{"id":418,"date":"2004-02-02T15:38:11","date_gmt":"2004-02-02T15:38:11","guid":{"rendered":"http:\/\/yakreldeif.wordpress.com\/?p=418"},"modified":"2015-04-20T15:08:13","modified_gmt":"2015-04-20T13:08:13","slug":"begleitbrief-fur-frau-behrendt-bfw-duren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/yakobo.de\/?p=418","title":{"rendered":"Begleitbrief f\u00fcr Frau Frank, Bfw D\u00fcren"},"content":{"rendered":"<p>Ich war doch ziemlich gepl\u00e4ttet von den Dingen, die wir besprochen hatten. Den Rest des Tages gr\u00fcbelte ich \u00fcber unser Gespr\u00e4ch. Dabei dachte ich weniger \u00fcber Sport und Abnehmen nach, als vielmehr \u00fcber Gothic, Mensch sein und meine \u201e\u00dcbertreibungen\u201c. Meine Di\u00e4t hatte ich schon angefangen und bin ja auch schon wieder von 108 auf 103 kg geschrumpft, kein Triumph, aber ein Anfang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ich mich am ehesten zu den Gothics z\u00e4hlen muss ist f\u00fcr mich selbst eine Feststellung, die ich erst vor ein paar Tagen abgeschlossen habe, denn der Ver\u00e4nderungsprozess war bis hierhin \u00fcber Jahre schleichend und noch bin ich mir gar nicht so sicher, ob dies schon das Endbild ist. Zudem wunderte mich Ihre relative Treffsicherheit aufgrund der einzig sichtbaren Tatsache, dass ich eine Lederhose trug. Wie konnten Sie da auf Gothic schlie\u00dfen? Auf jeden Fall m\u00f6chte ich mich hiermit klar von der \u00c4u\u00dferung Gothic sei Gruftie distanzieren! Grufties tragen nicht zuletzt deshalb diese Bezeichnung, da richtige Grufties Friedhofparties veranstalten und im Regelfall \u201eK\u00e4mpfer des B\u00f6sen\u201c sein wollen, bzw. sich nur als \u201eOpfer des B\u00f6sen\u201c sehen, dessen Macht sie dann jetzt leider erliegen. Ein putziges Volk, das eigentlich nur noch durch die Teufelsanbeter, selbsterkl\u00e4rte Schwarzmagier und kaputte Teens getoppt wird, die gerade ihre Modewelle als Vampir ausleben! Ich mag eher die Musik und Klamotten der Szene, weniger ihre Einstellung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich sehe mich hingegen klar mit den Wurzeln im Licht. Ich liebe alles bunte und kindliche und sehe vieles in der Welt lieber mit den naiven Augen eines gealterten Kindes, als mit dem Ernst eines Erwachsenen, auch wenn ich dann immer wieder bemerken muss, dass andere Menschen um mich herum gr\u00f6\u00dfere Scheuklappen aufhaben und nicht \u00fcber den eigenen Tellerrand gucken wollen. Gerade diese Blindheit empfinde ich als die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde auf der Erf\u00fcllung der Menschheit und wesentlich schlimmer als meine eigenen k\u00f6rperlichen Hinderungen. Ich versuche, so gut es mir m\u00f6glich ist, offen f\u00fcr andere zu sein und mich nicht in L\u00fcgen zu verstricken. Ich versuche zu helfen, wo es mir m\u00f6glich ist, aber auch klarzustellen, wenn mir diese M\u00f6glichkeit fehlt. Meine Offenheit und Direktheit verletzt andere oft, aber daf\u00fcr wissen meine Mitmenschen auch, dass sie immer meine ungeschminkte Wahrheit bekommen und eher gar nichts sage, anstatt zu L\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Menschen erwarten ein JA, NEIN, WEISS, oder SCHWARZ als Antwort und zerst\u00f6ren damit mehr, als ein Jein oder grau zu akzeptieren. Dieses Leben funktioniert nicht nach dem Hollywood-Gesetz. Oft ist es zu fr\u00fch eine Entscheidung zu f\u00e4llen, aber glaubt dem Fragenden einen Gefallen damit zu tun, sich f\u00fcr eine Seite zu entscheiden, nur um diese dann sp\u00e4ter zu bereuen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich besch\u00e4ftige mich oft mit Weissagung, Runen und Horoskopen, um auf Wunsch tiefer zu beraten und habe immerhin den ersten Reiki-Grad gemacht, um auch kleine Behandlungen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Auch das Gebiet Magie finde ich sehr Interessant, wenn auch nur aus der Theorie heraus, da ich es eben auch f\u00fcr ein gef\u00e4hrliches Gebiet halte, welches leicht in die falsche Richtung f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie sagen ich muss mehr unter Leute, womit Sie ohne Zweifel Recht haben. Wir haben mal ernsthaft in kleinem Kreis dar\u00fcber nachgedacht. Es ist schon sehr schwer sich Fremden zu \u00f6ffnen und sich positiv darzustellen, wenn dass Selbstwertgef\u00fchl bereits am Boden ist. Wenn man \u00fcber diese Ausstrahlung nicht mehr verf\u00fcgt, kann man durch Gro\u00dfz\u00fcgigkeit oder ein poliertes \u00c4u\u00dferes vielleicht noch auf sich aufmerksam machen. Ich verf\u00fcge nicht \u00fcber den K\u00f6rper noch \u00fcber diese Mittel, denn ich rutsche halt immer weiter in die Mittellosigkeit. Dazu gibt es keine sinnvollen \u201eTreffpunkte\u201c an denen ich unter Leute meiner Alterklasse kommen kann, ohne daf\u00fcr ebenfalls wieder bezahlen zu m\u00fcssen. Selbst wenn man das Internet als g\u00fcnstige Alternative sieht, l\u00e4uft bei mir im Hinterkopf der Einheitenz\u00e4hler mit und verhindert, dass ich in Ruhe chatten mag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie sagten auch ich w\u00fcrde die Verantwortung f\u00fcr meine Zukunft auf das Arbeitsamt abw\u00e4lzen. Aus der Momentaufnahme heraus, die Sie jetzt nur sehen konnten, mu\u00df ich Ihnen zustimmen, \u201eJA\u201c, ich erwarte, dass mir das Arbeitsamt hilft aus dem Loch herauszukommen. Ich habe in den letzten Jahren alle Energie genutzt, um diese Hilfe nicht annehmen zu m\u00fcssen, habe selbst Jobs als Tellerw\u00e4scher und M\u00fcllmann mitgemacht, nur um nicht in dieses Loch zu rutschen. Ich habe es mit der Selbstst\u00e4ndigkeit probiert, um unabh\u00e4ngig von einer fremden Firma arbeiten zu k\u00f6nnen, aber wenn man schon so lange auf finanziellem Eis liegt, bekommt man das n\u00f6tige Startgeld nicht zusammen. Mein Engelsgem\u00fct wurde gerade in der Zeit sehr auf die Probe gestellt und ich h\u00e4tte Leute auf der Stra\u00dfe f\u00fcr jegliches Grinsen die Z\u00e4hne ausschlagen wollen, da ich mir nicht an- sondern ausgelacht vorkam. Der Gipfel aber war das Zusammenspiel der Arbeits\u00e4mter Uetersen und Elmshorn. Uetersen war nicht in der Lage in Elmshorn anzurufen und nach dem \u00dcbergangsgeld zu fragen, Monate nachdem ich das Gewerbe wieder abgegeben hatte. Der Vorgang sei in Bearbeitung hie\u00df es immer nur, dabei musste ich nicht zuletzt deshalb die Selbsst\u00e4ndigkeit aufgeben, da dieses Geld nicht kam und ich irgendwie zu Geld kommen musste. Ich hatte bereits \u00fcber Monate keine Miete gezahlt und lebte von dem was meine Eltern f\u00fcr mich einkauften, denn selbst das Sozialamt stellte sich quer \u2013 da ich ja Anspruch an das Arbeitsamt h\u00e4tte. Hurra Deutschland!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich stand die Jahre schon so oft davor \u00fcber den Balkon zu springen. Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber ich wei\u00df dass ich all diese Krankheiten, Hinderungen und menschlichen Abgr\u00fcnde nicht \u00fcberlebt habe, um einfach so zu enden. Zudem gibt es da noch Menschen die mich lieben oder mir bis hierhin \u00fcberleben geholfen haben und es w\u00e4re auch ihnen gegen\u00fcber nicht fair. Versuchen Sie also nicht, mir etwas von \u201eVerantwortung\u201c zu erz\u00e4hlen, bzw. mir ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen! Ich bin mir meiner Verantwortung durchaus bewusst, wenn ich nur das Gef\u00fchl h\u00e4tte, dass sich andere Stellen, allen voran die Arbeitgeber der letzten Jahre und das Arbeitsamt sich auch ihrer Verantwortung stellen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem Sie mich begr\u00fc\u00dften, sagten Sie, wir w\u00fcrden \u00fcber \u201eGeld\u201c sprechen. Warum h\u00e4tte mich das wundern sollen? Geht es jemals um etwas anderes in diesem Land? Meine Arbeitgeber sahen ihre Verantwortung beim Geld und nicht bei mir, was ich aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden schon noch nachvollziehen kann. Das Arbeitsamt hat meinen Reha-Antrag seit M\u00e4rz 2003 vorliegen. Dort wiederum sieht man die Verantwortung darin aufmerksamst zu pr\u00fcfen und mich schon im Februar 2004 zu einem Gespr\u00e4ch einzuladen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gut, nun wei\u00df ich, dass Herr Rechenberg lange Zeit krank war, ihm will ich es gar nicht anlasten, vielmehr den Verantwortlichen im Amt. Aber nun nimmt meine Akte endlich an der Verlosung Teil und auch Herr Rechenberg hat nichts besseres zu tun, als nur von Geld zu reden. Als er Sie am Telefon fragte, ob Ihre Beratung auch wirklich kostenlos sei und sich gleich darauf noch mal zusichern lie\u00df, dass auch dem Arbeitsamt wirklich keine Kosten entstehen w\u00fcrden, habe ich innerlich nur den Kopf gesch\u00fcttelt. H\u00e4tte er \u201enein\u201c gesagt, wenn Sie eine Aufwandsentsch\u00e4digung h\u00e4tten haben wollen? Mir ist klar, dass die Kassen leer sind und das Arbeitsamt dreimal \u00fcberlegen muss, ob sie f\u00fcr etwas Geld ausgeben, oder nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr Besuch war mit Sicherheit nicht kostenlos, denn Sie haben Zeit und Geld investiert. Der Besuch war meines Erachtens auch nicht vergebens, denn Sie haben mich auf jeden Fall dazu gebracht, noch einmal aus einem anderen Blickwinkel auf mich zu schauen, auch auf die \u00dcberlegung hin, ob man in mich investieren sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber mich fragt auch keiner, wie ich es bis hierhin \u00fcberlebt habe, wie ich es schaffen konnte bei einem 1800 DM-Job 7000 DM in meine Ausbildung zu investieren, bzw. jetzt von grob 500 Euro ALH und ein bisschen Wohngeld zu leben. Das Gutes Gutes nach sich zieht, verdanke ich den Umstand \u00fcberhaupt noch in meiner Wohnung zu sein. Ich nahm einen im Grunde nur vom Sehen her Bekannten bei mir auf, als er ohne Obdach gewesen w\u00e4re. Ich half ihm soweit wieder auf die Beine, motivierte ihn wieder zu arbeiten und seine Siebensachen wieder in den Griff zu bekommen. Seither zahlt er die H\u00e4lfte der Miete mit, obwohl er nur ein kleines Zimmer bewohnt. Auch wenn ich im Moment nicht w\u00fcsste, wie es ohne dieses Geld weitergehen w\u00fcrde, hoffe ich dass er irgendwann wieder auf eigenen F\u00fc\u00dfen steht und hoffentlich auch noch sein Drogenproblem in den Griff bekommt. Als ich ihm von Ihrer Frage nach Medikamenten und Drogen erz\u00e4hlte, lachte er erst mal. Aber so viel auch mal zu \u201emeiner\u201c finanziellen Lage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie Sie darauf kommen, dass ich irgendwas eingenommen haben soll \u2013 wo ich gerade schon bei dem Thema war! Ich bin auch nicht davon \u00fcberzeugt, dass Sie mir mein grunds\u00e4tzliches \u201eNein\u201c zu Drogen und Alkohol abgenommen haben. Wenn Sie schon bei dieser Frage an mir zweifeln, wie soll dann unsere weitere Zusammenarbeit aussehen? Wie soll ich diesen Zweifel ausr\u00e4umen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon 1992 fiel es mir schwer bei Bewerbungsgespr\u00e4chen zu erkl\u00e4ren, was ich in den Jahren 1990 bis 92 getan habe. Schon damals vertrat ich die Meinung, dass ich nichts zu verbergen h\u00e4tte und man mit Ehrlichkeit am besten fahre. Also erz\u00e4hlte ich von der psychosomatischen Behandlung meiner Fettsucht, der Hepatitis und meiner Stirnzellzirrhose, die sich daraus ergaben. Dennoch folgte immer die Frage nach Alkoholismus. Auch da konnte ich nie wirklich \u00fcberzeugen. Inzwischen bin ich dazu \u00fcbergegangen keine Jahreszahlen von\/bis mehr in den Lebenslauf zu schreiben, was mir hoffentlich die Erkl\u00e4rung meiner Fehlzeiten erspart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, was seit \u00fcber einer Woche mit mir los ist. Ich kann Ihnen nur noch einmal versichern, dass ich gerade Aufgrund meiner kaputten Leber weder viel Alkohol und erst recht keine Drogen konsumiere. Allerdings schlafe ich derzeit kaum mehr als zwei Stunden am St\u00fcck, komme also kaum in die Tiefschlafphase. Vielleicht wirke ich daher etwas merkw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den unruhigen Schlaf seit Montag sehe ich sicher auch unser Gespr\u00e4ch, welches mich hintergr\u00fcndig durch die Tage begleitet. Aber warum konnte ich vorher schon nicht ruhig schlafen? Trotz meiner langen Arbeitslosigkeit habe ich mir einen gewissen Tages-Rhythmus bewahrt, bei dem ich gegen 23 Uhr Schlafen gehe und den Tag gegen 7 Uhr beginne, ganz wie fr\u00fcher. Aber Dank des kaputten Schlafs mit stundenlangen Wachphasen komme ich seit Tagen erst kurz vor Mittag hoch und bin immer noch m\u00fcde. Dabei m\u00fcsste ich ruhiger schlafen, mit dem Gef\u00fchl endlich Hilfe zu bekommen und sei es nur um erst einmal meine Motivation wieder aufzubauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Angst liegt schon darin, dass diese Hilfe anders ausf\u00e4llt, als ich es mir vorstelle. Ich m\u00f6chte keine Sachbearbeitungen mehr machen und im Grunde arbeiten wie an einem Flie\u00dfband. Wenn schon B\u00fcroarbeit, dann in irgendeiner kreativeren oder gestalterischen T\u00e4tigkeit, sei es als Web-Designer oder Texter. Ich bin so oft bei diesen stumpfen Sacharbeiten eingeschlafen, dass es ein Wunder ist, dass man mich nicht mal erwischt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Arbeit als Vollblut-B\u00fcrokaufmann kann ich mir auch nicht vorstellen, da mir einfach zu viele Jahre Erfahrung fehlen. Gerade aus diesen Gr\u00fcnden hatte ich die Fortbildung gemacht, um mich innerhalb meines bisherigen \u201eGebiets\u201c B\u00fcro f\u00fcr einen wichtigeren und nat\u00fcrlich auch wesentlich besser bezahlten Job zu qualifizieren. Auch ich kann materiell Denken, wie Sie lesen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn die Gehaltsvorgaben f\u00fcr einfache B\u00fcrokaufleute sind dieser Tage weit unter dem meines Einstiegsgehaltes von 1992. Und ich denke, dass ein Gehalt reichen sollte um Wohnung und K\u00fchlschrank zu bezahlen und um wenigstens alle Jubeljahre mal zu verreisen, oder sich etwas Luxus zu g\u00f6nnen, geschweige denn irgendwann vielleicht doch noch eine Familie zu finanzieren. Wenn man aber nur noch lebt um zu arbeiten, l\u00e4uft da was falsch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich aber nicht ans Geld denken m\u00fcsste, w\u00fcrde ich viel lieber als K\u00fcnstler arbeiten, mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten, oder auch im allgemeinen lieber f\u00fcr Mitmenschen arbeiten, als nur f\u00fcr den Profit irgendeiner Firmierung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe mir den gesundheitlichen Zweig (Heilpraktiker bzw. Physiotherapeut) als Ziel ausgew\u00e4hlt, da es eben nicht um Hopp Hopp und Fertig-Arbeit geht, man den Menschen zuh\u00f6ren muss, um ihnen dann sinnvoll zu helfen. Zum anderen gibt es eben spezielle Schulungsprogramme f\u00fcr Sehbehinderte und Blinde in diesen Berufszweig hinein. Denn ich m\u00f6chte f\u00fcr meine Zukunft weiter denken d\u00fcrfen, als nur vom hier und jetzt bis zur n\u00e4chsten Operation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dass die n\u00e4chsten Operationen anstehen ist kaum aufzuhalten. Der Keratokonus auf der rechten Augenseite verschlimmert sich zwar nur langsam, aber die Prognose bewegt sich zwischen drei und f\u00fcnf Jahren. Was das linke bereits operierte Auge angeht sind die befragten \u00c4rzte geteilter Meinung. Aber es existiert die M\u00f6glichkeit, dass die Krankheit auch das neue Gewebe \u00fcber die Jahre bef\u00e4llt und die Operation ca. im 10-Jahres-Zyklus wiederholt werden m\u00fcsste. Die OP ist jetzt acht Jahre her.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den Ohren sieht es \u00e4hnlich aus. Zwar wurde der Kn\u00f6chelchenfra\u00df auf der linken Seite einged\u00e4mmt, indem ich dort Prothesenersatz bekommen habe, aber es steht noch offen, wann ich die gleiche OP auf dem rechten Ohr bekomme. Die Prognose lautete damals 10 Jahre und das ist inzwischen gute 20 Jahre her. Bei jedem Besuch beim HNO-Arzt rechne ich mit der Hiobsbotschaft, dass es soweit ist. Doch selbst nach der OP h\u00e4tte ich immer noch meine chronische Mittelohrentz\u00fcndung auf beiden Seiten. Gerade dieser Tage habe ich links mehrfach kompletten Geh\u00f6rausfall und immer wieder Blut und Eiter aus beiden Ohren entfernt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein HNO-Arzt k\u00e4mpft seit Jahren daf\u00fcr, dass es eine h\u00f6here Anrechnung des Behinderungsgrades bei Patienten wie mir gibt, leider bislang ohne Erfolg, da die \u00c4mter die Ohren immer noch minder der Augen rechnen. Dabei habe ich dadurch ein leicht gest\u00f6rtes Gleichgewichtsgef\u00fchl, als auch das Handicap dass mir das zweite Ohr fehlt, um Ger\u00e4uschquellen zu orten, ebenso wie<br \/>\ndas zweite Auge f\u00fcr den r\u00e4umlichen Blick eben fehlt. Das Empfinden mit den Augen muss ich Ihnen ja sicher nicht erkl\u00e4ren, denn auch Sie sind ja auf Ihre Erfahrung angewiesen, wenn es um die Einsch\u00e4tzung von Metern geht. W\u00e4hrend Sie aber noch ihr Geh\u00f6r als zus\u00e4tzliche Hilfe zur Orientierung haben und sagen k\u00f6nnen ob die Quelle dicht, fern, vorne, hinten, rechts oder links von Ihnen ist, kann ich je nach Grad der Verstopfung\/Entz\u00fcndung nur laut und leise unterscheiden und muss es dem Bild irgendwie logisch zuordnen. Im Regelfall klappt das, oder es passiert wie im letzten Sommer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da wurde ich von einem von vorne links r\u00fcckw\u00e4rts ausparkenden LKW beinahe vom Fahrrad geholt, weil ich ihn zwar schon geh\u00f6rt habe, aber ihn hinter mir vermutet hatte. Bin ihm dann gerade noch ausgewichen, um dann in der Baustelle mit dem Vorderrad in einem offenliegenden Gully gefallen bin, weil ich nicht sehen konnte, dass dieser noch offen stand und nicht ins Stra\u00dfenbett eingeteert gewesen ist. Als Folge hatte ich ein kaputtes Fahrrad, drehte einen Purzelbaum, hatte zwei aufgeschlagene Ellen und w\u00e4re beinahe doch noch von dem LKW \u00fcberrollt worden, wenn man ihn nicht von Dritter Seite aus gestoppt h\u00e4tte. So blieb ich eine Woche zu Hause, da ich die Arme kaum bewegen konnte, aber endlich hatte ich mal echte vorzeigbare Wunden, statt der \u00fcblichen Kopfschmerzen bzw. Migr\u00e4ne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun gab es auf den Arbeitseins\u00e4tzen seltener LKWs und Gullys, daf\u00fcr aber oft Gabelstabler, die eine wirkliche t\u00fcckische Frequenz haben. Die h\u00f6re ich oft wirklich nur durch dieses Aufjaulen beim Gas geben. Im B\u00fcro f\u00e4llt diese Gefahrenquelle dann nat\u00fcrlich auch aus, daf\u00fcr bin ich ganz prima im Becher umkippen, Kollegen umlaufen, einem Gespr\u00e4ch zu folgen, w\u00e4hrend am entfernt offenen Fenster Autos vorbeifahren, irgendwo vermeintlich leise ein Radio l\u00e4uft, oder sich noch mehr Kollegen unterhalten, wie nat\u00fcrlich auch im Callcenter. In dem Krach zu arbeiten hatte wirklich noch besondere H\u00f6hepunkte. Vor allen Dingen waren meine Ohren dort besonders noch durch die Kopfh\u00f6rer belastet, da sie unter den Pfropfen anfingen besonders zu schwitzen und zu n\u00e4ssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber genug der Jammerei, zumindest sind sich Freunde wie Kollegen darin einig, dass es mit mir im Umfeld irgendwie nie langweilig wird. Aber ich m\u00f6chte eben nicht nur zum Vergn\u00fcgen meiner Mitmenschen da sein, sondern auch brauchbare, zukunftsorientierte, mich ern\u00e4hrende Arbeit leisten k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dank Herrn Rechenberg tut sich nun \u00fcberhaupt etwas, aber wenn er wirklich den sparsamsten Weg gehen wollte, sehe ich nur, dass er letztlich am falschen Ende spart, da der Kreislauf nach einer OP wieder von vorne losgeht und ich auch nicht j\u00fcnger werde. Aber bis dahin w\u00e4re dann das Arbeitsamt halt nicht mehr zust\u00e4ndig, sondern mein Rententr\u00e4ger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann w\u00fcrde vermutlich der Blindenverein Recht behalten, denn die meinten, dass die BfA mich vermutlich eher berenten wird, als eine Umschulung zu finanzieren. Da ich mal gerade meine Pflichtjahre voll h\u00e4tte, w\u00fcrde die Rente kaum f\u00fcrs Leben reichen. Rosige Aussichten also.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war doch ziemlich gepl\u00e4ttet von den Dingen, die wir besprochen hatten. Den Rest des Tages gr\u00fcbelte ich \u00fcber unser Gespr\u00e4ch. Dabei dachte ich weniger \u00fcber Sport und Abnehmen nach, als vielmehr \u00fcber Gothic, Mensch sein und meine \u201e\u00dcbertreibungen\u201c. 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