{"id":496,"date":"2001-12-20T14:21:17","date_gmt":"2001-12-20T14:21:17","guid":{"rendered":"http:\/\/yakreldeif.wordpress.com\/?p=496"},"modified":"2015-04-20T15:57:16","modified_gmt":"2015-04-20T13:57:16","slug":"weihnachten-wein-achten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yakobo.de\/?p=496","title":{"rendered":"Weihnachten! (Wein-achten!)"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Weihnachten!<\/h1>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">(2001 \/ \u00dcberarbeitung 2011)<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Na Klasse. Da war es also wieder! Weihnachten! Niemand hat gefragt, ob das so sein muss, viele hatten es bef\u00fcrchtet und nun passierte es also tats\u00e4chlich schon wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Die eine H\u00e4lfte der Feierer verfiel in die Euphorie des Backens, Geschenke Kaufens und dem nahezu krankhaften Zwang extrem nett zu den Mitmenschen sein zu m\u00fcssen, in der vergeblichen Hoffnung, damit alle Schnitzer des abgelaufenen Jahrgangs wieder wett machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Die andere H\u00e4lfte, der zwanghaft in diese Zuckergussarie hineinexpedierten Menschenmasse, bekam beim Anblick von wei\u00dfen Rauscheb\u00e4rten weniger ein leuchtendes Feuer in den Augen, als vielmehr wieder mal ein nerv\u00f6ses Zucken in den Feuerzeugfingern. Sie waren angenervt beim Her\u00fcberwehen kinderchorinzinierter Weihnachtst\u00f6ne und hofften, dass alles m\u00f6glichst schnell vor\u00fcber w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Wahre Freude k\u00e4me bei ihnen eigentlich erst auf, wenn der Kaufhaus-Klaus frontal vom Linienbus erwischt worden w\u00e4re, was ihnen vielleicht sogar mal ein zynisches &#8222;Hoo-Hoo&#8220; entlockt h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Was aber war mit dieser Zeit anzufangen, hin- und hergerissen zwischen Weihnachtslust und -frust? Lie\u00df man sich einlullen, gab man sich der Gefahr preis, man glaubte wirklich noch an Weihnachtsmann und Osterhase und sei irgendwie gefangen in einer nicht wirklich realen Welt! Verweigerte man die Teilnahme, sah das aus wie Spa\u00dfverweigerung an einer staatlich und kirchlich genehmigten Ausschweifung! Wie verhielt man sich also richtig? Konnte man sich \u00fcberhaupt richtig oder falsch verhalten?<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Wenn sich die allein lebende Unbekannte aus dem siebten Stock, bar famili\u00e4rer Anbindung und Beziehung, sich himmelhoch jauchzend zu Tode st\u00fcrzte, k\u00f6nnte sie damit Familie Meier im Parterre sicher das Fest verderben, da sie pl\u00f6tzlich verdreht in der weihnachtlichen Au\u00dfenbeleuchtung hinge.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Wenn der vom Kaufhaus angemietete Weihnachtsmann die Kinderchen t\u00e4tschelte und nach ihren W\u00fcnschen fragte, mochte das innerhalb der rotwei\u00dfen Brutzeit sicherlich in Ordnung sein, aber wenn er das auch in der restlichen Zeit im Jahr machen w\u00fcrde, w\u00e4re das sicher sehr verd\u00e4chtig.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Aber nein, das tat er nicht. Zumindest h\u00e4tte man ihn im Hochsommer nicht mit diesem Weihnachtsmann in Verbindung gebracht. Und ein guter Weihnachtsmann beschenkt keine Kinder im Sommer mit S\u00fc\u00dfigkeiten. Kinder, die das nicht beherzigen, leben gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Was aber nicht hei\u00dfen soll, dass man zum Weihnachtsmann ins Auto steigen darf, nur weil Weihnachten ist und er seine Geschenke angeblich noch aus selbigen holen m\u00fcsste.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Aber so einer war dieser Klaus nicht. Dieser Klaus meinte es wirklich ehrlich mit dem Weihnachtsgru\u00df und seiner Liebe zu den Kleinen. Er nahm seinen Job mit dem Kinderkopfstreicheln sehr ernst.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Dieser Weihnachtsmann t\u00e4tschelte allerdings nicht nur die Kinder, sondern bevorzugt auch die M\u00fctter, wenn sie seiner Idealvorstellung von Frau entsprachen, unzensiert, unantastbar, beinahe schon mit bodenloser Narrenfreiheit. Und letztendlich bekam er ja auch noch acht Euro die Stunde bezahlt f\u00fcr diesen netten Service. Nun ja, wie gesagt, er hatte &#8222;beinahe&#8220; bodenlose Narrenfreiheit!<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Nach einem Riesenknall fand man ihn mit Veilchen in der Dekoration liegend und die w\u00fctende Mutter zog ihr Kind von dem Kaufhaus weg. Die Filialleitung war nicht sonderlich begeistert von der freiz\u00fcgigen Arbeitseinstellung und verzichtete fortan auf die Mitarbeit dieses Weihnachtsmannes.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Am n\u00e4chsten Tag wurde sein Job von einem mechanischen Weihnachtsmann \u00fcbernommen in den die Eltern ein 50 Centst\u00fcck einwerfen mussten, damit der Klausi anfing &#8222;HooHoo&#8220; zu sagen und den Kindern mit der Plastikhand emotionslos durchs Haar zu streichen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">&#8222;Wassss??&#8230;&#8220; &#8211; (rassel rassel) der Arm wurde bewegt &#8211;<br \/>\n&#8222;w\u00fcnscht du &#8230;&#8220; (rassel schepper) der K\u00f6rper beugte sich vor &#8211;<br \/>\n&#8222;dirrr denn, meinnn &#8230;&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">In diesem Moment stoppte die Animatronik und die Eltern wurden aufgefordert, auf dem abseits aufgestellten Terminal &#8222;M\u00e4dchen&#8220; oder &#8222;Junge&#8220; auszuw\u00e4hlen. Erst kurz darauf fing der Klaus wieder an sich zu bewegen und sein Programm fortzuf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">(Rassel) &#8222;&#8230;M\u00e4dchennn?&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Das leicht verst\u00f6rte Kind antwortete ungl\u00e4ubig, den Blick immer wieder zu den Eltern wendend. \u201eDas sollte der Weihnachtsmann sein? Wirklich?\u201c Die Eltern hingegen l\u00e4chelten einander Weihnachtsblind zu, froh dem Kinde den Glauben an den amerikanischen Konsumgott f\u00fcr nur 50 Cent erkauft zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Am darauffolgenden Tag kam ein gerade arbeitslos gewordener, vom Gl\u00fchwein beeintr\u00e4chtigter Mann mit lila Schimmer ums Auge in die kaufh\u00e4usliche Weihnachtsdeko, steckte 50 Cent in den Schlitz (versuchte es zumindest) und verpr\u00fcgelte die Animatronik.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Auf dem Eingabedisplay blinkte die Eingabeaufforderung &#8222;(M)\u00e4dchen\/(J)unge?&#8220;, w\u00e4hrend der Angetrunkene neben den Resten des Klausis sa\u00df und mit sich und seiner Tat zufrieden ein Weihnachtsliedchen vor sich hin summte.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Erschreckte Eltern hielten ihren Kindern die Augen zu und eilten sich, schnell vom Ort fort zu kommen. Der Mann unterbrach sein Liedchen derweil nur zeitweise, um dem zerknautschten aber unabl\u00e4ssig gutm\u00fctig drein l\u00e4chelnden Gesicht des Mechano-Weihnachtsmannes neue Beulen zu verpassen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Der bet\u00f6rende Nachduft von zwei vorn\u00e4chtlichen Flaschen Wein lie\u00df an diesem Vormittag einfach nicht von der Frau aus dem siebten Stock ab. Hoffte sie nach jeder Stra\u00dfenecke, den Duft endlich abgeh\u00e4ngt zu haben, kr\u00e4uselten sich die Nasen der Passanten und zeigten ihr das hoffnungslose Unterfangen. Hektisch und nerv\u00f6s schlich sie zwischen den Weihnachtskranken hindurch und hielt die Tr\u00e4nen nur schwer zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">&#8222;Allein! Wieder einmal!&#8220;, verfolgte sie ihr Gedanke. Sie war auf der Flucht, der Flucht vor Weihnachten, der Flucht vor all den Verr\u00fcckten, den einander w\u00e4rmenden und d\u00fcmmlich einander Anl\u00e4chelnden. Kurz, sie versuchte vergeblich, Weihnachten zu entkommen und Weihnachten versuchte ihr Unterfangen zu ignorieren. Da stolperte sie pl\u00f6tzlich und tauchte endg\u00fcltig in der Masse der Kaufberauschten unter, ohne weitere sichtbare gesamtbildst\u00f6rende Spuren zu hinterlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Als sie eine halbe Stunde sp\u00e4ter um eine H\u00e4userecke verschwand, trug sie die \u00dcberreste des mechanischen Plastikklauses unter dem Mantel versteckt. Der Weinduft wurde von einem erkalteten Gl\u00fchweinduft verfolgt, welcher schlie\u00dflich Richtung des Hochhauses f\u00fchrte, in dem sie wohnte.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Familie Meier war gerade damit besch\u00e4ftigt, die Au\u00dfenbeleuchtung in die gro\u00dfe Gartentanne zu h\u00e4ngen und den gemeinsamen Hauseingang zu verweihnachtlichen. Schnell den Weihnachtsmann mit dem Mantel verdeckend und ein gequ\u00e4ltes L\u00e4cheln aufsetzend, zog die Frau an ihren Nachbarn vorbei.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Herr Meier konnte sich gar nicht daran erinnern, den Gl\u00fchweintrinker als Nachbarn zu haben, als dieser ebenfalls vergebens l\u00e4chelnd bem\u00fcht und ein wenig schlingernd meterweit hinter der Frau her tigerte. Der Gl\u00fchweintrinker blieb stehen und betrachtete unangenehm lange das Gesicht von Herrn Meier, dessen von der K\u00e4lte ger\u00f6tete Nase und auch der lange grauwei\u00dfe Bart ihn an irgendwen erinnerte.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Als ihm endlich einfiel wo er das Gesicht unterzubringen hatte, schaukelte er schwankenden aber bestimmten Schrittes auf Herrn Meier zu, die Hand im Mantel zur Faust geballt. Doch ehe er Herrn Meier die Geballte pr\u00e4sentieren konnte ert\u00f6nte ein Pfiff aus dem Hauseingang. Wie so oft auf dem Weg hierher musste die Frau aus dem siebten Stock den l\u00e4dierten Weihnachtsmann herausholen und ihn dem Gl\u00fchweintrinker zeigen. Dieser wechselte daraufhin die angesteuerte Richtung und schlich wieder auf die Frau zu. So verschwand die Frau mit dem Kopf und dem Gl\u00fchweintrinker im Hausflur und schlie\u00dflich im Fahrstuhl. Herr Meier schaute dem seltsamen Gespann noch einen Moment lang kopfsch\u00fcttelnd nach.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">Es war f\u00fcr Familie Meier insgesamt ein recht ereignisloses Weihnachtsfest. Die Familie knabberte die leckeren selbst gebackenen Pl\u00e4tzchen, Gedichte wurden vorgetragen und die DVD mit den sch\u00f6nsten Disney-Spielfilmausschnitten wurde doppelt geschenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">F\u00fcr die Stockwerke ober- und unterhalb des Siebten wurde es ein etwas unruhiges Fest, denn es landete gl\u00fccklicherweise keine Frau im Garten der Meiers. Diese feierte stattdessen ein etwas anderes Weihnachtsfest bei dem so manche Eltern ihren Kindern auch die Augen zuhalten w\u00fcrden, wenn sie nur die H\u00e4nde von den Ohren nehmen d\u00fcrften!<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\" align=\"center\">In diesem Sinne! Frohes Fest!<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachten! (2001 \/ \u00dcberarbeitung 2011) Na Klasse. Da war es also wieder! Weihnachten! Niemand hat gefragt, ob das so sein muss, viele hatten es bef\u00fcrchtet und nun passierte es also tats\u00e4chlich schon wieder. 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