier oben. Sicher versprachen sie Bewegungsfreiheit und betonten die Figur. Für den Sommer mag das schon gehen, aber warum haben sich keine Helden mit geteilter Sommer- und Wintergarderobe durchgesetzt? Nun gut, das Kostüm ist das Image eines Helden, aber man könnte doch das Heldensymbol auch auf eine dicke Daunenjacke nähen! (Erst jetzt schaltete das feinabgestimmte Superheldengehirn auf das Wort „Symbol“ und nur für ihn hörbar, machte es laut „Klick“.)

Ein Heldensymbol!! Ich hab das Heldensymbol vergessen! …Aber wozu brauchte ich es, da ich ja schließlich auch noch keinen Namen hatte? Wie sollten mich meine Fans schließlich wieder erkennen, ohne Symbol?

Wie lange wollen die Kinder eigentlich noch auf mich starren? Langsam werden meine Gelenke müde und ich kann nicht noch länger die Luft anhalten. Ich hebe den Arm und mache die Geste mit dem Daumen in die Richtung, in der ich die beiden Kinder vermute. Es ist die Art von Geste, die man macht, um Dritten zu vermitteln, dass man die Situation voll im Griff hat und alles in Ordnung sei. In diesem Falle hieß diese Geste: „Kinder (Wenn ihr da unten seid…)!!!! Ich habe alles unter Kontrolle. Solange ich hier wache, könnt ihr beruhigt Schlafen. Also geht Schlafen! Jetzt! Bitte! … BITTE!!!“. Zur Bekräftigung meiner Aussage drücke ich ein Auge zu. Jetzt heißt es abzuwarten.

Mit der Scharfsinnigkeit meiner Augen meine ich erkannt zu haben, dass sich hinter dem Fenster der Kinder keine Bewegung mehr regte. Damit regte sich jetzt dort nicht mehr als vorher, aber mein Gefühl sagte dass es deutlich weniger Bewegung war, als die einfache Definition von „keine“ Bewegung. Keine Bewegung ließ sich somit in verschiedene Grade einteilen und dieser Grad war irgendwo bei den Dingen, die sich nie bewegt hätten, wäre man sich nicht sicher gewesen, dass sie sich überhaupt hätten bewegen können. So gehe ich also davon aus, dass sie meinem Zeichen gefolgt sind. Erleichtert lasse ich wieder Luft in meine Lungen und schaue in die Tiefe unter mir.

Alles war ruhig. Die Straße scheint, bis auf einige kaum verdächtig wirkende im Minutentakt vorbeifahrende Autos absolut sicher zu sein. Auf Verbrechen wartend überschaue ich die Straße. Schlaft nur, meine lieben Mitbürger. Ich stehe hier und sorge dafür, dass ihr die Nacht ruhig übersteht. Natürlich ist es für einen Helden schwer zu erkennen, ob ein nicht stattfindendes Verbrechen auf die eigene Präsenz zurückzuführen ist. Aber wenn es trotz dem Vorhandensein eines Superhelden ein Verbrecher wagt, seinen Plan durchzuführen ist dies schier unverschämt, oder der Verbrecher hat mich versehentlich übersehen. Die Kunst daran, sich richtig zu verstecken bestand darin, für den Normalbürger unsichtbar zu bleiben und es auffällig genug zu tun, als das Fans und Verbrecher einen dennoch bemerkten!

Diese Nacht schien über mehr Stunden zu verfügen als andere Nächte. Eine Nacht verfügte dabei über etliche Möglichkeiten sich im Dunkeln an die Uhren wartender Menschen zu schleichen und sie zurück zu stellen. Hier auf dem Dach war ich der Nacht hoffnungslos ausgeliefert und sie nutzte es wirklich schamlos aus. Nach unendlich erscheinender Zeit und drei Autos später, schaue ich zur Uhr und es sind erst zehn Minuten vergangen. Immerhin wusste ich, dass ich hier nicht vergebens warte. Schließlich muss im dritten Stock unter mir irgendwann irgendetwas passieren und dann hätte ich meinen großen ersten Auftritt. Ich wusste nicht, wie dieses etwas wohl sein würde, also hoffe ich darauf, dass etwas bei seinem Tun möglichst auffällig sein würde. Ich erwarte irgendwie Schreie, Lichtkegel die die Scheiben des dritten Stockes von Innen ableuchten oder einen Pistolenschuss.

Woher ich von dem geplanten Verbrechen wusste? Ich hatte vorgestern dieses Gespräch im Supermarkt belauscht. Der Mann wollte sich heimlich in eben diese Wohnung schleichen während der Herr der Wohnung schliefe und dann seiner Frau etwas antun. Der Gedanke eines Tages ein Superheld zu sein schlummerte schon lange in mir. Und dies war meine Gelegenheit. Würde ich nur so auf dem Dach hocken und auf ein ungezieltes Verbrechen warten, könnte es Jahre dauern bis jemand meine Hilfe bräuchte. Aber in diesem Fall hatte ich, genau wie der Unhold, einen Plan.

Der Mann war kein völlig Unbekannter. Ich wohnte selbst in diesem Viertel und sah ihn oft verschwinden in einem der, diesem Haus gegenüber liegenden Hauseingange. Nachdem ich das Gespräch belauscht hatte, wurde mir sofort bewusst, dass der Mann schon immer so etwas unheimliches, verbrecherisches im Ausdruck hatte. Also beobachte ich seinen Hauseingang und den dritten Stock unter mir.

Wieder einmal muss ich ganz zur Dachrinne hin und über den Rand schauen. Als Held Angst zu zeigen liegt nicht drin, also schaue ich kalt lächelnd, während sich mir innerlich alles zusammenzieht.

Warum nur mussten Helden immer durch das Fenster gestürzt kommen? Konnten sie nicht das Treppenhaus benutzen und die Tür auf klassische Polizeimanier eintreten? Nein, Superhelden unterscheiden sich von den üblichen Ordnungshütern einfach schon dadurch, dass sie anders auftreten. Es war sozusagen eine Verpflichtung, die irgendwie mit dem Tragen einer Maske zusammenhing. Helden springen von Dächern. Helden fallen durch Fenster und landen immer auf den Füßen, einen lockeren Spruch auf den Lippen und mit einem unerbitterlichen kühlen Blick in den Augen.

Diesen Blick hatte ich den ganzen Morgen vor dem Spiegel geübt und bin der Meinung ihn beinahe zu einer eigenen Persönlichkeit perfektioniert zu haben. Zumindest bin ich mir sicher, dass ich mich zu Tode erschrecken würde, wenn mir jemand mit so einem Blick in den Augen gegenüberstand. Aber was für einen Spruch soll ich liefern, wenn ich nachher da im Zimmer stehen würde? „Halt, Schurke!“?

Sonderlich originell wäre das nicht, aber immerhin geradezu klassisch. Ich wusste nicht, mit welchem Spruch ich den Verbrecher am ehesten beeindrucken würde. Einer der etablierten Sprüche würde sicher wirken, aber er beinhaltete die Gefahr, dass mich der damit konfrontierte Übeltäter mit dem echten … ich meine mit dem ursprünglichen Spruchmacher, verwechselt. Ich wollte aber natürlich etwas eigenes bringen, ein Markenzeichen setzen, dass später auf T-Shirts steht.

Ich hab also weder einen Namen, noch ein Zeichen, noch einen markigen Spruch für den ich berühmt werden könnte. Es ist gar nicht so einfach ein Held zu sein.

Da huscht ein Schatten von dem Haus gegenüber über die Straße und verschwindet unter mir im Hauseingang. Ob er es sein wird? Noch einmal wage ich den Blick über die Rinne.

Endlich! Das Licht im Dritten ist endlich angegangen. Ich werde jetzt noch einen Moment abwarten, bevor ich mich an dem Seil in die Tiefe der Nacht schwinge. Ich will ihm da unten die Gelegenheit lassen, alles vorzubereiten, damit ich dann als strahlender Held, im letzten Moment, auftrumpfen kann.

Erst jetzt merke ich, wie tief es da runtergeht. Ich suche das Ende des Seils und nehme es fest in die Hände. Eigentlich müsste er da unten jetzt genug Zeit gehabt haben. Also bereite ich mich auf meinen Sprung vor. Routiniert nehme ich Schwung und zähle. „Drei, zwei, … eins …, ….“

Irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Mein Körper widersetzt sich meinem Befehl, ahnend dass dies nicht gut für mich ausgehen könne. Ich fange also nochmal von vorne an. „Drei, zwei, …“

Jetzt weiß ich´s!! Wenn Helden von Dächern stürzen, dann zählen sie nicht runter, sondern rauf. „Eins, zwei, …“ Ich schaff es nicht. Da steckt ein Held in mir und dann steckt er in einem unglaublich vorsichtigen Körper, geradezu übervorsichtig. Dabei war es das Markenzeichen eines Helden eben keine Angst zu zeigen. Ich glaube das mit dem „Held“ sein verschieben wir auf später. Jetzt ging es darum ein Vergehen zu stoppen. Dann wäre ich eben der erste Held der doch die Wohnungstür benutzt. Während ich noch das Seil zur Seite werfe, denke ich über den richtigen Spruch nach. „Lass ab, Halunke!“

Die nächsten Sekunden gab mir die Nacht all die Stunden auf einen Schlag zurück, die sie mir zuvor geklaut hatte. Es ist…  Es war die Art von schneller Zukunft die eine Gegenwart überholen konnte, und somit gleich zur Vergangenheit avancierte. Ich drehte mich zur Dachluke, machte zwei Schritte auf die Luke zu, rutschte aus, verfing mich im Seil und fiel rücklings über die Dachrinne. Einen hellen Schrei absondernd, sauste mein Körper meinem Gefühl eben dieses in Worte fassen zu können davon. In einem Slapstickfilm verließe ein geflügeltes Herz meinen Körper. Aber so fanden sich alle Teile meines Daseins, wenig später am Ende des Seils wieder, welche mich kopfüber im Bogen, Richtung Fenster leitete. Es war nicht das richtige Fenster, sondern das Fenster neben dem des Verbrechens.

Nicht nur Helden, auch Ganoven liebten es durch Fenster zu springen. Selbst Leute, die es nicht planten, fielen dann und wann mal durch Fenster. In Reinrassigen Actionfilmen wurden Leute auch schon mal durch ein geschlossenes Fenster geworfen. Eines hatten alle diese Szenen gemeinsam. Glas splitterte und spritzte Wasser gleich durch die Luft, während der Körper triumphierend oder überrascht durch die Öffnung kam.

Die Stundensekunde war noch nicht vorüber! Immer noch im gleichen Moment sah ich das Fenster, spürte schmerzlich den Aufprall, welcher geräuschtechnisch mit einem Schlag auf einen Gong zu vergleichen war und merkte das mein Seil keine weiteren Anstalten machte, mich weiter festzuhalten. Das letzte, das ich in dieser Sekunde merkte war das Gefühl von Büschen, die sich bemühten mir auszuweichen. Einzig die Geschwindigkeit in der ich mich bewegte machte dieses Unterfangen unmöglich. Vielleicht ließen sie sich damals auch einfach nur zu dicht am Haus pflanzen. Wer immer dafür verantwortlich war, ich hätte ihm sofort gedankt. Aber auch als Held braucht man mal eine Auszeit und mein Körper sagte mir, das dieser Zeitpunkt dafür ziemlich geeignet wäre.

Als ich die Augen aufmache sehe ich den Tag durch die Blätter hindurch. Die Zeit scheint wieder in einem geordneten Rhythmus abzulaufen. Anscheinend hat mich auch noch niemand hier unten gesehen. Autos fahren herum, Leute schreiten an dem Gebüsch vorbei in dem ich liege. Da mein Auftritt gestern Abend leider auch nicht so verlaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, will ich auch dass es so bleibt. Meine normalen Sachen lagen leider immer noch oben vor der Dachluke. Immerhin hoffe ich das. Meine Glieder schmerzen und doch bin ich froh den Fall überlebt zu haben. Zumindest beweist es mir, dass mein Körper trotz der Angst wahre Heldenqualitäten hat. Als ich geschickt humpelnd um die Häuserecke schleichen will, sehe ich einige Polizeiwagen. Zwei Leichenwagen fahren gerade vom Hof und die Polizisten stehen in einer Traube betroffener und gaffender Menschen.

Ich hätte es verhindern können! Ich! Gestern war ich wirklich nur „Mittelmäßig-Man“!! Aber ich wusste es ja besser, musste den Helden spielen. Aber es ist nicht die Zeit für Selbstvorwürfe. Ich verziehe mich wieder in mein Gebüsch und warte bis Ruhe einkehrt. Ich nehme das Cape, den Gürtel und die blöde Maske ab. Als die gaffende Masse und die Ordnungshüter endlich fort sind, wage ich mich aus meinem Versteck. Mit einem Sprung stehe ich auf der Straße und gehe, mit dem Duschvorhang unter dem Arm, den Weg hinunter.

Eine dicke Frau kommt mir mit einem kleinen weißen Pudel entgegen. So wie sie schaut hat sie noch nie einen Mann im Taucheranzug gesehen. Okay, mitten im Winter inmitten der Stadt ist es vielleicht schon merkwürdig, zumal der Duschvorhang nicht zum Tauchen passt. Aber wenn sie nach einer Erklärung fragen würde, hätte ich schon eine brauchbare Ausrede parat gehabt. Aber sie fragt mich nicht. Entrüstet schaue ich zurück und strafe sie mit sturem Vorüberschreiten, während das weiße Wollknäuel verächtlich hinter mir herkläfft. Als ich endlich meine Sachen wiederhabe, bin ich froh, wenig später die Tür hinter mir ins Schloss fallen lassen zu können. Endlich daheim.

Es ist gar nicht so einfach ein Held zu sein, geschweige denn zu werden. Diesmal bin ich nur haarscharf daran vorbei. Morgen gehe ich wieder einkaufen, vielleicht schnappe ich wieder etwas auf.

Ein Vierteljahr später in einem Gerichtssaal steht der Angeklagte auf und gibt folgenden Tathergang zu Protokoll:

„Meine Frau war wie jeden Dienstag noch lange auf, weil sie angeblich noch auf ihre Mitternachtssendung im Fernsehen wartete. Wie jeden Dienstag war ich nach dem Abendessen besonders müde und ging Schlafen. Ich schlief fest, als irgendetwas gegen das Schlafzimmerfenster rummste und mich weckte. Aus dem Wohnzimmer drangen ungewöhnliche Geräusche herüber. Als ich aufstand um nachzusehen, sah ich diesen Kerl, wie er sich gerade hastig die Hose zuknöpfte und meine Frau wie sie ihre Bluse zurechtzupfte. Den Rest weiß ich nicht mehr. Irgendwie geriet ich in Wut und schließlich stand die Polizei vor mir.“

(… gar nicht so einfach ein Held zu sein.)

©2001 Kay Fiedler

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Gedichte Geschriebenes

Es stabili magicae conquero ta relias beeins?

Es stabili magicae conquero ta relias beeins?

Latratza et sumine, farbalka ze chaosa

Falka te aira est flera ta havra hem

Kassi atra felio et magicae studiae

Phisio stabilis est secundum spiritae lessio

Codes ex codex te hardio labora spiris

Es stabili magicae conquero ta relias beeins?

Patrio ta stabili elementum aero versus feurio

Patrio ta stabili aquario versus feurio

Patrio ta stabili feurio versus elementum visio

Ta visio conquer ta relias at eras

Portio magicae astralis ta et phisio stabilis

Amen!

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