{"id":691,"date":"2020-08-17T14:42:00","date_gmt":"2020-08-17T12:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/yakobo.de\/?page_id=691"},"modified":"2026-02-07T19:36:08","modified_gmt":"2026-02-07T18:36:08","slug":"keratokonus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/yakobo.de\/?page_id=691","title":{"rendered":"Keratokonus"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Keratokonus, wie wirkt sich das aus?<\/strong><\/h2>\n<p>Ich habe versucht einige Effekte in Bildern festzuhalten. Da ich in Sprache\/Schrifttum im Zuge meiner Ausbildung zum Physiotherapeuten ebenfalls \u00fcber Keratokonus sprach, habe ich begleitend ein HandOut mit PowerPoint gestaltet, welches die Problematik und die Folgen in K\u00fcrze zeigt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/keratokonus.ppt\">Keratokonus-HandOut.ppt<\/a><\/p>\n<h2><strong>Mein pers\u00f6nlicher Werdegang mit der Krankheit<\/strong><\/h2>\n<p><strong>1988<\/strong> musste ich das erste Mal zur Musterung. Damals stellte man fest, dass ich einen &#8222;Sehfehler&#8220; h\u00e4tte, auf Grund dessen m\u00fcsste man mich als T2 mit Einschr\u00e4nkung einstufen. Meines Erachtens konnte ich damals noch Schauen wie ein Adler. Damals lachte ich noch.<\/p>\n<p><strong>1992<\/strong> stellte man bei einer Nachmusterung fest, dass ich ein Augenleiden h\u00e4tte, Ich trug zu der Zeit weder Brille noch Kontaktlinsen und konnte es kaum nachvollziehen, was da in 2 Laboratorien von 3 \u00c4rzten versucht wurde zu diagnostizieren. Sie bekamen es nicht hin meine Dioptrienzahl festzulegen, bzw. eine Sch\u00e4rfe fest einzustellen. Bei jeder Messung gab es unterschiedliche Ergebnisse. Ich wurde als T6 ausgemustert. Soweit war es (fast) noch Spa\u00df.<\/p>\n<h3>1993 &#8211; Diagnose Keratokonus<\/h3>\n<p><strong>1993<\/strong> merkte ich selbst, dass ich bei der Arbeit immer schneller erm\u00fcdete, dass die Augen angestrengt waren, mir Teile immer wieder verschwammen. Zudem hatte ich immer h\u00e4ufiger schwere Kopfschmerzen. Schon schnell war klar, dass man mit normalen Kontaktlinsen nichts ausrichten konnte. Nach ersten nicht tragbaren Linsen vom Optiker nebenan, wurde ich durch meine Augen\u00e4rztin zu einem Spezialisten geschickt.<\/p>\n<p>Als ich dann <strong>1994<\/strong> meine ersten ma\u00dfgefertigten Linsen angepasst bekam, war ich guter Hoffnung wieder normal schauen zu k\u00f6nnen. Vielmehr nahm ich nach dem ersten Brennen in den Augen eine v\u00f6llig neue Welt war.<\/p>\n<h3>1994 &#8211; Erste Linsen in einer &#8222;Neuen Welt&#8220;<\/h3>\n<p>Der Keratokonus war so langsam fortgeschritten, dass ich es selbst nicht mitbekommen hatte. F\u00fcr mich war meine Sicht &#8222;normal&#8220;. Mit den Linsen erst sah ich, was um mich herum geschah: Die Mitmenschen waren bei weitem nicht so makellos, wie ich bis dahin glauben musste.<\/p>\n<p>Marmor hatte Adern, ebenso wie Bl\u00e4tterwerk an den B\u00e4umen. Alles war so voller Konturen, wie eine fast schon fremdartige Welt, die man mir bis dahin verheimlicht hatte. Ich konnte sehen, wie man mich ansah. Ein Unterschied wie zwischen einem alten 50Hz-R\u00f6hren-Fernseher und einem 4K-Bildschirm. Eine v\u00f6llig neue Welt. Es war wie OTTO in dem Film 7 Zwerge, als er das erste Mal in den Wald ging und auf Rotk\u00e4ppchen stie\u00df.<\/p>\n<p>Leider vertrug ich die Linsen nicht auf Dauer. Immer wieder musste umgeschliffen werden, bzw. mit anderen Materialien neu angefangen werden. Doch nie bekam ich eine dauerhafte Vertr\u00e4glichkeit.<\/p>\n<p>Mein damaliger Augenarzt riet mir zu einer Hornhauttransplantation, bei der meine erkrankte Hornhaut durch eine Spenderhaut ersetzt w\u00fcrde. Somit k\u00f6nne sich der Zustand nicht weiter verschlechtern und es w\u00e4re eine gewisse Chance vorhanden, dass ich auch ohne Sehhilfe wieder besser sehen k\u00f6nne.<\/p>\n<h3>1997 &#8211; Keratoplastik<\/h3>\n<p>Als die OP im Februar <strong>1997<\/strong> durchgef\u00fchrt wurde war ich wiederum voller Hoffnung. Doch dann kamen die Hiobsbotschaften. Wo andere nach knapp 2 Wochen wieder arbeiten konnten, wollte bei mir der Abheilungsprozess nicht so recht vorangehen. Es gab zwar keine Absto\u00dfungsreaktionen, dennoch musste wegen einer Entz\u00fcndungsquelle an der Naht, diese neu gelegt werden, und auch trotz der regelm\u00e4\u00dfigen w\u00f6chentlichen Kontrollen wollte das Auge nicht so recht heilen. Dabei wurde das Transplantat beim Nachziehen auch noch leicht wellig &#8211; so hatte ich den Eindruck. Jedenfalls war meine Heilung nach zwei vollen Jahren nicht vollzogen. Meine Krankmeldung wurde bis dahin im 2-Wochen-Takt verl\u00e4ngert.<\/p>\n<h3>1999 &#8211; Die berufliche Bauchlandung<\/h3>\n<p>Die Krankenkasse steuert einen nach zwei Jahren Krankheit aus und man kann ab da nur wieder arbeiten gehen, oder sich arbeitslos melden, ob man nun gesund ist &#8211; oder nicht. In meiner damaligen Arbeitsstelle rieb man sich die H\u00e4nde. Ein Mitarbeiter, dessen Arbeitsplatz wegen Umstrukturierung eh hinf\u00e4llig war, kam nach zwei Jahren zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Mein Chef verk\u00fcndete: &#8222;Herr Fiedler&#8230; wir sind hier kein Sozialunternehmen. Wenn Sie zur\u00fcckkehren wollen, werden wir Sie auf einen Platz setzen, auf dem Sie garantiert versagen! &#8211; Oder Sie willigen in einen Aufhebungsvertrag ein!&#8220; &#8211; Nun, wenn man so nett gebeten wird&#8230; Ich handelte via Rechtsanwalt und Betriebsrat noch die h\u00f6chste freie Abfindung aus und ging.<\/p>\n<p>Es gab Tage, an denen ich an dieser Zustimmung zweifelte. Ich h\u00e4tte mich der Herausforderung stellen sollen. Aber dann h\u00f6rte ich in den Nachrichten wenige Jahre sp\u00e4ter von der Aufl\u00f6sung der Zentrale, dass es vielleicht Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck war, denn fast alle mussten damals wenige Jahre nach mir ihren Hut nehmen.<\/p>\n<h3>1999 &#8211; Ein beruflicher Neuanfang<\/h3>\n<p>Also war ich arbeitslos und nach wie vor erkrankt. Ein erster Antrag auf den Behinderungsschein wurde abgelehnt. Ich gab mich diesem machtlosen Gef\u00fchl ein wenig zu weit hin, bis mir Ende <strong>1999<\/strong> ein Freund liebevoll in den Hintern trat, damit ich selbigen wieder hochbekam.<\/p>\n<p>Anfangs arbeite ich bei der Zeitarbeitsfirma Rehbein in Hamburg, f\u00fcr die ich Handlanger auf einer Baustelle war, dann wurde ich von einem Deckeninstallateur angeworben. Und so ging es mit wechselnden Zeitarbeitsfirmen und Hilfsarbeiten weiter: Fr\u00fcchte sortieren, Abw\u00e4scher, Baustellenreinigung, M\u00fcllabholer, bis ich mir schlie\u00dflich und endlich auch wieder B\u00fcroarbeiten zutraute.<\/p>\n<p>Bei einer internen \u00e4rztlichen Augenpr\u00fcfung bei Randstad wollte mich der Arzt nur unter der Bedingung nicht bei Randstad melden, wenn ich meine Augen laufend kontrollieren lasse. Leider bekam man aber trotzdem vom Zustand meiner Augen mit und entlie\u00df mich.<\/p>\n<h3>2000 &#8211; Alice im Wunderland<\/h3>\n<p>Zwischenzeitlich versuchte mein Arzt wegen der Nichtvertr\u00e4glichkeit der Linsen irgend etwas mit einer Brille und Prismen in der Sehschule hinzubekommen. Die Versuchsbrille wird dabei mit verschiedenen Prismafolien beklebt, welche die Blickrichtung in eine bestimmte Richtung beeinflussen sollten. Aber nach gut zwei Monaten gaben wir die Versuche auf, da ich den Alice-im-Wunderland-Effekt nicht durchstand. Wie das aussieht?<\/p>\n<p>Nun, alle Rahmen, T\u00fcren, Fenster waren v\u00f6llig unsymetrisch, links gr\u00f6\u00dfer als rechts, oben breiter als unten. Wenn so ein Bild still bleiben w\u00fcrde, h\u00e4tte man sich vielleicht daran gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Aber wenn ich durch den Raum schaute, ver\u00e4nderten sich diese Gegebenheiten st\u00e4ndig, als w\u00e4ren alle R\u00e4umlichkeiten lebendig. Manch einer h\u00e4tte da vermutlich regurgitiert. Die Chancen auf eine Brille mit ausreichender Sehkraft waren somit dahin.<\/p>\n<h3>2000 &#8211; Eine Behelfsbrille<\/h3>\n<p>Um mir wenigstens im Lesebereich helfen zu k\u00f6nnen, fertigte man mir eine Brille, die mich nur auf dem operierten Auge sehtechnisch unterst\u00fctzt und das rechte (bis dahin noch bessere) Auge nur geringf\u00fcgig verst\u00e4rkt, um eben nicht den Wankeleffekt zu haben. Diese Brille konnte ich ausschlie\u00dflich zum Lesen benutzen. Sobald ich sie auf der Nase verga\u00df und damit in die Gegend schaute wurde mir schlecht.<\/p>\n<h3>2000 &#8211; Der Lagerist in mir<\/h3>\n<p>Bei einer Arbeitstauglichkeitspr\u00fcfung durch das Arbeitsamt wurde mir bescheinigt, ich w\u00e4re f\u00fcr B\u00fcroarbeiten nicht mehr voll einsetzbar. Man solle mich als Lageristen oder f\u00fcr einfache T\u00e4tigkeiten einstufen. Trotzdem wurde ich durch die Behinderung als &#8222;schwer vermittelbar&#8220; in die Schublade gepackt.<\/p>\n<h3>2000 &#8211; Behindertenschein v2.0<\/h3>\n<p>Es folgte mein zweiter Anlauf auf den Behindertenschein, welcher wiederum abgelehnt wurde. Zwar gestand man mir einen GDB (Grad der Behinderung) von 40% zu, aber dass sind 10% zu wenig f\u00fcr ein Merkzeichen. man k\u00f6nne nicht Augenleiden, Ohrenleiden mit Migr\u00e4ne und letztlich sogar depressive Entwicklungen in Verbindung bringen und einfach addieren. Man k\u00f6nne nur die Augen als h\u00f6chste Beeintr\u00e4chtigung anrechnen und da w\u00e4ren auf Grund des Gutachtens nur 40% drin. In meiner Wut hatte ich soviel Energie zur\u00fcckgewonnen, dass ich mir selbst beweisen wollte: &#8222;ICH BIN NICHT BEHINDERT!&#8220;<\/p>\n<h3>2000 &#8211; IHK-Zertifikate<\/h3>\n<p>Neben weiterer Zeitarbeit, was f\u00fcr ein Witz &#8211; diesmal f\u00fcr Manpower, besuchte ich zweimal w\u00f6chentlich die Abendschule, um mich zum Netzadministrator weiterzubilden. Nach bestandener Pr\u00fcfung h\u00e4tte ich ein IHK-Zertifkat mit dem sich was anfangen lie\u00dfe. Ich bekam mein Jodel-Diplom Ende 2000 und ich dachte wirklich mir w\u00fcrden sich neue Arbeitswelten erschlie\u00dfen.<\/p>\n<h3>2001 &#8211; Die ComDoc-Story<\/h3>\n<p>So nutzte ich die Chance eines Franchiseunternehmens, welches mich als fliegenden PC-Notdienst losschicken wollte. Seitens des Arbeitsamtes bekam ich \u00dcbergangsgeld und schon war ich selbstst\u00e4ndig. Leider war die ganze Geschichte nicht wie geplant finanzierbar \u00fcber die Investitionsbank. Auch meine Hausbank sch\u00fcttelte den Kopf, da an dem veranschlagten Kreditbedarf von 8.000 Euro &#8222;nichts zu verdienen sei, wie f\u00f6rderungsf\u00e4hig das Projekt selbst auch sei.&#8220; Witzigerweise h\u00e4tte die gleiche Bank mir sofort 18.000 Euro f\u00fcr den gleichen Zweck gegeben. Aber so war ich raus aus der Sache. Und vor allem war ich schon wieder ohne Einkommen.<\/p>\n<h3>2001 &#8211; Manpower<\/h3>\n<p>Ich fand bei der zust\u00e4ndigen Leiterin von Manpower eine verst\u00e4ndige Seele, die meine Einstellung zu meiner &#8222;Nichtbehinderung&#8220; wohl auch verstand und mir die Chance gab, jene die ich brauchte. Ich war viele Male bei Talkline in Elmshorn in den verschiedensten Abteilungen, war drei Jahre hintereinander bei Hawesko im Weihnachtsgesch\u00e4ft t\u00e4tig, habe mich behauptet. Aber dann ging die Leiterin fort und ich wurde einem neuen Leiter zugewiesen.<\/p>\n<h3>2003 &#8211; Ein Fahrradunfall<\/h3>\n<p>Dann hatte ich einen Wegeunfall, bei dem ich mit meinem Fahrrad in eine offene Baustelle gefahren bin und mich dort derbst \u00fcberschlug. Man fragte mich nat\u00fcrlich, wie es dazu kam und ich erz\u00e4hlte frei heraus, dass ich der Adler unter den Blinden sei.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter bekam ich eine Einladung der Filialleitung, die mir mitteilte, dass man mich mit einem solchen Augenfehler unm\u00f6glich ruhigen Gewissens weiter besch\u00e4ftigen k\u00f6nnte und beschuldigte mich sogar unter der Hand durch, ich h\u00e4tte meine Krankheit verschwiegen. Dabei wusste seine Vorg\u00e4ngerin davon, aber was half es? Auch die Tatsache, dass ich dem Unternehmen \u00fcber vier Jahre gute Dienste geleistet hatte, mich viele Manpowerkunden direkt anforderten &#8211; war Ihnen nicht Grund genug, mich zu behalten.<\/p>\n<h3>2004 &#8211; Behindert, oder nicht behindert?<\/h3>\n<p>Also ging ich. Diesmal mit einem neuen Bewusstsein: Wenn mir das Versorgungsamt sagt, ich sei nicht behindert, aber die Wirtschaft mir mitteilt sie k\u00f6nnen mich wegen meines Augenleidens nicht besch\u00e4ftigen, dann muss doch einer &#8222;l\u00fcgen&#8220;. Zu Gesund f\u00fcr einen Behinderten, aber zu behindert f\u00fcr einen Gesunden? Das war die Frage, die sich mir stellte.<\/p>\n<h3>2004 &#8211; Huckepack-Kontaktlinsensystem<\/h3>\n<p>In den Jahren hatte ich schon wieder zwei erfolglose Kontaktlinsen-Anpassungen hinter mir. Selbst ein Kompaktsystem bei dem die ben\u00f6tigten harten Linsen von weichen Huckepack genommen werden sollten, hat nicht funktioniert, weil ich schon auf die weichen Linsen gleich reagierte, wie auf die Harten. Dann gab es noch ein neues Material, welches sehr sauerstoffdurchl\u00e4ssig und deshalb leichter vertr\u00e4glich sein sollte, aber auch hier stellte sich kein Erfolg ein. Die Erkl\u00e4rung war folgende:<\/p>\n<p>Durch die OP-Narbe hat sich eine Treppe in der Hornhaut entwickelt. Die Linse muss entweder sehr flach vor dieser Treppe aufh\u00f6ren, was durch die Beweglichkeit des Auges schwierig ist &#8211; oder besonders gro\u00df, dass es \u00fcber die Treppe hinwegreicht. Ebenfalls durch die Beweglichkeit f\u00fchrt dies aber zu zwei bislang auftretenden Effekten: Entweder kippt die Linse \u00fcber die Treppe, weil die Linse zu flach angelegt ist, oder sie nebelt nach wenigen Stunden durch Bl\u00e4schenbildung ein, als w\u00fcrde man durch Milchglas schauen. Ergo: Linsen sind und bleiben unvertr\u00e4glich!<\/p>\n<h3>2004 &#8211; Agentur f\u00fcr Arbeit<\/h3>\n<p>Ich wandte mich nun <strong>2004<\/strong> wieder an das Arbeitsamt. Dort sah man die M\u00f6glichkeit mich seitens des Arbeitsamtes einem Behinderten gleichzustellen, um mir zumindest was die Arbeit anging ein wenig Hilfestellung zu geben, sofern ich einen Betrieb finden w\u00fcrde, der mich aufnehme.<\/p>\n<p>Zeitgleich bekam ich den Tipp des Blindenvereins, dass Sehgesch\u00e4digte auch oft in helfende Berufe wie Masseur oder Physiotherapeut umgeschult werden w\u00fcrden. Ich besorgte mir die Informationen \u00fcber allerlei Umschulungsanbieter und fand sogar ein F\u00f6rderungswerk bei dem man bewusst nur Sehgesch\u00e4digte umschulte.<\/p>\n<h3>2004 &#8211; Umschul&#8230; ne, doch nicht<\/h3>\n<p>Das Arbeitsamt willigte ein mich beraten zu lassen und durch das BFW D\u00fcren feststellen zu lassen, in wie weit ich noch bef\u00e4higt sei meinem alten Beruf (B\u00fcro), oder der gew\u00fcnschten Helfert\u00e4tigkeit nachzugehen. Das Ergebnis war ziemlich eindeutig: Zwar zeigte ich durchaus Geschick um weiter im B\u00fcro arbeiten zu k\u00f6nnen, aber meine Begabung l\u00e4ge im Beruf des Masseurs\/Physiotherapeuten. Die Therapeutin dort schrieb im Bericht f\u00fcr das Amt den B\u00fcroteil als Dreizeiler und fast zwei Seiten \u00fcber meine wirkliche Bef\u00e4higung und Neigung.<\/p>\n<h3>2004 &#8211; Wiedereingliederung durch das BfW<\/h3>\n<p>Aber das Arbeitsamt sah es pl\u00f6tzlich anders. Das Geld sei knapp, \u00fcber eine Umschulung h\u00e4tte man nie nachgedacht. Vielmehr w\u00fcrde man mich in meinen alten Beruf (B\u00fcro) zur\u00fcckf\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Was sollte ich machen? Also besser den Spatz in der Hand&#8230; ging ich, inzwischen schon nur noch von der ARGE gef\u00f6rdert t\u00e4glich ins BFW D\u00fcren, Zweigstelle Hamburg, wo ich Bewerbungstraining zu meinem Beruf machte.<\/p>\n<h3>2005 &#8211; Renders &amp; Partner<\/h3>\n<p>Schlie\u00dflich bekam ich unglaublich viel positive Resonanz auf meine Bewerbungsflyer, f\u00fcr wie bl\u00f6dsinnig ich die Idee des Flyers am Anfang auch fand und bekam auch drei Vorstellungsgespr\u00e4che. Die Firma Renders &amp; Partner Hochdruck- und Reinigungssysteme GmbH war darunter und war auch nach dem ersten Beschnuppern interessiert an mir. Am <strong>02.01.2005<\/strong> war der erste Tag meines Praktikums, welches zum <strong>01.06.2005<\/strong> zu einer Volleinstellung wurde.<\/p>\n<p>Ich hatte hier meine berufliche Familie gefunden, ganz so, wie ich es in meiner Bewerbung mal eingefordert hatte. Wie in jeder Familie gab es nat\u00fcrlich auch hier mal Meinungsverschiedenheiten, aber im Allgemeinen hatte man sich aneinander gew\u00f6hnt. Dabei wurde sehr viel R\u00fccksicht auf meine Augen und meine Migr\u00e4neanf\u00e4lle genommen. Tageweise fiel ich gerade auf Grund der Kopfschmerzen und der Migr\u00e4ne ganz aus.<\/p>\n<h3>2007 &#8211; Ohren sind auch ein Sinnesorgan<\/h3>\n<p>Als ich wegen meines Ohrenleidens im Fr\u00fchjahr 2007 mein zweites Titanimplantat bekam fiel ich sogar wochenweise ganz aus. Die Ausf\u00e4lle wurden hingenommen. Nur mir selbst ging es damit nicht gut. Die st\u00e4ndigen Ausf\u00e4lle zehrten an meinen Nerven. Ich wollte mehr leisten und wurde laufend durch mich selbst schachmatt gesetzt.<\/p>\n<p>Diese Tendenz war leider seit Jahren steigend. Immer h\u00e4ufiger schaffte ich es zwar bis in die Firma, war dann aber oft \u00fcber Stunden nicht ansprechbar, weil ich aus leichten Kopfschmerzen pl\u00f6tzlich Migr\u00e4ne wurde. Ein vermutlicher Ausl\u00f6ser war sicher auch die konzentrierte Bildschirmarbeit. Aber ich beherrschte nun mal nichts anderes so gut wie das. Im Gegenteil!<\/p>\n<h3>2010 &#8211; Die Augen drehen durch!<\/h3>\n<p>Im M\u00e4rz <strong>2010<\/strong> passierte es dann. Ich bekam in einer Mischung aus Stress und Migr\u00e4ne ein Auge gar nicht mehr auf. Nach Untersuchung des UKE Eppendorf vermutete man, das die Fokussierung beider Augen inzwischen derma\u00dfen unterschiedlich sei, dass das Gehirn es nicht mehr schafft, beide Einzelbilder zu einem verwertbaren Bild zusammenzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Nach ein wenig Training gelang es mir, zumindest die Augen zu wechseln, links f\u00fcrs Lesen, Rechts f\u00fcr die Ferne. Dennoch \u00e4nderte sich meine Sitzhaltung vor dem PC zunehmend, so dass ich immer gebeugter vor dem Bildschirm sa\u00df. Das wurde von der Halswirbels\u00e4ule als nicht tragbar angesehen, wodurch ich auch wieder sehr viele Wochen ausfiel.<\/p>\n<p>Bei einer weiteren Arbeitserprobung in D\u00fcren war f\u00fcr mich klar, dass es keinen Weg mehr zur\u00fcck ins B\u00fcro gab. Der Antrag auf Reha war bereits gestellt und Dank der Mithilfe des BfW, aber auch meiner Sachbearbeiterin im Versorgungsamt, war auch der Behindertenschein jetzt m\u00f6glich: GDB90.<\/p>\n<h3>2010 &#8211; Die Umschulung naht<\/h3>\n<p>Die Zusage zur Umschulung kam dann so unerwartet, dass ich den Anfangstermin erst einmal verschieben musste. Doch im M\u00e4rz 2011 nahm ich Abschied von meiner Heimat, meiner Verlobten und meinen Freunden. In D\u00fcren stellten sich die Zukunftsweichen f\u00fcr Masseur oder Physiotherapeut.<\/p>\n<p>Witzigerweise habe ich seit der &#8222;Auge-ganz-zu&#8220; Geschichte und meinem Ausstieg aus der reinen Arbeitswelt nur etwa eine Handvoll Migr\u00e4nesch\u00fcbe gehabt, die bis dahin ja schon fast an der Tagesordnung waren.<\/p>\n<h3>2010 &#8211; Crosslinking<\/h3>\n<p>Noch vor dem Einstieg in die Umschulung wurde ich nochmals an beiden Augen operiert. Erst bekam ich eine sogenannte Cross-Linking-OP, bei der man versucht die erkrankte Hornhaut durch Aush\u00e4rtung zu stabilisieren. Nun ja, schlimmer als 5% Sehkraft konnte es kaum noch werden, also lie\u00df ich die OP schlie\u00dflich zu, obwohl ich die Kosten selbst tragen musste. Es war kein gesetzlich gepr\u00fcftes Verfahren.<\/p>\n<h3>2010 &#8211; Keratoplastik-Laserung<\/h3>\n<p>Die zweite OP in <strong>2010<\/strong> h\u00e4tte ich mir sparen sollen. Dr. Katz am UKE Eppendorf laserte mich an der Spenderhaut. Angeblich sei der Eingriff gut geworden und h\u00e4tte eine Gl\u00e4ttung der ganzen Oberfl\u00e4che zur Folge. Ich m\u00fcsste nur noch ein weiteres Mal unters Messer, um mir eine Katarakt-Linse unterpflanzen zu lassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_698\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-698\" data-attachment-id=\"698\" data-permalink=\"https:\/\/yakobo.de\/?attachment_id=698\" data-orig-file=\"https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0.jpg\" data-orig-size=\"1600,1200\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Mein Auge 2013-09-23\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Im Bfw Halle hatte man die M\u00f6glichkeit sich ausf\u00fchrlich mit meiner Sehminderung zu besch\u00e4ftigen und Fotos zu machen. Da diese digital gespeichert wurden, habe ich mir das Bild mitnehmen d\u00fcrfen. ich finde, man sieht ganz gut den Rand der Keratoplastik&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Keratoplastik 2012&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0-1024x768.jpg\" class=\"size-large wp-image-698\" src=\"http:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0-1024x768.jpg\" alt=\"Keratoplastik 2012\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0-300x225.jpg 300w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0-128x96.jpg 128w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0-600x450.jpg 600w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0-800x600.jpg 800w, https:\/\/yakobo.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Fiedler_Kay_20130923_11-14-19_0.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-698\" class=\"wp-caption-text\"><strong>Keratoplastik 2012<\/strong><\/p><\/div>\n<p>Nochmal unters Messer? Bislang verbesserte <strong>keine<\/strong> AugenOP auch nur ansatzweise meine Situation. Nach diesem letzten Eingriff war ich links nahezu blind. Nur noch im Nahbereich unter 20 cm sah ich gestochen scharf. Dar\u00fcber hinaus waren es fast nur noch Farben. Ganz toll war allerdings der Nebeneffekt:<\/p>\n<p>Bei geringster k\u00f6rperlicher Belastung sehe ich meinen Puls im Auge pochen, dass hei\u00dft das jenes Bisschen das ich sehe sich dadurch nochmal durch Hell-\/dunkel-Pulsation verschlimmert. Herzlichen Dank f\u00fcr diesen Spezialeffekt.<\/p>\n<h3>2013 &#8211; Neue Brille<\/h3>\n<p><strong>2013<\/strong> hatte mir mit den Werten des UKE Eppendorfs in 2012 ein Brille anfertigen lassen, die mir half zumindest am PC mit meinem 42&#8243;-TV einigerma\u00dfen lesen und schreiben zu k\u00f6nnen, zumindest kurzfristig. Ich hatte zwei Jahre mit der Brille gewartet, da man mir damals schon sagte, dass die Brille mir eher Nachteile verschaffen w\u00fcrde, wegen der Unterschiedlichkeit und der St\u00e4rke (+\/- 16 Dioptrien). Wir bekamen im BfW alle einen Laptop, aber das Mitschreiben war ohne Brille fast unm\u00f6glich &#8211; daher besser eine schlechte Sehhilfe, als gar keine.<\/p>\n<p>Ansonsten w\u00e4re mir die Pflege und Neugestaltung dieser Homepage auch gar nicht mehr m\u00f6glich. Dank der Brille kann ich auch die Filmdarsteller wieder besser auseinander halten.<\/p>\n<h3>2015 &#8211; Katarakt-OP<\/h3>\n<p>Da sich trotz dem gew\u00fcnschten Stillstand der Krankheit Keratokonus die Sicht von 2012 bis <strong>2014<\/strong> wieder weiter verschlechtert hat, entschied ich mich zu der bereits 2011 angedachten Katarakt-OP (Grauer Star). Bei dieser wird ein kleiner Schnitt am Au\u00dfenrand der Hornhaut gemacht und die eingetr\u00fcbte eigene Linse mittels Ultraschall und Aussp\u00fclung entfernt. Danach wird eine Kunststofflinse als Ersatz untergeschoben.<\/p>\n<p>Seit dem <strong>12.01.2015<\/strong> trage ich jetzt diese neue Linse, kann aber nur mal wieder sagen: &#8222;H\u00e4tte ich es doch gelassen.&#8220; Vor der Katarakt-OP hatte ich dank Brille eine Superscharfe Sicht im Nahbereich bis 20 cm. Ab 30 cm kam nur noch Suppe, aber f\u00fcr Grafikbearbeitung an Handy und PC war die 20 cm-Sicht elementar und machte Spa\u00df.<\/p>\n<p>Nach der Katarakt-OP sind beide Augen einander n\u00e4her in ihrer Unsch\u00e4rfe. Links habe ich sogar nur noch einen gemessene Dioptrien von +1,5, was nat\u00fcrlich statistisch ein Riesenerfolg ist. Dennoch sehe ich seit der OP auf beiden Augen gleich schlecht.<\/p>\n<h3>2015 &#8211; Eine Brille, eine Brille!<\/h3>\n<p>F\u00fcr die Brillenanpassung hie\u00df das im Klartext: Links wurden 1,5 Dioptrien ausgeglichen, rechts kommt nur Glas ohne Korrektur rein. Das sollte zu einer Entspannung des rechten Auges f\u00fchren, da die Dioptrien-St\u00e4rke zwar fast gleich war, durch die operativen Eingriffe aber zwei v\u00f6llig verschiedene Winkel anvisieren. Die Superscharfe Sicht auf 20 cm ist dahin, gleichsam ein gro\u00dfer Teil des Spa\u00dfes am Bearbeiten von Fotografien.<\/p>\n<h3>2020 &#8211; Corneal-Ringsegmente<\/h3>\n<p><strong>2020<\/strong>: In den vergangenen 5 Jahren habe ich gelernt mit der neuen Seh-Situation zu leben. Nat\u00fcrlich informiere ich mich weiter \u00fcber neuere OP-Verfahren, aber alle spekulativen M\u00f6glichkeiten sind nicht via Kasse abzurechnen und in ihrem Erfolg nicht ausreichend best\u00e4tigt, wie z.B. Corneal-Ringe und Ring-Segmente. Die weitere Verschlechterung des allgemeinen Sehgef\u00fchls brachte mich so weit es jetzt doch noch einmal mit Kontaktlinsen zu versuchen, da es auch nach der letzten Diagnose des UK Mainz die einzige Methode bleibt.<\/p>\n<h3>2020 &#8211; Nachstar-OP<\/h3>\n<p>Bei der Routineuntersuchung stellte meine Augen\u00e4rztin fest, dass ich einen Nachstar habe. Das ist nach Katarakt-OPs nicht ungew\u00f6hnlich, betrifft etwa die H\u00e4lfte aller Katarakt-Patienten. Dabei tr\u00fcben sich Fragmente der alten biologischen Linse ein, die noch in der Linsentasche liegengeblieben sind. Diese Ablagerungen werden per Laser unter \u00f6rtlicher Bet\u00e4ubung entfernt und dauert gef\u00fchlte 10 Minuten. Die Erfolgsquote soll dabei bei grandiosen 99,9% liegen. Warum schreie ich eigentlich schon wieder nach der 0,01%-Misserfolgsrate? Ich wei\u00df es nicht!<\/p>\n<p>Auf jeden Fall habe ich jetzt, 3 Wochen Post-OP immer noch ein gro\u00dfes Unsch\u00e4rfefeld, dass je nach Blickrichtung durchs Bild huscht. Pre-OP hatte ich das Feld nicht, h\u00e4tte es aber haben sollen, weshalb es ja weggelasert werden sollte. Erst jetzt sehe ich es und empfinde es als st\u00f6rend. Zum Gl\u00fcck ist das Feld meistens au\u00dferhalb des fixierten Punktes. Aber bei Arbeiten, wie jetzt das Schreiben am PC \u00e4rgert mich das Feld beim Blickwechsel zwischen Tastatur und Bildschirm. Laut meiner \u00c4rztin soll sich Feld noch geben, bzw. konnte sie es auch nach Augenweitstellung nicht einmal feststellen&#8230; (AAARRRGGHH!!!)<\/p>\n<h3>2020 &#8211; Tr\u00fcbung im Glask\u00f6rper<\/h3>\n<p><strong>September 2020<\/strong>: Meine \u00c4rztin hat beim neuerlichen Termin das St\u00f6rfeld finden k\u00f6nnen. Super! Es handelt sich ihrer Meinung nach um eine Tr\u00fcbung im Glask\u00f6rper selbst. Man kann sich die Struktur des Innenauges vorstellen aus eine Mischung aus kollagenen Fasern, die von Geburt an gerade ausgerichtet sind, \u00e4hnlich eines fabrikneuen Feinripp-Radiators.<\/p>\n<p>Mit zunehmenden Alter schrumpft der Augapfel und man erh\u00e4lt durch zunehmende Unordnung der Kollagene das Ph\u00e4nomen von tanzenden Fliegen, oder Punkten im Gesichtsfeld. Das mit dem Alter kann ich nachvollziehen, aber bei mir tauchte dieses recht gro\u00dfe Nebelfeld direkt Post-OP auf, was mich nur auf den Operateur r\u00fcckschliessen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Dumm an dem Befund ist nur, dass sich die Tr\u00fcbung im Glask\u00f6rper nicht operativ beheben l\u00e4sst. Es gibt zwar eine Therapie f\u00fcr wirkliche H\u00e4rtef\u00e4lle, bei der das ganze Augenwasser entfernt wird und durch Ersatzfl\u00fcssigkeit getauscht wird, aber die Misserfolgsquote liegt laut Klinikseite bei satten 30% und wird absolut nur als letzter Ausweg gesehen, da ein Misserfolg auch komplette Erblindung bedeuten k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3>2022 &#8211; Kontaktlinsen v7.01<\/h3>\n<p><strong>Juni 2022:<\/strong> Ich versuche es jetzt noch ein aller letztes Mal mit Kontaktlinsen. Es gibt keine nachhaltige Erfolgschance f\u00fcr eine OP und Linsen sind immer noch das einzige Mittel, mit dem ich evtl. wieder auf 100% Sehleistung zur\u00fcckkomme, selbst wenn die Tragezeiten vielleicht nur gering sind! F\u00fcr ein paar Stunden am Tag wieder sehen k\u00f6nnen, das w\u00e4re schon was! Also ran den Speck! &#8230; Mal wieder! Die Kosten\u00fcbernahme seitens der Barmer ist da, dann kann es jetzt richtig losgehen!<\/p>\n<h2><strong>DER &#8218;BLINDE&#8216; MANN AN DER KAMERA<\/strong><\/h2>\n<p>Meine Fotos sind fast ausschlie\u00dflich Zufallsprodukte. Nat\u00fcrlich habe ich eine Vorstellung des Motivs, eine Ahnung, wie das Ergebnis aussehen k\u00f6nnte. Ich halte dann drauf und dr\u00fccke auch zweimal mehr auf den Ausl\u00f6ser. Die Ergebnisse beschaue ich mir am PC. Da erst erfahre ich, wo ich war und was ich gesehen habe, ob mein Instinkt richtig war. Quasi ein richtig tolles SehBehindi-Hobby mit \u00dcberraschungseffekt!<\/p>\n<h2><strong>DER &#8218;BLINDE&#8216; MANN AM PC<\/strong><\/h2>\n<p>Viele fragten sich, wie ich \u00fcberhaupt den ganzen Tag vor dieser Kiste hocken kann und die Antwort ist relativ einfach: Die Welt durch die ich mich am PC bewege ist immer auf seine 17&#8243;-24&#8243; (inzw. 42&#8243;) begrenzt, bringt mir selten \u00dcberraschungen und ich bewege mich in einer \u00fcberschaubaren Welt, die ich kenne. Die Sehentfernung ist immer gleich und \u00e4ndert sich nicht, als w\u00fcrde ich durch die Gegend laufen. Es ist f\u00fcr mich ein entspannteres Schauen, als w\u00fcrde ich durch die Stadt gehen.<\/p>\n<p>Erst auf Fotos von Aktivit\u00e4ten mit Familie, Firma und Freunden sehe ich, wer so alles mit mir war, wem ich begegnet bin und ob alle gut drauf waren. Direkt w\u00e4hrend einer Feier konnte ich mir so ein Bild nur selten machen.<\/p>\n<h5>Virtuelle Welten<\/h5>\n<p>Dank der virtuellen Welten kann ich bis zu den Bergen schauen, sehe den Himmel und die Sterne. Eine falsche Trugwelt &#8211; aber f\u00fcr mich realer sichtbar als die Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Schon oft tauchte die Frage auf, wieso ich auch Privat so viel am PC hocke. Wenn meine Augen so schlecht w\u00e4ren, m\u00fcsste ich doch wenigstens in der Freizeit darauf verzichten, um die Augen f\u00fcr die Arbeit zu schonen. Ich sehe es genau umgekehrt. Wenn ich dem Spa\u00df des Computerspielens nicht mehr nachgehen kann, werde ich auch nicht mehr am PC beruflich arbeiten wollen\/k\u00f6nnen. Ich lebe nicht um zu Arbeiten. Ich arbeite um zu Leben. Am PC Spielen ist eines meiner gr\u00f6\u00dften Hobbies, dass durch die Arbeit finanziert wird, nicht umgekehrt!<\/p>\n<p>Zudem ist es ein weiter Unterschied, ob ich am PC mit Schrift und Zahlen jonglieren muss &#8211; oder eine Spielfigur durch eine virtuelle Welt steuere. Von anderen kommt dann der Spruch: &#8222;Ja, aber im wirklichen Leben&#8230; &#8211; da muss man mal raus&#8230; &#8211; am PC verbl\u00f6det man ja nur&#8230;&#8220;<\/p>\n<h4>Kulturschock, oder sowas \u00c4hnliches<\/h4>\n<p>Auf der Stra\u00dfe, im Gegensatz zur Bildschirmwelt, muss ich zu 100% gespannt sein, muss mit Unvorgesehenem rechnen, einer spiegelnden Sonnenreflexion, einem pl\u00f6tzlich auf die Stra\u00dfe fahrenden Kind, ein hupendes Auto, ein Warnsignal dass ich \u00fcberh\u00f6re und und und&#8230; ein F\u00fcllhorn an Dingen, die ich wegen der Augen UND der Ohren nicht mitbekomme, die mir meine Au\u00dfenwelt zu einer unwegsameren Fremdzone machen. Meine Au\u00dfenwelt besteht aus zu dunklen und zu hellen farbigen Fl\u00e4chen ohne wirkliche Konturen.<\/p>\n<p>Ich bin trotzdem gerne drau\u00dfen und unter Menschen, nur es ist immer ein Abenteuer f\u00fcr sich. (Um es scherzhaft auszudr\u00fccken: die KI\/AI ist nicht immer ausgereift, die Steuerung ist in den Kurven mangelhaft und die Grafikengine k\u00f6nnte konturreicher sein! Selbst der insgesamt vielseitige Sound ist mit der d\u00fcnnen 32kb\/s-Abtastung weit unter Standard.)<\/p>\n<h2><strong>Und jetzt zum eigentlichen Thema &#8211; Wie guckt der Typ:<\/strong><\/h2>\n<p>Nehmen Sie Ihre Lieblingssonnenbrille mit raus an einem sonnigen Tag. Haben Sie dann schon mal vergessen, diese noch auf dem Kopf zu haben, und sich gewundert, dass es \u00fcberall im Haus so dunkel war? Nun, ich brauche daf\u00fcr keine Sonnenbrille. Wo andere im Dunkeln den Kantstein am Stra\u00dfenrand noch sehen, stolpere ich ihn runter bzw. trete in den Hundehaufen. F\u00fcr mich ist es also immer um eine Sonnenbrillenst\u00e4rke dunkler.<\/p>\n<p>Sternenhimmel sehe ich im Regelfall nur noch, wenn er im Film oder im Spiel gezeigt wird.<\/p>\n<p>Zum krassem Ausgleich wirken f\u00fcr mich Sonnenlicht oder Scheinwerfer etc.. Jene blenden mich manchmal so sehr, dass mir zeitweise die Orientierung abhanden kommt. Nebenbei k\u00f6nnen diese Blendungen Ausl\u00f6ser der Migr\u00e4ne sein. Ich bin also schon ohne Linsen extrem lichtempfindlich und arbeite daher am Liebsten im Halbdunkel.<\/p>\n<p>Verst\u00e4rkt wird der Blendeffekt bei jedem Linsenversuch, weil hier neben der Sehsch\u00e4rfe auch die Lichtempfindlichkeit steil bergauf geht, so dass ich nicht nur wegen des Fremdk\u00f6rpergef\u00fchls die Augen zusammenkneife, sondern auch wegen der Helligkeit. Das f\u00fchrt zu einem noch eingeschr\u00e4nkertem Blickradius und gibt mir erst recht das Gef\u00fchl des Behindertseins. Dabei sollten die Linsen ja eigentlich den umgekehrten Effekt auf mich haben. Ich sollte mich besser damit f\u00fchlen und es leichter haben.<\/p>\n<h1><strong>Und, wie h\u00f6rt der Typ:<\/strong><\/h1>\n<p>Nun, mein linkes H\u00f6rimplantat bekam ich schon <strong>1984 <\/strong>mit gerade mal 13 Jahren. Ich hatte Blackouts, bei denen ich einfach vom Fahrrad fiel &#8211; Totaler Bild und Tonausfall f\u00fcr wenige Sekunden. Man stellte ein gest\u00f6rtes Gleichgewichtsgef\u00fchl fest, eine Verwachsung der Geh\u00f6rg\u00e4nge und durch die mangelnde Innenohrdurchl\u00fcftung ein Zersetzen der Mittelohrknochen. Dadurch fehlten mir links schon fr\u00fch die h\u00f6heren T\u00f6ne. Ich bekam durch einen japanischen Spezialisten ein Implantat aus eigenem Knorpel gefertigt, den man mir Tage vor der eigentlichen OP an anderer Stelle entnahm.<\/p>\n<h3>1985-2006 Nichts au\u00dfer stetige Kontrolle<\/h3>\n<p>Am rechten Ohr hatte ich die gleiche Problematik, allerdings wollte sich mein HNO-Arzt mit der Prothese mehr Zeit lassen. Ihm war klar, dass sich durch die Prothese zwar die st\u00e4ndigen Mittelohrentz\u00fcndungen der folgenden Jahrzehnte h\u00e4tten eind\u00e4mmen k\u00f6nnen, aber das das beste Geh\u00f6r immer noch das eigene w\u00e4re. Solange die Kn\u00f6chelchen halbwegs intakt w\u00e4ren, wollte er nicht dabei gehen.<\/p>\n<h3>2007 &#8211; Das zweite Implantat<\/h3>\n<p>Nun, <strong>2007<\/strong> war der Zeitpunkt der zweiten OP gekommen. Ich h\u00f6rte immer schlechter, verlor auf der rechten Seite immer mehr an den hohen T\u00f6nen. Also bekam ich dort mein zweites Implantat. Diesmal eine Titanprothese.<\/p>\n<p>Die Mittelohrentz\u00fcndungen sind nur &#8222;etwas&#8220; zur\u00fcck gegangen. Die H\u00f6hen sind durch die OPs nicht wieder hergestellt worden. Es ist, wie mein HNO-Arzt schon sagte: &#8222;Es wird anders sein, nicht besser.&#8220;<\/p>\n<p>Die gleiche Einstellung vertrat er zu H\u00f6rger\u00e4ten: Sie w\u00fcrden meine H\u00f6rleistung nicht verbessern, also glaubte ich ihm und lie\u00df die Finger davon.<\/p>\n<h3>2012 &#8211; H\u00f6rger\u00e4te<\/h3>\n<p><strong>2012<\/strong> hatte ich so eine starke Ohrenentz\u00fcndung, dass ich mir in Mainz einen HNO-Arzt suchen musste. Sie vertrat im Bezug auf die H\u00f6rger\u00e4te die Auffassung, dass man es durchaus probieren sollte. Wenn es nicht helfen w\u00fcrde, k\u00f6nnte ich ja wieder darauf verzichten.<\/p>\n<p>Es war enorm, welchen Gewinn ich durch die H\u00f6rger\u00e4te hatte. Gerade in der Stadt f\u00fchlte ich mich viel sicherer und in der Schule konnte ich dem Unterricht besser folgen. Und dann?<\/p>\n<h3>2012 &#8211; Entz\u00fcndung hoch drei<\/h3>\n<p>St\u00e4ndige Mittelohrentz\u00fcndung! Der zweite Kollege in der HNO-Praxis sagte, dass w\u00e4re abzusehen gewesen. Denn: Um die Titanimplantate setzen zu k\u00f6nnen, muss logischerweise das Trommelfell ersetzt werden. Dieses Trommelfell wird ebenso wie meine Augenspenderhaut nicht optimal versorgt und stellt immer eine gewisse Gefahr f\u00fcr Entz\u00fcndungen dar.<\/p>\n<p>Durch das H\u00f6rger\u00e4t wird der Ohrenmittelraum wieder in der Luftzufuhr gehemmt und das feuchte Milieu sorgt erneut f\u00fcr Entz\u00fcndungen. Im Fachjargon hei\u00dft das: H\u00f6rger\u00e4te sind bei Transplantaten kontraindiziert!<\/p>\n<p>Normalerweise gibt es im gesunden Innenohr keine gest\u00f6rte Basalschicht, die unendlich Haut produziert. Bei mir existiert dort jedoch dank Schuppenflechte diese unterste gest\u00f6rte Hautkeimschicht. Die abgeschuppten Hautzellen k\u00f6nnen im Innenohr nicht ausreichend schnell durch die L\u00fcftung oder den Schmalzfluss abtransportiert werden und f\u00fchren zus\u00e4tzlich zu der Verwachsung zu den Entz\u00fcndungen.<\/p>\n<h3>2014 &#8211; G&#8230;HIRN!!!<\/h3>\n<p>Im Fr\u00fchjahr <strong>2014<\/strong> musste das linke Ohr erneut operiert werden: Die st\u00e4ndige Mittelohrentz\u00fcndung musste entfernt werden, damit sich die Entz\u00fcndung nicht zum Gehirn durcharbeitet. Die H\u00f6rleistung konnte dabei nicht wiederhergestellt werden, aber dass hatte man mir bereits vor der OP erkl\u00e4rt.<\/p>\n<h3>2019 &#8211; Beidseitige Ballondilatation<\/h3>\n<p><strong>2019<\/strong> wurden meine Geh\u00f6rg\u00e4nge durch ein Ballonverfahren geweitet, was gef\u00fchlt einige Monate f\u00fcr weniger Probleme mit der H\u00f6rqualit\u00e4t f\u00fchrte. Diese OP l\u00e4sst sich problemlos wiederholen, da dabei keinerlei Schnitte n\u00f6tig sind.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.paypal.com\/en_US\/i\/btn\/btn_donateCC_LG.gif\" alt=\"Donate Button with Credit Cards\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keratokonus, wie wirkt sich das aus? Ich habe versucht einige Effekte in Bildern festzuhalten. 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