{"id":96,"date":"2013-08-23T10:36:11","date_gmt":"2013-08-23T10:36:11","guid":{"rendered":"https:\/\/yakreldeif.wordpress.com\/?p=96"},"modified":"2015-04-20T13:52:18","modified_gmt":"2015-04-20T11:52:18","slug":"bartholomaus-baer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yakobo.de\/?p=96","title":{"rendered":"Bartholom\u00e4us Baer"},"content":{"rendered":"<p><div id=\"attachment_144\" style=\"width: 778px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-144\" data-attachment-id=\"144\" data-permalink=\"https:\/\/yakobo.de\/?attachment_id=144\" data-orig-file=\"https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516.jpg\" data-orig-size=\"4752,3168\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;5.6&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 500D&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1276710812&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;154&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;400&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0025&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Pirat Kay 2010\" data-image-description=\"&lt;p&gt;http:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516.jpg&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Bartholom\u00e4us Baer&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516-1024x683.jpg\" src=\"http:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516-1024x683.jpg\" alt=\"Bartholom\u00e4us Baer\" width=\"768\" height=\"512\" class=\"size-large wp-image-144\" srcset=\"https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516-300x200.jpg 300w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516-144x96.jpg 144w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516-600x400.jpg 600w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/img_0516-800x533.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-144\" class=\"wp-caption-text\">Bartholom\u00e4us Baer<\/p><\/div>Arbeitstitel:<\/p>\n<h1>Bartholom\u00e4us Baer<\/h1>\n<p><strong><em>Anmerkung: Rechtsschreibfehler inbegriffen, Daten und Namen unabgestimmt. Dies ist lediglich die Kladde f\u00fcr mich, mit der ich den roten Faden f\u00fcr meinen Roman erarbeite!!!<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Bartholomeus Baer. Sie haben nie von mir geh\u00f6rt? Nun, das wundert mich kaum. Die Geschichtsschreibung hat mich und [Elaine] wunderbar umschifft. Ja, \u201eumschifft\u201c trifft es gut. Man erz\u00e4hlt sich von Heroen wie Francis Drake, von schurkischen Piraten wie Blackbeard. Und die Geschichte, die geschrieben steht, ist logischerweise die Wahrheit, da sie gedruckt steht. Aber von mir, dem Freibeuter Baer, steht nichts in den Annalen der Zeit.<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tte ich meinen Platz in der Geschichte haben k\u00f6nnen. Aber ich erz\u00e4hle mal lieber von Anfang an!<\/p>\n<p>Meine Eltern waren unadelig, einfache Handwerker. Dennoch sparte mein Vater genug Geld zusammen, um mich an eine Milit\u00e4rakademie seiner k\u00f6niglichen Hoheit, dem Monarchen der Niederlande zu bringen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re eine L\u00fcge zu behaupten ich sei ein guter Rekrut gewesen. Meine Fecht- und Kampfk\u00fcnste waren unterer Durchschnitt, mein Dienst an der Kanone und bei der Pferdepflege eben nur Pflicht. Aber wozu mehr riskieren? F\u00fcr h\u00f6here Positionen waren die adligen Spr\u00f6sslinge bestimmt.<\/p>\n<p>Ich hatte stets vermutet, man w\u00fcrde mich und meinen Zimmergenossen und Freund Ugnet deshalb so schleifen, weil ich der verdammte germanische Ausl\u00e4nderspr\u00f6ssling war. Nicht das die Niederl\u00e4nder und die Germanen im Krieg gelegen h\u00e4tten, aber wir befanden uns, ebenso wie die Kronen von England, Portugal und nat\u00fcrlich Spanien und Frankreich in einer Art Wettrennen bei der Besiedelung des neuen Kontinents. Konflikte wurden im Allgemeinen durch die Oberh\u00e4upter wegkomplimentiert, oder durch kleine H\u00e4ndel und Geschenke legalisiert. Man war eher bereit eine Hochzeit zu arrangieren, als den Krieg auszurufen. Die Lage war stets gespannt, aber selten kritisch. Die V\u00f6lker selbst bekamen davon nur wenig mit. Den kleinen Mann interessierte es auch kaum.<\/p>\n<p>Jedenfalls kam Ugnet und mir diese offene Feindschaft bei unserer Ausbildung zugute. Wir wussten schlie\u00dflich, dass wir nur einfache Soldaten waren, ohne besondere Bef\u00e4higungen. Ugnet und ich sa\u00dfen oft beieinander, behandelten unsere Blessuren, tranken gemeinsam und erz\u00e4hlten uns so ziemlich alles voneinander. Ja, so ziemlich \u201ealles\u201c, wie ich wenig sp\u00e4ter feststellen musste.<\/p>\n<p>Denn eines Morgens kam eine Delegation Offiziere in unser Quartier und offerierte Ugnet, dass er seinen Vater im Dienst an der Krone verloren h\u00e4tte. Ugnet als einzigem Sohn k\u00e4me die Ehre zugute, fortan den Titel des Vaters tragen zu d\u00fcrfen und in den Adelsstand aufgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Ab da \u00e4nderte sich f\u00fcr uns alles. Die Ausbildung wurde noch h\u00e4rter. Mir w\u00e4re lieber gewesen, sie h\u00e4tten mich weiter nur meiner deutschen Herkunft wegen nicht gemocht. Nun, schlie\u00dflich sorgte Ugnet daf\u00fcr, dass ich mit ihm zur Offiziersschule wechselte. Dadurch erhielt ich, trotz das ich nie Lesen und Schreiben erlernt hatte, Unterricht in Heraldik, Staatsf\u00fchrung, Strategie und Etikette. Nicht dass ich es mit dem Lesen nicht probiert h\u00e4tte in der Zeit. Aber so sehr sich Ugnet dabei um mich bem\u00fchte, f\u00fcr mich ergab das Gekrizzel keinerlei Sinn. Trotzdem reichte ausreichendes Zuh\u00f6ren aus, um alle Pr\u00fcfungen zu bestehen. Und so erlangte ich schlie\u00dflich das Offizierspatent.<\/p>\n<p>Durch den erlangten gesellschaftlichen Status, aber auch durch den guten Ugnet gelangten wir in immer h\u00f6here Kreise des Adels. Schlie\u00dflich wurden wir auch auf die Empf\u00e4nge ihrer Majest\u00e4t geladen.<\/p>\n<p>Bei einem solchen Empfang wurde an die Offiziere ausgeschrieben, es w\u00fcrde ein f\u00e4higer Mann gesucht, der seiner Majest\u00e4t Vertretung in einer seiner Kolonien nahe von [Maracaibo] \u00fcbernehmen wolle. Es h\u00f6rte sich nach einem erfolgsversprechenden Dienst an. Die Verf\u00fcgungen und \u00dcberlassungen der Krone lie\u00dfen einen damals auch als Gouverneur leben wie ein K\u00f6nig selbst. Also lie\u00df ich mich aufstellen und wenig sp\u00e4ter stie\u00df ich mit dem Gouverneursbrief im Gep\u00e4ck in See. Ugnet sollte ich nach meinem Aufbruch nie wieder sehen.<\/p>\n<p>Ich hatte ja keinerlei Ahnung von der Seefahrt. Nach wenigen Tagen ertrug ich das laufende Geschaukel und das Knarren der Planken nicht mehr. Die nahezu unendliche Fahrt versuchte ich mich mit den Seekarten vertraut zu machen. Zwar konnte ich die Beschriftungen nicht lesen, aber wenn mir einer der anwesenden Offiziere einmal einen Namen nannte, brannte sich dieser mitsamt der Karte in mein Ged\u00e4chtnis ein. Was h\u00e4tte ich auch sonst treiben sollen? Die Matrosen erz\u00e4hlten abends viele ihrer Geschichten von Riesenkraken, Walen und Unwettern von alten G\u00f6ttern gesendet. Auch h\u00f6rte ich hier das erste Mal bewusst von den R\u00e4ubern zur See, Piraten genannt.<\/p>\n<p>Sie m\u00f6gen heute an Seefahrerromantik glauben, aber es hatte in meiner Zeit nur Gr\u00e4uel zu bieten. Denn Schiffe, die durch Piraten aufgebracht wurden, wurden gekapert, oder versenkt. Ebenso erging es den Besatzungen. Fehlten den Piraten Leute, so wurden sie wie eine allgemeine Ware durch die gekaperten Mannschaften ersetzt und gef\u00fcgig gemacht, durch Gold oder Schl\u00e4ge, je nach den erforderten Qualit\u00e4ten. Alle, die nicht dieses zweifelhafte Gl\u00fcck hatten, gingen mit ihren Schiffen unter. Gefangene wurden nur gemacht, wenn sie als Ware etwas wert waren, f\u00fcr L\u00f6segelder, bzw. Frauen f\u00fcr die Mannschaft.<\/p>\n<p>So war ich sehr froh, als wir [Sierra Nikola] nach unendlichen Wochen endlich erreichten, ohne gr\u00f6\u00dfere Zwischenf\u00e4lle als einige Unwetter und einiger kranker Matrosen zu erleben.<\/p>\n<p>Ich \u00fcbergab die Papiere und wurde unverz\u00fcglich in meine neue Pflichten als Gouverneur eingef\u00fchrt. Bei allen Annehmlichkeiten war man doch mehr Majonette des K\u00f6nigs, als selbst handelnder Herr seiner Willens, wie ich alsbald feststellen musste. Aber die Bediensteten halfen mir, so gut es eben ging.<\/p>\n<p>[Sierra Nikola] war ein kleiner Ort, den Sie heute auf keiner Karte mehr finden werden. Er wurde [1618] durch die ehrw\u00fcrdige englische Marine aus der Hand der Franzosen befreit, indem man den Ort in Schutt und Asche legte.<\/p>\n<p>Ja, aus der Hand der Franzosen befreit, nicht aus holl\u00e4ndischer. Ich sollte das Amt kaum drei Jahre innehaben. In dieser Zeit versuchte ich die Verh\u00e4ltnisse der B\u00fcrger von [Sierra Nikola] so gut es ging zu verbessern. Nach nur zwei Jahren hatte ich das Vertrauen der Siedler erreicht. Der spanische Gouverneur Senor Miguel, der bis zu meiner Ankunft die Gesch\u00e4fte f\u00fchrte, hegte keinerlei Groll gegen mich und wurde im Laufe der Zeit sogar mein Freund. F\u00fcr ihn war es v\u00f6llig normal, erkl\u00e4rte er mir in seiner d\u00fcnnsten Mischung aus englisch und deutsch, dass diese Kolonien f\u00fcr Europa auch nur eine Tauschware darstellten. Das h\u00f6rte sich nicht nach einer Lebensstellung f\u00fcr mich an, und so kam es schlie\u00dflich auch in jenem erw\u00e4hnten dritten Jahr.<\/p>\n<p>Ein franz\u00f6sisches Schiff legte im Hafen an und da es ein k\u00f6nigliches Wappen f\u00fchrte, kam ich meiner Pflicht nach die franz\u00f6sischen Gesandten zu begr\u00fc\u00dfen. Ich bekam ein Schreiben mit dem Siegel der niederl\u00e4ndischen Krone \u00fcberreicht. Miguel las mir das Schreiben vor, nicht ohne Schwierigkeiten, schlie\u00dflich verstand er kein niederl\u00e4ndisch. In anderen Situationen h\u00e4tte ich \u00fcber seine falsche Aussprache gel\u00e4chelt, aber der Inhalt lie\u00df mir das Blut gefrieren. Das Edikt enthob mich meines Amtes und erforderte die \u00dcbergabe an die Franzosen. In dem Schreiben stand aber auch nichts von einer R\u00fcckkehr in die Niederlande, kein Wort \u00fcber meine Zukunft. Ich wollte nicht einfach hier bleiben und wie Senor Miguel als Handlanger dem neuen Gouverneur dienen.<\/p>\n<p>Was dann geschah, verstehe ich bis heute nicht. Ich wollte mich dem Befehl meiner Majest\u00e4t f\u00fcgen. Ehrlich! Ich muss mich zu laut \u00fcber den Befehl ge\u00e4rgert haben, irgendetwas, dass den Unmut der Franzosen erweckte. Ich verstand kein Wort, merkte nur die totale Agression in den Stimmen. Oder klingen Franzosen immer so?<\/p>\n<p>Ehe ich mich versah wurde ich in Gewahrsam genommen. Senor Miguel versuchte die B\u00fcrger zu beruhigen, aber noch bevor irgendeiner von uns beiden etwas h\u00e4tte tun k\u00f6nnen, flog der erste Stein aus der Menge der B\u00fcrger einem franz\u00f6sischen Soldaten mitten ins Gesicht. Was folgte, waren Gewehrsalven in die Menge, Schreie und totales Gemenge. Ich bekam den Rest nicht mehr mit, denn die Wachen brachten mich in den Kerker.<\/p>\n<p>Die Stimmung schien sich schnell zu legen, denn nach nur wenigen Minuten wurde es vor den Mauern ruhiger. Es wurden keine weiteren Salven abgefeuert und das Volk schien sich beruhigt zu haben.<\/p>\n<p>Ich konnte wirklich froh sein, dass mein Amtsantritt gesitteter ablief. Einmal mehr bewunderte ich Miguel daf\u00fcr, dass er sein Los damals so einfach hinnahm.<\/p>\n<p>Ich sa\u00df einige Tage in dem Loch, ohne dass man sich sonderlich f\u00fcr mich interessierte. Zum Gl\u00fcck dachte der Kerkermeister an mich und verga\u00df meine Versorgung nicht. Die K\u00fcche lie\u00df mir die besten Speisen zukommen. Dann erz\u00e4hlte mir der Kerkermeister, dass ich in der Nacht besser nicht auf der Pritsche schlafen sollte. Mein spanisch war trotz der drei Jahre immer noch nicht perfekt genug, um heraus zu bekommen, wieso ich das nicht sollte.<\/p>\n<p>Sie w\u00fcrden sagen, das h\u00e4tte doch klar sein m\u00fcssen. Aber gem\u00e4\u00df Erziehung und Ausbildung war f\u00fcr mich nur eine politische k\u00f6nigliche L\u00f6sung meiner Gefangenschaft denkbar. An Gewalt h\u00e4tte ich nie gedacht.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall wurde ich von meinem neuen Boden-Nachtlager mit lautem Kanonendonner geweckt. Die Mauer st\u00fcrzte ein St\u00fcck weit ein und Miguel erschien durch den Rauch mit einigen der B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Ohne zu wissen, was hier gerade passierte, folgte ich Miguel durch die dunklen Strassen von [Sierra Nikola]. Als wir im Hafen ankamen, lag dort noch das Schiff der Franzosen. Die vorderen Wachen lagen bereits am Boden, als wir ankamen. Miguel warf mir einen Degen zu, als wir mit den anderen an Bord st\u00fcrmten. Ich wusste zwar nicht im Detail was vorging, hatte auch nicht die Zeit dar\u00fcber nachzudenken. Aber ich wusste, dass jeder Franzose an Bord verhindern w\u00fcrde, dass ich mir im Nachhinein noch Klarheit \u00fcber die Lage verschaffen k\u00f6nnte. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei und einige der B\u00fcrger rannten von Bord, um mit Teilen ihrer Familien zur\u00fcck zu kehren.<\/p>\n<p>Das Schiff wurde in Windeseile klargemacht. Soweit ich das mitbekam, war zum damaligen Zeitpunkt kaum einer von uns richtiger Seemann. Aber die Handvoll Fischer gaben ihre spanischen Anweisungen und wir versuchten uns ihnen zu f\u00fcgen. Sowohl Miguel, als auch ich merkten jedoch schnell, dass alle B\u00fcrger, ebenso wie die Fischer immer erst zu uns schauten, ehe sie Weisungen gaben oder ausf\u00fchrten. Es war, als w\u00e4ren sie auf unsere Zustimmung angewiesen.<\/p>\n<p>Die Salven von Land aus erwischten einige von uns. Miguel und ich k\u00fcmmerten uns schnell um die Verletzen. Wir segelten sicher eine Stunde lang bis die Fischer an einer kleinen Bucht anlegten.<\/p>\n<p>Wir gingen von Bord und endlich kehrte etwas Ruhe ein. Die B\u00fcrger schichteten Holz aus dem Wald auf und wir versuchten zusammenzutragen, wer bei uns war und was \u00fcberhaupt die letzten Tage passiert war.<\/p>\n<p>Die Franzosen gingen in den letzten Tagen vor, als seien sie Pl\u00fcnderer. Alle H\u00e4user wurden nach Wertgegenst\u00e4nden durchsucht. Die Fischer wurden dazu gezwungen ihre F\u00e4nge vorzuzeigen und reife Fr\u00fcchte der Bauern wurden ebenfalls direkt mitgenommen. Der Unmut der Spanier war gro\u00df und Miguel versuchte sie zu beruhigen. Aber der Zorn wuchs, als man die toten B\u00fcrger offiziell zu Rebellen gegen die franz\u00f6sische Krone deklarierte und ihre toten K\u00f6rper auf dem Stadtplatz aufstellte.<\/p>\n<p>Bei meiner Befreiung und der Flucht haben wir zum Gl\u00fcck nur wenige B\u00fcrger verloren. Keine Familie war ohne ein Elternteil zur\u00fcck geblieben. Jeder hatte mindestens noch einen Angeh\u00f6rigen. Dennoch war jeder Tote ein v\u00f6llig sinnloser Verlust. Was war blo\u00df in diese Franzosen gefahren?<\/p>\n<p>Am Morgen erkundete ich die Bucht ein wenig. Eigentlich lag sie ideal. Der Wald gab uns Holz f\u00fcr H\u00fctten, die Bucht war gerade breit genug f\u00fcr unsere Brick und die Fischer erz\u00e4hlten, dass die Bucht von au\u00dfen kaum zu sehen war, so dass die Bucht komplett von den Felsen umschlossen schien.<\/p>\n<p>Wir beratschlagten trotzdem, wie wir weiter vorgehen sollten.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberfahrt nach Europa, um seine holl\u00e4ndische Majest\u00e4t um Erkl\u00e4rung zu bitten? Unwahrscheinlich, vorgelassen zu werden. Zudem waren wir nur sein Eigentum.<\/p>\n<p>Das Schiff versenken und so zu tun, als lebe man schon immer hier? Aber wie sollte man ausreichend Nahrung heranschaffen? Saatgut f\u00fcr Gem\u00fcse, Stoffe f\u00fcr Kleidung, Werkzeuge?<br \/>\nHandel, aber mit was? Mit dem Holz hier? Das br\u00e4uchten wir selbst.<\/p>\n<p>Wir hatten nur das, was wir am Leibe trugen, diverse Verletzte, nur die provisorischen Waffen und einige Werkzeuge vom Schiff. In der Kammer des Schiffes fanden wir noch einige Musketen, Dolche und Rapiere.<\/p>\n<p>Als wir \u00fcber unsere Zukunft abstimmten, entschloss die Mehrheit, das Schiff zu behalten und Miguel und mir das Kommando weiterhin zu lassen. Wir hatten das Kommando? Dessen war ich mir nicht bewusst in den vergangenen Tagen und auch nicht in den letzten Stunden nach meiner Befreiung. Sie nannten mich weiterhin Gouverneur Baer, aber das konnte so nicht bleiben. Ich stellte mich den B\u00fcrgern mit meinem Vornamen vor.<\/p>\n<p>Die Dinge entwickelten sich die kommenden Tage fast von selbst. Es entstanden kleine Rohbauten von einfachen H\u00fctten. Die Fischer organisierten sich f\u00fcr den gemeinsamen Fischfang im Schutze der Bucht und auch die zersprengten Familien versuchten sich sichtlich zu integrieren. Es war bestimmt nicht einfach f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>Leider war die Bucht kein sonderlich guter Ort f\u00fcr den Fischfang und wir hatten kaum M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Wildjagd. Schlie\u00dflich einigten wir uns darauf, die zu \u201eFreiheit\u201c umbenannte Brick zu nutzen. Man \u00fcberlie\u00df es mir einen Namen zu finden und ich wollte etwas Deutsches, f\u00fcr die anderen neutralen Namen finden. Und schlie\u00dflich und endlich waren wir ja frei, wenngleich vogelfrei in den Augen unserer lieben Franzosen.<\/p>\n<p>Und da lag auch unser eigentliches Problem. Sie durften uns beim Fischfang nicht entdecken. Zum anderen waren noch viele Familien in der Stadt verblieben, die Anverwandte in unseren Reihen hatten. Wie mag es ihnen seit unserer Flucht ergangen sein? Mit einem mulmigen Gef\u00fchl setzten wir das erste Mal unsere Segel und steuerten die See an.<\/p>\n<p>H\u00e4tte man mir damals bereits unterstellt Pirat zu sein, ich h\u00e4tte laut losgelacht. Die Franzm\u00e4nner hatten uns ausgepl\u00fcndert, meine Stadt \u00fcberfallen und das ganze mit Genehmigung der Niederl\u00e4nder. War den Niederl\u00e4ndern so wenig an [Sierra Nikola] gelegen, nur weil es eine von Spaniern bewohnte Stadt am Rande der W\u00fcste war?<\/p>\n<p>Unsere Fischz\u00fcge liefen von Bord wesentlich erfolgreicher, als in der Bucht. Dennoch war die Gefahr einer Entdeckung extrem gro\u00df, zudem wir ja nur wenige Meilen von [Sierra Nikola] fort waren.<\/p>\n<p>Wochenlang ging es gut und unser Dorf ohne Namen wuchs allm\u00e4hlich. Die Frauen und Jugendlichen spezialisierten sich wieder auf ihre einzelnen Berufe. Die meisten M\u00e4nner jedoch, folgten Miguel und mir auf die Freiheit, um sie im Falle der Entdeckung schnell aus der Sichtweite zu bringen.<\/p>\n<p>Ich studierte die Gew\u00e4sser durch die die Freiheit gleitete aufmerksam, merkte mir Unebenheiten und Untiefen, von denen die Fischer mir erz\u00e4hlten. Sie brachten mir auch bei, auf welche Anzeichen man achten musste, Grundregeln der Navigation und der Kunst vom Steuern der Freiheit.<\/p>\n<p>Und dann, weitere Wochen sp\u00e4ter, passierte es! Wir entdeckten ein Segel am Horizont und versuchten die m\u00fcde Freiheit aus vollen Segeln heraus zu wenden. Dennoch waren die anderen schneller. Sie schienen uns schon l\u00e4ngst gesehen zu haben und die Verfolgung aufzunehmen. Es war die englische Flagge gehisst und die Entfernung eindeutig zu gering, da man dies schon erkennen konnte. Wir konnten die Freiheit unm\u00f6glich in die Bucht einfahren, also fuhren wir daran vorbei, ohne uns auff\u00e4llig zu verhalten. Aber es hatte einfach keinen Sinn.<\/p>\n<p>Noch wenige Minuten und wir w\u00e4ren in Reichweite ihrer Kanonen gewesen. Kanonen? Ja richtig, wir hatten ja auch welche. Aber niemand von uns war auf diese Situation vorbereitet. Au\u00dfer mir hatte sicher noch niemand eine Kanone geladen und ausgerichtet. Sollten wir dies hier \u00fcberleben muss ich mir vielleicht Gedanken \u00fcber ein wenig Training machen. Kaum war der Gedanke gesackt, da \u00f6ffneten sich auch schon die Schie\u00dfscharten der Engl\u00e4nder und die Kanonenm\u00fcndungen r\u00fcckten raus!<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gab ich meinen ersten entscheidenden Schiffsbefehl, als ich zum einholen der Segel aufrief. Ich zog mir mein Hemd aus und winkte den Engl\u00e4ndern zu.<\/p>\n<p>Sie drehten bei, ohne ihre Vorsicht fallen zu lassen. Zum Gl\u00fcck war mein englisch besser als mein franz\u00f6sisch. Eine Planke wurde ausgelegt und Bewaffnete beh\u00fcteten ihr Deck. Dann kamen einige der Engl\u00e4nder an Bord. Unter ihnen auch ihr Kapit\u00e4n.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich fragte er nach dem Grund unserer offensichtlichen Flucht. Als ich mich als Kapit\u00e4n der Freiheit zu erkennen gab, fragte er mich nach den Details. Ich wusste nicht, ob es klug war, aber ich erz\u00e4hlte ihm eine etwas andere Version der wahren Geschichte. Die Franzosen fielen in Sierra Nikola ein, pl\u00fcnderten es und sperrten mich, den Gouverneur Baer ein. Dann in Folge die Sache mit der Flucht und unser uns\u00e4glichen Misere der Versorgung.<\/p>\n<p>Der Engl\u00e4nder musterte mich lange, schien zu \u00fcberlegen und lie\u00df sich sein Logbuch bringen. Er pr\u00fcfte lange seine Aufzeichnungen und fand schlie\u00dflich eine Eintragung zu [Sierra Nikola], dass seiner Information nach spanisch sei. Miguel l\u00e4chelte sanft und zog ein B\u00fcndel Papiere aus seinem Hemd. Es war seine, als auch meine Amtspapiere. Lord Southlake machte eine neue Notiz in sein Logbuch, und fragte, ob wir den Akt der franz\u00f6sischen Marine als milit\u00e4risch ansehen w\u00fcrden. Lord Southlake erkl\u00e4rte, dass England einen Kontrakt mit der holl\u00e4ndischen Krone unterhalten w\u00fcrde und uns seine Unterst\u00fctzung sicher sei, bei der R\u00fcckgewinnung der Stadt.<\/p>\n<p>Oh, ja! Ein kurzer Blickwechsel mit Miguel und den nahe stehenden B\u00fcrgern gen\u00fcgte. Wir sahen es als kriegerischen Akt. Und wie!<\/p>\n<p>Lord Southlake gab seinem Adjutanten einige knappe Befehle zur Weiterreise in den Hafen von [Sierra Nikola]. Wir sollten uns im Hintergrund halten und nur gegebenenfalls als Unterst\u00fctzung eingreifen.<\/p>\n<p>Wir alle sch\u00f6pften neuen Mut, obgleich wir nat\u00fcrlich gelogen hatten. Aber sollten wir auf die Hilfe der Engl\u00e4nder verzichten? Die Alternative war zumindest mir bewusst, aber wollte dieses Wissen zu dem Zeitpunkt mit niemandem teilen. Schlie\u00dflich war die Englische Galeone ein Kriegsschiff voller Soldaten und geladenen Kanonen und wir nicht einmal zwanzig Mann, darunter Handwerker, Fischer und junge M\u00e4nner ohne jegliche Kampferfahrung. Was blieb uns, als unseren Kopf teuer zu verkaufen und vielleicht sogar die Stadt zur\u00fcck zu gewinnen?<\/p>\n<p>Kapit\u00e4n Southlake lie\u00df sich von seinem Sekret\u00e4r Papier und Siegel geben. Er schrieb eine Weile und \u00fcberreichte mir ein Papier, dass unseren Einsatz f\u00fcr die englische Krone legitimierte. Alle bei dem Einsatz erworbenen materiellen G\u00fcter geh\u00f6rten bis auf ein Zehntel dem englischen K\u00f6nig. Mir wurde mulmig, da ich nicht absch\u00e4tzen konnte, worauf dieses Schreiben hinauslief. Was hatte Southlake vor?<\/p>\n<p>Lord Southlake lie\u00df zu unserer Sicherheit ein dutzend M\u00e4nner auf unserer Freiheit, bevor wir der Galeone in einigem Abstand folgten. Ich verlie\u00df das Deck und gab Miguel ein Zeichen mir zu folgen. Wir berieten uns. So waren wir uns einig, dass wir nach wie vor verloren hatten. Wenn die Engl\u00e4nder in dem Hafen von [Sierra Nikola] anlegten, um trotz des Krieges die Situation mit den Franzosen zu kl\u00e4ren, oder nach einer gewaltsamen Einnahme von [Sierra Nikola] einen Gefangenen nach der Legitimation der Franzosen fragen, so w\u00e4re unser Kopf erneut in Schwierigkeiten. Aber was h\u00e4tten wir sonst tun sollen? Also w\u00fcrden wir solange gute Miene zum b\u00f6sen Spiel machen, bis wir Gefahr liefen als Rebellen und nunmehr Stadtr\u00e4uber enttarnt zu werden.<\/p>\n<p>Doch unsere Furcht, die Engl\u00e4nder k\u00f6nnten sich mit den Franzm\u00e4nnern verst\u00e4ndigen, war \u00fcblerweise nicht gegeben. Die \u201eAdmiral Caradine\u201c lief ruhig in den Hafen ein. Die verbliebenen Soldaten auf der Freiheit halfen uns, die Brick in sicherem Abstand zu halten und schlie\u00dflich ebenfalls zu ankern.<\/p>\n<p>Im Hafen wurde es alsbald hektischer. Die Franzosen schienen weder mit ihrem alten Schiff, noch mit den Engl\u00e4ndern und ihrer Kriegsgaleone gerechnet zu haben. Einige Soldaten gingen im Hafen in Position. Aber ansonsten blieb es verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ruhig. Es war sogar wie die ber\u00fcchtigte Ruhe vor dem Sturm.<\/p>\n<p>Die englischen Soldaten bei uns an Bord verst\u00e4ndigten sich \u00fcber Fahnen mit der Galeone. Verdammt! Ich hatte von dieser Wimpelsprache soviel Ahnung, wie von franz\u00f6sisch. Ebenso gut h\u00e4tten sie gro\u00dfe Tafeln mit Schrift hochhalten k\u00f6nnen. Es schmeckte mir nicht, dass ich unwissend zusehen musste.<\/p>\n<p>Zudem wurde mir meine strategische Ausbildung bewusst. Sie war ausgelegt auf milit\u00e4rische Man\u00f6ver zu Land, noch dazu gegen einen Feind, den man kannte. Man wusste an Land immer, wer der Feind ist, aber auf dem neuen Kontinent hatten Informationen seltsame Wege. Nur deshalb wusste Southlake nichts von der legitimen \u00dcbernahme der Franzosen, aber auch wir nichts von dem B\u00fcndnis zwischen den Niederlanden und England. Anscheinend wussten es aber die Franzosen.<\/p>\n<p>Hier in Neuindien, will sagen Amerika, brauchten Informationen vom alten Kontinent Monate, um verbreitet zu werden. Vieles bestand nur aus rumgereichten Ger\u00fcchten. Und g\u00e4be es die Seefahrt nicht, mit ihren Kapit\u00e4nen und Logb\u00fcchern \u2013 man w\u00fcsste noch weniger. Auf solche Strategien hatte man mich nicht hingewiesen. Was soll hei\u00dfen Strategie? Mir war noch nicht klar, dass das die eigentliche Wertstellung in unserer Situation sein sollte und unser Schatz im N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Von Land aus versuchte sich ein Franzmann ebenfalls im Wimpelschwingen. Abermals verdammt! Doch einer der englischen Soldaten an Bord fing an zu lachen, als er es sah. Die Franzosen forderten ihr Schiff zur\u00fcck. Wir lachten h\u00f6flich mit, nicht ohne den Wimpelschwinger au\u00dfer Acht zu lassen, ebenso wie unsere englischen Soldaten.<\/p>\n<p>Dann passierte es! Die Kanonenlucken der \u201eAdmiral Caradine\u201c \u00f6ffneten sich, die Kanonen schoben vor und ohne ein weiteres Abwarten h\u00f6rten wir alle den Befehl von Lord Southlake bis zu uns her\u00fcberhallen.<\/p>\n<p>Wir waren wie versteinert, als die erste Salve in die Mauern der Stadth\u00e4user verschwand. Da waren einfache B\u00fcrger, friedliche spanische B\u00fcrger, die unter dem Joch der Franzosen gebunden waren. In Gedanken sah ich diese Menschen vor mir, wie sie in Panik aus ihren H\u00e4usern fl\u00fcchteten, ihnen Splitter um die Ohren flogen, verletzt wurden.<\/p>\n<p>Wut kam in mir auf, wieso war mir das Vorgehen der Engl\u00e4nder eigentlich nicht klar? Ich h\u00e4tte es wissen m\u00fcssen! Sie halfen uns, unsere Stadt wieder zu erlangen, aber zu welchem Preis?<\/p>\n<p>Miguel stie\u00df als erster einen Aufschrei aus, hatte Tr\u00e4nen in den Augen und den Namen seiner Frau auf den Lippen, die er dort in [Sierra Nikola] w\u00e4hnte.<\/p>\n<p>Ich atmete noch einmal tief durch, schloss die Augen und fasste das Manubrium meines Degens. Unser Wimpelschwinger g\u00f6nnte sich gerade eine Auszeit, um das grausige Schauspiel mit seinen Kollegen zu genie\u00dfen. Er sollte der erste sein, dessen Spa\u00df hier enden sollte. Ich \u00f6ffnete die Augen und hatte meinen Degen bereits in der Hand.<\/p>\n<p>Noch ehe ich den anderen B\u00fcrgern mitteilen konnte, was vor sich ging, befanden wir uns im Gefecht. Wir waren kaum mehr M\u00e4nner als Engl\u00e4nder, aber uns trieb die pure Wut. Wut ist nicht grunds\u00e4tzlich ein Garant f\u00fcr besseren Kampfstil, zudem den B\u00fcrgern Erfahrung fehlte. Dennoch wendete sich das Blatt zu unseren Gunsten. Ehe ich mich versah, hatte ich die Engl\u00e4nder so geschickt angegriffen, dass bereits vier von ihnen verletzt oder tot um mich lagen, w\u00e4hrend ich mit einem f\u00fcnften k\u00e4mpfte. Miguel schien ebenfalls Dienst an der Waffe genommen zu haben. Jedenfalls sah das Schlachtfeld um ihn herum ebenfalls beachtlich aus. So musste die restliche Mannschaft vereint nur noch zwei Soldaten im Schach halten, welche schlie\u00dflich ihre Waffen niederlegten.<\/p>\n<p>Erneut h\u00f6rten wir eine Salve auf die Stadt einschlagen. Was sollten wir nur machen? Ich st\u00fcrmte unter Deck und rief, alle freien H\u00e4nde sollten mir folgen. Unten zeigte ich den B\u00fcrgern eine Kanone. Es blieb nicht viel Zeit auf Einzelheiten einzugehen. Ich demonstrierte kurz das N\u00f6tigste, die Folgen des R\u00fcckschlages, die Vorsicht beim Laden, ebenso wie das Z\u00fcnden. Sie sollten so viele Kanonen wie m\u00f6glich feuerbereit machen, auch jene die sie im Moment nicht besetzen k\u00f6nnten. Ich w\u00fcrde ihnen den Augenblick des Z\u00fcndbefehls mitteilen lassen und verschwand wieder nach oben. Es war ein wenig Verantwortungslos, aber ich musste mich um das Schiff k\u00fcmmern. Als ich oben ankam, hatte Miguel anscheinend schon begriffen, was ich vorhatte. Nur das kleine Vorsegel war gesetzt und die Freiheit drehte sich langsam um den Anker. Wieder flogen mit lautem Gedonner schwere Eisenkugeln durch die Luft und rissen L\u00f6cher in H\u00e4userw\u00e4nde. Zwischen den Tr\u00fcmmern liefen Menschen herum, nicht wissend wohin sie sich in Sicherheit bringen sollten. Von der Stadt waren schon jetzt nur noch Fragmente zu erkennen. Die Franzosen schossen aus vollen Musketen heraus, konnten aber weder uns, noch die Engl\u00e4nder sichtlich treffen. Wir hatten in [Sierra Nikola] keinerlei Seeverteidigung. Die Stadt war auf Angriffe von au\u00dfen nicht vorbereitet, lediglich gegen das Land, gegen Raubtiere und die Ureinwohner sch\u00fctzte der gro\u00dfe Palisadenzaun rings um die Stadt. Der Hafen lag vollkommen offen.<\/p>\n<p>Lord Southlake und seine Mannschaft schienen mit keinem Auge auf uns zu haften. Auf jeden Fall drang der Ruf ans Oberdeck, dass unsere Kanonen bereit w\u00e4ren, eben bevor wir in g\u00fcnstige Schussposition kamen.<\/p>\n<p>Unsere Chance war klein, fast unm\u00f6glich. Wir mussten die Admiral mit wenigen Sch\u00fcssen so massiv besch\u00e4digen, dass sie nicht man\u00f6vrierf\u00e4hig w\u00e4re und unseren Kanonen ausgeliefert war. Ich lief unter Bord und brachte unter k\u00f6rperlicher Mithilfe die erste Kanone in Stellung. Schlie\u00dflich brannte die Lunte und alle Anwesenden wussten, jetzt gab es kein zur\u00fcck mehr.<\/p>\n<p>Der Donner unter Deck war Ohren bet\u00e4ubend. Die Kanone hob ein St\u00fcck von den Dielen ab, als sie gut einen halben Meter zur\u00fcckschlug. Sie war mit Halteseilen zwar ausreichend gesichert, aber der Rauch machte es unm\u00f6glich sofort die Situation zu beurteilen. Man konnte nicht durch die Luke schauen. Mehr f\u00fchlend als sehend half ich beim Ausrichten der zweiten Kanone, bis sich der Schmauch lichtete. Als ich zum Ziel sah, erkannte ich zumindest die Panik, die mein Schuss verursacht hatte. Getroffen hatte ich offensichtlich nicht. W\u00e4re nicht das Pfeifen in den Ohren, h\u00e4tte ich vielleicht h\u00f6ren k\u00f6nnen, was Lord Southlake anordnete. Aber so konzentrierte ich mich ein wenig mehr auf die Lehrsituation beim Ausrichten. Die Lunte glimmte und sandte einen neuerlichen Gru\u00df an die Admiral. Ohne abwarten tastete ich mich zur n\u00e4chsten Kanone, als in H\u00f6he der ersten Kanone eine Kugel einschlug und die Wand mit sich riss. Verdammt! Die freie Deckskanone der Admiral! Sie konnten zwar nicht so schnell wenden, aber f\u00fcr die kleine Kanone hatten sie ausreichend Zeit.<\/p>\n<p>Schon schickte ich die n\u00e4chste Kugel auf ihre Reise und war froh, dass die Admiralskugel nur Holz erwischt hatte. Als sich der Dunst erneut verzog, meinte ich von au\u00dfen Kletterger\u00e4usche zu vernehmen.<\/p>\n<p>Vom Oberdeck h\u00f6rte ich bereits zwei B\u00fcrger nach uns rufen. B\u00fcrger\u2026 Waren wir das noch? Es blieb keine Zeit dar\u00fcber nachzudenken, denn das Mischen von Degenklirren in das allgemeine Pfeiffen und Kanonendonner. Ich erkl\u00e4rte knapp so fortzufahren, wie ich es erkl\u00e4rt hatte und lief nach meinen Degen tastend zur\u00fcck ans Oberdeck.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte nie f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, wie gut meine Fechtausbildung gewesen sein muss. Auf jeden Fall kam der erwartete Widerstand der Engl\u00e4nder kaum an meine Erwartung heran, oder konnten die Engl\u00e4nder in ihrer durchtrieften Kleidung nicht k\u00e4mpfen? Im Wasser schwammen noch un\u00fcberschaubare Mengen an Soldaten in ihrer Unterw\u00e4sche bes\u00e4belt zur Freiheit her\u00fcber. Gerade als ich einen Blick zur Admiral erhaschen wollte, schoss eine weitere Salve auf die Stadt ein, als ein Kanonenschu\u00df der Freiheit eine Kugel in einem finalen Bogen in das untere Heck der Admiral schlug.<\/p>\n<p>Der Schaden an der Admiral sah minimal aus. Dennoch sah ich nach weiteren Degenattacken aus dem Augenwinkel heraus, dass die Admiral zusehend schwerer im Wasser lag und anscheinend nicht f\u00fcr eine Breitseite auf uns wendete.<\/p>\n<p>Einer der Engl\u00e4nder schien seinen S\u00e4bel nicht nur zum Strammstehen zu benutzen und bot mir wenigstens einen gewissen Widerstand. Ich f\u00fchlte fast so etwas, wie Befriedigung, als ich tiefer in meine Trickkiste greifen musste.<\/p>\n<p>Wir fingen tats\u00e4chlich an, Nettigkeiten auszutauschen, uns einander vorzustellen und so etwas wie k\u00e4mpferische H\u00f6flichkeit walten zu lassen. Als ich Reginald meine Degenspitze an den Hals setzte, war meine letzte Frage nach Leben oder Tod. Reginald lie\u00df seinen S\u00e4bel fallen.<\/p>\n<p>Wir wurden von einem unglaublichen Kanonendonner aus dem Bauch der Freiheit aus unserem Zweikampf gerissen.<\/p>\n<p>Dammit! Wer? Wie? Eine komplette Ladungssalve regnete \u00fcber die Admiral herein und der Himmel stehe unseren Feinden bei, jede Kugel schien wohl \u00fcberlegt ausgerichtet gewesen zu sein! Reginald machte keine Anstalten seinen S\u00e4bel wieder aufzuheben, als ich einen Blick ins Unterdeck werfen wollte.<\/p>\n<p>Reginald erhob seine H\u00e4nde und rief seine Waffenkameraden auf, ebenfalls die S\u00e4bel zu strecken. Die Engl\u00e4nder folgten dem Ruf, w\u00e4hrend die Admiral Caradine im Hafen versank.<\/p>\n<p>Der junge B\u00e4ckerssohn Sergio kam mir aus dem Unterdeck entgegen. Er war so voller Euphorie, dass ich ihn vorerst bremsen musste. Ja, er hat begriffen, wie man eine Kanone ausrichtete, aber wie um alles in der Welt konnte er alle \u2026 ich meine gleichzeitig ausrichten?<\/p>\n<p>Er meinte, er h\u00e4tte es vorausberechnen k\u00f6nnen, ein Gef\u00fchl h\u00e4tte ihn dabei geleitet und die anderen h\u00e4tten mit angefasst und auf seinen Befehl hin alles entz\u00fcndet.<\/p>\n<p>Mit einer Mischung aus Sieg, Verlust und Ohnmacht sahen wir uns das Ende der Admiral an. Viele Engl\u00e4nder schwammen so schnell sie konnten zur Stadt, wo sie von den Gewehren der Franzosen und restlichen B\u00fcrgern empfangen wurden.<\/p>\n<p>War das also der Geschmack eines Sieges? Eine zerst\u00f6rte Stadt, eine versenkte Galeone und unz\u00e4hlige Verluste auf allen drei Seiten? Als sich die See mit einem letzten Gurgeln der Admiral annahm, schwand mein Stolz \u00fcber meinen Sieg gegen Reginald.<\/p>\n<p>Die Engl\u00e4nder, die klugerweise zu uns schwammen, wurden von uns in Empfang genommen und lediglich entwaffnet. Reginald erkl\u00e4rte, dass er als Offizier in Stellvertretung seines Kapit\u00e4ns Lord Southlake mir seinen S\u00e4bel offiziell \u00fcbergebe.<\/p>\n<p>Als Miguel eines der Beiboote zu Wasser lie\u00df, war mir, als w\u00fcrde ich meinen Freund vielleicht nie wieder sehen. Dennoch verzichteten wir auf lange Abschiedsfloskeln, als er zusammen mit zwei anderen B\u00fcrgern zum Festland ruderte.<\/p>\n<p>Im Hafen regte sich kaum etwas. Vereinzelte Kampfhandlungen, Engl\u00e4nder die trotz Gewehrsalven an Land kamen, k\u00e4mpften einen verlorenen Kampf, bis sie es einsahen oder umfielen.<\/p>\n<p>Ich beobachtete das Ruderboot lange, als es im Hafen ankam. Aber niemand schien es auf Miguel abgesehen zu haben. Er verlie\u00df das Boot und verschwand aus meinem Blickfeld in den rauchenden Resten von [Sierra Nikola].<\/p>\n<p>Der Gouverneurssitz war nicht mehr vorhanden. Als ich mich letztlich entschied ebenfalls an Land zu gehen, kam der Ruf des Ausgucks. Das Ruderboot kehrte zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Miguels Boot war fast \u00fcberladen mit Leuten aus der Stadt, aber auch zwei Franzosen. Miguel \u00fcbersetzte die absolute Kapitulation der verbliebenen Franzosen. Miguel speite die Worte geradezu aus, w\u00e4hrend er seine Frau im Auge behielt. Er hatte sie also gefunden und sie war am Leben. Allerdings war ihr linker Fu\u00df schwer verletzt.<\/p>\n<p>Als wir uns immer sicherer wurden, tats\u00e4chlich so was wie einen Sieg errungen zu haben, den alle akzeptierten, kehrte ein wenig Ruhe ein. Miguel bangte um das Leben seiner Frau. Er hatte sich die Wunde bereits angesehen, hatte aber so etwas noch nie zuvor behandeln m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir brachten Miguels Frau Conzuela in die Kapit\u00e4nskaj\u00fcte. Als ich mir das zertr\u00fcmmerte Bein ansah, konnte ich Miguel keinen Mut zusprechen. Reginald der Engl\u00e4nder bat vorgelassen zu werden.<\/p>\n<p>Ich war mindestens so misstrauisch wie Miguel in jenem Moment. Aber Reginald, bzw. Doktor Reginald Farthworth, wie er mit vollem Namen hie\u00df, versicherte alles ihm M\u00f6gliche f\u00fcr Conzuela zu tun, ihr Leben zu retten.<\/p>\n<p>Reginald schaute sich das Bein an und bat schlie\u00dflich nach einer S\u00e4ge. Ich hielt Miguel davon ab, auf den Doc loszugehen, bis Conzuela schlie\u00dflich in Schmerzen ebenfalls nach der verdammten S\u00e4ge rief.<\/p>\n<p>Ich dr\u00e4ngte Miguel aus dem Raum heraus und lie\u00df dem Doc und Conzuela die S\u00e4ge und einiges an Rum zukommen. Ich versuchte Miguel ebenfalls mit etwas Rum zu beruhigen, als wimmernde stumme Schreie und ein s\u00e4gendes Ger\u00e4usch Miguel wieder an die T\u00fcr st\u00fcrmen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Noch einmal schaffte ich es, Miguel zu halten. Als Reginald wenig sp\u00e4ter aus der T\u00fcr kam, blutverschmiert aber beruhigend l\u00e4chelnd, musste ich Miguel erneut fest in den Griff nehmen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist dies ein guter Moment, um in die n\u00e4heren Umst\u00e4nde einzusteigen, die Charaktere, die mit mir reisten und an dem Erfolg des Piraten\u2026 Nein, des Freibeuters Bartholomeus Baer teil hatten. Und schlie\u00dflich fand ich nur wenig sp\u00e4ter auf dem H\u00f6hepunkt meiner Verbrecherlaufbahn mein j\u00e4hes Ende.<\/p>\n<p>Jenes Ende, welches f\u00fcr mich das Abenteuer meines Lebens erst beginnen lassen sollte. Aber dazu kommen wir, wenn es soweit ist.<\/p>\n<p>Miguels Frau erholte sich zusehends. Der Schreiner schuf ihr ein Holzbein, mit dem sie t\u00e4glich das Laufen neu \u00fcben musste. Miguel war zu der Zeit nicht mehr viel f\u00fcr die Freiheit da und arbeite mehr in unserem kleinen Dorf, au\u00dferhalb von den Tr\u00fcmmern der Stadt. Nur gelegentlich holten wir Dinge aus den Tr\u00fcmmern. Die \u00dcberlebenden schienen ihr Los mehr und mehr hinzunehmen und zu vergessen, ob sie Besatzer, B\u00fcrger oder Befreier waren. Sie waren zu wenige f\u00fcr einen Aufstand gegeneinander und wir letztlich in der \u00dcberzahl. Aber was waren wir? Spanier? Und ich? Wer war ich? Sicher kein Spanier! Ich war Deutscher, der im Auftrag der Holl\u00e4nder eine Stadt in Besitz nahm, sie in Konflikt mit den Franzosen brachte, um sie mit den Engl\u00e4ndern wieder zu befreien, die man letztlich ebenso von der Liste der Verb\u00fcndeten streichen musste.<\/p>\n<p>Unsere Mannschaft war ein zusammen gew\u00fcrfelter Haufen aus Resten von Spaniern, Franzosen und Engl\u00e4ndern. Wir waren alle Gestrandete in einem nicht gewollten Krieg. Aber wie sollte es weitergehen?<\/p>\n<p>Reginald war der erste, dem eine Antwort auf diese Frage einfiel. Ich h\u00e4tte einen Freibeuterbrief seiner Majest\u00e4t, also sei ich vor ihm der rangh\u00f6chste Offizier, zumal Kapit\u00e4n der Freiheit und er k\u00f6nnte das Dorf ausbauen. Vielleicht g\u00e4be es auf dem Grund der Admiral Caradine noch brauchbare Dinge zu bergen, um die Bucht besser zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Bin ich also jetzt ein Engl\u00e4nder fragte ich ihn, aber lachte verlegen, als er sagte, ich sei \u00fcberhaupt keinem K\u00f6nig mehr untergeben. Ich schaute mir den Freibrief noch einmal genau an, stellte dann aber fest, dass Reginald recht hatte.<\/p>\n<p>Wir waren vogelfrei. Denn kein K\u00f6nigreich der alten Welt h\u00e4tte Anspruch auf die Tr\u00fcmmer von [Sierra Nikola] erheben k\u00f6nnen, ohne uns daf\u00fcr zur Rechenschaft ziehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr blieb unser Grundproblem. Wie sollten wir eine solche Menge an M\u00e4ulern satt bekommen? Ich konnte mich mit dem Gedanken immer noch schwer anfreunden, aber auch unter den B\u00fcrgern wurde der Ruf immer lauter, wir w\u00e4ren jetzt Piraten.<\/p>\n<p>Auch als Tage sp\u00e4ter, eine der D\u00f6rflerinnen mir zusammen mit einigen B\u00fcrgern, feierlich ein Paket \u00fcberreichten, in der ich eine Schwarze Flagge mit zwei gekreuzten S\u00e4beln und einem waagerechten Degen vorfand, war ich nicht davon \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Sicher! Miguel k\u00fcmmerte sich um die Geschicke im Dorf. Wir hatten als Verst\u00e4rkung unserer Mannschaft richtige ehemalige Soldaten an Bord, einen Arzt, ein Kanonengenie und im Grunde nichts zu verlieren.<\/p>\n<p>Als wir unsere erste Kaperfahrt begingen, war es als h\u00e4tte ich eine vollkommen trockene Kehle. Vor allen Dingen hielt ich nichts von dieser englischen Unsitte anderen Schiffen auf L\u00e4ngen hinweg zu zeigen, dass wir Vogelfreie waren. Wir hatten Flaggen von drei K\u00f6nigreichen im Gep\u00e4ck. So konnten wir uns wenigstens bis auf Schussweite tarnen. Mit den Ausr\u00fcstungen konnten wir es oft sogar bis an Bord schaffen, ohne aufzufallen.<\/p>\n<p>Unsere erste Prise war das Handelsschiff eines Holl\u00e4nders. Es war kaum in der Lage Widerstand zu leisten. Ich konnte jedoch keinen Befehl zum Versenken geben. Wir waren weit genug weg von unserm Dorf und der Holl\u00e4nder h\u00e4tte noch Wochen bis zum n\u00e4chsten Hafen gebraucht. Wir nahmen einige Freiwillige auf und lie\u00dfen ausreichend Nahrung an Bord, um den Holl\u00e4nder \u00fcberleben zu lassen.<\/p>\n<p>Auch nachfolgend war ich stets ein Gegner davon, Schiffe zu versenken und unn\u00f6tig Blut zu vergie\u00dfen. Sofern ich unser Dorf au\u00dfer Gefahr sah, wollte ich immer eher gn\u00e4dig sein.<\/p>\n<p>Oft tauschten wir bei Ann\u00e4hrung mit anderen Schiffen sogar nur Informationen aus, \u00fcber die Politik des alten Kontinents, \u00fcber aktuelle Kriege, \u00fcber B\u00fcndnisse und allgemeine Meldungen. Ebenso konnten wir Beute gegen Waren eintauschen, so dass uns die Geschmeide unserer Besiegten wirklich n\u00fctzten. Wir hatten bewusst keinen Schiffsnamen mehr am Bug der Freiheit.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter nutzten wir sogar die zerst\u00f6rten Tr\u00fcmmer von [Sierra Nikola] als K\u00f6der f\u00fcr anfahrende Schiffe. Die gesunkene Admiral lieferte uns da hervorragende Dienste, bis schlie\u00dflich zu viele Schiffe auf Grund lagen.<\/p>\n<p>Wir verst\u00e4rkten die Verteidigungslinie der Tr\u00fcmmerstadt mit einigen Kanonen und lie\u00dfen bald einen Trupp dort zur\u00fcck, die die Wracks weiter ausschlachten und zerlegen sollten, damit man sie von See aus nicht mehr sehen konnte. [Sierra Nikola] wurde eine Mausefalle ohne Speck.<\/p>\n<p>Unsere Mannschaft wurde durch unser Treiben immer mehr, statt weniger. Bei den Schiffen, die wir letztlich doch versenken mussten, da sie Gegenwehr leisteten, waren immer einige dabei, die lieber lebendig in unsere Dienste \u00fcbertraten, als ihrem Sch\u00f6pfer.<\/p>\n<p>Ob ich gewissenlos wurde? Nein, dass will ich so nicht stehen lassen. Vielleicht wurde die Entscheidung \u00fcber Leben und Tod auch mit jedem eigenen Verlust neu definiert. Ich hatte Verantwortung gegen\u00fcber dem Dorf und meiner Mannschaft.<\/p>\n<p>Gesch\u00fctzt durch die Bucht lie\u00df ich schlie\u00dflich auch im Dorf unsere Flagge hissen. Ja, wir waren Piraten.<\/p>\n<p>Dass ich so vielen Besiegten das Leben schenkte, hatte allerdings auch eine Kehrseite. Zusehens kannte man die \u201eFreiheit\u201c, ganz gleich ob sie ihren Namen trug, oder nicht. Auf einem Schiff wurde ich mit furchtsamen Rufen zwischen einem aufgeweckten aber kunstlosen Kapit\u00e4n mit meinem Namen gerufen. Ich hie\u00df inzwischen Kapit\u00e4n Bartholomeus Baer, der t\u00f6dliche Degen. Dabei hatte ich nie einem Gegner nicht mindestens zwei Chancen gegeben sich entwaffnen zu lassen. Ich t\u00f6tete nicht gerne, ganz gewiss nicht, noch dazu wenn offenes Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr das Halten einer Waffe im Spiel war. Aber es war leider der einzige Weg den Kampf an Bord schnell abebben zu lassen. War der Kapit\u00e4n erst aus dem Spiel gab die Mannschaft bald auf.<\/p>\n<p>Woher das Ger\u00fccht stammte, ich w\u00fcrde meinen Degen benutzen um Schiffe auf See ausfindig machen und mich alleine mit dem Degen durch den Rumpf einer englischen Fregatte gebohrt zu haben, wei\u00df ich nicht. Seem\u00e4nner sind schon ein merkw\u00fcrdiges V\u00f6lkchen. Vielleicht war es ihre Art ihrer Ehrerbietung, oder um ihrer eigenen Angst Begr\u00fcndungen zu liefern, weshalb man bei der Heuer mehr Zuschlag br\u00e4uchte. Vielleicht war es auch nur das Ergebnis aus Wahrheit des Rumes.<\/p>\n<p>Der zweifelhafte Ruhm um uns feuerte die Mannschaft an. Miguel hatte die Gesch\u00e4fte im Dorf unter Kontrolle. Er und Reginald waren inzwischen Freunde und wir waren im f\u00fcnften Jahr unserer gemeinsamen Unternehmung des Dorfes. Reginald berichtete uns von einer Kapellenerrichtung und sogar von zwei begabten Jung\u00e4rzten, die er unter seine Fittiche nahm.<\/p>\n<p>Conzuela begr\u00fc\u00dfte uns sicher auf ihrem Holzbein, als h\u00e4tte sie keinerlei Verlust erlitten. Sie erz\u00e4hlte von diversen Eheschlie\u00dfungen und Geburten. Unser Dorf wuchs langsam aber sicher aus der Bucht heraus und lie\u00df den Baumbestand schrumpfen. Zudem dachte man \u00fcber einen Namen f\u00fcr das Dorf nach. Alle seien aufgerufen einen Namen zu finden. Ich dachte an meine richtige Heimat, an die [Hammerburg] zwischen dem d\u00e4nischen Altona an der Stirnseite des germanischen Reiches. W\u00e4re Deutschland damals nicht in sich uneinig gewesen, in viele F\u00fcrstent\u00fcmer zersplittert, ohne Kaiser \u2013 es w\u00e4re m\u00f6glich gewesen dort zu leben. [Hammerburg], heute w\u00fcrden sie vermutlich Hamburg sagen, oder hei\u00dft es inzwischen anders?. Ich hatte \u201e[Hammerburg]\u201c auf der Zunge, aber ich hatte schon das Schiff eigenm\u00e4chtig benannt. Das Dorf wollte ich nicht taufen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich entschlossen wir uns zum letzten Schritt eines Piraten, das Kapern ganzer Schiffe. Die Freiheit war inzwischen einfach zu auff\u00e4llig. Zudem hatten wir mehr Matrosen, als Platz auf der Freiheit. Was lag also n\u00e4her, als sich ein Schiff zu kapern, um es ganz zu behalten, zur Flotte auszubauen, oder Schiffe zu Rohstoffen f\u00fcr das Dorf zu verarbeiten. Bis hierhin klingt es einfach. Aber an Bord des neuen Schiffes gab es auch eine Mannschaft!<\/p>\n<p>In meiner eigenen Mannschaft gab es inzwischen ausreichend zwielichtige Gestalten, die zu uns \u00fcberliefen, die ohne zu z\u00f6gern eine starke Hand gegen die Besiegten gefordert h\u00e4tten. Dennoch musste ich mein Gewissen wahren. Solange man ein Schiff in K\u00fcstenn\u00e4he \u00fcbernahm, war es einfach zu argumentieren. Aber erfolgte der Kampf auf hoher See\u2026<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4ren viele von ihnen bereits nicht mehr am Leben, um solche Gewissenlosigkeiten auszusprechen, w\u00e4re ich einst so gewissenlos mit ihnen umgesprungen. Aber daran schienen sie sich kaum mehr zu erinnern, wenn sie die Planke forderten.<\/p>\n<p>Die ehrbaren Engl\u00e4nder, die wenigen Franzosen und die B\u00fcrger verrauten immer mehr mit den \u00dcberlebenden mit denen wir unsere Posten weiter besetzten. Neben den Forderungen nach Nahrung kam bald auch immer mehr der Wunsch nach mehr Frauen im Dorf, nach mehr Am\u00fcsierm\u00f6glichkeiten. Ich sah immer mehr raue Sitten unter den Seefahrern. Es war kaum mehr ein Unterschied zwischen den alten und den neuen Kameraden zu sehen. Nachlassende Reinlichkeit musste durch Reginald und mich gefordert werden, ebenso wie die Unterlassung der K\u00f6rperstechereien. Unser Erfolg lag stets in unserer Unauff\u00e4lligkeit. Ein englischer Soldat mit Bart und T\u00e4towierung ums rechte Auge ist nicht mehr unauff\u00e4llig.<\/p>\n<p>Wo es solche Umtriebe gab, musste es unter der Oberfl\u00e4che des erfolgreichen Piratenlebens auch Unzufriedenheit geben. Mir war es ebenso bewusst, wie Miguel und Reginald. Zum Gl\u00fcck h\u00f6rten wir keine direkten Ger\u00fcchte, die auf Revolte hinausliefen, aber Achtsamkeit konnte sicher nicht schaden!<\/p>\n<p>Und dann kam der Zw\u00f6lfte Dezember des Jahres [1620]. Als wir die Segel des spanischen Seglers ausmachten, machten sie sich nicht einmal mehr die M\u00fche Widerstand zu leisten. Der Kapit\u00e4n hisste noch bevor wir etwas machen konnten eine wei\u00dfe Fahne! Sachen gibt es, die bleiben in Erinnerung. Dies war das bis zu diesem Zeitpunkt obskurste Erlebnis auf See und zugleich die letzte Fahrt, von der ich zur\u00fcckkehren sollte.<\/p>\n<p>Ein letztes Mal genoss ich das Zusammensein mit Reginald, Miguel und Conzuela. Wir sa\u00dfen gemeinsam auf der Veranda der kleinen Hazienda und schauten in die untergehende Sonne \u00fcber dem Kamm der Bucht.<\/p>\n<p>Im Hafen lagen inzwischen drei Schiffe, von denen allerdings die Freiheit immer noch das gr\u00f6\u00dfte war. Ein gr\u00f6\u00dferes Schiff h\u00e4tte meiner Erfahrung nach auch nicht durch die enge Passage gepasst. Und die kleinen Segler waren wendiger und unauff\u00e4lliger, als h\u00e4tten wir uns eine Fregatte oder eine Galeone gekapert. Oh, wir hatten eine Fregatte als Holzlieferant in [Sierra Nikola] liegen, okay.<\/p>\n<p>Die Mannschaft verstand nicht ganz, weshalb ich auf das Schiff verzichtete und das erste Mal h\u00f6rte ich offen das Wort \u201eMeuterei\u201c. Ich musste in dem Moment schon tief durchschlucken und den Rauner daf\u00fcr mit dem Degenknauf niederstrecken. Aber was blieb mir?<\/p>\n<p>Der Sonnenuntergang war sch\u00f6n. Ich teilte meine zunehmenden Bef\u00fcrchtnisse mit meinen Freunden. Sie meinten ich solle mir keine Sorgen machen. Solange wir erfolgreich rauskamen und heimkehrten, ohne dass die Welt von Germania erfuhren, umso besser.<\/p>\n<p>\u201eIhr habt das Dorf Germania genannt?\u201c, fragte ich. \u201eAy!\u201c, sagte Conzuela, \u201edie B\u00fcrger wollen dich damit als ihren Kapit\u00e4n ehren! Du siehst, deine Bef\u00fcrchtungen sind nicht gr\u00f6sser, als deine Verehrung!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch ja? Aber einer von ihnen mit einer anderen Meinung und dem Messer im \u00c4rmel reicht, um hundert andere vergessen zu machen!\u201c, vertrat ich meine Sorge.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir die Kontrolle verlieren, verlieren wir auch den Ort und unsere Sicherheit! Auch ich wei\u00df nicht was wir tun sollen. Aber vielleicht schl\u00e4fst du erst einmal richtig aus. Morgen geht die Freiheit wieder raus. Dem Logbuch des Holl\u00e4nders nach m\u00fcsste eine franz\u00f6sische Fregatte in den nahen Gew\u00e4ssern sein. Laut dem Holl\u00e4nder stank der Kahn nach Vanilla, also eine Handelsfregatte.\u201c, lie\u00df sich Miguel vernehmen und bl\u00e4tterte weiter in dem gekaperten Logbuch.<\/p>\n<p>Reginald nahm einen tiefen Zug aus seinem Tabakstummel und blie\u00df den Rauch gen Himmel. \u201eWieso Vanilla, mein Freund? Was Bart richtig gl\u00fccklich und sorgenfrei machen w\u00fcrde, w\u00e4re eine europ\u00e4ische Prinzessin mit weichem Verstand und anderen weichen Dingen! Dann w\u00e4re die Angst auch fort!\u201c, f\u00fcgte er paffend hinzu.<\/p>\n<p>\u201eEine Frau in meinem Leben? Hey, nicht dass ich nicht auch einmal daran gedacht h\u00e4tte, aber ihr wisst auch wie es ist. Erst einmal fahren nur wenige Frauen auf den Schiffen mit. Und wenn es doch einmal passiert, ist die Mannschaft vor mir daran ihre Anspr\u00fcche zu stellen. Schuldigung, aber ihr wisst, wie es den Frauen danach geht. Was soll ich machen? Ihnen Blumen schenken und etwas von \u201aKopf hoch\u2018 erz\u00e4hlen?\u201c, erwiderte ich, woraufhin Miguel und Reg anfingen zu lachen. Conzuela machte ein zorniges Gesicht, \u201eJungs, dass ist nicht witzig! Bart hat Recht, aber es ist ganz bestimmt nicht witzig! Wir sind doch nicht so wie sie? Ich meine\u2026 wir sind doch keine Piraten!?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAy, Conzuela! Ich w\u00fcnschte du h\u00e4ttest Recht. Aber schau mal genau hin! Wir haben die Flagge hier in Germania gehisst, schau dir unsere Mannschaft und die Verh\u00e4ltnisse hier im Ort an. Sicher! Hochzeiten und Geburten, aber untereinander herrscht der Starke \u00fcber den Armen. Was sollen wir tun? Wachen einstellen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten? Jene dort sind genau wie wir, weil wir ihnen dieses Leben gezeigt haben. Sie nahmen es an, gleich wer uns seinerzeit dahin stie\u00df. Wem kann ich meine Schuld f\u00fcr mein Piratenleben geben? Dem Holl\u00e4nder, der sich heute fast in die Hosen gemacht hatte? \u2013 Lord Southlake, oder vielleicht doch der K\u00f6nig, der mich hierher schickte, ohne an mich zu glauben? Wer ist Schuld? Danach wird keiner fragen, wenn sie uns vielleicht doch irgendwann erwischen! Wir sind Piraten. Und wir vier sind ihre Anf\u00fchrer!\u201c<\/p>\n<p>Reg lachte erneut, als er aufstand sich reckte: \u201eHabt ihr den geschickten \u00dcbergang bemerkt? Bart mag das Thema Frauen nicht. H\u00f6rst du Bart? Frauen, Frauen, Frauen! Hey, das Wort tut doch niemandem weh! Hier eine Jungfrau zu erwarten ist eh kaum zu wagen. Denk daran, was sie uns hier r\u00fcberschicken! Sklavenschiffe f\u00fcr die Feldabtrag, Gefangene, die lieber in der neuen Welt arbeiten, als in der alten Welt im Kerker zu verrotten! Was erwartest du da? Und wenn schon die ganze Mannschaft dr\u00fcber weg ist, na und? Du kannst sie mir ja erst einmal vorstellen, dass ich sie untersuche, aber auch ich garantiere da f\u00fcr gar nichts! Gute Nacht euch allen!\u201c<\/p>\n<p>Ich hatte Reg noch nie so reden h\u00f6ren und war durchaus emp\u00f6rt, andererseits wusste ich nat\u00fcrlich, was er meinte! Und vielleicht hatte er auch wirklich recht. Wir waren Piraten! Und es machte kaum einen Unterschied, ob ich als Kapit\u00e4n mich gewissenhafter verhielt, als meine Mannschaft. Es f\u00e4llt eh immer auf mich zur\u00fcck, da ich es billigte!<\/p>\n<p>Ich unterhielt mich noch einen Augenblick mit Miguel und Conzuela, als die Sonne nur noch rot \u00fcber der Bucht glimmte und der Schatten uns fast eingeholt hatte. Schlie\u00dflich leerte ich einen Becher und ging in meine H\u00fctte.<\/p>\n<p>Am kommenden Morgen war ich wieder der furchtlose Degenschwinger, Kapit\u00e4n Bart Baer.<br \/>\nIch stieg an Bord und hielt wieder eine von jenen feurigen Reden, die das Feuer auf die Mannschaft \u00fcberlaufen lie\u00df. Ich wusste, dass sie das brauchten, so sehr ich einigen von ihnen zuweilen auch misstraute. Ich musste ein starker Kapit\u00e4n sein, f\u00fcr eine starke Freiheit.<\/p>\n<p>Ich hatte neben meinem Meisterkanonier, der inzwischen zu einem stattlichen Mann herangewachsen war auch einen von Regs Z\u00f6glingen als Arzt mit an Bord. Als wir aus der Bucht ausliefen, war wieder einmal die Gro\u00dfzahl der Bewohner am Strand versammelt, um uns das Gl\u00fcck der See zu w\u00fcnschen. Ach ja\u2026 das Gl\u00fcck der See! Als w\u00e4re es eine buchbare Komponente. W\u00e4re es so einfach t\u00e4ten die anderen Schiffe ein Kreuz bei der Option \u201a\u2019ohne \u00dcberfall\u2019 eintragen. Und doch \u00fcberfielen wir sie, ohne uns diesem Wunsch zu beugen.<\/p>\n<p>Die erw\u00e4hnte Vanillefregatte zu finden, war gar nicht so einfach. Wenn der Holl\u00e4nder sie vor drei Tagen bei [Trinidad] traf, dann k\u00f6nnte sie ab da zig Meilen in alle Richtungen weg sein. Unsere einzige Chance war in der Kenntnis der \u00fcblichen Routen entlang der bekannten H\u00e4fen. Der Holl\u00e4nder versuchte beispielsweise an [Sierra Nikola] vorbeizukommen, weil der Vanillakapit\u00e4n ihn davor gewarnt hatte. Logb\u00fccher sind doch was Feines. Also hatte die Fregatte unsere Mausefalle vor dem Holl\u00e4nder in anderer Richtung passiert.<\/p>\n<p>Am Abend des vierten Tages hatten wir eine kleine Finne am Horizont. Der Ausguck meldete uns keine erkennbare Beflaggung an die wir uns halten k\u00f6nnten. Also blieben auch wir neutral. Es war tats\u00e4chlich eine Fregatte. Wir kamen schnell n\u00e4her und sahen keinerlei Anzeichen einer Reaktion.<\/p>\n<p>Ich fand, dass die Fregatte merkw\u00fcrdig im Wind liege und dass es wirkte, als sei sie f\u00fchrungslos. Tats\u00e4chlich tat sich nichts, als wir l\u00e4ngsseits kamen. Keine Seele lie\u00df sich an Bord sehen. Ich wollte die Freiheit nicht gef\u00e4hrden und wollte selbst an Bord der Fregatte steigen. Ich suchte mir drei Begleiter raus auf die ich Verlass hatte.<\/p>\n<p>Als wir triefend nass auf der Fregatte ankamen, fanden wir zuerst eine verkeilte Leiche in der Ladeluke. Jonathan, der junge Kanonier redete bereits von Krankheit, aber das konnte ich nicht glauben. Wenn das Schiff vor sieben Tagen noch in Ordnung war, dann k\u00f6nnen jetzt nicht alle tot sein.<\/p>\n<p>Dennoch schaffte es Jonathan, eine gruselige Stimmung zu schaffen, in der keiner der drei mehr vorangehen wollte.<\/p>\n<p>Also schaffte ich den toten Matrosen alleine \u00fcber die Reling, w\u00e4hrend die drei dastanden und dar\u00fcber diskutierten, wer der gr\u00f6\u00dfere Feigling sei.<\/p>\n<p>Ja, ich konnte mich auf sie verlassen. K\u00e4me es jetzt tats\u00e4chlich auf einen Pulk k\u00e4mpfender Menschen, h\u00e4tten sie sofort ihr Leben f\u00fcr mich gegeben. Aber ohne sichtbare Bedrohung benahmen sie sich wie kleine Kinder.<\/p>\n<p>Ich stieg die Ladeluke herab und sah mich um. Wer immer hier gew\u00fctet hatte, hatte saubere Arbeit geleistet, mal abgesehen von dem Toten in der Luke. Ich fand nichts Brauchbares. Einzig in der Kapit\u00e4nskaj\u00fcte lag das Logbuch. Es gab einen letzten Eintrag der irgendwie anders gekrizzelt war, als die anderen Eintr\u00e4ge. Ich klemmte mir das Buch unter den Arm und wollte die Kaj\u00fcte gerade verlassen, da hatte ich das Gef\u00fchl beobachtet zu werden.<\/p>\n<p>Meinem Gef\u00fchl folgend ging ich zu dem gro\u00dfen Weidenkorb und zog meinen Degen. \u201eIst da wer? Wenn ja, dann w\u00e4re jetzt der Zeitpunkt aufzustehen!\u201c<\/p>\n<p>Sekundenlang starrte ich in die dunklen braunen Augen der wohl sch\u00f6nsten Frau, der ich seit meinem Abschied von Holland in die Augen schauen durfte, ach vielleicht noch l\u00e4nger. Ja, es war eine Nubierin, aber sie war so wundersch\u00f6n, so anmutig und keusch, wie sie da stand. Sie sagte etwas, dass mal wieder nach franz\u00f6sisch klang. Das erste Mal hatte ich das Gef\u00fchl diese Sprache klinge aus dem Mund einer Frau tats\u00e4chlich nach den Worten der Liebe, wenngleich sie kein liebes Gesicht machte.<\/p>\n<p>Ich l\u00e4chelte und deutete ihr sie aus dem Korb zu heben. Sie nahm an und ich roch ihre Haut. Eine Mischung aus dem Vanilleduft, der auf dem ganzen Schiff vorherrschte, gemischt mit dem Hauch aus Angstschwei\u00df und Unsicherheit. Ich h\u00e4tte sie gleich hier K\u00fcssen wollen, jedoch h\u00f6rte ich die Stimmen meiner Helfer durch die Luke wandern.<\/p>\n<p>Noch einmal l\u00e4chelte ich sie tief an und reichte ihr meine Hand. Sie nahm sie z\u00f6gerlich und ich \u00fcberwand ihre Scheu. Sie war so wunderwundersch\u00f6n. Ich k\u00fcsste sie. Anfangs meinte ich etwas wie Abwehr zu sp\u00fcren, der aber nachlie\u00df, als ich meine Hand in ihren Nacken legte und ihre Lippen fest auf meine presste. Dabei fiel mir das Logbuch endg\u00fcltig aus der Achsel.<\/p>\n<p>Die T\u00fcr ging auf und Frank und Jonathan blickten erstaunt aber schlie\u00dflich zustimmend lachend in meine Richtung: \u201eAy Kapt\u2019n, da habt ihr ja was Nettes gefunden. Sonst noch was?\u201c<\/p>\n<p>Ich b\u00fcckte mich nach dem Logbuch und reichte es Jonathan. Er bl\u00e4tterte schnell nach der letzten Seite und las vor: \u201eOh K\u00e4pt\u2019n! Da war einer schneller! Und ein Witzbold dazu! Nennt sich [Schwarzbart] und hat sich selbst hier in das Logbuch geschrieben. Er bedankt sich f\u00fcr das s\u00fc\u00dfe Geheimnis!\u201c<\/p>\n<p>[Schwarzbart]? Noch nie geh\u00f6rt. Ob es mein dunkler Zwilling war? Der schwarze Bartholomeus Baer? Oder sollte das ein Scherz auf meine Kosten sein?<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, er hatte sich get\u00e4uscht. Denn das s\u00fc\u00dfeste Geheimnis hatte ich gerade erst gek\u00fcsst. Ich nahm sie wieder an die Hand und sie schien allzu bereit zu sein uns nach drau\u00dfen zu folgen.<\/p>\n<p>Wieder sagte sie etwas auf franz\u00f6sisch. Ich liebte es! Es war von ihr und klang erneut wie der Himmel. Nat\u00fcrlich war mir klar, dass es ebenso eine Warnung sein konnte, etwas worauf meine Prinzessin mich hinweisen wollte. Aber sie schien mich und Jonathan ebenso wenig zu verstehen.<\/p>\n<p>Da ansonsten nichts zu finden war, deutete ich ihr, dass wir zur Freiheit schwimmen m\u00fcssten. Bereitwillig sprang sie voraus. Im Wasser konnte ich ihre Konturen deutlich sehen. Sie konnte kaum \u00e4lter als zwanzig sein. Die vernarbten Spuren auf ihrem R\u00fccken lie\u00dfen annehmen, dass sie erwartungsgem\u00e4\u00df eine Sklavin war. Aber mir war das egal. Bei uns w\u00e4re sie ebenso frei, wie alle anderen. Bei uns k\u00f6nnte sie ein neues Leben anfangen. Ein Leben, wenn es nach mir ginge, an meiner Seite!<\/p>\n<p>Auf der Freiheit angekommen, machte die Mannschaft begeisterte Pfiffe. Als auch ich an Bord geklettert war, sah ich, dass ihre Nippel sich durch das Hemd deutlich abzeichneten. Die nassen Haare klebten ihr im Gesicht, verdeckten ungewollt einen Teil ihres Gesichts und lie\u00dfen sie somit noch fraulicher wirken.<\/p>\n<p>\u201eJungs! Diesmal nicht! Ich erhebe Anspruch auf diese Sch\u00f6nheit! Ich war dr\u00fcben und ich habe sie gefunden!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber klar Kapit\u00e4n! Ihr habt nat\u00fcrlich das Vorrecht. Aber wenn ihr fertig seid\u2026\u201c, verstummte Will als er meinen Gesichtsausdruck sah!<\/p>\n<p>\u201eSie wird in meine Kabine gebracht und ich brauche dich Pierre. Sie spricht nur franz\u00f6sisch und ich verstehe nichts!\u201c, rief ich Pierre her\u00fcber.<\/p>\n<p>\u201eAy!\u201c, antwortete Pierre und folgte uns den Weg zur Kabine hinunter.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Sie hatten Kurzweil bis hierhin?\u00a0Dann w\u00fcrde ich mich \u00fcber eine kleine Anerkennung freuen! Frei dem Sinne: &#8222;Hasse ma&#8217;n Euro?&#8220; Vielen lieben Dank im voraus!!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.paypalobjects.com\/de_DE\/i\/scr\/pixel.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitstitel: Bartholom\u00e4us Baer Anmerkung: Rechtsschreibfehler inbegriffen, Daten und Namen unabgestimmt. Dies ist lediglich die Kladde f\u00fcr mich, mit der ich den roten Faden f\u00fcr meinen Roman erarbeite!!! Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Bartholomeus Baer. Sie haben nie von mir geh\u00f6rt? Nun, das wundert mich kaum. Die Geschichtsschreibung hat mich und [Elaine] wunderbar umschifft. 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